Alte Beutensysteme

  • Als Freund und Sammler alter Bienenliteratur bin ich auch an alten Beuten- und Betriebsweise interessiert. Es ist erstaunlich, welche Schätze in den "alten Schätzchen" zu finden sind. Neben den großen Erfahrungen unserer Altvorderen begeistert mich immer wieder die Hingabe und der menschliche Ton in den Schilderungen. Natürlich ist das auch eine ganz persönliche Geschmacksache, aber für mich ist die persönliche Betroffenheit (Motivation) des Autors das Salz der Fachliteratur.
    Natürlich ist es verständlich, dass alte Betriebsweise, Bücher, Beuten vielfach als überholt abgetan werden; ich persönlich empfinde es aber anders. In all diesen Dingen stecken Lebenserfahrung, intensives Denken und viel Mühe. Sicherlich auch Dünkel, Selbstüberschätzung und Konkurrenzdenken, wie das auch heute noch ist. Aber es lohnt sich, in den Schätzen zu graben. Leider sind die Preise für antiquarische Bücher erschreckend hoch.
    Vielleicht gibt es interessierte Forumsmitglieder, die ähnliche Interessen haben, die möglicherweise Quellen kennen, Bilder, Baupläne aus alten Zeiten.
    Zur Zeit interessiert mich die Original Thüringer Einbeute von Gerstung als Ständerbeute (Waben hoch). Ein gutes Foto wäre schön wunderbar, besser noch wäre ein Bauplan. Imkert jemand noch in einer solchen Original-Beute?
    Was alte Bienenbücher betrifft, gibt es im Forum bereits schöne Beiträge. Mir geht es aber darüber hinaus um die technische Seite alter Betreibsweisen.


    Viele Grüße
    Bernd

  • HAllo,


    mir geht es ähnlich; alte antiquarische Literatur ist interessant und auch mal lesenswert, z.B. die "Imkerpraxis" von Guido Sklenar, oder "Die Zucht der Biene" von Enoch Zander, und viel mehr,m auch alte Imkerzeitschriften.


    Ebenso interessant finde ich alte Beuten, Körbe, Trogbeuten, Hinterbehandlungsbeuten.


    Man muss aber aufpassen, da vieles einfach überholt ist. Und vieles, was vor 100 Jahren geschrieben wurde, stimmt einfach nicht. Ist ja auch klar, das Wissen über Mehrfachpaarung, Parthenogenese, und viele andere Aspekte der Bienenbiologie, waren einfach noch nicht bekannt.


    Gruß


    KME

  • Hallo KME,


    da sind ja wunderschöne Filmdokumente auf Deiner, wirklich instruktiven und einladend gemachten Seite! Von der kleinen Lagd mit Körben kann ich nur träumen. Vor Jahren hatte ich die Gelegenheit die Imkerei bei Georg Klindworth, Sittensen, kennen zu lernen. Ein großartiges Erlebnis! Später habe ich mir einige Stülper anschaffen können, sowie einige Kanitzkörbe mit Holzaufsatz als HR. Leider habe ich zurzeit keine Möglichkeit, diese Schätze zünftig aufstellen zu können. Gern würde ich den einen oder anderen Korb besetzen ... Das Gleiche gilt für zwei Originale Thie Kuntzsch-Zwillinge, die ich auch schon besetzt hatte. Nun liebäugele ich mit der alten Gerstungbeute, deren Hochwabe mich fasziniert. Aber bis jetzt bin ich nicht fündig geworden. Bei August LUDWIG, "Unsere Bienen" 1937, gibt es eine gute Beschreibung der Thüringer Beute, da LUDWIG wohl ein rechter Fan Gerstungs war. Leider sind die Bilder und Beschreibungen doch recht allgemein gehalten.
    Als anderes interessantes Gebiet habe ich die Trogbeuten im Blick. Ich habe vor Jahren schon Versuche gemacht, Trogbeuten im Dadantmaß zu bauen und zu besetzen. Das hat gut geklappt. Allerdings braucht man dann doch eine Hütte oder Freistand, weil die aufgesetzten halbhohen Honigräume eine leichte Abdeckung verhindern. Es gibt ja auch die Idee, den Honigraum auf Dadant einfach seitlich im Trog zu haben aber das erscheint mir doch zu abenteuerlich im Blick auf die Ernte.
    Für interessante Links zum Thema wäre ich sehr dankbar!


    Beste Grüße
    Bernd

  • Da gibt es eine super PDF Datei, ich weiß nicht mehr von wo ich die runtergeladen hab


    Dadant Lagerbeute mit Honigraum alles in einen Trog, hab mir fast identische Beute gebaut aber ist noch nicht fertig

    Dateien

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie

  • Danke, Kurt, für den Tipp!
    Diese Datei hatte ich auch schon vor einiger Zeit entdeckt. Leider gibt es eine Frage, die ich nicht klären kann (Ernte in Dadant-Waben). Es gab wohl auch mal den Versuch von einem anderen Teilnnehmer des Forums, mit dem Verfasser in Kontakt zu kommen, aber ohne richtiges Ergebnis. Ich habe meine Dadanttröge in einer Rahmenkonstruktion aufgebaut. Dabei kann ich vier Ableger nach vier Richtungen fliegen lassen oder eben ein Volk im Trog aufbauen.
    Aber auf jedenfall toll, dass Du Dir die Mühe gemacht hast. Falls Du noch etwas entdecken kannst, bitte informieren. Schon jetzt besten Dank dafür!


    Viele Grüße
    Bernd

  • Ich habe heute auf meiner Probennahmerunde von Freudenstein über Kuntzsch und DNM auch Zander und Dadant gesehen. Ein echter Kuntzsch-Zwilling mit Brückengitter war darunter. Einer mit Doppeltür und daher einer Anhängeschütte. Leider wurde er nicht in der Kuntzsch-Betriebsweise betrieben. Die Freudensteinbeuten waren solche mit Doppelboden. Aber am Dienstag war ich in einem Bienenhause mit original DNM-Gerstung liegend aus Osmannstädt. Aktuell allerdings so betrieben, daß der Brutraum den originalen HB-Brutraum und einen Normalwaben-HR-Aufsatz umfaßt und dann ein Gitter aufliegt. Baujahr der Unterkästen: 1922.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Alte Gerstungkisten habe ich noch in Betrieb. Mit verschiebbarem Rückwandfenster und halben Honigräumen. Die Handhabung ist wegen der kurzen Ohren an den Rähmchen immer ein ziemliches Gefrickel. Außerden muss man die Bienen im Frühling in den Honigraum "hochdrücken", da sie sonst im Brutraum soviel einlagern. Eine Varroakontrolle ist leider nicht möglich. Ich kann nur mit Puderzucker auswaschen oder blind behandeln.
    Aber trotz allem irgendwie benutzerfreundlich. Ich mag sie lieber als die Zanderkisten.


    Gruß
    Katrin

  • Hallo Henry und Katrin,
    danke für Eure Rückmeldungen. Das finde ich spannend, viele fremde Bienenstände besuchen zu können und dabei auch mal Dinge von "dazumal" zu Gesicht zu bekommen. Ich gestehe, ich bin ein hoffnungsloser Nostalgiker in dieser Frage. Natürlich gibt es auch eine "neue" Bienenzucht, die viele Erfolge aufzuweisen hat, aber der Blick zurück zeigt mir doch, dass auch schon früher Leute mit einem "Bienenherz" guten Honig geerntet haben. Es macht mir großen Spaß z.B. "K.A. Ramdohr's Versuche über die einträglichste und einfachste Art der Bienenzucht" zu lesen, wie sie durch L. ARMBRUSTER 1921 kommentiert neu herausgegeben wurde. Da ging es noch um die Auseinandersetzung zwischen Stabil- und Mobilbau. Wunderschön wie RAMDOHR nachweist, dass er mit seinen Körben, also mit Schwarmbetrieb, bessere Ergebnisse erzielte als mit den Mobilbeuten. Natürlich waren da auch andere Trachtverhältnisse. Trotzdem - wenn ich da das Anliegen der naturnahen Imkerei betrachte, wie das Bernhard und andere immer wieder einbringen, dann entdecke ich sehr interessante Verbindungen.
    Katrin, dass die Bienen bei Gerstung die Bienen mehr auf ihre Kosten kommen, finde ich nicht schlimm, wenn es nicht gerade Tannen- oder Heidehonig ist, der im Brutraum bleibt. Für die Bienen ist viel Honig allemal besser als der Ersatz. Kannst Du nicht mit Hilfe von Schieden den Brutraum etwas einengen, so dass zwangsläufig mehr Honig nach oben kommt? Ich beglückwünsche Dich zu den Gerstungbeuten. Könnte man da mal ein Foto sehen? Die fehlende Varroakontrolle ist natürlich ein Manko. Aber eine konsequente Behandlung wird in jedem Fall richtig sein, auch ohne das Ergebnis zu sehen.
    Danke nochmal für die Reaktionen.


    Viele Grüße
    Bernd

  • Für die Bienen ist viel Honig allemal besser als der Ersatz. ... eine konsequente Behandlung wird in jedem Fall richtig sein, auch ohne das Ergebnis zu sehen.

    Beides falsch! Leider. Und bereits anderswo ausdiskutiert.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Mr. Tom,
    danke für die Mühe und die Links!


    Hallo Henry,
    danke für Deine Rückmeldung. Natürlich bin ich kein Biologe oder ein ähnlich kompetenter Fachmann und daher sicher kein Experte für gute Ratschläge, was die Fütterung von Bienen betrifft. Meine Gedanken in Richtung Katrin, dass es den Bienen sicher gut tut, im Brutraum Honig zu haben, bezieht sich vor allem auf die Brutzeit im Volk. Wie das dann im Winter aussieht kann ich überhaupt nicht beurteilen, weil auch ich gelernt habe, mit Ersatzmitteln einzufüttern und also keine anderen Erfahrungen einbringen kann. "Honig bringt Honig" sollen die Amerikaner allerdings früher gesagt haben. Ob das aber wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen. Ich will mich aber gern im Archiv des Forums schlau machen, was darüber diskutiert wurde.
    Was die Kontrolle des Varroafalls betrifft, wüsste ich im Fall der Gerstungbeute leider nichts Besseres zu sagen, wenn man bei ihr bleiben will. Blind behandeln ist sicher nicht gut. Aber was sonst?
    Beste Grüße
    Bernd

  • Blind behandeln ist sicher nicht gut. Aber was sonst?

    Diagnose mit Ölwindel! Geht auch in Gerstung. Oder Puderzuckerkontrolle. Geht immer!


    Das Problem ist weniger die vielleicht sinnlose Behandlung zur Unzeit. Das Problem ist der fehlende Wirknachweis und damit die unzureichende Behandlung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Danke herzlich, Traugott,
    das Dokument habe ich sofort in meine Sammlung gepackt. Der Thie-Kutzsch-Zwilling hatte auch so einen Anhängekasten und ein spezielles Werkzeug aus Eisen, um die Schlitten in diesen Kasten hineinzuziehen (Instrument habe ich, Kasten nicht). Die Original Kuntzschzange habe ich leider verschlampt. Leider habe ich wenig Raum, um meine "Museumsstücke" ordentlich aufzuheben. Bücher sind da platzsparender :)


    Viele Grüße
    Bernd