Völker auswildern in Deutschland?

  • es besteht kein Anlaß, mir Emotionalität und Faktenlosigkeit bei meiner Kritik an eurem Ansatz zu unterstellen. Im Gegenteil habe ich genau erkannt, auf welchem Holzweg ihr euch befindet und was das für Auswirkungen auf die Imkerschaft, auf die Bienen und den Naturhaushalt haben wird. Der Grund dafür, daß ich das erkannt habe, ist, daß ich schon ein paar Jahre länger mit der Kernfrage beschäftige, ob und wie der Imker mit seiner Honigimkerei Auswirkungen auf die Bienen hat. Ich bin also sehr klar im Kopf.


    Ziemlich gute Voraussetzungen für einen Dialog. Wenn der eine alles genau erkannt hat (den Holzweg des Anderen) und sich schon länger mit dem Problem befaßt ist als der Andere, dann ist Kompetenztechnisch die Sache ja klar, oder? Als Kind schätzt man derartige Argumentation nicht so sehr, auch wenn sich im Nachgang herausstellen sollte, daß die Eltern (wie so oft) Recht hatten. Bei den meisten bleibt dieses Widerwillen gegen eine solche Behandlung bis ins Erwachsenenalter erhalten :roll:


    Zumindest in dem folgenden Punkt seh ich schon einen gewissen Ansatz:


    In meinen Augen ist neben intensiver Landwirtschaft (Biodiversität, Pflanzenschutzmittel, Trachtlücken, etc.) und Mangel an Nistplätzen vor allem auch die intensive Imkerei schuld daran, dass Bienen in der freien Wildbahn keine Chance mehr haben.


    Die intensive Imkerei trägt natürlich eine Mitschuld an der Situation, sowohl bei der schnellen Verbreitung von Parasiten durch Wanderimkerei, insbesondere wenn man das skaliert und die Völker übers Jahr quer durch den Kontinent auf Tournee schickt, oder die Situation für Solitärbienen, wenn ein Standort plötzlich 25 Völker mehr versorgen muß. Diskussionswürdig bleiben dann die Schlüsse, die man daraus zieht.


    Das heißt, selbst wenn die Renaturierung mit heftigen Verlusten verbunden ist, dürfte das, längerfristig betrachtet, unsere einzige Chance sein! Nistkästen für Honigbienen verteilen, Natur mit Schwärmen vollpumpen. Imker dazu motivieren, wenigsten 20% ihres Bestandes natürlich zu halten, etc., etc. Wenn wir diesen Weg nicht beschreiten, wird der menschliche Aufwand zur Arterhaltung der Honigbiene und damit zur Aufrechterhaltung des natürlichen Gleichgewichtes und damit unserer Lebensgrundlage, überproportional höher.. zum Wohl der Pharmaindustrie und der Forscher, zum Unwohl der Natur!


    Ich finde das einen gruseligen Ansatz. Das auf mehreren Ebenen: weil er den eigenen Handlungsspielraum völlig überschätzt (auch ohne imkerliches Zutun bleiben die negativen Umweltfaktoren erhalten, imkern bedeutet in meinen Augen auch, durch eine der Situation angepaßte Betriebsweise den Bienen zu helfen). Wenn ich lese ‚‘wenigstens 20% ihres Bestands natürlich zu halten‘, dann rollen sich mir die Zehennägel auf. Was soll das bedeuten!? Erstens die völlig aus der Luft gegriffenen 20%, warum nicht 50 oder 53%? Hat sich jemand so ausgedacht, aber wenn nicht wenigstens 20%, dann wird’s finster. Dann die Umsetzung: wenn Opa Schmitz fünf Völker hält, dann wird von jetzt an eins nicht mehr behandelt, das wird die Bienen insgesamt retten? Oder verreckt das Volk an der Varroa, was im Sinne von Darwin ja gewollt und ‚heftigste Verluste‘ lediglich ein Meilenstein auf dem Weg zum Ziel bedeuten? Der Opa guckt dann was traurig, aber im nächsten Jahr dann auf ein Neues? Außerdem, was heißt hier 'natürlich halten'? Das ganze Programm trieft nur so von Weltverbesserung, weil man selber auf der richtigen Seite steht sind alle, die den Nutzen infrage stellen von der Industrie gekauft, doof, oder schlicht noch ‚nicht so weit‘. Die Prangerfunktion auf 'natürliche Bienenhaltung' ist mir ein deutliches Indiz. Drittens verbirgt sich dahinter eine extrem spalterische Geisteshaltung, welche auch bei der 'wesensgerechten' oft Imkerei zum Tragen kommt, nämlich daß allen Anderen eine unnatürliche und nicht wesensgemäße Bienenhaltung betreiben. Der Schritt zu einer Ideologie ist da nicht weit.


    In der Schweiz verhindert mir derzeit eine willkürliche Auslegung des Tierseuchengesetzes die Wiederansiedelung der Honigbiene. Warum man Vogelkästen, Hornissenkästen und Wildbienenhotels verteilen darf, nicht aber Nistkästen für Wildbienen, darauf wollen die Behörden nicht eingehen. Aber ich arbeite daran. Dieser Zustand dürfte rechtlich nicht haltbar sein.


    Wenn ein Imker meint, er würde auf der richtigen Seite stehen, müssen die Anderen ja falsch liegen. Auf Thematiken wie potentielle Faulbrutschleudern, Varroa Re-Invasion von außen durch zusammenbrechende Völker etc. muß man dann nicht mehr eingehen, ist ja alles völlig 'willkürlich'.


    Wieder viel zu lang Alles. Entschuldigung. Aber das man als Imker der Arsch ist, hat mir eine völlig verstrahlte Veganerin letztens auch erklären wollen. Irgendwie wirkte das wohl noch nach.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo!


    Für Imker ist es vielleicht ganz intressant zu wissen, dass nicht alle Braunbären auch "Honigbären" sind, also solche, die Beuten zerstören und sich über den Inhalt hermachen. Finnische Untersuchungen haben gezeigt, dass nur solche Bären, die von erwachsenen Bären gelernt haben Honig zu fressen, in der Regel also von Mutterbär, dass nur solche auch als erwachsene Bären selbst zu Honigbären werden. Vielleicht weiß dieser M 25 gar nicht, wie Honig schmeckt!!


    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

  • Hhm, das ist ja ein besonders amüsant zu lesender Faden hier! Man merkt, daß die Winterzeit für die Imker besonders hart ist. Ich habe gestern beim Versuch einem Mickerlingsvolk 2 angewärmte Futterwaben dazuzuhängen ein paar Stiche kassiert - war sehr wohltuend!


    Und bzgl. Honigbären: Bei mir gibt es offenbar autodidaktische und sehr hartleibige Möchtegern-Honigwaschbären. Die hat auch mal ein Spaßvogel in Deutschland ausgewildert.


    Gruß Jörg


    PS: Was machen eigentlich Bienenvolk-Auswilderungsanhänger in einem Imkerforum?

  • Doch, ich denke, das ist von der Hand zu weisen. Ich habe zehn Jahre lang jegliche imkerlichen Einflüsse ausgeschlossen und mit Stabilbau in den verschiedensten Varianten gearbeitet, auf Honig überwintert. Keine Rähmchen, keine Massierung von Völkern, keine Schwarmverhinderung, etc. pp. Mehr Ausschluß des Imkers geht gar nicht mehr. Und trotzdem haben diese Bienen die gleichen Probleme, wie alle anderen Bienen in Imkerhand auch. Hier wird der Einfluß des Imkers höher gespielt, als er tatsächlich ist! Und das ist genau deswegen so gefährlich, weil das Einschlagen auf den pöhsen Imker dazu führt, das von den wirklichen Problemen abgelenkt wird. Und diese Probleme sind auch Dir ganz genau bekannt!

  • Für Imker ist es vielleicht ganz intressant zu wissen, dass nicht alle Braunbären auch "Honigbären" sind, also solche, die Beuten zerstören und sich über den Inhalt hermachen. Finnische Untersuchungen haben gezeigt, dass nur solche Bären, die von erwachsenen Bären gelernt haben Honig zu fressen, in der Regel also von Mutterbär, dass nur solche auch als erwachsene Bären selbst zu Honigbären werden. Vielleicht weiß dieser M 25 gar nicht, wie Honig schmeckt!!


    Schön und gut. Aber alle Bären sind neugierige Bären. Und daß Honig schmeckt, lernen die sehr schnell. :wink:


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    (Aus den USA.)

  • Von der Hand zu weisen ist das ja nicht!


    Na doch Lux. Es gibt soviele Naturschutzgebiete in Deutschland/Europa, wo sich natürlicherweise leider auch nix ansiedelt. Ist wohl zu mager dort, sowohl in Bezug auf die vorhandene Pflanzen- und Tierwelt, als auch in Bezug aufs Management. Richtig fett wäre gut, dann könnten auch stärker gebeutelte Gebiete vom Überfluß in den Rückzugsgebieten profitieren.


    Naja, so isses aber nicht und daher muss sich der Bär die Stromschläge beim Eseljagen verpassen lassen, will er nicht mit ständig knurrendem Magen durch die Landschaft trotten.


    Viele Grüße
    Sven

  • Den Imkern sagen dass sie mitschuld sind an der Bienenmisere.
    Von der Hand zu weisen ist das ja nicht!


    Hhm, na dann doch bitte mal ganz konkret, was damit meinst! Was machen Du und ich ganz konkret falsch?


    Doch, ich denke, das ist von der Hand zu weisen. ...


    Das denke ich auch!


    Wenn es sooo einfach wäre: einfach "...20% der Völker natürlich führen..."und ein paar Bienenkästen in den nächsten Wald hängen und schwupps entwickelt sich eine milbenresistente Honigbienen-Wildpopulation. Na dann wäre ich doch sofort dabei!


    Leider zeigt uns die Praxis, daß die Theorie nicht ganz so leicht umsetzbar ist.


    Gruß Jörg, der sich ja gern mal von Laien die Welt erklären lässt

  • Kein Wunder. Die Liebe kommt vom Lichte, und das Licht bekommt der Bär vom Honig, der das Sonnenlicht in konzentrierter Form aufspeichert. Lichtkristalle, die sich in deinem Körper entfalten, und so ein Kribbeln erst auf der Zunge, in der Nase und schließlich im Bauche verursachen. Wer da noch böse Gedanken haben kann, wenn er Honig isst, der ist ein schwarzes Loch.

  • Der Hauptgrund ist der Imker. Wer sonst hält Bienen und kümmert sich drum. Geht es den Bienen also schlecht, hat er sich nicht genug gekümmert. Der Naturschützer sieht ihm zu dabei. Machen kann der ja nix, außer sich zu organisieren.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder