Bienenvolk aus verwilderten Bienenwagen bergen

  • Liebe Forum-Imker,


    ich stehe vor einem großen Problem. In einem Bienenwagen, der dem Opa meiner Nachbarin gehört, fand ich vor 4 Wochen ein Volk in einer Freudenstein-Hinterbehandlungsbeute. Der Wagen wurde vor 5 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben und der Opa verstarb vor 3 Jahren. Dementsprechend sieht es dort aus. Alles zugewachsen und in den Beuten sind sehr viele Bewohner - Wachsmotten und Mäuse. Nur eben diese eine Beute ist voller Bienen.


    Ich habe versucht das Volk in mein Zandermagazin umzuhängen (Freudenstein kann in Zander-Rähmchen reingedrückt werden), jedoch waren nach 2 gezogenen Rämchen nur noch Bruchteile von Rähmchen vorhanden bzw. gar keine mehr. Diese wurden offenbar von Mäusen zernagt. Daher befindet sich im Brutraum und Honigraum vorwiegend Wildbau, den man so nicht umhängen kann.


    Wie kann ich dieses starke Volk nur bergen? Offensichtlich ist es schon länger in der Beute, da Brut vorhanden ist, also sicherlich kein Schwarm.


    Ich bin durch meinen Sohn (10 Jahre) zur Imkerei gekommen und wir haben natürliche noch keinen großen Erfahrungsfundus auf den ich zurückgreifen.


    Viele Grüße
    carly0272

  • Servus Charly,


    ich habe keine persönlichen Erfahrungen mit der Situation habe aber von Imkern (aus einem anderen Forum) gehört, die beim Bergen von "Wilden Völkern" die Waben mit dem Messer ausschneiden so dass sie etwa die Innenmaße Ihrer Rähmchen haben. Dann binden Sie die Waben entweder mit Schnüren ins Rähmchen (Schnüre längs auf eine Unterlage legen, darauf das Rähhmchen, da rein die Wabe und dann die Schnüre zusammenbinden. Die Schnüre müssen dabei natürlich stramm sitzen. Ggf. kann man mehrere verschiedenen kleinere Wabenteile in ein Rähmchen geben.
    Eine weitere Alternative wäre das Verwenden gedrahteter Rähmchen und das Einschmelzen der Wabe - also Rähmchen auf Unterlage, Wabe drauf und dann einschmelzen. Würde ich aber wenn überhaupt nur im Freien machen, da das stinken dürfte wie Sau.


    Ich würde die erste Variante mit den Schnüren testen.


    Gruß,
    Hermann

  • Ich würde vermutlich das komplette Volk in eine leere Beute abschütteln oder kehren. Genauso auch den Naturbau ausbrechen und abschütteln. Hoffen, dass du die KÖ auch erwischt hast, einige Mittelwände dazu und mit Futterteig unter Fluglochverschluss 2-3 Tage in Kellerhaft.
    Danach kannst du dann auch noch schön mit Milchsäure gegen die Milbe vorgehen...
    Andere Vorschläge???


    Gruß David

    Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel.

  • Wie kann ich dieses starke Volk nur bergen? Offensichtlich ist es schon länger in der Beute, da Brut vorhanden ist, also sicherlich kein Schwarm.



    Viele Grüße
    carly0272


    Hallo,
    Warum soll das kein Schwarm sein? Wenn ein Schwarm eine geeignete Behausung findet, zieht der ein und fängt sofort an zu stiften. Das geht ganz schnell.


    Den Schwarm aus der Beute zu bekommen dürfte eigentlich das kleinste Problem sein. Es gibt etliche Möglichkeiten.
    Wenn du die kö findest, dann hast du das Volk quasie schon.


    Ich würde zuerst versuchen die kö zu finden. Wenig Rauch geben und an den stellen wo offene Brut vorhanden ist suchen. Dann diese abfangen. In der alten Beute die Bienen, wie beim Schwarmfangen, mit Wasser besprühen. Alte Beute soweit es geht ausräumen und dann die Bienen in die neue Beute mit Mittelwänden schütteln. Die kö mit dem Abfankäfig dazugeben. Die alte Beute entfernen. Die kö dann in der Beute freilassen.



    Sehr wichtig
    Das Volk eine Woche in Ruhe lassen und dann zum erstenmal mit Milchsäure behandeln. Das würde ich auch wiederholen, da mit Sicherheit das volk nicht gerade varoa frei sein wird.
    Es muss unbedingt behandelt werden wenn noch offene Brut vorhanden ist.



    Wenn du die Möglichkeit hast, dann mach die Aktion auch außerhalb des Flugradius und gegen Abend.



    Viel Glück

  • Hi hi hi, ihr habt noch nicht im Stabilbau gearbeitet. :wink: Königin suchen...Waben ausschneiden... :lol:


    Der ideale Einsatz für den Bienensauger+Ascheabscheider. Siehe: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=21328


    Erst die Ansaugkraft mit dem Schieberegler einstellen, so viele Bienen wie möglich einsaugen, dann erste Wabe von Bienen leersaugen und erst dann die Wabe ausschneiden.


    Wabenwerk und Brut würde ich nicht mit in die neue Beute übersiedeln - ist um diese Jahreszeit nicht notwendig.


    Gruß
    Bernhard

  • Einen Staubsauger nennt fast jeder Haushalt sein Eigen. Der Ascheabscheider kostete mich damals 11 Euro. Das war es - nix und und und... :wink:


    Wenn Du mal Waben mit ansitzenden Bienen aus einem Hohlraum geschnitten hast, und das kann auch eine Beute sein, dann wirst Du mit Kußhand den Sauger einsetzen. Es gibt nichts Schlimmeres, als mit Honig verklebte Bienen in einem schwarzen Brei vor sich zu sehen.


    Gruß
    Bernhard

  • Danke erst einmal für die vielen Ratschläge.


    Hier folgende Gedanken und Anregungen von mir:
    - Die Waben ausbrechen und anbinden ist sicherlich eine Tagesaufgabe. Wenn keine Bienen drin wären, wäre das sicherlich sehr einfach. Letztendlich würde ich da mit Sicherheit sehr viel zerdücken und Matsch erzeugen.
    - Die KÖ zu suchen ist in einer Hinterbehandlungbeute mit Naturbau denke ich aussichtslos. Die wird irgendwo in der Mitte zwischen den Waben sitzen.
    - Das Ausschütten der Beute ist auch nicht möglich, da in dem Wagen die Beuten untereinander verschraubt sind. Das Einfachste wäre es sicherlich - schade ....
    - Ich vermute, dass es kein Schwarm ist, weil oben viel verdeckelter Honig zu sehen ist und im unteren Bereich (vor 4 Wochen) verdeckelte Brut. Die Schwarmzeit hat lt. unserem hochbetagten Imkerpaten erst Mitte Mai wegen der Witterung begonnen. Sollte im letzten Jahr auch ein Schwarm dort drin gewesen sein, so hätten die Wachsmotten und Mäuse sicherlich alles klar gemacht. - Ist aber nur meine Vermutung. Schön wäre es, wenn ein solch starkes Volk unter diesen Bedingungen den Winter Überlebt hätte. Dies zeugt doch von Wiederstandfähigkeit - oder?
    - Die Lösung mit dem Sauger ist sicherlich gut. Nur muss ich den Sauger irgendwie mit Strom versorgen. Dort ist Nichts.... Ein Stromerzeuger wäre die Lösung.
    - Würdet Ihr überhaupt ein Solches Volk bergen?


    VG
    Carly

  • Moin,


    ich habe bereits mehrere Natur- und Stabilbauvölker geborgen und zwar weitgehend alleine. Das geht mit ansitzenden Bienen garnicht schlecht, wenn man gut vorbereitet ist und zügig, aber gelassen und unter Rauch arbeitet.


    Man benötigt vor allem eine ruhige Hand und diamantene Nerven. An Werkzeug: ein langes Abendbrotmesser mit Stahlklinge die Waben zu schneiden, einen Schneider für Rähmchendraht und bei Hinterbehandlern eine Zange, die Reste der alten Rähmchen zu ziehen. Der Wildbau ist das geringere Problem. Die alten Drähte und das Rähmchenholz werden Dich nerven. Rähmchendraht brauchst Du viel oder halt Blumenbindedraht. Was zum Abkehren. Sprühwasser.


    Als erstes bereitest Du Dir leere drahtlose Rähmchen vor. Leere Baurahmen eine Zarge voll und stellst Dich und die neue Beute so auf, daß Du alles mit einer Körperdrehung erreichen kannst. Die neue Beute bekommt einen Boden und ist ansonsten erst mal leer. Dann qualmst Du die erste benutze Wabe ein bis sie gut erkennbar die Grenze zwischen Leerzellen und Futter aufzeigt. Knapp im Futter schneidest Du nun die Wabe erst unten, an den Seiten und dann zur Hälte oben ab. Gefühlvoll - also ohne Handschuhe - greifst Du nun mit Links das oben bereits gelöste Ende der Wabe und schneides rechts ganz durch. Dieses Wabenstück muß so klein sein, daß es in Deine Leerrähmchen passen wird und Du es auch halten kannst. Bei Freudensteinbeuten ist das also kein Problem. Wenn Du Dich verschätzt hast und meinst, die Wabe glitte Dir aus der Hand, dann ramme das Messer einfach mitten durch. Das Wabenstück stellst Du nun in ein Lerrrähmchen und umwickelst das Ganze so vier fünfmal mit Rähmchendraht. Geschickt und schnell geht das, wenn die Leerrähmchen schon Nägel für den Draht haben. Von Rähmchenohr zu Rähmchenohr geht aber auch. Diese Wickel-Wabe Kommt nun schon in die neue Zarge und ist gerettet. Sie ist die neue Heimat und dort finden Abgekehrte Platz. Immer weiter gräbst Du Dich so in den Stabilbau vor. Es ist nicht schlimm, wenn Du etwas Honig anschneidest, aber es ist schlimm, wenn Du zu schwere Waben bergen willst. Das Futter ist problemlos ersetzbar, also kannst Du den Weg versperrende Futterwaben auch in senkrechte 5cm breite Stücke oder Streifen schneiden und dann in die ansitzenden Bienen in die neue Beute abkehren. Gänseflügel macht sich sehr gut. Die Waben lassen sich auch mit ansitzenden Bienen in die neuen Rähmchen einwickeln, wenn man sie nicht abgekehrt bekommt. Wahrscheinlich wirst Du die Königin finden aber keine Hand haben, sie zu fangen, na dann egal, Hauptsache sie ist drüben.


    Ist die Beute am Ende ganz leer, aber noch voller Bienen hilft etwas Sprühwasser und ein abgeschnittener Tetrapack-Karton als Schaufel, um viele in die neue Beute umzuschaufeln. Dann machst Du in der alten Kiste Qualm oder eine Ameisensäurebehandlung und nimmst die fliehenden Bienen außen am Flugloch in Empfang. Kiste zu und direkt vor der Kiste die neue Beute aufgestellt. Da wirst Du Unterbaumaterial Paletten, Rüstung ect. brauchen oder aber die Beute kommt als Verschluß hinter den nun ausgeräumten Raum, in dem dann wirklich keine Wabenreste verbleiben dürfen. Beides geht. Draußen geht besser.


    Abwandern paar Tage später (Festbau der Waben) bei der Nacht und Fertich!


    Geht natürlich nicht so schnell wie Schwarmbiertrinken, aber ist die Geigelei für einen ganzen Monat. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • :daumen::daumen::daumen: jo den gibt es gleich dreifach, für die super Beschreibung.
    Nur eines habe ich nicht ganz verstanden:

    Zitat

    ... und meinst, die Wabe glitte Dir aus der Hand, dann ramme das Messer einfach mitten durch...


    Also Messer mitten durch die Hand, das halt ich bis zum Schluß dann nicht mehr aus, und schreibe jetzt nichts von Memme oder so :p


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Ja, ja, ein Wort macht mehr als tausend Bilder! :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder