Richtige Bienenrasse für den Standort

  • Hallo,
    ich bin schon seit einiger Zeit am Überlegen, ob ich die richtige Bienenrasse für meinen Standort habe. Der Grund:
    Nachdem es im letzten Jahr wegen Temperatur nur wenig Rapshonig und noch weniger Honigtau gegeben hat, habe ich dieses Jahr honigtechnisch einen Totalausfall. Als der Raps blühte, waren hier Temperaturen von nur knapp über zehn Grad zu messen, die Bienchen haben es sich schön mollig in ihren Kisten eingerichtet. Von der Obstblüte rede ich gar nicht, hier war es ähnlich. Als alles abgeblüht war, flogen sie dann. Jetzt geht es, aber durch die Witterung scheint es recht wenig Honigtau zu geben. Ich habe beobachtet, daß meine Bienen (Carnica "Landrasse") erst ab ziemlich genau 15 Grad aufwärts fliegen und auch nur, wenn es morgens schon recht trocken ist. Die Volksentwicklung ist entsprechend...
    Nun bin ich wirklich noch kein alter Hase in der Imkerei, aber ich meine gehört zu haben, daß das relativ normal ist.
    Es soll aber Bienenrassen geben, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen und feuchterer Umgebung fliegen (es hieß zwischen 10 und 12 Grad). Nach meinen Beobachtungen hätte ich dann die Raps- und Obstblüte nutzen können.
    Eins meiner Völker entwickelt sich nicht, ich würde es also gerne umweiseln (zum Auflösen ist es mir 1. doch zu groß und 2. habe ich ja nur drei Völker...), der einzige diesjährige Ableger hat nun schon zum 3. Mal die Königin verloren (wahrscheinlich Begattungsflug und einer der häufigen Regengüsse), d.h. ich brauche eine Königin, nur das dritte Volk entwickelt sich mäßig (was ich auf die verfügbare Tracht schiebe).
    Nun überlege ich, Königinnen einer "angepaßteren" Rasse einzusetzen. Ein Umzug der Völker an einen wärmeren Platz kommt nicht in Frage, da ich hier doch anscheinend in einem ziemlich "kalten Loch" wohne, aber darauf angewiesen bin, nicht jedesmal lange zum Stand fahren zu müssen.
    Ist hier jemandem bekannt, ob es da angepaßtere Bienenrassen gibt?
    Ich habe mal gelesen, die "Mittelrussische Biene" (Prikamsskaja) wäre so eine, stimmt das?


    Danke im Voraus!
    Gruß
    Martell
    (bei dem es endlich mal wärmer ist, die Bienen aber nichts mehr zum Futtern finden)

  • An der Rasse Carnica wird es nicht liegen, denn meine Carnica fliegen bei Wind und Wetter.


    Zum Fliegen braucht es aber Sprit und wer da nicht für sorgt, der kriegt auch nix wieder raus. Und genügend Bienen, also Brut. Und die Brutaufzucht braucht auch Sprit. So eine Königin legt eben nicht, wenn sie hungern muss.


    Den meisten Honig bringen immer noch Völker von lokal-regional geborenen Königinnen. Du kannst es mit Umweiseln versuchen. Ich kann empfehlen, Dir eine Königin von Nachbarimkern zu holen, der genug Honig erntet. Rasse ist weniger wichtig als lokale Anpassung.


    Dann solltest Du Strategien entwickeln, wie deine Bienen rund um das Jahr wohlgenährt bleiben. Und daß sie stets viel Volksmasse haben, also bienenstark sind. Schwache Völker fliegen nicht bei Wind und Wetter, nur starke Völker.


    Gruß
    Bernhard


  • Hallo Martell , an Deinen Bienen liegt es nicht . Es liegt an den Temperaturen ! Bei 10° -12° Honigt es einfach nicht, hat Dir das noch niemand gesagt ? Dann solltest Du dich erst mal schlau machen bevor Du deinen Bienen die Schuld gibst . Und Bienen arbeiten nun mal nicht gerne umsonst ,wenn es nichts zu holen giebt .Auch eine andere Rasse hätte Dir keinen Honig gebracht .Und für die Volksentwicklung ist füttern nicht schlecht ,hab ich gehört .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Josef
    Was das Honigen betrifft:
    Gibt es da keine Unterschiede? Wie verhält es sich mit Frühblühern, wie Krokus und Weidenkätzchen?
    LG Elk


    Hallo Elk ,die Rede war von Raps und Obstblüte .Weide blüht im März,auch da gibt es Tage die über10-12°hinausgehen so das an manchen Stellen richtig guter Ertrag aus den weiblichen Pflanzen entsteht , natürlich bei genügender Anzahl .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Moin zusammen!


    ELK : Ich bin mir sicher, dass Frühblüher wie Krokus, Schneeglöckchen und Weide auch bei deutlich niedrigeren Temperaturen honigen als bspw. der Raps oder gar die Akazie. Allerdings kommen diese bis auf die Weide meist nicht in trachtrelevanten Mengen / Massen vor, sodass auch massive Nektarsekretion der Volksentwicklung nicht groß weiter hilft. Diese Pflanzen sind, wie gesagt mir Ausnahme er Weide, meiner Erfahrung nach so wie so primär für die Pollenversorgung wichtig.


    @ Martell: Wenn du tatsächlich in einem Kaltluftloch leben solltest und deine Bienen da stehen müssen, dann haben sie natürlich echt schlechte Karten hinsichtlich der Entwicklung und des Ertrages.
    Wenn die phänologische Entwicklung bzw. das jeweilige Wetter allerdings so wie beschrieben war, sind die o.g. Einwände hinsichtlich der Fraglichkeit einer adäquaten Futterversorgung der Völker schon nicht ganz abwegig.
    Denn nur gut gefütterte bzw. im Futter stehende Völker brüten stark, entwickeln viel Bienenmasse und die kann dann auch in wenigen schönen Stunden zumindest die Eigenversorgung gewährleisten und ggfs. sogar minimalen Überschuß eintragen.
    Und die Rasse spielt hierbei natürlich eine deutlich untergeordnete Rolle, denke ich. Zumal es mich stark wundern würde, wenn du solch extreme kleinklimatische Verhältnisse haben solltest, dass dort eine an russisches Klima angepasste Biene vonnöten wäre.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Guten Morgen,


    na, das soll Dir ja dieses Jahr nicht alleine so gehen, oder?


    Ich würd mal gar nichts verändern, probieren kannst Du es zwar, jedoch, wenn nächstes Jahr die Knallersaison ausbricht, dann bist Du auch mit Feld-Wald-Und-Wiesen-Mix zufrieden. Bei wenigen Völkern und unzureichenden Vergleichsjahren kann man das als Hobbyimker gar nicht wirklich beurteilen.


    Ein bisschen Futter wäre evtl. wirklich nicht schlecht, bei Ablegern Pflicht, wie ich meine.


    Bring sie mal stark in den Winter und gesund, dann guckst Du 2013.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Sich jetzt wegen der ausgefallenen Honigernte in 2012 Gedanken über die Umsetellung der Bienenrasse zu machen halte ich für nicht ganz durchüberlegt.


    Das Jahr 2012 war / ist halt regional kein gutes Honigjahr gewesen. Jeden Imker den ich treffe berichtet mir das selbe - keine Frühtracht - etwas Sommertracht und das wars. Mir geht/ging es genau so wie allen anderen.


    Außerdem,wenn Du nur ein Volk mit einer "anderen" Rasse umstellst hast Du generell kein aussagekräftiges Ergebnis. Du müsstest, um wirklich dann eine Aussage treffen zu können ob die neue Rasse gut ist für mein Dafürhalten mindestens 50% Deiner Völker auf die / eine andere Rasse umstellen. Wie war das Sprichwort: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" - Sprich eine Königin kann auch ein "Blender" sein. Sprich entweder es wird gut oder es wird nix - und wenn's nix wird dann ist natürlich die Rasse schuld.


    An Deiner Stelle würde ich, wie beetic geschrieben hat Deine Völker jetzt gut für das kommende Bienenjahr 2013 vorbereiten und durchbringen.

  • Hallo,
    Danke für die vielen, schnellen Antworten.
    Zum Futter: Alle Völker stehen/standen gut im Futter, daran kann die schlechte Entwicklung m.E. nicht liegen.
    Meine Bienen habe ich von einem benachbarten Imker (8km entfernt), sie sollten also an hiesige Bedingungen angepaßt sein. Trotzdem hatte er etwa den dreifachen Ertrag pro Volk im letzten Jahr. Mir ist damals schon (Technik sei Dank :) ) aufgefallen, daß auf der Fahrt zu ihm die Temperatur regelmäßig um einige Grad anstieg. Hatte auch nicht gedacht, daß es auf so kurze Entfernung so große Unterschiede im Kleinklima gibt. Auch Kirchhain ist ja nicht wirklich weit weg, trotzdem waren es letztes Jahr doch auch immer ein paar Grad mehr dort als hier. Und wenn die Temperatur hier eben 12 Grad ist, sind es ein paar Kilometer weg halt schon 15 Grad...
    Man sieht es übrigens dieses Jahr auch an der Rapsernte: Hier wird der Raps gemulcht, nur ein paar Kilometer weiter wird er geerntet. Da sind die Nachbarn schon etwas enttäuscht, wo sie doch jetzt endlich wieder einen Imker am Ort haben :oops:.
    Abraxas : Die sog. "Mittelrussische Biene" ist wohl eine A. mellifera mellifera. Del letzte Imker hier im Ort (hörte vor 35 Jahren auf) hatte wohl auch noch mellifera.
    Wichtig wäre mir, daß hier Bienen stehen, die mit den etwas kühleren Witterungsbedingungen umgehen können.
    Hatte dieses Jahr übrigens im Juni doch schon ca. 2kg Honig. Habe damit (u.a.) den Ableger gefüttert...
    Ich würde übrigens mindestens zwei von drei Völkern umstellen.


    Gruß
    Martell

  • Und......


    der höhere Ertrag der anderen Imker, kann auch am stärkeren Auffüttern zum Winter liegen.


    "Der meiste Rapshonig wird im Herbst eingefüttert". :u_idea_bulb02: :lol:


    Wolln wir abba nich......


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • Hallo,
    nochmals Danke für die Tips.
    Wandern ist leider für mich nicht drin, aus mehreren Gründen:
    1. (noch) kein passendes Fahrzeug für den Transport und
    2. Zu wenig Zeit, erstmal einen geeigneten Standort zu suchen und dann dort regelmäßig nach dem Rechten zu sehen.
    Bin momentan arbeitsbedingt nur am WE zu Hause. Solange die Mädels in Fußreichweite zu Hause sind, kann ich "mal schnell" die Sachen überziehen und die notwendigen Arbeiten machen, aber jedesmal erst das Auto packen, hinfahren, etc....
    Ich denke, das wird nicht praktikabel sein, zumindest momentan. Außerdem hilft es den oben erwähnten Landwirten wenig, wenn ich die Bienen woanders aufstelle :wink:.
    Kann mir jemand sagen, wo ich Königinnen der dunklen Biene herbekomme? Würde zunächst zwei abnehmen, ob Wabenstetig oder nicht (s. meine anderen Posts).
    Wichtig an Eigenschaften wäre mir: Viel Brut (sollte einen Dadant-Kasten besetzen können), Flugbetrieb bei Temperaturen unter 15 Grad und - natürlich - Honig :).


    Gruß
    Martell