Kirschbaum für Klotzbeute geeignet?

  • Hat von Euch jemand Erfahrungen mit dem Bau von Klotzbeuten?


    Bei einem Verwandten hat ein Sturm vor 4 Wochen einen riesigen Kirschbaum regelrecht zerfetzt.
    Der Onkel hat mich gefragt, ob ich den Baum als Brennholz oder für sonstige Verwendung haben will. Die Äste werden sicher in zwei bis drei Jahren in meinem Haus für Wärme sorgen. Den gerade gewachsenen Stamm mit einem Durchmesser von geschätzten 80 cm und zwei Metern länge finde ich zu schade für den Ofen. Nachdem alle Sägewerke in der Umgebung kein Interesse hatten ist bei mir der Gedanke aufgekommen, aus dem Stamm ein oder zwei Klotzbeuten herzustellen.
    Mal abgesehen vom hohen Gewicht des Holzes, das bei der Klotzbeute ja eigentlich nur einmal beim Transport eine Rolle spielt, ist Kirsche für diesen Zweck geeignet oder gibt es Gründe die dagegen sprechen?


    (meinen Vater, der Schreinermeister und Holzbauingenieur war, kann ich leider nicht mehr fragen)

  • Hallo Wulle!


    Kirsche ist Hartholz. Eine Klotzbeute aus Kirschbaum wird eine lange Zeit halten und bestimmt sehr alt werden. Die Frage ist, ob du es schaffst, den Stamm auszuhöhlen und die Beute zu bauen. Wird dein Werkzeug mit dem harten Holz des Kirschbaums klar kommen?


    Gruß vom Sammler

  • Hartholz ist nicht gleich "gut für aussen" Beispiel Buche ist absolut nicht geeignet für aussen, obwohl es sehr hart ist


    Und ich glaube das trifft auch auf Kirsche zu, sehr schönes Holz aber nicht umbedingt für aussen, gibt aber wunderbare Möbel

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie

  • Moin


    prinzipiell hat Kurt recht, Kirschholz ist nicht allzu wetterbeständig im Außenbereich. Aber ne Klotzbeute ist ja "einfach" nur nen aufgeschnittener und ausgehölter Stamm, oder täuscht mich mein rudimentäres Anfängerverständnis ? D.h. wiederum, das außen die Rinde noch dran ist und die ist ausreichend wasserabweisend, das deine Klotzbeute ein paar Jahre draußen überstehen sollte. So 5-10 Jahre würde ich schon schätzen, wenn noch von oben ein vernünftiger phys. Holzschutz gegeben ist (Dachüberstand) und auch unten nicht im Wasser steht sollte das sogar noch länger halten.
    Auch das Holz an sich ist nicht sooo schwer zu bearbeiten, es ist rel. weich. Aber zum Aushölen brauchst du trotzdem was vernünftiges, schau mal bei Grube nach Anbaugeräten für Motorsägen oder wenn das zu teuer wird, schau mal nach nem Woodcarver für den Trennjäger, der ist zwar klein, aber funktioniert auch sehr gut (hab damit letztens Robinienhartholz bearbeitet).


    Grüße, Robert

  • Hallo Wulle,
    mach lieber die Pelle von dem Baum ab, die gammelt sonst und das gute Holz darunter wird mit geschädigt.
    Regen trocknet ab, Staunässe von unten kann man beim Aufstellen vermeiden.
    Das auspolken des Stammes wird ne Plackerei, Winterarbeit!
    Versuche eventuell einen Einsatz zu bauen den man in den Stamm stellt, wenn der Stamm platzt bleibt der Einsatz dicht.
    Ich hab das bei unseren polnischen Imkerpartnern gesehen.
    Nächste Frage: Stehend oder liegend aufstellen?
    Grüße Andreas

  • Danke für die Antworten und guten Tipps :p_flower01:


    Das wird wohl meine Arbeit für Wintertage


    Das mit der Rinde hab ich mir auch schon überlegt, ich werde sie aber zumindest vorerst dranlassen, weil es schöner aussieht.
    Zum Aushöhlen werde ich zumindest für die groben Arbeiten die Kettensäge nehmen. Der Einsatz ist sicher auch eine gute Idee, ganze stämme reißen erfahrungsgemäß sehr leicht.


    @ Robert:
    Der Woodcarver sieht gut aus. Wie steht es da mit den Spänen? 0,4 mm deutet auf große Mengen Holzwolle hin. Wie ist die Erfahrung?

  • Moin Wulle,


    große Mengen Späne, ja, so ungefähr das 10fache Volumen des zerspanten Holzes. Fliegen bis zu 10 m weit. Kannst Du schön auf Gartenwege zwischen Beeten packen, da tritt es sich wieder zusammen und vergeht.


    Außerdem: Stabile Handschuhe, aus dickem Nitril mit Strickbündchen und um den Zeigefinger ein Polster kleben. Gummischürze und Schutzbrille. Nie die Maschine mit einer Hand führen. Leistung lässt sich nur durch mehr Leistung ersetzen, 1200 Watt ist m. E. o.k., 1500 ist besser. Pressluft parat haben, die Späne werden angesaugt und verstopfen die Luftschlitze. Dann wird sie heiß. Werkzeug scharf halten. Vorsichtig ein Gefühl für das Werkzeug entwickeln, der Carver ist eigentlich ein Nutfräser, zumindest sein Großvater war das, und das geht dann gerne mit ihm durch. Ist saugefährlich und hocheffektiv.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Tachchen


    jo, die Späne, die Garage meines Vaters war danach gesprenkelt damit, sogar die Spinnenweben an der Decke waren danach sichtbar, Größe vergleichbar Kettensägenspänen, etwas größer. Ich habe ohne Handschuhe gearbeitet, Rückschlaggefahr hat das Ding nicht, dafür eher die Gefahr das es sich zu sehr ins Holz frisst, angesaugt wurden die Späne bei mir auch nicht, 2-Handbedienung ein MUSS. Bei deinem Projekt eher für die Feinarbeit nach der MS. Mein Vater hat die Holzspäne dann zwischen den Grasschnitt gestreut, damit das Zeugs besser verrottet, Beetabdeckung geht auch gut damit.
    Andererseits wenn ich an die Kirschbohlen denke, die mein Tischlerkumpel zu nem Bett verarbeitet hat, finde ich es schon schade um das schöne Holz. Keine Möglichkeit/Interesse das Holz erstmal aufsägen und liegen zu lassen, ich hatte für meine Robinienbohlen 650,-/m³ bezahlt, mein Kumpel für sein Kirschholz ca. 900,-/m³, gewissen Wert hat sowas schon, wenn es halbwegs gute Qualität hat (wenig bis keine Äste, gerade, ohne Kernfäule). Mobilsäger haben manchmal auch Technik für die dicken Stämme.


    Grüße, Robert

  • Moin Wulle,


    was ist denn davon geworden?


    Robert, kann es sein, dass Du trockenes Holz hattest und vielleicht auch nicht so viel? Nasses Holz ist schwerer und nasser, als Span auch, und winters ist es kalt und das Ding macht schon Wind. Kalte Hände aber und Arbeitssicherheit... Ich jedenfalls hatte, nach so einem Arbeitstag trotz des Pflasters zwei Paar Handschuhe vereinzelt und eine ordentliche Blase an den Fingern...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • ...
    Robert, kann es sein, dass Du trockenes Holz hattest und vielleicht auch nicht so viel? Nasses Holz ist schwerer und nasser, als Span auch ...
    Gruß Clas


    N'Abend


    Oh, ja, Wulle erzähl mal, wie es weiterging und was draus geworden ist.


    Und ja, mein Holz war trocken, ich wollte ja nen Bett daraus bauen ;-). Hmmh, viel oder wenig ist relativ, 6 Bohlen a 2,70m Länge, 42mm Stärke und ca. 35-40cm Breite ist nun auch nicht so wenig, auf der Rechnung standen 0,2m³. Ich habe aber nicht den ganzen Tag damit zugebracht, die Rinde + Splint von den Bohlen runter zu holen, vielleicht so 3-4h.


    Was mir für die Klotzbeuten-Interessenten noch einfällt wären diverse Waldbesitzer als Rohmaterialquelle. Bei Fichten z.B. fällt öfters mal ein im Kern rotfauler unterster Stammabschnitt an, die dann meist von den Waldarbeitern/-besitzern abgeschnitten und oft thermisch entsorgt oder im Wald liegen gelassen werden. Wenn man an sowas rankommt und die Fäule gut ausschnitzt (damit sie nicht weiter fault), kann man sich einen beträchtlichen Teil der Arbeit des Aushöhlens sparen.
    Gut, Fichte im Außenbereich ist nun überhaupt nicht gegen Fäule durch Feuchte resistent, aber da kommt wieder der phys. Holzschutz ins Spiel.


    Grüße, Robert

  • Moin Robert,


    entrinden und entsplinten ist was anderes, als aushöhlen...


    Und physikalischen Holzschutz würde ich bei einer Klotzbeute immer anstreben, wenn ich die nicht aus Eichenkernholz machen könnte, oder Esskastanie oder Robinie...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...