Milbensituation

  • Gibt es jetzt Zahlen, wie viel Milben z. B. mitte September noch natürlich abfallen dürfen, um das Volk nicht ernsthaft zu schädigen?
    Lg
    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo Simon,
    immer vorausgesetzt, dass es sich um ein gutes, winterständiges Volk handelt:
    Wenn Du jetzt - nach totaler Brutentnahme und einmaliger Ameisensäurebehandlung des brutlosen Volksteiles - 5 tote Milben pro Tag zählst, ist erst mal alles im grünen Bereich.
    Eine Winterbehandlung ist zwar angesagt (weil Du mehr als 1 Milbe zählst), aber es besteht keine akuter Handlungsbedarf (weil weniger als 10 Milben/Tag fallen).
    Beobachte Dein Volk weiter, und wenn der natürliche Milbenfall bis Ende September steigt, dann mach halt noch eine zweite Sommerbehandlung.
    Bleibt es bis in den Oktober hinein beim derzeitigen Milbenfall, dann hast Du allerdings Zeit bis zur Winterbehandlung und Du kannst Deinem Volk den zusätzlichen Stress ersparen.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • zum Thema Varroa und Reinfektion passt vieleicht meine Beobachtung von heute:


    Anfang August hatte ich meine Wirtschaftsvölker 2 x im Abstand von 19 Tagen mit AS 60%/Schwammtuchmethode behandelt. Es fielen bis Ende August insgesamt ca. 1000 Varroen von einem bestimmten Volk. Ich hatte beobachtet, das es in der letzten Zeit deutlich von Wespen attakiert wurde und das Flugloch auf ca. 10 cm eingeengt.


    Eine Windel am letzten Wochenende unter diesem Volk ergab ca. 70 Varroen in 2 Tagen ! Darauf: Wieder Schwammtuch, 40ml 60%.


    Heute, einen Tag später, lagen ca. 1000 Varroen auf der Windel !
    Das bedeutet für mich, das die Schwammtuchmethode in größeren Zeitabständen, mindestens 3 mal, durchgeführt werden muß. Sonst bleiben zu viele Milben im Volk. Reinfektion ? Ich glaube nicht recht daran. Dagegen habe ich einen anderen Verdacht. Meine Hypothese:


    Ameisensäure wirkt nur prinzipiell in die verdeckelte Brut. In der Praxis (warscheinlich) nur bei Langzeitbehandlung und/oder höherer Konzentration. Damit würde man, ähnlich der Oxalsäure, immer nur die Milben erwischen, die grad auf den Bienen oder sonstwie unterwegs sind. Jeder schlüpfende Brutsatz entläßt erneut eine Milbenflut, die sich munter weiter vermehrt.


    Was haltet ihr davon ?


    Übrigens wirkte dieses Volk heute, nach der Behandlung, bei der Wespenabwehr viel kompakter, wehrhafter und aggressiver !


  • Ameisensäure wirkt nur prinzipiell in die verdeckelte Brut. In der Praxis ... nur bei Langzeitbehandlung und/oder höherer Konzentration.


    ... so ist es!
    Zu niedrige AS-Konzentration ist fü rsehr viele Völkerverluste verantwortlich (und zu hohe für Königinnenverluste!)

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • ... so ist es!
    Zu niedrige AS-Konzentration ist für sehr viele Völkerverluste verantwortlich .......


    Man kann es als Unterdosierung sehen. Das Schwammtuch ist nach 2 tagen trocken.


    Mir ist dabei wichtig, das jeder Schwammtuchanwender SICH DARÜBER BEWUSST IST, das er nicht die Varroen in den Zellen erreicht, weil die Säure zu wenig Zeit hat, dort einzuwirken.


    Er muss sich also darüber klar sein, die Behandlung in Abständen von schätzungsweise 7-10 Tagen mehrfach zu wiederholen, wenn er erfolgreich behandeln will !!

  • Hallo BigBee,
    viele Imker behandeln nicht mehr mit Ameisensäure, wenn sie auf die Varroen erfolgreich wirkt, dann wird auch das Volk massiv geschädigt.
    -Brut wird ausgeräumt
    -gerade schlüpfende Bienen sterben
    -Königinnen nehmen Schaden bzw. sterben.
    Das Resultat: schwache Wintervölker, oft sind die Völker schon vor der Winterbehandlung tot.


    E. Alfranseder


  • Er muss sich also darüber klar sein, die Behandlung in Abständen von schätzungsweise 7-10 Tagen mehrfach zu wiederholen, wenn er erfolgreich behandeln will !!


    Lieber Reiner,


    anfangs habe ich auch mit dem Schwammtuch behandelt und zwar 3 mal alle 3 Tage. Bei sehr vielen gefallenen Milben 4 mal alle drei Tage. So habe ich es von meinem damaligen Imkerpaten erklärt bekommen mit den Argumenten, die Du nanntest, abereben nicht alle 7-10 Tage, sondern alle 3 Tage. Nach systematischen Untersuchungen habe ich nie geschaut. Wir wird das bei uns im Verein eigentlich gelehrt?


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • ... viele Imker behandeln nicht mehr mit Ameisensäure ...

    Es gibt wohl welche, die benutzen so Umluftverfahren mit OS-Verdampfung in aufgesetzten Rahmen. :eek:


    AS60 wirkt auch bei der Schwammtuchanwendung in die Brut. Das ist hinreichend untersucht und auch erprobt. Sie wirkt nur in die Brut nicht annähernd so effektiv wie auf die freien Milben. Deshalb ist es wichtig, einen Schwammtuchbehandlung im 7-Tage-Zyklus zu absolvieren und so auch den eingedeckelten Varroen die Chance zu geben, an zwei Behandlungen teil zu nehmen. Diese Behandlung wird dann solange fortgesetzt, bis der Milbenfall auf 1 Milbe pro Tag gesunken ist.


    Wir hatten gerade gestern den Dr. Jens Radtke bei uns im Verein und haben uns der Thematik recht tief gewidmet. Herr Dr. Radtke behandelt mit Schwammtuch 60% von oben bei etwas höherer Dosierung als ich und er behandelt auch immer nur nach Befallsanalyse. Mir reicht dazu die Windel (ohne Bausperre) er ermittelt per bienennmordender Spülprobe, aber eben sehr exakt.
    Es ist bekannt, daß mit AS behandelte Milben auf der Windel leben und bewegungsfähig sind. Es ist nicht bekannt, ob sie sich vollständig erholen können. In Zellen würden sie jedenfalls nicht ins Gras fallen und hätten Zeit sich zu regenerieren.


    Wir kennen das aus dem Boxen. Dort rettet einen übel verkloppten Herrausforderer das eine ums andere Mal der Rundengong. Käme der nicht, und gäbe es keine Erholungsphase ohne weitere Gesichtsverbeulung, dann wäre vermutlich zwei drei Schläge später das ganze schöne B-Promi-Fernsehspektakel schon zu ende. Man läßt sich den armen Kerl erst nochmal Bißchen erholen ehe der wieder eine vor'n Latz kriegt. Nicht dasser noch vorm dritten Werbeblock ausfällt.


    Genau so sollten wir aber eben mit der Milbenpopulation nicht umgehen. Hier ist Nachtreten das Mittel der Wahl! Nicht erst Erholung oder sportliche Fairness, sondern der geschwächten angeschlagenen Milbe (in der Zelle) gleich nochmal eine drauf haun! Und notfalls gleich hinterher wieder eine. Beule auf Beule und immer wieder. Die zweite Beschwammtuchung wirkt auf die angeschlagenen Milben deutlich besser als der erste Durchgang, was häufig nicht bemerkt wird, weil in der zweiten Runde nicht so viele Milben fallen. Die kommen aber aus einer bereits stark abgeschmolzenen Population. Es ist folglich eine Sünde, eine Wiederholungsbehandlung bei vorhandenen Befall aufzuschieben. Eine (Bienen)-Todsünde.


    Profiboxer wissen dem. Und wir können sehen, wie sie alle Kräfte mobilisieren, sobald sie merken, daß dem Gegener angeschlagen ist. Die wollen das dann zu Ende bringen und dem auf der Knie zwingen. Da hängen die sich richtig rein und geben alles. Fällter dann nich um, ham se in der nächsten Runde - voll verausgabt - wieder die gleiche Aufgabe und fangen von vorne an. Selbst der schädelweiche Profiboxer weiß dem. Das Imker nich.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ... es ist warscheinlich egal, ob 3, 7 oder 10 Tage. Hauptsache: "Nachtreten". s.oben.

    Nein das ist durchaus eben nicht egal. Es geht nicht darum mit Hilfe der Schwammtücher eine Langzeitbehandlung nachzubilden. Es geht auch nicht darum eine dauernd hohe Konzentration an Säuredampf zu erzeugen. Wer alle 3 Tage Schwammtücher auflegt, kann sinnvollerweise auf eine Langzeitbehandlung wechseln. LD zum Beispiel. Alle 3 Tage einen solchen Betterknaller wie AS Schwammtuch, ist vor allem für die Bienen ein Problem und daher kommt wohl auch die Ansage mit geschrumpften Völkern.


    Wir dürfen ja bei allem Schlachtengeheul gegen die Milben das Wehklagen unserer Bienen nicht überhören!


    Sieben Tage sind nun mal das Optimum, genau wie zwei Ohren oder 10 Finger.
    Was Optimaleres gibt es nicht.
    Sieben Tage sind somit das Optimalste überhaupt.
    (von wegen, das gibt es nicht!)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Sieben Tage sind nun mal das Optimum

    ...


    Sehr schön, werde ich mir merken. Gibt es dazu eine Untersuchung, die ich nachlesen kann?
    Normalerweise behandele ich mit Nassenheider 180 ml 60% AS über 8-10 Tage.
    Aber wenn mal ne Leerzarge fehlt oder anderer Leute Behandlungskonzept beurteilt werden soll.


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • ..... Es geht nicht darum mit Hilfe der Schwammtücher eine Langzeitbehandlung nachzubilden ...


    ok, das leuchtet mir ein.
    in "Varroa unter Kontrolle" 2.Auflage http://www.diebiene.de/online/102422/Varroa.pdf werden " .... 3-4 Anwendungen im Abstand von 4-7 Tagen " empfohlen. Das passt denn ja.


    Deinen Hinweis auf Jens Radtke fand ich gut ! Den Mann schätze ich sehr, denn er forscht an der Idee, möglichst nur, wenn notwendig, Chemie (=Säure) in die Völker zu bringen und die Milbe rechtzeitig durch radikale Brutentnahme im Zaum zu halten. Und die Bienenprobe entnimmt er, um abzuschätzen, ob eine Behandlung erforderlich ist oder nicht. Er will dabei herausfinden, welches seiner Völker mit der Milbe besser umgehen kann als andere.


    Der Gedanke ist wirklich gut denn er geht in die Richtung einer sich entwickelnden Varroatoleranz.
    In der Praxis ist das aber wirklich knifflig ! Gunnar und ich haben über die Puderzuckermethode versucht, an ähnlche Erkenntnisse zu kommen. Aber zu eine Entscheidung - Behandeln oder nicht - mochten wir uns nicht durchringen. Zuletzt wurde - sicher ist sicher - eben behandelt !

  • Normalerweise behandele ich mit Nassenheider 180 ml 60% AS über 8-10 Tage.

    Dann bleibe dabei und werde Meister Deines Faches! Wer (s)eine vielleicht nicht optimale Methode beherrscht und ihre Schwächen kennt und einrechnet und daher auch sofort bemerkt, wenn ein Fehler passiert, der ist besser, als einer, der eine eigentlich bessere Methode falsch macht.


    Es gilt unbestritten, daß es nicht nur eine Methode der Entmilbung und der milbenreduzierenden Völkerführung gibt. Also müssen auch andere Verfahren brauchbar funktionieren. Das ist aber nicht wichtig, wenn man mit der eigenen Methode (und bekannten tolerierten Einschränkungen) gut und erfolgreich klar kommt und sich auch angepaßt hat. Ist Bißchen wie in der Ehe. Die Beste Ehefrau von allen hab ich (mit geringsten Einschränkungen, die Euch nix angehen :wink:) und trotzdem oder gerade deshalb seh' ich gelassen auch mal über'n Zaun. Natürlich gibt es da Interessantes zu entdecken, doch bin ich erfahren genug, zu wissen, daß jedes Ding zwei Seiten hat und die sind bei Meiner eben die schöneren. :)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder