Weingärten - zu hohe Risiken für Bienen?

  • Hallo liebe Imkerforumgemeinschaft!


    Grundsetzlich bin ich eher abgeneigt, in der Nähe bzw. in der Umgebung von Weingärten Bienen zu halten. Allerdings liest man doch immer wieder, wie auch hier im Forum, dass es den einen oder anderen Imker gibt, der sich scheinbar gut zu recht findet, in so Weingärten. Wie darf ich das also interpretieren? Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die PSM Spritzungen in den riesigen Weingärten, die von Berufswinzern ausgeführt werden, nicht zu knapp kommen und irgendwo dann auch wohl keinen Unterschied zu einem Getreide- oder Maisfeld in unmittelbarer Nähe, für die Bienen bestehen könnte?


    Ich kaue deswegen nochmal diese Frage durch, weil ich relativ oft nette Gärten zum pachten oder kaufen finde, die aber wirklich unmittelbar neben großen Weingärten bzw. mitten in einem Weinanbaugebiet stehen. Was können mir die Imker dazu sagen, die mit ihren Bienen in Weingärten stehen? Ist es wirklich nicht so schlimm?


    Vielleicht kann mir so jemand die Entscheidung erleichtern? Also, Weingarten: Ja oder nein? Hab ich zu viele Bedenken?


    Herzlichen Dank erstmal,

    Mit freundlichen Grüßen, Lachnide

  • Moin,


    also an meinen Wein gehen keine Bienen, nur an von Wespen angestochene Früchte.
    Wenn es Dir also darum geht, Bienen im Weinberg zu haben (Nacktarsch-Honig oder so...:p) - das wird nix.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Weinberg ist gut, so lange der Löwenzahn blüht, danach hungern deine Bienen. Ärger gibt wie Hardy schon berichtete vor der Ernte, weil Weingärtner Wespen und Bienen nicht unterscheiden können.


    Gruß
    Remstalimker


    Das Remstal ist teilweise eine Weinagrarwüste.

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo


    gestern habe ich erstmals auf meinem Wein zwei Bienen entdeckt, bisher habe ich immer nur Hummeln und Wespen gesehen. Zierwein, mit dem manche Häuser bewachsen sind, werden sehr gut von den Bienen beflogen.
    Wo Weingärten nicht gespritzt werden sehe ich keine Probleme.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Meine Bienen stehen auch mitten im Weinberg und auch ich habe wenig Probleme.
    Außer das schon weiter oben erwähnte Problem im Herbst bei der Weinlese. Die Trauben werden schon arg von den Bienen beflogen und das erschwert die Ernte - deswegen überlege ich mir auch heuer vielleicht in dieser Zeit abzuwandern.
    Als Tracht habe ich heuer Klee bemerkt den die Winzer verstärkt säen und natürlich der Löwenzahn im Frähjahr.


    Grüße
    Hannes

  • Honigt denn der Wein? Pfefferle schreibt das ja, ein Nachbarimker - der inmitten von Weinbergen imkert - sagte aber, dass die Bienen nur auf wilden Wein, nicht aber auf Kulturanbau gehen. "Weinrebenhonig" - wäre schon super, aber gibt's den? Toni und Hannes, wie schaut es bei euch aus?


    Ich hatte fast schon mal einen Standort an den Mainwiesen fest gemacht, bin dann aber wieder davon abgekommen. An den Hängen wird doch sehr viel gespritzt und als Bio-Imker ist es auch schwierig, da konventioneller und Bio-Anbau gerade im Weinberg sehr eng beisammenliegen.

  • Honigt denn der Wein?


    Dass der Wein honigen würde ist mir noch nie aufgefallen. Habe auch niemals eine Biene auf den Weinblueten gesichtet. Aber auf wilden Wein habe ich eben erst ein paar Bienen gesehen die fleißig sammelten aber wieviel dort Nektar zusammenkommt weiss ich nicht.


    Grüße
    Hannes

  • Moin,
    aus :
    Das Trachtpflanzenbuch:
    N1/P1


    Vitis vinivera und Vitis labrusca
    In gewissen Jahren wird in den Rebbergen Mitteleuropas reger Bienenbesuch beobachtet,
    Sehr stark beflogen werden die blühenden Jungfernreben, die Blütezeit fällt in die Monate Juli/August
    Die Nektarsektretion beträgt 0,9-2,0/Bl, mit 29-67 % Zucker und einem Zuckerwert von0,5-0,6mg
    Der Honigwert reiner Bestände wird auf 188-262 kg/ha geschätzt.
    Die Pollenproduktion der Rebe ist spärlich, so bleibt derAnteil Vitishöschenim Allgemeinen unter 1% der Gesamternte.
    Untersuchungen, die zur Abklärung der Ursachen massiver Bienenschäden nach Pflanzenschutzmaßnahmen im süddeutschen Rebbaugebiet unternommen wurden, zeigten aber, daß zur Zeit der Rebenblüte größere Mengen Vitispollen von den Bienen gesammelt wurden und daß der in den Wabenzellen gespeicherte Pollen zum guten Teil von Reben stammte.
    Gruß
    Helmut

  • Vielen Dank für die vielen und ausführlichen Antworten! =)


    Nun, bzgl Tracht hätte ich weniger bedenken (umliegenden Siedlungen, Wälder und Agrar), wenn dann eher wegen PSM. Wenn ich so die winzigen Traktoren mit diesem PSM-Gerät hinten dran durch die Weingärten fahren sehe, ist es immer wieder diese riesige Wolke die irgendwie durch die Gegend fliegt, die mir Angst bereitet. Wenn es so eine Wolke zu den Völkern drückt bzw. eine Flugbahn bein Tracht voll dawischt, "na servus". Finde es aber interessant das das wohl eher nicht so das Problem zu scheinen sei, sondern eher dann bei der Weinernte die vielen lustigen Bienen darauf? Hm. Ist halt auch unangenehm, der Winzer wird den Imker sicher dann hassen ;-).


    Okay, also unterm Strich weiß ich nun, dass das eher nicht so mein Ding ist. Danke!

    Mit freundlichen Grüßen, Lachnide

  • Danke Helmut, Maurizio/Schaper gerade aus dem Regal geholt, guter Tipp!! Die Angaben zur Nektarsekretion und zum "Honigwert" (= Ertrag??) beziehen sich auf Parthenocissius tricuspidata, das ist der bei uns bekannte sog. "Wilde Wein" oder "Jungfernrebe", der selbständig an den Hauswänden hochrankelt. Nektarsekretion wurde lt. Maurizio/Schaper bisher nur in Italien (bei Vitis vinifera) und in den USA (bei Vitis labrusca) nachgewiesen. Dann folgt im Trachtpflanzenbuch der Absatz oben, den Helmut zitiert hat mit der Relativierung, dass in Europa doch schon mal Bienen im Weinberg zu sehen waren. ;-)


    Daraus würde ich nun schließen, dass der Wilde Wein recht gut ist, aber es leider keine Hektar-reinen Bestände gibt, und der normale Wein nun doch leider nicht gerade der Bringer ist.


    Allerdings schreibt Pfefferle in "Imkern mit dem Magazin", 6. Aufl., S. 199, Nur als Bildunterschrift, keine weiteren Angaben im Text:
    "Die Bienen befliegen auch die Rebblüte gerne, was leider zu lange nicht beachtet wurde. Diese Monokulturen locken blütenstetige Bienen mit ihren rationell ausgerichtetem Sammelinstinkt, bei schöner, warmer Witterung aus fast unglaublich weiten Entfernungen heran."

  • Zitat

    dann ist der Löwenzahn schon lang verblüht.

    Allerdings gab es beim Mulchen noch eine kostenlose Schwarmverhinderungsmaßnahme. Die Flugbienen kamen unter das Messer.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Moin, moin,


    ... dann ist der Löwenzahn schon lang verblüht.


    wenn er nicht in ein integriertes Pflanzenschutzprojekt als systemisch vergifteter Engerlingsköder eingebunden wurde. Im Kaiserstuhl, höre ich, tut man so, um den Feldmaikäfer zu bekämpfen und von den Rebwurzeln fern zu halten.


    Dann ist er zwar auch durch, aber die beteiligten Bienen eben ebenfalls, oder auf dem Weg dahin.


    Gruß Clas

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