Imker holt mir auf meinem eigenen Grundstück einen Schwarm weg

  • Hallo zusammen,


    etwas habe ich mich mittlerweile abgeregt und habe aber trotzdem eine Frage.
    Mein Stiefsohn hat mich (Imker seit 4 Jahren) heute informiert, dass wir einen Schwarm im Garten haben. Daraufhin habe ich mich ins Auto gesetzt (musste allerdings 100 KM fahren) und wollte meinen Schwarm fangen. Als ich zuhause ankam, hatte mir ein "Kollege" den Schwarm vor den Augen weggefangen. Er machte seinen Kofferraum zu und zuckte lediglich mit den Schultern. Es ist klar erkenntlich, dass hier ein Imker wohnt (Sonnenwachsschmelzer etc.). Das BGB sagt ja eindeutig, dass ein ausgezogener Schwarm herrenlos wird. Nun hatte mein Stiefsohn den Schwarm aber bereits entdeckt und hat das Grundstück kurzzeitig verlassen. Darf der "Kollege" mir dann trotzdem aus meinem eigenen Garten einen Schwarm wegnehmen? Für mich wäre es selbstverständlich, dem Imker seinen Schwarm zu geben...


    Für eine Antwort wäre ich dankbar....

  • Hallo Michamel,
    meiner Meinung hast Du "unverzüglich" und nach "Kenntnisnahme" gehandelt und der Schwarm gehört demnach Dir.
    Sicherlich hat der Gesetzgeber Ende des 19. Jahrhunderts nicht mit Entfernungen von hundert Kilometern gerechnet,
    als er entsprechenden § verfasst hat, aber die Voraussetzungen scheinen erfüllt worden sein.
    Der Schwarm war auch nicht herrenlos, das wird er nur, wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt oder nicht aufnimmt.
    Auch das trifft nicht zu.
    Meine Auffassung: der Schwarm ist nach wie vor Dein Eigentum, und der "Kollege*" müsste ihn Dir übergeben.


    *hier gibt es solche, die nach dieser Methode bekannte Bienenstände anfahren und absuchen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • In einem Kommentar zu den Paragraphen hatte ich mal gelesen, dass die Verfolgung "gekennzeichnet" werden muss. Durch einen Schleier, Beute o.ä.
    Woher sollte der andere Imker denn sonst wissen, dass der Schwarm nicht herrenlos ist?
    Ich bin kein Richter, aber ich denke, ein Richter würde argumentieren, dass der Imkerkollege keinen Hinweis auf einen Eigentümer hatte und sich deshalb den Schwarm zu recht angeeignet hat.


    Trotz alle dem ist es nicht die feine Art und ich würde dem "Kollegen" auch nicht mehr unbedingt mit Handschlag begrüßen wollen ...

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Aber mal ehrlich...was hat eine fremde Person auf meinem Grund und Boden zu suchen und mir einen aus meinen Beuten ausziehenden Schwarm abzufangen? DAS ist doch nicht der Sinn der Schwarmverfolgung. Ein Grundstück zu betreten, wenn man einen Schwarm verfolgt, ok...aber auf fremden Grundstücken auf einen Schwarm zu warten? Ich weiß nicht...sehr grenzwertig, oder?:roll:


    Kann bei mir gerne mal einer probieren...............wenn ich schlafe höre ich schlecht wenn meine Hunde knurren, bellen und beißen.:wink:

  • Spannend! Ich bin anderer Meinung als Lothar. In § 961 BGB steht, dass er herrenlos wird, wenn er nicht "unverzüglich verfolgt" wird. Von Kenntnisnahme steht da nix:



    Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.


    Wenn der Sohn abzieht, ist das halt keine Verfolgung mehr und Verfolgung bedeutet ja wirklich "am Schwarm" dranzusein, wie § 962 BGB ja nahelegt:



    Der Eigentümer des Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten. (...)


    Die "feine Englische" ist das natürlich nicht und auf dem Grundstück eines Kollegen ist schon fast etwas dreist. Rechtlich könnte es aber ok sein. Theoretisch könnte es ja auch sein, dass es sein Schwarm war und er den bis zu dir verfolgt hat.


    Und bei euch fahren tatsächlich Leute andere Bienenstände an, um Schwärme einzufangen? Bei uns ist das anders, da muss man eher jemanden suchen, der einen Schwarm einfängt. Ich bin auch nicht wirklich scharf drauf, wenn es nicht einer aus meinen Völkern ist. Man weiß halt nicht, was man sich da einfängt!

  • Fremde Grundstücke zu betreten ist nur dem ursprünglichen Besitzer erlaubt, wenn er unverzüglich die Verfolgung aufnimmt. Dritten ist das betreten fremder Grundstücke natürlich nur erlaubt, wenn der Besitzer das ausdrücklich erlaubt. Dein Fall ist ein klarer Diebstahl.

  • Fremde Grundstücke zu betreten ist nur dem ursprünglichen Besitzer erlaubt, wenn er unverzüglich die Verfolgung aufnimmt. Dritten ist das betreten fremder Grundstücke natürlich nur erlaubt, wenn der Besitzer das ausdrücklich erlaubt. Dein Fall ist ein klarer Diebstahl.


    Das ist Quatsch, der herrenlose Bienenschwarm hat ja keinen Eigentümer, wenn du ihn aber verfolgst ist es dein Schwarm, du bist also der Eigentümer und darfst auf fremde Grundstücke.

  • Hallo Clemens,
    an anderer Stelle hier im Forum ist dieser Sachverhalt schon einmal so formuliert worden - und ich finde das so treffend beschrieben:
    unverzüglich heißt nicht sofort.
    Du darfst ruhig Deine Arbeit erst beenden (ein Schwarm ist [leider] kein Grund, früher Feierabend zu machen).
    Du kannst Dich auf den Weg zum Schwarm an die Straßenverkehrsordnung halten (glaube, der Polizist hätte diese Ausrede noch nicht auf dem Plan: Ich muss doch zu meinen Bienenschwarm!).
    Da hier im geschilderten Fall ja nicht "Keine Lust", "Zu beschwerlich" oder Ähnliches vorliegt, ist meiner Meinung der Schwarm nicht herrenlos gewesen.
    Zumal er sich auf einem als Bienenstand erkennbaren Grundstück befand.


    Hallo Miteinander,
    vielleicht sollte mal allgemeingültig geklärt werden, wie lange eigentlich "unverzüglich" ist.
    Zudem sollte imker soviel Anstand besitzen und auf anderen Bienenständen nicht "wildern".
    Vielleicht hätte es ja auch mal mit einer Nachfrage vorab geklärt werden können, ob der Schwarm herrenlos ist.
    Ich denke mal, die Info, "Vater ist unterwegs" hätte im Vorfeld alles geklärt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Fremde Grundstücke zu betreten ist nur dem ursprünglichen Besitzer erlaubt, wenn er unverzüglich die Verfolgung aufnimmt. Dritten ist das betreten fremder Grundstücke natürlich nur erlaubt, wenn der Besitzer das ausdrücklich erlaubt. Dein Fall ist ein klarer Diebstahl.


    acha, dann darfst du deinen Schwarm auf meinem Grundstück nur einfangen, wenn ich es dir erlaube.
    ist aber nicht so.
    Wiesen dürfen von jedermann betreten werden.
    es gibt eine zeitliche Beschränkung, während der Wachstumsperiode.
    da darf sie eigentlich ohne Begründung nicht betreten werden.
    Begründung wäre allerdings z.B ein Schwarm, welcher, sobald er die Beute verläßt, Herrenlos wird.
    und wenn ich nichts ersichtliches sehen, kann, daß ihn jemand verfolgt, tja dann gehört er mir.
    da gibt es auch keine zeitliche Zeitvorgabe.

  • Hallo Indi,
    ganz so ist es nicht.
    "...dann darfst Du Deinen Schwarm auf meinem Grundstück nur einfangen, wenn ich es Dir erlaube."
    Das hat der Gesetzgeber ja anders geregelt!
    Was haben jetzt Wiesen damit zu tun?
    Das Bettretungsrecht hat bei landwirtschaftlich genutzten Flächen eh nur der Besitzer (auch Pächter, Pächter anderer Nutzungsrechte) dieser Flächen.
    "Begründung wäre allerdings z.B. ein Schwarm, welcher, sobald er die Beute verlässt, herrenlos wird."
    Nein, bei einen herrenlosen Schwarm brauchst Du die Erlaubnis des Besitzers der Fläche.
    Und der Schwarm wird nicht automatisch herrenlos, sondern erst, wenn der Eigentümer diesen nicht verfolgt oder die Verfolgung aufgibt.
    Das ist ja gerade der Knackpunkt, das "unverzüglich" ist nicht allgemein geregelt und hängt von der Einzelfallentscheidung ab.
    Was verstehst Du unter "nichts Ersichtliches"?
    Ein fremder Bienenschwarm in der Nähe eines Bienenstandes ist doch ersichtlich genug.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.



  • Wiesen?
    weil nahezu alle Bienenstände sich auf Wiesen befinden.
    auf diesen herrscht ein jedermann betretungsrecht.
    solange ich den wiesen keinen Schaden zufüge.
    ausnahmen gibt es bei sog, "nutzungsbestimmungen" und "Nutzungsverbote", welche aber gekennzeichntet werden.
    im ersten Fall, z.B Fischerei und im zweiten Fall z.B. Ruhezonen.

  • Hallo Indi,
    95% der Bienenstände, die ich kenne, sind in Gärten.
    Bei uns gehören die Wiesen Landwirten, sind demnach Privatgelände und dürfen, auch wenn sie nicht umzäunt sind, nicht von Fremden betreten werden.
    Aber wir sind hier ja nicht im Wald- und Wiesen-Forum.
    Derartiges OT mag der Hartmut nicht so gerne...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.


  • das ist der unterschied zu uns beiden.
    alle Bienenstände, die ich kenne befinden sich auf Wiesen.
    in erster linie auf Obstbaumwiesen.
    und hier geht es darum, ob ein Fremder meine Wiese oder Land betreten darf.
    das wollte ich bereits vor 15 jahren auf einer meiner Wiesen, verhindern.
    das LA war absolut dagegen.
    nur haben die vom LA nicht mit dem Ideenreichtum eines indi gerechnet.