Anzeichen für Räuberei

  • Hallo und guten Morgen,


    seit längerem suche ich Videos oder Bilder zum Thema Räuberei. Man liest so viel und weiß so wenig.
    Ich beonbachte dieses Jahr (verteilt) einige Szenen an den Bienenstöcken, die mich doch sehr zum Nachdenken anregen:


    Eines Abends vor ca 2 Monaten beobachtete ich 2 nebeneinander stehende Völker, vor deren Flugloch ein Wahnsinnsanlauf war und kämpfende Bienen zu sehen waren, viele Tote waren auch am nächsten Tag auf dem Flugloch. Es sah fast so aus, als würden die Linken nach rechts und die Rechten nach links versuchen, in die Fluglöcher zu gelangen.
    Spuren von Wachsresten oder Ähnliches habe ich nicht bemerkt, stunden später war wieder alles normal.
    Gestern habe ich aus einem Volk von der unteren Zarge das Absperrgitter entfernt ( zwecks Wegnahme der unteren Zarge)
    Die Bienen waren wie verrückt und es war auf einmal ein solcher Tumult am Kasten und wieder beobachtete ich sich bekämpfende Bienen (obwohl das Ganze keine 5 Minuten dauerte)
    Oft sehe ich Tumult an Kästen, wo jede einzelne anfliegende Biene akribisch kontrolliert wird.
    Bei einem Schwarm vom Frühjahr liegen viele Bienenbeinchen unter der Beute ( in der Beute sieht alles gut aus)


    WORAN genau erkenne ich, ob Räuberei im Gange ist?
    Wird, wenn geräubert wird, das Volk LEER geräubert?
    Würde ich es folglich überhaupt im Nachhinein merken, wenn ein Volk geräubert wurde?
    Sind immer Wachsreste auf dem Flugbrett nach Räuberei zu sehen?
    Kennt jemand ein Video, in dem Räuberei gefilmt wurde?
    WIE handele ich, bekomme ich Räuberei mit? Nur Fluglochverengung?


    Über hilfreiche Antworten freue ich mich!



    LG: Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • WORAN genau erkenne ich, ob Räuberei im Gange ist?

    Die Beute wird beim Opfer leichter und beim Räuber schwerer.

    Wird, wenn geräubert wird, das Volk LEER geräubert?

    In aller Regel: ja.

    Würde ich es folglich überhaupt im Nachhinein merken, wenn ein Volk geräubert wurde?

    Na hoffentlich, sonst verhungerte es zügig ung ginge binnen Tagen ein.

    Sind immer Wachsreste auf dem Flugbrett nach Räuberei zu sehen?

    Nein, aber immer sind die Fluglöcher mit Propolis verschmiert.


    Kennt jemand ein Video, in dem Räuberei gefilmt wurde?

    Ich nicht. Tschuldigung , war vielleicht nicht hilfreich.

    WIE handele ich, bekomme ich Räuberei mit?

    Wenn erst mal länger geräubert wurde, ist es oft schon zu spät. Da hilft dann nur gnadenloses Auflösen der Opfer oder das Tauschen der Beutenplätze mit dem Räuber. Akut hilft ein Rasensprenger vor den Bienen und gnadenloses schließen der Fluglöcher bis in die Dämmerung, damit die Räuberbienen nicht vollgetankt nach Hause können und noch Verstärkung holen. Fluglöcher bis auf wenige cm einengen (doch das macht man eigentlich schon vorher)

    Nur Fluglochverengung?

    Ja, immer wenn Räubereineigung auftrat und danach sowieso. Dann auch bis in den Winter, denn die bekloppten Räuberbienen bleiben angefixt!

    Über hilfreiche Antworten freue ich mich!

    Schöne Fragen sind auch was Tolles. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    vielen Dank für die so schöne und hilfreiche Beantwortung meiner Fragen.
    Ich vermute nun, dass noch keines meiner Völker einer Räuberei ausgesetzt war.


    Ergänzung einer Frage hätte ich noch gerne:
    WORAN genau erkenne ich, ob Räuberei im Gange ist?
    Alleine durch Wiegen oder ist auch großer Tumult und Gekämpfe, ( wie teilweise von mir beobachtet) vor dem Flugloch zu sehen?
    Folgende neue Frage kommt nun auf:
    WIE lange dauert so eine Räuberei im Durchschnitt? Geht das über Stunden, Tage?


    Vielen Dank von der ungeräuberten Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • WIE lange dauert so eine Räuberei im Durchschnitt? Geht das über Stunden, Tage?

    Bis die Kiste leer ist, also über Stunden, Tage ...


    Räuberei findet in aller Regel außerhalb von Trachtflug statt und es wird kein Pollen gehöselt dabei. Fliegen also an einem Volke Altbienen so rum, als flögen sie sich ein, das Volk macht denen aber keine Duftlandebahn und es sind auch keine Berüßungsbienen außen vorm Flugloch, dann wird das Räuberei sein. Tracht geht immer vor. Geräubert wird stattdessen. (Akquise!)


    Gekämpfe am Flugloch deuten eher auf patriotische Räubereiabwehr hin, als auf Räuberei. Bei ausgebrochener Räuberei ist die Abwehr am Flugloch meist bereits überrannt. (stille Räuberei mal ausgenommen) Kommst Du als Imker da noch mit Angriffen und Desorientierung von hinten oder betreibst mit Patschpfoten an der Beute dolchstichartige Duftlenkung, brechen die letzten mannhaft gehaltenene Linien vorne Zusammen und der Gegner kann nicht an den Außengrenzen des Deutschen Bienenvolkes erfolgreich in für ihn verlustreiche Abwehrschlacht verwickelt und gebunden werden. Die Abwehrschlacht der eigenen Völker kann man nur unterstützen mit künstlichem Regen - die Lufthoheit des anstürmenden Aggressors brechen - und die Verbarrikadierung der eigenen Stellung gegen die bereits gelandeten oder noch anfliegenden feindlichen Geschwader. Enge Räume, würde Beckenbauer sagen oder eben Stellungskrieg. Seine Material- und Treibstoffversorgung in dieser Entscheidungssituation ist dann auch eher ungünstig, da er die standhaft und bis zur letzten Biene verteidigten Depots nicht wird erreichen können und sein Nachschub aus der Luft wetterbedingt ausbleibt. Da muß sein verzweifelter Angriff an unserer stolzen Heimatfront scheitern. ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wichtiger als die Räuberei zu erkennen ist, diese im Vorfeld zu vermeiden.
    Da hilft der Grundsatz: Möglichst alle Völker am Stand gleichgroß, weiselrichtig und gesund.
    Spätestens wenn mehrere Wespen (die kommen oft noch vor den Räuberbienen) ungehindert ein und ausfliegen können, muss gehandelt werden.
    Wenn Ableger mit am Stand, dann müssen diese im Juli nach Trachtende annähernd Vollvolkstärke haben. Werden die Jungvölker erst im Juli gebildet, dann nur in entsprechend großen Einheiten.
    Letztes Jahr sind mir im August noch Völker wegen Platzmangel geschwärmt.
    Als ich die zurück gebliebenen Volksteile mit unbegatteter Königin einfütterte, war das wie bei einem Fass ohne Boden. Vermutlich " beräuberte" der abgeschwärmte Teil das Altvolk bis zum Tag an dem die neue Königin begattet wurde bzw. angefangen hat zu legen.
    Gruß Peter

  • Ist die Räuberei im vollem Gang, hilft nur noch das Opfer aus dem Flugkreis heraus zu verbannen.
    An den Standort des Opfers stelle ich eine Leerbeute, damit sich die Räuberei totläuft.
    Es gilt nämlich zu verhindern, daß die Räuberei den ganzen Stand erfasst, wie ich es mal bei meiner ersten Imkerpatin erlebt habe.
    Sie verlor dabei fast alle ihre Bienenvölker.
    LG Elk

  • An den Standort des Opfers stelle ich eine Leerbeute, damit sich die Räuberei totläuft.

    Räuberbeute! Also eine Beute, die nur ein kleines Loch hat und in die die Räuber reinkriechen aber solange nicht mehr rauskommen wie weitere Räuber von außen nachdrängen. Erst wenn aller Flug druaßen eingestellt ist können die Räuber von drinnen wieder heim, doch dann kommt die Nacht und morgen das gleiche Spiel.


    Die Idee stamm aus dem Gerstungbuch. Ob sie auch abgeschreiben war, weiß ich nicht. Mit Schundauschen Deckelfluglöchern klappt das problemlos und weirkungsvoll.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Räuberbeute austellen, am Abend Loch schliessen, gekäfigte Kö dazu, fertig ist der Kunstschwarm ? :-/


    Zügig verkaufen, nur Altbienen, keinen Futtersaft für die Königin, Volk nach 14 Tagen leer, Brut falls überhaupt verkühlt, Nachkaufzwang ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ein weiteres Erkennungsmerkmal
    Ich beobachte, daß Räuberbienen vor dem Abfliegen, noch beim Rauslaufen, die Flügel in Bewegung haben.
    Womöglich, um schwer beladen so besser durchstarten zu können.
    LG Elk