Winterfutter "Selfmade" vs. Fertigmischung

  • Hallo,
    hier mal eine Frage, die ich mir schon länger stelle:
    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen selbst gemachtem Bienenfutter (Sirup oder Zuckerteig) und gekauftem?
    Natürlich abgesehen von der Arbeit (vor der ich mich aber nicht scheue)...:wink:
    Ich habe inzwischen schon einige Imker gehört, die auf die gängigen Produkte wie ApiInvert etc. schwören und behaupten, das sei für die Bienen viiiieeel besser als selbst gemachtes Futter, aber bei der Frage nach dem warum kommt eigentlich nichts wirklich überzeugendes.
    Ich bin eigentlich eher der Meinung, das Fertigfutter ist viiieeel besser für den Geldbeutel der Hersteller, aber nicht wirklich für die Bienen.
    Vielleicht kann mich ja hier einer überzeugen:).


    Gruß
    Martell

  • Hallo Martell!


    1. Ich nehme Fertigsirup, weil ich mir die Zeit bei den Bienen nicht mit Zucker anrühren verplembern will.
    2. Ich nehme Futtersirup, weil die Räubereigefahr nahezu gegen null geht.
    3. Ich nehme Futtersirup, weil ich dann auch spät im Jahr noch ohne Abnutzung der Winterbienen füttern kann.
    Und:
    4. Ich nehme Futtersirup, weil die Fa. Kellmann gute Preise macht und sich Zucker anrühren daher aus meiner Sicht nicht mehr lohnt.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo Martell!


    1. Ich nehme Fertigsirup, weil ich mir die Zeit bei den Bienen nicht mit Zucker anrühren verplembern will.
    2. Ich nehme Futtersirup, weil die Räubereigefahr nahezu gegen null geht.
    3. Ich nehme Futtersirup, weil ich dann auch spät im Jahr noch ohne Abnutzung der Winterbienen füttern kann.
    Und:
    4. Ich nehme Futtersirup, weil die Fa. Kellmann gute Preise macht und sich Zucker anrühren daher aus meiner Sicht nicht mehr lohnt.


    5. Ich nehme Futtersirup, weil selbstangerührtes Zuckerwasser bei sommerlichen Temperaturen in kürzester Zeit "gammlig" werden kann.


    Martell schrieb:

    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen selbst gemachtem Bienenfutter (Sirup oder Zuckerteig) und gekauftem?


    Haushaltszucker (Saccharose) muss von den Bienen mithilfe von Fermenten aus ihrem Speichel in die beiden Bausteine Frucht- und Traubenzucker invertiert werden. Apiinvert und andere (Fertigfutter) sind schon fertig invertiert. Deshalb heißt´s wahrscheinlich auch Fertig-Futter.:wink:


    Grüße aus dem sonnigen Oberhessen nach Nordhessen
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Moin zusammen!


    Ein weiteres Argument neben den bereits genannten ist aus meiner Sicht definitiv die deutlich geringere Sauerei beim Umgang mit fertig abgepacktem Sirup, der nur 1x umgefüllt wird (aus dem Kanister in die Beute) im Gegensatz zum Zuckerwasser-Anrühren, wo zumindest bei mir immer alles erbärmlich klebrig war.:roll:
    Vielleicht bin ich aber auch motorisch einfach zu unbeholfen :wink:.


    Mein Fazit: Nix anderes mehr als "Fertigmischung"!


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Als einziger Pluspunkt nach all den Futterskandalen der letzten Zeit: Bei Selbstangerührtem weiß man, was drin ist!


    Allerdings rühre ich auch schon lange nicht mehr...ab einer bestimmten Völkerzahl wird nämlich schon der Zuckereinkauf ein Problem da dieser die "haushaltsüblichen" Abgabemengen in der Regel übersteigt.


    Chemisch gesehen sind da nur wenige Unterschiede - invertierter Zuckersirup erspart den Bienen etwas Arbeit und die fertigen Sirups sind stärker konzentriert als man das selber hinbekommt aber das ist es eigentlich auch schon.


    Melanie

  • Andererseits habe ich auch schon gehört, dass mit Fertigfutter die Bienen zu wenig zu tun haben,
    manche verdünnen deshalb die Futter, bzw. kommen zurück auf Zuckerlösung.
    Alles Vorgefertigte birgt doch irgendwo auch Nachteile.
    Mein Fahrrad wird deshalb bei jedem Einkauf zusätzlich mit "haushaltsüblichen Mengen" Zucker beladen :p


    LG Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Hier ein paar Infos zum Futter:
    http://www.diebiene.de/sro.php?redid=112056
    http://www.diebiene.de/sro.php?redid=120192


    Allgemein kann man sagen, dass du nur mit fertigem Zuckersirup eine so hohe Zuckerkonzentration hinbekommen kannst. Das geht beim Selbstanrühren nicht. Damit wird das Futter schnell abgenommen, kann schnell eingelagert werden und ist für die Bienen weniger Arbeit. Spielt aber eher eine Rolle, wenn du Ende September einfütterst. Bei normalen Fütterungszeiten geht auch selbstangerührtes Zuckerwasser.


    Nachteil: Bio-Sirup gibt es auf dem Markt afaik momentan nicht. Und die Futterqualität läßt bei manchen Herstellen wohl zu wünschen übrig, z.B. weil ein zu hoher HMF-Gehalt zu Bienensterben führt. Wir haben vor der Bio-Zertifizierung mit Api-Invert eingefütter, da habe ich bisher noch nie von Qualitätsproblemen gehört. Warum aber gerade für Kellmann oben geworben wird, verstehe ich nicht, da gab es ja in letzter Zeit nicht nur wegen gepanschtem Wachs Probleme: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=24669

  • Hallo,


    die "haushaltsüblichen Mengen" Zucker sind meiner Erfahrung nach, eigentlich kein Problem. Ich habe den Marktleiter des Supermarktes um die Ecke gefragt, wie es aussieht, wenn ich eine größere Menge Zucker bräuchte (200kg). Er meinte nur, ich sollte ihm einfach eine Woche vorher Bescheid geben, dass er die Bestellung darauf abstimmen könne, dann sei das kein Probelm.


    Über einen ortsansässigen Bäcker, (nicht Backshop/Verkaufsstand) habe ich auch schon 50kg Säcke beziehen können. Das war aufs kg gesehen nicht billiger, aber nicht so lästig, wie das Tüten aufreißen. Man muss nur mit den Leuten reden.


    Gruß
    Ludger

  • Moin Silvia!


    Zitat

    Andererseits habe ich auch schon gehört, dass mit Fertigfutter die Bienen zu wenig zu tun haben


    DAS ist genau der Punkt, weshalb Fertigfutter u.A. verwendet wird: Die Bienen müssen weniger umarbeiten und verschleissen daher angeblich nicht so stark vor dem Winter. Und zu tun suchen sie sich schon, meine bspw. neigen zu massivem Bauen während der Sirupfütterung.
    Und je nach Betriebsweise ist es in der Tat gut, den Bienen spät schnell abnehmbares Futter anbieten zu können, sodass sie trotz entsprechend terminierter Fütterung gut durch den Winter kommen.


    Sonnige Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Es gibt auch Situationen in denen die schnelle Abnahme nicht gewünscht ist, etwa beim Füttern von Ablegern nach deren Bildung. Da ist Futterteig angebrachter, das gibt eine kontinuierliche Abnahme, die aber nicht gleich das Brutnest zukleistert. Auch die Gefahr der Räuberei ist so geringer.

  • Hi Patrick,


    Die Bienen müssen weniger umarbeiten und verschleissen daher angeblich nicht so stark vor dem Winter.


    In irgend einem Buch habe ich gelesen, daß manche absichtlich dünn füttern, DAMIT die Bienen stärker verschleissen und die Sommerbienen sich so zu Tode arbeiten. Dann bleiben nur die starken und gesunden für den Winter. Also als Maßnahme zur Stärkung der Volksgesundheit.
    Was ist davon zu halten?


    Und nochne Frage: woher bezieht ihr z.B. ApiInvert? Aus einem Imkereigeschäft vor Ort (was es bei uns nicht gibt) oder im Versandhandel (ziemlich schwer das Zeug...)?


    Dankeschön,


    Alex

  • Tach Alex!


    Ich denke auch, dass sich die Altbienen am Futter umarbeiten abarbeiten, aber die jungen Bienen tun dies natürlich auch. Wie das Verhältnis ist kann ich dir aber nicht sagen. Ich denke jedoch, dass eher die Jungbienen den Innendienst leisten und die Altbienen in der spätsommerlichen Trachtlosigkeit eher "rumhängen" als sich am Eindicken des Futters zu beteiligen.


    Ich beziehe mein Futter übrigens vom Imkereifachahndel vor Ort, Versand wäre bei den benötigten Mengen vermutlich im Verhältnis immer noch zu teuer.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!