Heuer war kein Honiglecken!

  • Positiv - kann ich diesem Bienenjahr nur abgewinnen, daß es eine Erholung für mein Kreuz war und dass ich kein Wasser verprietscheln muss, zum Reinigen der Geräte.


    Bis dato hab ich gut 4 Zentner Honig verfüttert, die wären auch jetzt noch vielleicht drin, doch darum, tu ich mich nicht um.
    Nicht, dass ichs nicht zu schätzen wüsste, ich tät weder den Bienen, noch meiner Kundschaft oder mir was Gutes.


    Die Frühtracht wurde bis auf wenige Kränze weggeschlappert und was dann noch reinkam, war dünner Weissklee, der die Ernte garantiert zum Gären brächte.


    Na gut, Schwamm drüber!


    Eins hat es mich jedoch gelehrt, kommt der Wald nicht, würden sie verhungert sein.


    Und daran ist nicht allein das Wetter schuld - mehr schon unsere vielgepriesene "Kulturlandschaft", die aufgeräumt wirkt und jeder Buntheit beraubt wurde, zugewuchert von Mais und Weidelgras.


    Ja, - Frust ist auch dabei! Doch mehr leide ich mit den Anfängern, die um das erste eigene Honigbrot gebracht werden und die Überlebenschancen
    schwinden ebenso, bedingt durch die mangelnde Tracht.



    Angesichts der ganzen PSM Problematik und des mangelnden Trachtangebotes, sowie der noch immer schlummernden Gefahr der Agrogentechnik,
    macht das Imkern, bald keinen Spass mehr.


    Noch weniger motiviert es mich, Jungimker zu werben.


    Ohne eines Paradigmenwechsels in unserer Gesellschaft, wird das Imkern zu einer Sysiphosarbeit werden.



    Schönen Sonntag noch
    Simmerl

  • ...da kann ich Dir recht geben. Wenn man mal so die verschiedensten Faktoren betrachtet, kann man eigentlich zum Schluß kommen, dass die Menschheit in großen Teilen so ziemlich verblödet und es erst gewaltig weh tun muß. damit mal ein Umdenken stattfindet...
    Nun, auch hier bei mir gabs im Frühjahr nichts an lohnenswerter Erntemenge. Gut...nun im Sommer siehts etwas besser aus. Ohne den Mädels alles zu nehmen, werdens zumindest ein paar Kilo für den Eigenbedarf und die Familie. Sei es drum... wir geben nicht auf! Und ich als gelernter Ossi :wink: sowieso nicht. Was uns nicht umbringt macht uns stark. Oder - ums mit olle Erich H. zu sagen: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" :-D
    Zumnindest nimmt bei uns die Trachtbreite dank vieler wiedererweckter bewußter Kleingärtner und Kleinlandwirte zu... vielleicht hilfts. Auch die Gemeinde hat die Grünanlagenpflege-Intervalle stark verlängert, so daß die Bienen nun auch auf den Gemeindeflächen einkaufen können... meinen Dank dafür.

    Georg Christoph Lichtenberg: “Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden.”

  • Hallo


    der Simon Angerpointner kann einem schon leid tun, viel schlechter gehts da ja seinen Bienen und da kann man nur hoffen, das sich bald mal was ändert, denn das ist da höchste Zeit.
    Also da können wir in Sachsen wirklich froh sein, das es bei uns noch nicht so schlecht aussieht. Ich habe eher den Eindruck, das so mancher Landwirt auch mal was für die Bienen aussät, warum auch immer. (z.B.Erbsen, Sojabohnen, Reseda und auch Sonnenblume, auch werden die Kornblumen in den Getreidefeldern nicht totgespritzt, ich hoffe das bleibt auch so.). Unsere Wiesen haben reichlich Weisklee, Maiblume, die dieses Jahr nach dem nächsten Schnitt noch mal blühen wird, Spitzwegerich und an den Rändern noch allerhand schöne Wildblumen und ein bischen Wald haben wir auch noch.


    Allen denen es so geht wie Simon wünsche ich von Herzen bessere Trachtbedingungen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo
    Ich bin noch recht neu hier (Jungimker mit 48 Jahren) im Moment hab ich 2 Völker die noch wachsen Müssen,ich persönlich hatte dieses Jahr so wie so nicht mit einer Honigernte Gerechnet 1 weil das wetter im durchschnitt sagen wir mal Suboptimal sehr Bescheiden wahr,und 2 meine ich,das man einem Ablegervolk das bischen was sie gesammelt haben auch zum Überwintern Lassen sollte.
    Zur einseitigen Fruchtfolge in der Landwirtschaft : so Lange es sich lohnt Energiereiche Pflanzen anzubauen so lange wird es Landwirte geben die ihn anbauen,zumindest so lange wie es der Acker hergibt irgendwann sind die Böden so ausglaugt das nur noch Bonsaigras Wächst da hilft dann auch kein Dünger mehr.Und erst wenn das Passiert ist wird es ein umdenken geben.

  • Da hab ich diese Woche einen Bericht gesehen über die "Mäuseplage". Dem Bauern wurde empfohlen seine Äcker wieder zu pflügen - was auch sehr guten Erfolg brachte. Doch der Bauer hatte nun auch Angst vor den Nagern in den Randstreifen und war sehr empört, dass Seine Anträge diese zu mähen nicht genehmigt wurden ... - Er wurde als ein Kämpfer für eine gute Sache dargestellt.
    ...


    MfG André

  • ja ich habe das auch gesehen...
    Am liebsten hätte er bis an den Asphalt ran gepflügt, so wie er vorher alle Zwischenstreifen etc. auch umgepflügt hat.
    Verstehen kann man ja seine Gedanken. Aber man sollte auch uns Imker verstehen und den einen oder anderen umgepflügten Streifen z.B. mit Phacelia, Weißklee o.ä. ein sähen.
    Problem wärs bestimmt keins, nur wollen muß man.....


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo


    auch werden die Kornblumen in den Getreidefeldern nicht totgespritzt


    Bei uns schon. Es gibt nur noch vereinzelt Stellen am Feldrand und diese werden dann auch noch gemähd. Richtig blaue Kornfelder sind in meiner Umgebung "ausgestorben".
    Peter

  • Bei uns habe ich noch nie Kornblumen gesehen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß von Kornblume eine Tracht möglich sei. Vor kurzem bin ich durch die Eifel gefahren und habe dort ganz blaue Felder gesehen. Alles voll mit Kornblumen! Ich habe meinen Augen nicht getraut. Was für eine Pracht&Tracht.


    Es wäre schön, wenn die Landwirte anstatt mit der Chemiekeule mit Unter- und Mischsaaten arbeiten würden. Positive Beispiele gibt es zuhauf.


    http://mischanbau.de/


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo,


    ich habe das große Glück der Kornblumentracht.
    Ich habe nun schon das zweite Jahr direkt nach der Robinie gleich eine Anschlusstracht. Als Beweis die Fotos.


    Die Kornfelder sind nun aber fast abgeerntet und der Honig ist schleuderreif.


    Viele Grüße
    Steffen

  • Moin zusammen!


    Auch wenn es bei uns in diesem scheinbar wirklich miesen Honigjahr nicht ansatzweise so katastrophal wie beim Simon war, so sind die Erträge doch deutlich hinter denen der Vorjahre zurückgeblieben. Aber die Bienen mussten bisher nie hungern, da mehr oder minder pausenlos Tracht herrschte.
    Jetzt ist diese aber endgültig vorbei und es beginnt die Phase der Fütterung etc.. Ist zeitlich aber meiner Erfahrung nach im normalen Bereich.


    Zur Kornblume: Sie ist hier in diesem Jahr auf einigen Flächen auch erstmals wieder aufgetaucht, ob das allerdings mit weniger PSM zu tun hat bezweifle ich irgendwie. Mir scheint es, dass diese Flächen gezielt mit den o.g. Mischsaaten eingesät wurden, sei es zu Testzwecken oder weshalb auch immer.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Servus Simmerl,
    ich fühle mit Dir und wie Du. Ich habe seit 3 Monaten Bienen - und manchmal frage ich mich schon was ich mir da angefangen habe. Nicht wegen der Bienen sondern weil man noch mehr und noch intensiver mitbekommt, wie wenig Natur unsere Natur noch ist.


    Gerade ärgere ich mich (mal wieder) darüber, wie alle Randstreifen bis auf die Erde abgemäht - was sage ich, abegfräst werden. Wo gestern noch Braunelle und Weissklee blühten ist heute wieder grüne Wüste. Ich beobachte das schon mehrere Jahre und habe das Gefühl, dieser deutsche Ordnungswahn wird immer schlimmer. Jedes Jahr öfter, jedes Jahr noch tiefer bis zur blanken Erde. Früher lies man manche Margerithen oder schöne Wegwarten mal stehen -heute wird alles weggemäht und zwar so weit der Ausleger der Mähmaschine reicht - bis ins Unterholz.


    So wunderschöne Kornblumenfelder wie von Steffen fotografiert, sah ich zuletzt etwa in der Zeit als Tschernobyl passierte.


    Und als Imker (ich: Bienenhalter) kriegst Du sowas natürlich als allererster mit, der "Normalbürger" sieht sowas gar nicht und findet es so schön aufgeräumt. Und das Thema PSM - da fange ich jetzt gar nicht erst an sonst kann ich nicht mehr aufhören...


    Aber soll ich Dir verraten warum ich mir die Bienen in den Garten geholt habe? Weil es ihnen so schlecht geht. Weil es so wenige gibt.


    Vielleicht muß der Imker umdenken. Bienen halte nicht wegen des Honigs - sondern wegen der Arterhaltung.
    Eigentlich eine schreckliche Vorstellung....


    Alex



    P.S.: ich dachte immer in Deiner Gegend ist es mit Maisanbau noch nicht so schlimm? Je weiter zu den Bergen rein, desto weniger Maiswüste....

  • Hallo,


    vom Bauern werden die Kornblumen eher negativ gesehen. Angeblich verstopfen diese "Unkräuter" die Siebe der Mähdrescher und die Spritzmittel dagegen hätten nicht gewirkt?? :evil:
    Und wirklich ist ein anderes Feld noch in der Vollblüte nochmal "behandelt" worden.
    Aber dank guter Bestäubung und Samenausbildung kann die Kornblume gegen steuern. :lol:

    Mit freundlichen Grüßen


    Steffen Winde

  • Hallo


    ....man nur hoffen, das sich bald mal was ändert, denn das ist da höchste Zeit.
    Also da können wir in Sachsen wirklich froh sein, das es bei uns noch nicht so schlecht aussieht. Ich habe eher den Eindruck, das so mancher Landwirt auch mal was für die Bienen aussät, warum auch immer. (z.B.Erbsen, Sojabohnen, Reseda und auch Sonnenblume, auch werden die Kornblumen in den Getreidefeldern nicht totgespritzt, ich hoffe das bleibt auch so.).......


    Allen denen es so geht wie Simon wünsche ich von Herzen bessere Trachtbedingungen.


    Den Wünschen für Simon schließe ich mich an. Sooo schlecht sah es hier tatsächlich nicht aus, Gott sei Dank.


    Aber: Ich kann nicht erkennen, dass generell in Sachsen die Lage anders ist, die Landwirte anders, gar ökologischer, wirtschaften... Bei mir ist nichts mit Erbse und Sonnenblume, geschweige Kornblume oder Blühstreifen.


    Einzig die Erkenntnis scheint sich durchgesetzt zu haben, dass 4mal Grünlandmahd im Verhältnis zur geernteten Masse zuviel Diesel verbraucht....


    Einen kleinen Vorteil bietet speziell bei mir die Geographie: Waldig, bergig, hügelig, tws. Steilhänge an Flusstälern -dadurch -wenn überhaupt- nicht durchgängig intensiv zu bewirtschaften, keine Großschläge. An den Grenzstreifen zu diesen Flächen und auf denen selber blüht immer was. Aber keinesfalls Massentracht.


    Im Übrigen sieht man es hier derzeit als Naturschutzanliegen, das Springkraut zurückzudrängen....

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)