Varroa erst Mitte August behandeln ?

  • Hallo Miteinander,


    hat jemand von Euch schon den Pia Aumeier Trick mit der Varroa-Behandlung erst Mitte August ausprobiert ? - Hintergrund dieser späten Massnahme beim herkömmlichen Magazinimkern wäre, nach dem letzten Schleudern einen leeren Honigraum auf den zweiten Brutraum aufzusetzen, und einfach abzuwarten, bis die Königin den ersten Brutraum verlässt, hochzieht, und dann, wenn die Brut des ersten Brutraums ausgelaufen ist, diesen Raum komplett zu entfernen, die ansitzenden Bienen in den HR abzustossen und das alte Wabenmaterial dem Wachsschmelzer zuzuführen. Erst dann wird behandelt bzw. aufgefüttert. - Funktioniert nur bei natürlichem Milbenfall < 10 pro Tag, Ende Juli. -


    Mir kommt das ganz schön riskant vor, und deswegen die Nachfrage, ob es hier im Forum Erfahrungswerte mit dieser Strategie gibt. Varianten ? Verbesserungen ?


    Viele Grüsse von Benjabien

  • Hallo Benjabien,
    das ist kein Pia-Aumeier-Trick sonder "Einfach Imkern" nach Dr. Liebig.
    Es hat nichts mit einer zeitlichen Festlegung der Varroabehandlung zu tun sonder dient in erster Linie dazu, so Liebig, einer jährlich Bauerneuerung.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Mir wurde gesagt, die späte Behandlung ist durchaus sinnvoll oder möglich, insofern der natürliche Milbenfall unter 5 auf 3 Tage liegt.
    Mancher Imker, so habe ich gelesen, lässt die Augustbehandlung sogar gänzlich fallen, wenn die Völker anhand der Puderzuckermethode oder Windelkontrolle augenscheinlich nicht belastet sind.
    Sie behandeln dann nur im Winter.


    Allerdings ist bei der späten Augustbehandlung meines Erachtens eine ganz andere Gefahr:
    Die Wetterlage. Da in Deutschland mit Ameisensäure behandelt wird, muss man natürlich auf die Temperaturen achten, welche für die Verdunstung notwendig sind.
    Nutzt also nix, wenn wenig Milben bis Ende August fallen und dann auf einmal viele, aber es ist kalt draußen...


    Die Oxalverdampfer oder Bienenwohlbehandler aus Österreich sind da Wetterunabhängig.


    Josefs Rat, die Bauerneuerung erst im Frühjahr zu unternehmen halte ich persönlich für sehr gut,
    obwohl wir einen Lehrbeauftragten aus Kirchhain da hatten, der uns das schön vorführte.
    Ich habe dieses Verfahren dieses Jahr bei einem Volk angewendet, welches ich auf Plastikrähmchen gekauft hatte, welche ich unbedingt vor dem Winter aus den Beuten haben möchte.
    Aber ich halte es für umständlich, da ich die Königin ja auf eine Zarge von oben und unten her durch Absperrgitter getrennt einsperre.
    Eventuell vorhandene Drohnen müsste man abfliegen lassen oder in der mittleren Zarge sterben lassen - nein, ein Tohuwabohu, was keiner braucht.

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo,
    es stimmt, dass Bienen auf bebrüteten Waben besser überwintern. Es ist auch nicht so wie hier beschrieben. Der Meister ordnet das Brutnest neu. Alle BW kommen in Zarge 2. Dann wird ein Magazin mit ausgebauten Waben aufgesetzt und gefüttert. Dann BR 1 entnommen und behandelt. Brut befindet sich dann im oberen Magazin auf den unbebrüteten Waben nicht. Elegant ist dies schon.
    Man muss unterscheiden, Altvölker werden jetzt gerade behandelt. Ableger erst Anfang September. Nicht vergessen, dann Altvölker auch noch einmal. Neu, es werden nur jeweils 100 ml in drei Tagen verdampft.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo,


    meine Wirtschaftsvölker, bauen nach Trachtende (hier um den 10. Juli) grundsätzlich eine Zarge (die obere) völlig neu. Meine Brutsammler bauen sogar das komplette Nest (2 Zargen) 4 Wochen später völlig neu. Nachteile für die Überwinterung habe ich nicht feststellen können. Ich verwende allerdings keine Mittelwände.
    Ist das mit der schlechten Überwinterung auf neuen Waben möglicherweise ein Imkermärchen? Oder hängt die angebliche schlechte Überwinterung mit dem Mittelwandwachs zusammen, das X-mal recycelt ist und möglicherweise Stoffe enthält, die für die Bienen bei Kontakt mit dem nackten Wachs nicht so bekömmlich sind?
    Ich bin jedenfalls der Meinung, dass das mit der schlechten Überwinterung auf frischem Wabenbau nicht verallgemeinert werden kann.


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    hast Du dieses jahr wieder TBE gemacht? Mich würden Deine Ergebnisse interessieren. (Gern auch als PN.) Oder als neues Thema.


    Ich habe das auch am 10.07. gemacht, wahrscheinlich aber zu wenige Bienen in die neue Kiste abgefegt. Natürlich plus Flugbienen. Die Fluglinge (neue Kiste) bauen aber nicht besonders gut, trotz Fütterung. Wahrscheinlich werde ich sie vereinigen müssen.


    Gruß Jörg

  • Hallo Miteinander,
    auch wenn wir vom eigentlichen Thema (mal wieder) etwas weg sind:
    Früher bekam man nach der Heidehonigernte sogenannte nackte Völker.
    Diese mussten auch erst neu bauen und auf diesen Bau überwintern.
    Und wir reden da nicht vom Zeitpunkt Ende Juli, sondern September.
    Die Überwinterung hat meist tadellos geklappt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,
    ob das immer geklappt hat? Und bauen mussten sie auch nicht, denn die Imker hatten einen Wabenschrank. Mittelwände waren teuer. Außerdem hatten sie keine Varroa und winterten auch keine Frühtrachtvölker aus.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Remstalimker,
    aber heute haben die Imker genügend Geld für Futter, das daraus noch überwinterungsfähige Völker werden.
    Und wir reden ja über einen ganz anderen Zeitpunkt, wann diese Völker gemacht werden.
    Daher verstehe ich die Sorgen nicht ganz.
    Und ob damals die ausgebauten Waben aus dem Schrank das A und O waren, kann man oft bezweifeln.
    Sagen wir es mal ganz vorsichtig: die nackten Völker aus der Heide konnten auch auf "B-Waben" gut überwintern.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Auf eine Behandlung generell zu verzichten, wenn die beschriebene Puderzuckermethode einen Wert unterhalb der Schadensschwelle vorgibt halte ich für sehr riskant und absolut unberechenbar.


    Generell sollte gelten, egal wieviele Milben (1 oder > 1 Milben) in einem Volk sind, und egal welches Diagonseschema angewandt und ausgewertet wird
    eine Behandlung muss sein.


    Ich kann mir jetzt schon wieder lebhaft die Heul - threads hier im Forum vorstellen, die im kommenden Frühjahr zu Völkerverlusten aufgemacht werden (müssen) wo dann wieder mehr oder weniger fachlich beratschlagt wird ob die Varroa oder das Wetter oder das Futter schuld am Verlust eines/der Völker schuld sind.


    Der/Die Imker haben es selber in der Hand für eine saubere und passende "Entmilbung" zu sorgen, und jetzt bereits den Grundstock für gesunde uns starke Völker für 2013 zu sorgen.


    Am Rande möchte ich noch erwähnen, dass die beschriebene Puterzuckermethode zwar sinnig ist, aber aus meiner Sicht etwas zu aufwändig.
    Egal was für ein Ergebnis dabei rauskommt - es gibt bei uns leider (noch) keine Völker die frei von Varroa sind. Und aus diesem Grund sollte eine Behandlung generell bevorzugt werden.

  • Hallo Lothar,
    sicher ist das heute ein Vorsprung gegenüber den nackten Heidevölkern, welche es erst Ende August gab. Dass die Waben aus dem Wabenschrank nicht das Gelbe vom Ei waren bestreite ich nicht aber schön ausgebaut waren sie "wertvoll". Für uns ist es möglich anders zu denken. Es gab sicher zwei Sorten von Imkern, wohl situierte Bürger, bei welchen der Mittelwandpreis keine Rolle spielten und solche , welche aus nackter Not imkerten. Die Bauern hielten ohnehin lange an Körben fest.


    Lustig finde ich, dass Teile der Naturbaufraktion fertige Waben aus Ungarn bestellen:lol:, dabei bauen Bienen, stetes Füttern vorausgestzt, schneller als eine Königin legen kann.


    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: