Aktuell: Schleichende Vergiftungen?

  • ...viel zu wenig Flugbetrieb. ...
    Irgendwie werden die immer weniger...


    Das geht nicht nur Dir so. Das scheint im Moment wegen der Vielzahl dieser Meldungen sehr verbreitet zu sein. Das Wetter oder die Tracht kann nicht wirklich daran schuld sein. Irgendetwas stimmt da nicht. Du kannst an manchen Ständen förmlich zusehen, wie die Bienenmasse schwindet. Egal ob Ableger, Schwarm, Vollvolk. Außerdem sind vor den Beuten desorientierte Bienen zu finden.


    Falls ihr Reihenaufstellung habt - berichtet mal von den Unterschieden von Völkern, die außen am Eck stehen und denen, die in der Mitte stehen - was seht ihr?


    Volle Brutbretter, keine Gewichtszunahmen und wenig Flugbetrieb, weniger werdende Flugbienenmasse. Wer beobachtet Ähnliches bei den Völkern? Augen auf!


    Gruß
    Bernhard

  • Moin Bernhard!


    Das von dir geschilderte Phänomen fällt mir seit ein paar Jahren (länger achte ich noch nicht drauf) auch regelmäßig auf: Die Völker platzen zu Beginn der Obstblüte wirklich zusehends vor Bienen, halten diese Stärke scheinbar auch gut bis zum Ende der Rapstracht, im Anschluß allerdings sind die Völker um mindestens 1HR-Füllung Bienen schwächer. Welche Bienen genau fehlen kann ich nicht sagen, allerdings kommt als Folge in der Folge auch verhältnismäßig weniger Tracht rein. Geschätzt nach 3-5 Wochen hat sich das Ganze dann ausgeglichen und die Völker stehen meist wieder sehr gut da bzgl. ihrer Stärke. Das ist aber für die Nutzung der ziwschenzeitlich einsetzenden Trachten natürlich ein bisschen zu spät.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Noch eine Beobachtung: Völker mit richtig viel Brut (zwei Warrezargen komplett, alle Stadien, Arbeiterinnen) haben richtig viele Drohnen. Ich schätze den Anteil auf 50 % Drohnen an den adulten Bienen im Stock. Wie gesagt, so viel Drohnenbrut gibt es gar nicht, vorwiegend Arbeiterinnenbrut. Das Volk ist mehr als weiselrichtig. Trotzdem überwiegt der Anteil der Drohnen.


    Gibt es noch mehr, die solche weiselrichtigen Drohnenvölker beobachten? Ob ein Zusammenhang mit den Berichten zu den mißglückten Königinnenserien besteht?


    Gruß
    Bernhard

  • ...
    Volle Brutbretter, keine Gewichtszunahmen und wenig Flugbetrieb, weniger werdende Flugbienenmasse. Wer beobachtet Ähnliches bei den Völkern? Augen auf! ...


    Irgendwie scheint mir... Der Schuldige wir massiv benannt, hier ists dann sekundär mal wieder der DWV:

    Zitat

    "Zuvor waren bereits Insektizide, Pestizide und eine parasitäre Fliege als Verursacher des Bienensterbens vermutet worden."


    http://www.spiegel.de/wissensc…nter-bienen-a-837744.html


    rst

  • Hallo


    von Flugbienen Verlusten kann ich noch nicht berichten, hoffendlich bleibt es so, sind voll in der Kornblumentracht, über den Nektareintrag kann ich nichts sagen, dafür wird reichlich Pollen eingetragen. Aber mit der Königinnennachzucht scheint es nicht richtig zu klappen, nur 50 %. Bei dem EWK ist die Königin nicht zurück gekommen. DWV ist zur Zeit bei mir nicht zu beobachten.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    ich mache die gleichen Feststellungen, nach dem Schleudern der Frühtracht habe ich mit größtenteils MW die Honigräume wiederbefüllt. Nach ein paar Tagen Nachschau bin ich erschreckt, die HR sind fast bienenleer, schöne, ausgeprägte Brutnester aller Stadien sind da; der Flugbetrieb hat nachgelassen ( ist aber auch wesentlich kälter geworden). Ein Kollege hat gleiche Symptome, er hat Bienen in Mayen untersuchen lassen, Befund: starke Nosemose. Sowas habe ich in 35 Jahren noch nicht erlebt. Mitte April bei einigen Völkern auch schon DWV -verkrüppelte Bienen festgestellt. Es scheint so zu sein, dass diese Bienen schon bei geringstem Varroabefall auftreten, ich muss auch vermehrt Kalkbrut feststellen. ---- Viele Fragen, kaum Antworten ------



    Salve, Peter

  • Hallo


    noch ein Gedanke, nach einer Haupt bzw Volltracht haben sich eine große Zahl der Flugbienen abgeflogen und kommen vor allem, wenn das Wetter kühler ist nicht mehr nach Hause.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Tach Reinhard!


    Diesen Gedanken habe ich auch immer wieder, ich frage mich dann allerdings ebenfalls immer wieder auf`s Neue, wie es zu z.B. hohen Erträgen aus ehem. Rapsvölkern in der Robinie kommt, wenn den Völkern die Bienen fehlen. Es wird ja wohl kaum verstärkt oder sonstwie rummanipuliert?!
    Das es eine Zeit dauert bis dann wieder entsprechend Flugbienen da sind leuchtet ein, andererseits sollte z.B. eine Rapstracht mit ihrer massiven Pollen- und Nektarversorgung ( evtl. ist diese der Knackpunkt?!) die Völker zu massig Brut ohne Einschränkung reizen, wenn sie schwarmunlustig sind. Diese sollte dann zum Ende der Tracht so oder so in Form von Jungbienen zur Verfügung stehen wenn sie uneingeschränkt durchkommt, oder?


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hollo Patrick


    der Gedanke ist auch zu beachten, aber ich denke, wenn die Bienen ausfliegen und zu wenig Nektar finden, eben bedingt durch das kühle Wetter, reicht die Kraft nicht mehr nach Hause. Ich denke bei einer Tracht am "Fließband" wird die Erscheinung nicht auftreten. Umsonst muß nicht in manchen Gegenden nach dem Raps gefüttert werden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Reinhard!


    Ich glaube nicht, dass die Bienen bei der "Startbetankung" derart knapp kalkulieren, dass sie bei Mißerfolg und Mehrverbrauch durch kühleres Wetter unbedingt verlustig gehen. Und ich denke wenn sie was finden, dann wird das erstmal für`s eigene Weiterfliegen und -leben verwendet, bevor so eine Biene mit vollem Honigmagen sich ansonsten "leer fliegt". Hätte evolutionsbiologisch auch wenig Aussicht auf Erfolg.
    Und das Phänomen tritt ja auch bei einer durch Wanderung herbeigeführten Fließbandtracht auf, da fällt es ja eben auf. Also mir. Es fehlen da einfach für die 2. Tracht des Jahres einige (zig-)tausend Bienen.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • ...starke Nosemose...


    Naja, eine sehr merkwürdige Jahreszeit für Nosema. Laut Friedrich Pohl "Bienenkrankheiten" ISBN: 978-3-440-10407-1 auf Seite 113 kommt Nosema vorwiegend im April/Mai zum Massenwechsel Winter- zu Sommerbiene vor. Auch bei Wolfgang Ritter "Bienen gesund erhalten" ISBN: 978-3-8001-5729-7 wird auf Seite 148 die Durchlenzung als kritischen Zeitpunkt im Jahr genannt.


    Als Schnelltest kann jeder tote Bienen vor dem Flugloch auflesen und mit der Pinzette den Darm hinten herausziehen - ist dieser milchig-weiß, deutet das auf eine mögliche Nosemose hin. Ist die Farbe eher gelb bis braun, ist der Befall eher gering/unwahrscheinlich. (Ritter auf Seite 149)


    Nosemose kann auch eine Spätfolge einer Vergiftung mit Neonicotinoiden sein: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=27761


    Gruß
    Bernhard

  • Latent ist CPV in jedem Volk vorhanden.


    Ja, merkwürdig. Wenn solche Viren plötzlich "virulent" werden, dann stimmt vorher schon etwas nicht.


    Gruß
    Bernhard

  • Natürlich müssen da schleichende Vergiftungen in betracht gezogen werden!


    Bayer selbst hat sich ja schon 1997 dessen grühmt, daß Imidacloprid in hoher und in niedriger Dosierung unterschiedliche Wirkungsweisen hat.
    Die Wirkungsweise bei Niedrigdosierung nannten sie "Premise Plus Nature" (TM), diese führt zum schleichenden Tod der Kolonie durch Sekundärinfektionen.


    (Premise ist der Produktname von Imidacloprid gegen Termiten)



    http://www.pctonline.com/Article.aspx?article_id=39807


    Übersetzt:


    "Mit Premise gibt es zwei Wirkungsweisen. Bei mittlerer und hoher Aufnahme verursacht Premise daß die Termiten aufhören, Futter aufzunehmen und aufhören sich gegenseitig zu putzen, es führt zu Desorientierung und Tod.
    Premise Plus Nature kommt zur Wirkung bei geringerer Aufnahme. Im Gegensatz zu Termitengiften die als Kontaktgift oder Abschreckungsmittel funktionieren, ist Imidacloprid hiermit in einer Klasse für sich alleine.


    Genause wie Keime Krankheiten und Infektionen beim Menschen verursachen, so verursachen Mikroorganismen, besonders Pilze die natürlicherweise in der Erde vorkommen, Infektionen bei Termiten. Pilzsporen heften sich an der Kuticula der Termiten fest, keimen aus und durchdringen sie und verursachen schließlich deren Tod. Aber mit Hilfe von Mutter Natur haben Termiten einen Weg gefunden, in diesem feindlichen Bodenmilieu zu überleben.


    Die Gewohnheit der Termiten, sich selbst und andere Termiten in der Kolonie zu putzen, ist ein elementarer Bestandteil ihres Abwehrsystems. Diese instinktive Gewohnheit ermöglicht es den Termiten, die Gefahr durch Pilze beinahe völlig zu eliminieren; Termiten entfernen die Sporen bevor sie keimen und somit Krankheiten verursachen können .


    Premise Plus Nature unterbricht diesen natürlichen Abwehrprozess. Nachdem die Termiten dem Mittel ausgesetzt waren, putzen sich die Termiten nicht mehr und kümmern sich nicht mehr umeinander. Premise unterbinded ihre Methode, sich gegen Pilze zu wehren, und schlußendlich fallen sie Krankheit und Tod zum Opfer."