Unentgeltlicher Schwarmfang? Berechtigung?

  • Hallo,


    bei mir in der Nähe hat ein Imker seine Bienen aufgestellt und von diesen Bienen gehen ab und zu Schwärme ab, in den letzten 14 Tagen mindestens 3. Von denen zog einer in das Dach eines Reihenhauses ein, schlecht erreichbar, konnte aber letztlich von mir geborgen werden. Da hatte ich noch keine Idee, woher der stammen könnte.
    Der zweite zog ebenfalls in das Dach eines Reihenhauses ein, aber völlig unerreichbar. Zum Glück zog der von selbst wieder aus und verschwand.
    Der dritte zog gerade aus, als ich an dem Stand vorbei ging. Ich fing ihn ein, ermittelte die Telefonnummer des Imkers und rief ihn an. Anrufbeantworter. Ich sprach die Information auf das Band, der Imker hat sich innerhalb von 2 Tagen nicht gemeldet (= schuldhafte Verzögerung der Verfolgung des Schwarms = Verstoß gegen "unverzüglich"); daraufhin habe ich den Schwarm einem Jungimker gegeben.
    Diese Praxis, die Schwärme einfach in den sicheren Untergang ziehen zu lassen und den Hauseigentümern damit Aufwendungen und Kosten (Kammerjäger, Feuerwehr) zu verursachen, gefällt mir nicht! Aber was kann ich tun? Unentgeltlich die Schwärme fangen und dem Imker übereignen? Das gefällt mir auch nicht. Gibt es einen üblichen Satz für Schwarmfang, den ich ihm für einen gefangenen und gemeldeten Schwarm in Rechnung stellen kann? Bin ich überhaupt berechtigt, seinen Schwarm zu fangen, oder muss eine Amtsperson (Polizei, Feuerwehr) dabei sein, weil ich sonst des Diebstahls bezichtigt werden könnte?
    Was ratet ihr mir?


    Viele Grüße Ralph

  • wahrscheinlich kannst du da gar nix machen - wenn der Imker den Schwarm nicht verfolgt ist dieser herrenlos. Er (der Imker), kann für nichts vrantwortlich gemacht werden. Wir hatten das hier schon mal mit demTrafohäuschen vom AKW. mfg

    Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? ( Vincent van Gogh )

  • Der Schwarm ist herrenlos. Wie willst Du nachweisen, dass der Schwarm von diesem Imker stammt?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Erst gestern gelesen:
    Zitat aus "Mein Bienenjahr" von Lieselotte Gettert, Seite 82:


    Zitat

    "§§ 961 bis 964 Bürgerliches Gesetzbuch regeln das Schwarmrecht. Es sagt, daß jeder Schwarm als herrenlos gilt, der vom Eigentümer nicht unverzüglich verfolgt wird; dazu darf man auch ein fremdes Grundstück betreten. Ein gefundener Schwarm gehört also stets dem Finder. "

  • Hallo,

    Zitat

    Diese Praxis, die Schwärme einfach in den sicheren Untergang ziehen zu lassen und den Hauseigentümern damit Aufwendungen und Kosten (Kammerjäger, Feuerwehr) zu verursachen, gefällt mir nicht!

    Das sehe ich ganz genauso. Imkern mit dem Schwarmtrieb geht anders.

    Zitat

    Aber was kann ich tun?

    Nix - doch, mit ihm reden. Versuchen.

    Zitat

    Gibt es einen üblichen Satz für Schwarmfang, den ich ihm für einen gefangenen und gemeldeten Schwarm in Rechnung stellen kann?

    Nee. Ist ja nicht seiner, nicht mehr. Wie schon gesagt ist er herrenlos, da er nicht unverzüglich durch die Verfolgung seine Besitzansprüche geltend gemacht hat. Genau genommen ist es dann also auch schnurz, dass sie aus seinen Beuten kommen. Das muß erstmal bewiesen werden ind dem Falle, dass es immer wieder Ärger wegen den Schwärmen gibt.

    Zitat

    Bin ich überhaupt berechtigt, seinen Schwarm zu fangen, oder muss eine Amtsperson (Polizei, Feuerwehr) dabei sein, weil ich sonst des Diebstahls bezichtigt werden könnte?

    Absolut! Ohne wenn und aber. Steht oben ja schon.


    Hier hatten wir auch schon mal was Rechtliches zum Thema Schwarm.


    Ich würde dem Imker erst einmal mitteilen, dass überhaupt die Schwärme raus sind (mehr als der telefonisch bei ihm gemeldete) und dass sie in der Umgebung Probleme gemacht haben, Dir dann auch Arbeit und Umstände.
    Horch mal, ob man auf einen Nenner kommen kann.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Faszinierend finde ich diesen Paragraphen:


    § 962 BGB
    Verfolgungsrecht des Eigentümers
    Der Eigentümer des Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten. Ist der Schwarm in eine fremde nicht besetzte Bienenwohnung eingezogen, so darf der Eigentümer des Schwarmes zum Zwecke des Einfangens die Wohnung öffnen und die Waben herausnehmen oder herausbrechen. Er hat den entstehenden Schaden zu ersetzen.



    Das heisst also, wenn beim Imker-Kollegen ein Schwarm abgeht und in das freie Bienenhaus 1 Meter daneben einzieht, darf ich diesen Kasten aufmachen und den Schwarm rausnehmen, da er ja ab Flugloch herrenlos war. *grins*
    So macht man sich Freunde...


    Aber im Ernst: Ralph, hast Du schon so viele Völker daß Du die Schwärme nicht einfach behalten kannst?
    Und wenn Du die Schwärme verkaufst? Ist ja Dein gutes Recht!


    Grüße,


    Alex,
    der sich über einen Schwarm freuen würde - wenn er nicht von meinen Völkern abgeht... ;)

  • Bienenhummel :
    Genau, erst den Schwarm aus der Kiste daneben rausholen und dann noch anschwärzen, weil der Imker gegen die Bienenseucherverordnung verstoßen hat.
    Denn leere Beuten müssen ja stets bienendicht verschlossen sein (siehe anderer Thread dazu).
    Na das Gesicht von dem Imker würde ich gerne sehen. :-)

    There are 10 kinds of people. Those who understand binary and those who don't!


  • Nee nee, Alex!


    DER EIGENTÜMER darf die Wohnung öffnen. Ein herrenloser Schwarm hat KEINEN Eigentümer. Also darfst Du weder eine Bienenwohnung öffnen noch fremde Grundstücke ohne Erlaubnis betreten. Das alles gilt nämlich nur, wenn der Schwarm aus Deinen Völkern abgegangen ist und Du ihn "unverzüglich" verfolgst.


    Dabei ist "unverzüglich" juristisch zu verstehen, nämlich "ohne schuldhaftes Verzögern", nicht etwa das umgangssprachliche, "sofort"! Vielleicht ist der Angerufene ja für ein paar Tage in Urlaub gefahren. Dann kann er den Anruf nicht entgegen nehmen und die Verzögerung ist unverschuldet.

  • Es ist eindeutig von Vorteil, wenn man lesen kann :-)
    Du hast Recht Rallemann, der Eigentümer des Schwarms darf fremde Bienenwohnungen öffnen und Grundstücke betreten, nicht der Finder. Kleiner, aber feiner Unterschied...


    Und "unverzüglich"...
    Wenn ich also einen Schwarm finde, ihn einfange und der Eigentümer nach 3 Wochen Urlaub aus Neuseeland zurückkommt - dann kann der ihn zurückfordern, weil er ja unverzüglich seinen Schwarm verfolgt hat - nach seinem Urlaub?
    Wie immer geben Gesetzestexte jede Menge Raum für Spitzfindigkeiten...


    Ergo: mit den Leuten reden! Da kommt man auf bessere Ergebnisse...


    Und natürlich hat niemand nicht kein freies Bienenhaus offen rumstehen. Obwohl ich immer wieder von anderen Imkern höre, daß ihnen ein Schwarm "zugeflogen" ist - in eine alte Zarge... Tja.


    Alex


  • Und "unverzüglich"...
    Wenn ich also einen Schwarm finde, ihn einfange und der Eigentümer nach 3 Wochen Urlaub aus Neuseeland zurückkommt - dann kann der ihn zurückfordern, weil er ja unverzüglich seinen Schwarm verfolgt hat - nach seinem Urlaub?
    Wie immer geben Gesetzestexte jede Menge Raum für Spitzfindigkeiten...


    Deshalb liebe ich die "Juristerei" :-) Wobei ich hier durchaus ein schuldhaftes Verzögern erkennen würde, wenn jemand zur Schwarmzeit sein Volk drei Wochen ohne "Urlaubsvertretung" zurückließe.


    Ergo: mit den Leuten reden! Da kommt man auf bessere Ergebnisse...


    Da hast Du meine Zustimmung.


    Und natürlich hat niemand nicht kein freies Bienenhaus offen rumstehen. Obwohl ich immer wieder von anderen Imkern höre, daß ihnen ein Schwarm "zugeflogen" ist - in eine alte Zarge... Tja.


    Aber die war doch noch nie in Gebrauch (siehe entsprechender Thread - "nicht mehr besetzte Bienenwohnung") ;-)


    Grüße aus dem Bergischen Land,
    Ralf

  • Zitat

    Deshalb liebe ich die "Juristerei" :-) Wobei ich hier durchaus ein schuldhaftes Verzögern erkennen würde, wenn jemand zur Schwarmzeit sein Volk drei Wochen ohne "Urlaubsvertretung" zurückließe.


    Wobei sich dann das Gegenargument aufdrängt: aber er hat doch alle zumutbaren Schwarmverhinderungsmaßnahmen getroffen! ;)