Königinnenzucht-- was ging schief?

  • Guten Abend, liebe Imker.


    Wie im anderen Thread schon kurz erwähnt ist die Königinnenzucht fehlgeschlagen.
    Erst war die Zuchtmutter hinüber, und jetzt ist die Annahmequote miserabel:


    • letztes jahr eine belegstellenbegattete Königin gekauft - zu spät im Jahr, um gleich noch nachzuziehen (erster Fehler)
    • Ursprünglich wollte ich am 01.05 umlarven, das wurde allerdings 2 Wochen vertagt, denn die Frühjahrsentwicklung war verhalten und noch kein Volk in Schwarmstimmung.
    • Dann der Schock am Vortag: Zuchtmutter hinüber, Nachschaffungszellen und nur noch wenig alte Brut; wahrscheinlich bei der Schwarmkontrolle beschädigt.
    • aus den Nachschaffungszellen schlüpfen die Töchter Deiner Bäcky.
      Die reichen wohl mengenmässig nicht für Deine Nachzucht ?


      Auf die Idee, die NSZ zu verwerten, bin ich in dem Moment gar nicht gekommen. Das Horrorszenario war: in 3 Wochen von einer standbegatteten F1 standbegattete F2 nachziehen, mit 75% Stechergenetik. Und dann die Frage: wo bring ich ganz schnell 40 Larven her?

    • Am nächsten Tag Carnica-Zuchtstoff besorgt von der Zuchtstoffausgabestelle in Heilbronn-Frankenbach, in feuchten Tüchern transportiert.
    • ein potentielles Problem: die Zuchtlatte. Eine davon hab' ich mit der Flex nachgeschliffen, da waren die Näpfchen schon drauf. Kurz durchgepustet -- trotzdem kam die Frage "ist da nicht Staub?" :oops: Nochmal durchgepustet -- allerdings betrifft das nur eine Latte mit 10 Näpfchen.
    • Auf Sammelbrutableger hab' ich bewusst verzichtet. Bei unserem Vostand hat der SBA in den letzten Jahren gut funktioniert (durfte zusehen), aber es war ihm zu aufwendig, dieses Jahr wollte er ein Volk opfern (und auch Günter Ries beschreibt die Zucht mit einem entweiselten Pflegevolk). Aber der Hauptgrund: ich wollte die Wirtschaftsvölker nicht schröpfen.
    • Die Pflegevölker: die 2 besten Völker (mit Ausnamhe der Zuchtmutter), eines auf 2 Zargen Zander (gar nicht erst erweitert, wegen Schwarmstimmung); das andere auf 3 Zargen DNM, entgegen dem ursprünglichen Plan nicht auf 2 Zargen zusammengestaucht.
    • Keine Verstärkung mit schlupfreifen Brutbrettern oder Ammenbienen. Ich war der Meinung, bei nur 20 Larven wäre ein Wirtschaftsvolk "genug" -- zu geizig?
    • Daheim am Stand bei Volk Nr. 1 die letzte Zelle gebrochen (die anderen wurden bereits zuvor in aller Ruhe entfernt), dann Volk Nr. 2 gründlich durchgesehen und Zellen gebrochen (ca. 15-20 min), dann Zuchtstoff eingehängt. War das zu schnell?
    • Dasselbe daheim beim Volk der Zuchtmutter: Zellen gebrochen für ein 3. Pflegevolk ("bessere Futtersaftversorgung", "Risikistreuung") In der Aufregung hab' ich mich nicht vergewissert, ob es bereits hoffnungslos weisellos war; allerdings gab es bis jetzt keine weiteren NSZ, und die Annahmequote: 0.
    • Bei den anderen Völkern war es nicht besser, einmal 0 + 3, beim dritten 2 (und beide wieder ausgefressen), teils wurde fleissig Wildbau an der Latte errichtet (trotz Trachtlücke).


    Fehler hab' ich mehrere gemacht; aber eins will mir überhaupt nicht in den Kopf: warum ist die Annahme so miserabel, dass ein weiselloses Volk nicht einmal eine einzige Larve annimmt?

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher

  • Hi Traugott,
    ne Zelle übersehen, offene Brut drin und zu kurz gewartet.
    Shit happens, mir wurde ne Serie durch ne verflogene Weisel runiert.
    Nimm richtig guten Zuchtstoff (Buckfast :wink:) und mach den Starter mit nem HR und jungen Bienen aus dem BR, funzt zu 100%.


    bee:wink:

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Traugott Streicher!


    Wie du bereits beschrieben hast, ist das Scheitern auf ein paar Fehler zurück zu führen.


    Grundsätzlich gilt, dass beim Pflegevolk die Kiste richtig voll mit Bienen sein muss. Die Bienen muss es regelrecht in die Zuchtstoffgasse hineindrücken. Also bei einem kleineren Pflegevolk eine kleinere Kiste verwenden.
    Weiters müssen die Bienen pflegewillig sein. Das heißt, die Jahreszeit muss passen (natürliche Vermehrungszeit), die Bienen müssen hoffnungslos weisellos sein und es darf keine, auch keine noch so kleine Waldtracht herrschen.


    Bezüglich Zuchtstofftransport ist es immer besser, du transportierst ein Wabenstückchen und larvst zuhause um. Umgelarvte Larven haben sehr wenig Futtersaft und trocknen schnell ein. Da kann auch das Umwickeln mit einem feuchten Tuch keine Wunder wirken. Noch besser wäre es, wenn du angepflegte Weiselnäpfchen erhalten könntest.


    Es ist auch bei mir schon vorgekommen, dass die Zucht nicht wirklich geklappt hat. Anfangs habe ich alles nach Vorschrift gemacht und die Zucht funktionierte hervorragend. Dann habe ich meine eigenen Vereinfachungen eingebracht und wurde auch bei der Umsetzung schlampiger, siehe da, auf einmal waren diverse Ausfälle zu verzeichnen. Sparsamkeit ist bei der Königinnenzucht fehl am Platz.


    MfG
    Honigmaul

  • Bei uns war die Annahme auch recht durchwachsen: Erste Serie in beiden Pflegevölkern recht gut, die nachfolgenden Serien eher mager. Auch in den beiden anderen Pflegevölkern sah es nicht so toll aus. Aber irgendwie geht's dann schon, im Zweifel mit Masse ... ;-)

  • Guten Abend, liebe Imker.


    [*]letztes jahr eine belegstellenbegattete Königin gekauft - zu spät im Jahr, um gleich noch nachzuziehen (erster Fehler)
    [*]Ursprünglich wollte ich am 01.05 umlarven, das wurde allerdings 2 Wochen vertagt, denn die Frühjahrsentwicklung war verhalten und noch kein Volk in Schwarmstimmung.


    Hallo Traugott Streicher . Was willst Du mit Schwarmstimmung bei Zuchtvölker ? Zuchtvölker sollen NICHT in Schwarmstimmung sein hab ich schon vor über 20 Jahren im KÖ- Zuchtlergang im Bieneninstitut in Münster gelernt .


    Und Zuchtstoff in feuchten Tüchern transportiert. Das ist durchaus üblich wenn keine langen Strecken zurückgelegt werden .
    Ansonsten Anbrüter verwenden . Zellen gebrochen : ( Die Wartezeit von 15-20 Minuten dann Zuchtstoff eingehängt ) ist der Hauptgrund für das scheitern !
    Denn die zwei Stunden Wartezeit bis zum Zeitpunkt der Zuchtstoffgabe sollte schon eingehalten werden .


    Die Annahme ist deshalb so miserabel , weil die Wartezeit von 2 Stunden nicht eingehalten worden ist und die Bienen den
    "für sie fremden Zuchtstoff ausgeräumt haben " weil sie gefühlsmäßig ( ca. 15-20 min) noch nicht hoffnungslos Weisellos waren .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Honigmaul,


    warum darf keine Waldtracht herrschen? Schon klar, die soll angeblich Schwarmmindernd wirken aber ein weiselloses Volk hat ja nicht viele Alternativen oder?



    Hallo Günther!


    Waldtracht ist für die Zucht wie Gift. Einerseits kommt wenig Pollen herein, andererseits werden die Bienen "sammelhysterisch". Da kommt einfach das Sammeln vor dem Nachschaffen.


    Weisellose Völker müssen nachschaffen, ob sie wollen oder nicht. Es werden aber nur wenig Zellen angenommen, diese unter Umständen schlecht gepflegt und zum Schluss bleiben bei einer ganzen Zucht ein oder zwei brauchbare Weiselzellen übrig.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Josef,


    ich hab bei meiner neuen Serie im schnell weisellos gemachten Volk (Honigraum und zugestoßene Jungbienen) eine annahme von 80 % gehabt. Wartezeit waren 30 Minuten.


    @ Honigmaul:
    Danke für die Aufklärung.
    Wie machen das dann die Züchter in den Waldtrachtgebieten, was ja für einen großen Teil von Österreich gilt? Da kriegt man bis in den Herbst hinein Kö.

  • Hallo Günther!


    Zitat

    Wie machen das dann die Züchter in den Waldtrachtgebieten, was ja für einen großen Teil von Österreich gilt? Da kriegt man bis in den Herbst hinein Kö.


    Ganz so ist es nicht, da wäre dann Österreich ein Honigparadies.


    In den Waldtrachtgebieten muss man mit der Königinnenzucht früh an sein. Zum Zeitpunkt des Einsetzens der Waldtracht müssen die Weiselzellen gedeckelt und gekäfigt sein,dann kann nicht mehr viel passieren. Wenn man das Käfigen unterlässt, dann werden die Zellen zugebaut und durch die erhöhte Wärme beim Wabenbau auch die Weiselzellen geschädigt. Wenn man im Mai die Königinnen zieht, dann wird in normalen Jahren auch in Waldtrachtgebieten nicht viel schief gehen.


    Zitat

    Da kriegt man bis in den Herbst hinein Kö.


    Die werden dann aber schon längere Zeit in einem Apidea-Kästchen gewesen sein.



    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Josef,


    ich hab bei meiner neuen Serie im schnell weisellos gemachten Volk (Honigraum und zugestoßene Jungbienen) eine annahme von 80 % gehabt. Wartezeit waren 30 Minuten.


    Günther.Aber ohne Brutwaben .


    Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Wenn Ihr nicht zum Termin auf Belegstellen schickt, warum macht Ihr dann so große Serien?


    Sammelbrutableger oder eben kontinuierliche dauerhaft weisellose Zuchtvölker sind doch wirklich die sichererererere Methode.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    ich mach 20 weil ich immer wieder Ausfälle hab weil einige nicht schlüpfen, einige einfach aus den Apideas verschwinden und ich gern ein paar in Reserve hab.


    @ Josef:
    Genau so ist es.
    Bei meiner jeztigen Serie wurden von 18 umgelarvten 12 angenommen, am nächsten Tag noch einmal umgelarvt. Jetzt sind insgesamt 18 Stück in Endpflege und sind von Schwarmzellen in der Größe kaum zu unterscheiden.
    Allerdings ist jetzt auch kaum Tracht, was beim ersten Mal nicht der Fall war, darum wurde jetzt auch überhaupt nichts verbaut.


    Ich bin sehr zufrieden, trotzdem tendiere ich nächstes Jahr zum Sammelbrutableger oder zum weilellosen Volk.
    Da bist Du einfach auf der sicheren Seite.

  • Ich bin sehr zufrieden, trotzdem tendiere ich nächstes Jahr zum Sammelbrutableger oder zum weilellosen Volk.
    Da bist Du einfach auf der sicheren Seite.


    Günther . Dann solltest Du aber ein Absperrgitter unter die Zarge legen , nicht das dir eine Zugeflogene Weisel die ganze Serie killt .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.