Bienen in Öko-Obstanlagen

  • Hallo liebe Forenmitglieder!


    Ich schreibe gerade an einer Bachelorarbeit zum Thema "Bienen in ökologischen Obstbau - Wie kann der Öko-Obstbau bienenfördernd arbeiten?"
    Das Thema ist noch nicht ganz genau festgelegt, aber in diese Richtung soll es gehen.
    Ich möchte untersuchen, mit welchen Mitteln der Obstanbau, vor allem im ökologischen Anbau, Bienen fördern kann.
    Mir geht es bei der Arbeit also nicht darum, was die Bienen für uns tun (Bestäubungsleistung etc.), sondern was wir für die Bienen tun können.
    Ich bin gelernte Obstgärtnerin und studiere zur Zeit Naturschutz, deswegen möchte ich das ganze am Beispiel des Obstbaus untersuchen.


    Vielleicht kann mir der ein oder andere ein bisschen von seinen oder ihren Erfahrungen berichten?
    Was sagen die Imker, die ihre Bienen in Obstanlagen fliegen lassen? Was sagen Obstbauern? Wie haltet ihr die Bienen nach der Ernte in den Anlagen oder macht man das gar nicht? Macht es Sinn, Blumenwiesen rings um die Obstanlage oder zwischendrin zu sähen, welche strukturfördernden Maßnahmen führt ihr durch (kleine Sträucher zwischen die Obstarten, Wiesen, Hecken, Altbäume etc.)?


    Ich würde mich sehr über ein paar Antworten und Anregungen zu Diskussionen freuen!


    Vielen Dank schonmal im Voraus!
    Summi

  • Hallo Summi,


    der Ökolandbau tut schon per sé (schreibt man das so?) viel für die Insekten.
    Forcierung von "bienengängigen" Blühpflanzen bringt dann noch mehr.
    Z.B. blühende Stickstoffsammler unter Obstkulturen.
    Zwischenkulturen von z.B. Phacelia für Bodenverbesserung und Bienen.
    Mauerbegrünung mit Efeu u.s.w.
    Wenn Fläche genug vorhanden ist: Heckenkultur mit Bienenbäumen und Blühsträuchern.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Summi,
    nach der Blüte, kannst du die Bienen nicht mehr in dem Gelände halten. Wenn es dann später im Jahr andere Trachten gibt, z.B. Wald dann fliegen die Bienen auch dort hin.


    Lg
    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo
    Imker haben mit Obstanlagen so ihre Probleme. Die inzwischen weitverbreiteten Netze gelten nicht als bienenfreundlich und werden auch oft schön während der Blüte aufgespannt. Der Ertrag für Imker ist mehr als bescheiden und decken nicht die Aufwanderungskosten, denn die lukrativen Löwenzahnblüten werden weg gemulcht. Mein Problem war immer auch der Nachbar. Hat sich mein Obstbauer an die Spritzvorgaben gehalten, war das vom Nachbarn nicht zu erwarten.


    Am Bodensee wandern die örtlichen Imker während der Blüte sogar ab. Aussage eines Obstbauern, welcher fremde Imker mit einer Prämie von 30 € an lockte. Mein Freund ist gefolgt. Erfolg: Bei einer Wegstrecke von 2 x 400 km, 6 kg Ertrag pro Volk und Völker, welche wehrlos in den Wabengassen hingen. Obwohl er versicherte nicht in die Blüten zu spritzen, erzählte uns seine Frau, dass sie den ganzen Tag auf dem Traktor sitze und spritze. So weit integrierter Anbau.


    Ökoanlagen sind viel zu klein um einen positiven Einfluss zu haben. Ist ein Rapsfeld in der Nähe, Umkreis 2 km, wird es zuerst beflogen.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Auch hier halten sich die meisten Imker wegen schlechter Refahrungen von den Obstanlagen fern.
    Außerdem wird, wie schon Remstalimker schreibt, zumindest die Apfelblüte voll von der Rapsblüte überlagert.
    Gruß Peter

  • Hallo Summi, hallo zusammen,


    mensch, da fragt doch mal einer aus der Landwirtschaft, was er/sie (?) für die Bienen tun kann - ist doch großartig!
    Ist denn der "Obstbau" allgemein gefragt, oder bestimmte Kulturen?
    Keine Spritzmittel einzusetzen versteht sich wahrscheinlich von selbst, aber könnte es nicht noch andere Ansätze geben?


    Ich spinn jetzt mal rum: Könnte man eine Untersaat ausbringen oder zusätzliche Gehölze zwischenpflanzen, die die Völker vor der Obstblüte so fördern, dass die Völker passend zur Hauptblüte besonders stark sind? Also sowas wie eine "natürliche Reizfütterung". Würde das überhaupt funktionieren?


    Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hi, unsere Naturland-Völker stehen schon seit einigen Jahren bei einem Bio-Obstbauer. Das Wichtigste dabei ist für mich als Imker, dass ich eben nicht - wie vielleicht beim konventionellen Obstbau - Angst um Bienenverluste durch Spritzschäden haben muss. Der verantwortliche Umgang mit Ressourcen und der explizite Schutz der Bienen sind mir dabei wichtig. Bei Gesprächen mit Bio- und konventionellen Bauern gibt es da leider manchmal unterschiedliche Meinungen. Ich möchte das nicht pauschalisieren, wenn ein Obstbauer aber sagt, er brauche keine Bienen sagt das schon einiges!


    Weiter profitieren beide davon, die Obstbauern durch die Bestäubungsleistung und die Imker durch den höheren Ertrag. Gerade für Bio-Imker sind ja konventionelle Massentrachten problematisch, bei uns gibt es z.B. keinen Bio-Raps, da ist das Obst eine willkommene (Früh-)Tracht.


    Je nach Lage der Obstplantage ist aber die Nektar- und Pollenversorgung nach der Tracht schwierig, daher wandern wir von einem Standort normalerweise nach der Obstblüte auch wieder ab. Das wäre ggf. anders, wenn Blütenmischungen an Stelle von häufig geschnittenem Gras zwischen den Reihen verwendet werden könnte. Da weißt du aber sicher besser Bescheid, ob der Aufwuchs - das muss ja dann auch zur Blüte kommen - verträglich mit dem Obstertrag und der Baumpflege ist. Ein zweiter Standort ist bei uns dorfnah, auch Wald ist hier in der Nahe, daher können wir hier die Bienen ganzjährig stehen lassen. Alleine mit Obst wäre das nicht möglich.


    Gibt es das Prinzip der Gründüngung eigentlich beim Obst? Oder ist da eine geschlossene Grasnarbe gegen Bodenerrosion usw. wichtiger? Falls ja, könnte man im Herbst mit Senf oder Phacelia, die vor der Einarbeitung noch blüht etwas für die Herbstversorgugn der Bienen tun.


    Während der Blüte ist es meist so, dass die Bäume etwa zur gleichen Zeit blühen (ähnliches Alter der Bäume, alles Apfel, gleiche Sorte). Hier könnte für Imker interessant sein verschiedene Obstarten und -sorten im Flugradius zu haben, damit bei ungünstiger Witterung auch über längere Zeit ein Nektarangebot besteht. Gibt es einen sortenspezifischen Blühkalender für Obst?


    Ein interessantes Thema könnte auch die tageszeitliche Blühzeit von Obst und anderen Nektarpflanze zur Blühte der Bäume sein. Raps und Löwenzahn stehen z.B. in Konkurrenz, da der Raps im Tagesverlauf früher honigt als der Löwenzahn, sind die Bienen dann mal eingeflogen, bleiben sie beim Raps und der Löwenzahn wird verschmäht. Vielleicht gibt es solche Effekte auch bei der Obstblüte, d.h. konkurrierende Pflanzen, die im Tagesverlauf früher honigen. Die Empfehlung könnte dann sein den Anbau in der Nähe von Obstplantagen zu vermeiden ... das aber nur als Randnotiz.

  • Hallo Henrike,


    ja, genau an sowas habe ich gedacht. Ich stecke ja nicht in der Materie (Imkerei), also zumindest nicht praktisch und wollte deshalb mal ein paar ERfahrungen und Meinungen einholen.


    Danke fürs Rumgespinne :wink:

  • Wird gemacht. Ich hab nur gerade soviel zu tun...
    Sorry!


    Summi . Du willst nichts von dir Preisgeben ! Nur wir sollen für deine Bachelorarbeit die Seiten voll tipseln .Wo leben wir denn ?


    Schreibern die Ihr Profil nicht ausfüllen sollte nicht geantwortet werden .


    Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.



  • Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Endlich mal jemand, der dem Ganzen etwas positiver gegenüber steht und mich nicht ganz desilusioniert ;o)


    Ich denke ja, dass Bienen lieber ein abwechslungsreiches Trachtangebot haben und dass, wenn man ihnen das bietet mit eben den Maßnahmen, die du schon z.T. genannt hast und denen, die mir noch so im Kopf rumschweben, sie in der Anlage bleiben und nicht unbedingt zum Raps fliegen. Ich gehe davon aus, dass abwechslungsreiches Futter gesundheitsfördernder ist und die Bienen es auch deshalb anfliegen, oder denke ich da zu naiv?


    Einen Blühkalender gibt es. Ich versuche gerade, einen zu entwerfen, der Obstgehölze und Pflanzen, die (wie sagt man? gut honigen?) viel Nektar und Pollen bieten nach ihrer Blühzeit auflistet. Ich merke schon an den Beiträgen hier und auch in den Büchern, die ich lese, dass ich den Honigertrag nicht ganz aus der Diskussion rauslassen kann...


    Ich forsche weiter...

  • Zitat

    in Konkurrenz, da der Raps im Tagesverlauf früher honigt als der Löwenzahn, sind die Bienen dann mal eingeflogen, bleiben sie beim Raps und der Löwenzahn wird verschmäht.

    Hallo Clemens,
    das kann ich nach elek. Waage und Beobachtung nicht bestätigen. Raps honigte dieses Jahr nur nach 11 Uhr. Könnte am Stellplatz gelegen sein. Löwenzahn und Raps wurde gleichzeitig beflogen. allerdings ohne diese Beitracht keine Zunahmen in den Anlagen (Alterfahrung).


    Wenn Obstbauern keine Bienen haben wollen, könnte die Ursache sein, dass die Anlage sonst ausgedünnt werden muss.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: