Völker auswildern in Deutschland?

  • Hallo,


    Ich habe eine naive Frage zu wilden Bienenvölkern:
     
    Scheinbar gibt es keine mehr in unseren Wäldern, was ich sehr schade finde. Kann man in einem großen, geeigneten Waldgebiet in Deutschland (z.B. Naturschutzgebiet mit Laubwald und viel Alt- und Totholz) 150 Völker auswildern? Vorausgesetzt einfache Klotzbeuten vielleicht in großer Höhe der Bäume, große genetische Vielfalt und breites Einverständnis der Umgebung.


    Eine ähnliche Diskussion gab es im Forum (2006) schon mal, aber vielleicht hat sich in Sachen Varroa und Nichtbehandlung seitdem etwas ergeben. Wie sind Eure Meinungen dazu?


    Viele Grüße,

  • Laß es bleiben und warte ab. >> In Belgien läuft ein solcher Versuch gerade an - mal sehen, was daraus wohl wird.


    Gruß
    Bernhard

  • http://www.indiegogo.com/hapiculture?c=home


    http://hapicultuur.be/en/


    Soweit ich informiert bin, sind die belgischen Imkerverbände beteiligt sowie eine Universität, die das Projekt wissenschaftlich begleiten will. Es geht soweit ich es verstanden habe darum, zu sehen, ob die Völker alleine zurechtkommen und wie sich eine Varroaresistenz ausbildet. Die Uni will vor allem sehen, was genetisch dabei passiert.


    Das Projekt ist schon eine sehr interessante Sache. Wer spenden will, der kann das gern tun. Wir können alle nur daraus lernen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Kann man in einem großen, geeigneten Waldgebiet in Deutschland (z.B. Naturschutzgebiet mit Laubwald und viel Alt- und Totholz) 150 Völker auswildern?


    ...das werden die "Naturschützer" zu verhindern wissen! Die können nämlich die "Haustiere" Honigbienen nicht leiden. Für die sind Bienen keine Wildtiere, die gehören nicht in natürliche und naturnahe Ökosysteme. Für "Naturschützer" ist Imkerei Massentierhaltung und nicht Natur.


    Aber die Idee ist bestechend und hat was. Bloß 150 Völker sind m.E. zu wenig als Starterpopulation. Und man bräuchte auch keine natürliche Höhlen: Beuten würden es auch tun. Nur der Imker soltle nicht eingreifen, sondern nur beobachten.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Das Belgien-Projekt klingt wirklich interessant. Ich könnte mir in der Zukunft für Deutschland auch so etwas vorstellen. Vielleicht wird es bei uns auch besser angenommen, wenn die ersten Erfolge im Ausland aufhorchen lassen.


    Wieviel Völker schätzt ihr denn, die man für ein solches Projekt braucht? 1000? Zu eng beisammen ist vielleicht auch nicht das Wahre.

  • Ich würde bevorzugen, dieses Projekt direkt in einer Großstadt wie Hamburg durchzuführen.
    Und zwar nicht streng, ohne Kontakt zu anderen Völkern, vor allem gut betreut und überwacht.
    Varroa mit Windelkontrolle und Puderzucker, Faulbrut mit Futterkranzprobe.
    Völker sonst in Ruhe und schwärmen lassen, nicht füttern, nicht ernten.
    Bei Bedarf tatsächlich behandeln.
    Beuten gut zugänglich auf Dächern und Balkons und durch teilnehmende Imker gut und einheitlich minimal auf Gesundheitsmonitoring betreut.
    Klar wird das Ergebnis zunächst durch Freizeitimkerbienen verwässert, die Ihre Bienen füttern und nicht auf Fitness auslesen.
    Idealerweise die Bienen in noch nie mit Bienen besetzte Eulenkästen einziehen lassen. Sind günstig zu bauen.
    Würde mir Spaß machen :-)


    Grüße aus der Großstadt, in der dieses Jahr sehr viele Schwärme nicht eingefangen wurden. Wo sind die hin? Dazu brauchen wir eine Meldestelle.....
    Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.


  • Wieviel Völker schätzt ihr denn, die man für ein solches Projekt braucht? 1000? Zu eng beisammen ist vielleicht auch nicht das Wahre.


    Die müssen mindestens so eng stehen, dass die Geschlechtstiere sich jederzeit finden können (Flugradius der Drohnen und der Königinnen).
    Je mehr Völker, desto besser. Darum uß es ein Gebiet sein, mit einem großen Trachtangebot. Gibt es aber auch in diesem Land.

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  • ...das werden die "Naturschützer" zu verhindern wissen! Die können nämlich die "Haustiere" Honigbienen nicht leiden. Für die sind Bienen keine Wildtiere, die gehören nicht in natürliche und naturnahe Ökosysteme. Für "Naturschützer" ist Imkerei Massentierhaltung und nicht Natur.


    Das werden wohl eher bestimmte Imker zu verhindern wissen. Ein Schutzgebiet für die Dunkle in der Rhön z.B. ist an den Imkern in der Nachbarschaft gescheitert und nicht an Umweltverbänden oder Politik.


    Gruß
    Heinrich

  • Elias , toll
    Drei Tage registriert und Du haust ein Thema in die Runde......Das passt zu Henrys Sorgen wie die Faust aufs Auge.
    Mir bekannte Wildlinge sind spätesten im 3 Jahr tot. Der letzte hat im 2. Jahr drei Schwärme geliefert und danach den Herbst nicht erlebt.Mir gefallen auch Kühe und Hühner, aber auf eine Auswilderungsidee bin ich noch nicht gekommen!
    Gruß Peter
    Wo lebst Du, bitte füll das Profil aus, vieleicht verstehen wirs danach.

  • Ich denke es gibt jedes Jahr etliche Schwärme die nicht engefagen werden und sich irgentwo einnisten. Wildlebende Honigbiemnen sieht man trozdem nicht.

    Wo kämen wir den hin wenn jeder fragt wo kämen wir den hin und keiner geht um nachzusehen wo wir hinkämen

  • Zitat

    bienenvölker auswildern


    also ich verstehe den Sinn ehrlich gesagt nicht. Gerade in der Bienenhaltung ist es doch so, dass ein gewisser Prozentsatz der gehaltenen Bienenvölker jedes Jahr unbemerkt schwärmt und der Schwarm nicht eingefangen wird. Somit werden eigentlich genug Bienenvölker auf natürliche Weise "freigesetzt". Das Problem ist doch, dass diese Völker offensichtlich nicht alleine zurecht kommen, sonst würde es ja genug davon in der freien Natur geben.


    Stefan
    der aber auch nicht auf die Idee kommen würde Kohlmeisen auszuwildern


  • Hallo,


    nein, das wird so nicht funktionieren. Die Völkerzahl spielt dabei keine Rolle; seien es nun 10 oder 100 Völker.


    Die Mehrzahl der Völker wird ohne Fütterung bereits im ersten Jahr verhungern, ein Großteil dann spätestens im Winter. Ganz abgesehen von der Varroa, die nach spätestens 2 Jahren dem dann noch übrig gebliebenen Rest den Garaus macht.


    Sicher gibt es immer mal wieder Wildvölker in hohlen Bäumen alter Linden, Eichen, habe ich schon selbst beobachtet. Aber wie gesagt, nie für längere Zeit.


    Die Varroa, die Flurbereinigung und der Trachtmangel haben viel verändert.


    Wäre es anders, dann hätten wir ja bereits Wildpopulationen; diese bräuchte der Mensch nicht extra "ansiedeln", denn die Biene ist ja nach wie vor ein Wildtier.


    Gruß
    KME