Ist hier jemand EU-Öko-zertifiziert?

  • Hi,


    nach jahrelamgem 'mitimkern' fange ich dieses Jahr endlich mit meinen eigenen Bienen an. Ich möchte gerne den grünen Bio-Button und will daher von Beginn an nach der EU-Öko-Richtlinie vorgehen. Ich habe schon zu dem Thema meine Augen kringelig gelesen und würde gerne wissen, wie das mit der Zertifizierung denn nun in Wirklichkeit abläuft. Hat das hier schonmal jemand über sich ergehen lassen?


    Hanne

    "Wenn wir vergessen, wie man die Erde umgräbt und den Boden bestellt, vergessen wir uns selbst." MAHATMA GANDHI

  • Hallo Hanne,
    ich selbst nicht, aber mein Bienenpapa betreut einen Stand für einen Verein, der Stand wird Bioland-zertifiziert.
    Lies einfach die Regeln der EU-Öko-Verordnung und halte dich dran.
    Am schwersten einzuhalten scheint der Punkt: Nur Bio-Zucker füttern. Abgemischt schwer zu kriegen, muss man selbst anrühren.
    Von Anfang an alles dokumentieren (dicken Ordner anlegen mit Belegen, dass Du nur Bio-MW gekauft hast etc.)
    Dann lass einen Zertifizierer kommen.
    Das kostet aber (250 Euro aufwärts).
    Daher lohnt es sich für Hobbyimker nicht.
    Viele Grüße
    apirita

  • Ja, wir sind seit einigen Jahren Naturland-zertifiziert. Dabei ist es Standard, dass man auch EU-Bio-zertifiziert wird. Wenn du neu mit den Bienen anfängst und zum Ziel eine Bio-Zertifizierung hast, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:


    - Falls alle deine Bienen, inkl. Winterfutter, Waben / Mittelwände aus einem zertifizierten Bio-Betrieb sind, und deine Beuten (ggf. inkl. Anstrich!!) ebenfalls Bio-geeignet sind, könntest du nach der Zertifizierung sofort als Bio-Imkerei losschlagen.
    - Ist dein Material nicht aus einem Bio-Betrieb, du achtest aber die letzten Jahre immer darauf rückstandsfreie Waben (wirklich frei, nicht "arm") eingekauft zu haben, nur die bei Bio-Imkereien zugelassenen Varromittel eingesetzt zu haben usw. kannst du zertifiziert werden, bist dann aber in einer einjährigen Umstellungsphase. In dieser Umstellungsphase musst du nach den Bio-Richtlinien imkern, darfst deine Produkte aber noch nicht als Bio verkaufen! Vor der Zertifizierung muss dein Wachs untersucht werden und ggf. auch deine Beuten - falls in der Vergangenheit fragwürdige Anstriche verwendet wurden. Werden bei den Untersuchungen unerlaubte Mittel, z.B. im Wachs festgestellt, gibt es natürlich keine Zertifizierung!


    Wenn du neu mit der Imkerei bzw. eigenen Bienen anfängst sind folgende Dinge superwichtig:
    - das verwendete Wachs, auch zugekaufte / geschenkte Waben aus Ablegern, Völkern ... muss frei von in der Bio-Imkerei nicht zugelassenen Varroabehandlungsmitteln sein. Nach der Zertifizierung dürfen auch keine anderen Waben in deinen Wachskreislauf kommen, ausser sie sind aus ebenfalls zertifizierten Bio-Betrieben, selbst wenn sie Rückstandsfrei sind!
    - gleiches gilt für Mittelwände, also nur Bio-Zertifiziert kaufen. Rechnungen / Belege für Umarbeitung usw. müssen bei der Zertifizierung vorgelegt werden. Umarbeitung geht nur bei ebenfalls zertifizierten Umarbeitungsbetrieben.
    - nur Holzbeuten sind erlaubt, keine Styroporbeuten!
    - Standorte in der Nähe von Autobahnen, Flughäfen usw. sind nicht erlaubt
    - Bienen an naturbelassenen Standorten aufstellen!
    - Winterfutter muss ebenfalls Bio-Qualität haben, das ist neben der Zertifizierung / Kontrolle der höchste Kostenfaktor in der Bio-Imkerei!


    Die Zertifizierung selbst wird von einem unabhängigen Institut durchgeführt, etwa
    - Lacon
    - IMO (eher teuer)
    - ÖKOP (eher günstig)
    - BCS
    - GFRS
    - ...


    Hier kann man einmal anrufen und sich ein Angebot einholen, die Preise differieren je nach Anbieter. Die Erstzertifizierung ist meist etwas teurer als die jährliche Kontrolle. Man muss aber dennoch mit 250,- Eur pro Jahr rechnen. Je nach Bio-Verband fallen dann noch 60-100(?) Eur Mitgliedsbeitrag für Naturland, Bioland, demeter, ... an (enfällt glaube ich bei "nur" EU-Zertifizierung) und ein unterschiedlich berechneter Anteil bei Vermarktung über das Naturland- oder Bioland- oder ein anderes Bio-Siegel. EU ist glaube ich auch hier kostenlos.

  • Hi,
    die Frage, ob sich das lohnt stellt sich mir nicht, Honig machen ist ne Leidenschaft und das Biosiegel ne Prinzipfrage.
    Nach den Richtlinien Imkern würde ich darum auch sowieso, unabhängig, ob ich das Siegel nun bekomme oder nicht.


    Was ich mich hauptsächlich noch frage, ist wie denn der Aufstellort bewertet wird. Wer hat schon die Situation, dass im Umkreis von 3km hauptsächlich Bio-Flächen sind!? Hat jemand das Siegel und kann mir schildern wie das bei ihm war?


    Hanne!

    "Wenn wir vergessen, wie man die Erde umgräbt und den Boden bestellt, vergessen wir uns selbst." MAHATMA GANDHI

  • Hi,
    die Frage, ob sich das lohnt stellt sich mir nicht, Honig machen ist ne Leidenschaft und das Biosiegel ne Prinzipfrage.
    Nach den Richtlinien Imkern würde ich darum auch sowieso, unabhängig, ob ich das Siegel nun bekomme oder nicht.


    +1 :-)


    Zitat


    Was ich mich hauptsächlich noch frage, ist wie denn der Aufstellort bewertet wird. Wer hat schon die Situation, dass im Umkreis von 3km hauptsächlich Bio-Flächen sind!? Hat jemand das Siegel und kann mir schildern wie das bei ihm war?


    Du musst die Standorte bei der Zertifizierung und laufenden Dokumentation auf jeden Fall angeben (Karte, Google-Maps-Ausdruck, Flurnummer, o.ä.), ggf. schaut sich der Mensch von der Zertifizierungsstelle den Standort auch an. Die wissen natürlich auch, dass unsere Bienen Wildtiere sind und wir sie nicht einsperren können. Auch in den Richtlinien ist daher häufig von soll-Richtlinien die Rede. Gerade die EU-Richtlinie ist hier eher lax.

  • Hallo Hanne,


    ich bin selbst Bioland-Imkerin und damit automatisch EU-Öko zertifiziert.


    So wie ich Dich verstehe, hast Du selbst noch gar keine Biene, damit wäre der einfachste Weg. Vertrag mit Zertifizierungsstelle (die sind hier schon genannt worden) abschließen und beim zertifizierten Imker Bio-Bienenvölker kaufen. Dann must Du kein Wachs umstellen etc..
    Die von der Zertifizierungstelle kannst Du dann auch beim ersten Besuch Löcher in den Bauch fragen und die erklären Dir auch, welche Dokumentationspflichten Du hast.
    Vieles Richtige ist schon von meinen Vorgängern gesagt worden.


    Wegen der Fläche gibt es eindeutige Hinweise in den Richtlinien, d.h. grob gesagt nicht neben der Autobahn und keine Intensivobstbaukulturen oder konventionelle, gespritzte Rapsflächen. Aber auch das kannst Du dann mit dem Zertifizierungsmenschen besprechen. Ich bin selbst bei der Abcert und habe dort für Imkereifragen einen kompetenten Ansprechpartner.


    Viele Grüße
    Kristin

  • Hallo Hanne,


    wir sind auch "nur" EG-Öko zertifiziert und bisher noch bei keinem Verband. Wir waren früher bei Bioland als wir noch Kühe hatten.
    wir arbeiten aber trotzdem so, als wären wir beim Bioland Verband (die anderen Verbände - Naturland, Biokreis sind ähnlich, nur Demeter hat noch strengere Auflagen), denn dann ist es für uns kein Problem, dort mal einzusteigen.
    Vom Biokreis (auch ein Öko-Verband) weiß ich, dass sie den Imkern ein gutes Angebot machen, aber wie das dann genau aussieht, müsstest Du einfach dort anfragen.
    Den Zuckerkauf kannst Du evtl. über Einkaufsgemeinschaften regeln, wenn Du z.B. bei einem Verband bist, bzw. auch über den Zertifizierer kann das vielleicht laufen. Frag doch einfach einen Bio-Imker, wenn du einen in der Nähe bei Dir weißt, ob er Dir evtl. Biozucker mitbestellt, wenn er seinen kauft.
    Denn Zucker ist immer dann günstiger je größer die gekaufte Menge ist. Aber da der Zuckerpreis zur Zeit Achterbahn fährt, ist das jetzt auch von Saison zu Saison anders zu bewerten.
    Wir haben schon über Hipp (Babynahrung) oder über Rapunzel in 25 kg Säcken bezogen.
    Den Zuckersirup stellen wir dann davon selbst her.

    Adelheid (Bioimkerin aus Leidenschaft) - „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.“ Dante Alighieri

  • Danke für den Tipp! Das Thema Biozucker summte nämlich auch schon in meinem Kopf herum...

    "Wenn wir vergessen, wie man die Erde umgräbt und den Boden bestellt, vergessen wir uns selbst." MAHATMA GANDHI

  • Hi Helmut,
    das ist ja doof. Echt? Auch schon versucht? Ich hatte gehofft, dass die 'Wenn-möglichs' in der Verordnung darüber hinwegsehen lassen....
    Hanne!

    "Wenn wir vergessen, wie man die Erde umgräbt und den Boden bestellt, vergessen wir uns selbst." MAHATMA GANDHI

  • Frag' mal den Henry hier aus dem Forum! Der hat auch so einen grünen Bio-Button! :lol:


    Bernhard

  • Hallo Hanne,
    ich habs schon beim ersten Durchlesen der vorschriften abgehakt, da Isselburg, wie Hamminkeln, direkt an der A 3 liegt.
    Da der Imker seine Adresse aufs Glas schreiben muss, gibts auch kaum eine Möglichkeit, es sei denn , du wohnst in Meng-Hong
    Verzichte auf Bio-Siegel, imkere ordentlich, vermarkte dich selbst mit dem Besten Honig der Welt
    Das beste Verkaufsargument ist immer noch der Pollen im Honig, der für Pollenallergiker, lebensnotwendig ist.
    Im 10- 20 km Umkreis wirst du ausreichend Kunden finden, die krampfhaft danach suchen.
    Eine ehrliche Haut und Freundlichkeit ist besser als jedes Bio-Siegel
    Viel Spaß
    Gruß
    Helmut

  • Wenn das mit "nicht in der Nähe von Flughäfen" stimmt, ist das ganze Öko-Bio-Gedöns wirklich für den Gulli.


    Flughäfen sind oft die reinsten Naturreservate - genau wie Truppenübungsplätze - da gibt es Tiere, die sind woanders längst ausgestorben.


    Und dort wird auch nichts totgedüngt, kein gebeiztes Saatgut verwendet, keine "Unkräuter" auf der Wiese totgespritzt usw.


    Was immer jetzt darauf geschrieben wird - ich werde nicht widerrufen!



    André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Hi Helmut,
    sowas Blödes. Wir wohnen hier mitten im Naturschutzgebiet in der weiteren Isselaue (und damit leider nah an der A3), stark grünlandgeprägt, sehr strukturreich und alle haben ihre uralt-Obstbaumwiese an Haus und Hof, wo nie gespritzt wird. Das find ich schon ziemlich Bio. Ich hab jetzt trotzdem mal ganz dumm den TÜV angeschrieben, vielleicht sind die ja blind...
    Letztendlich ist es ja aber egal, der grüne Button wäre schick gewesen, auch wenn ich ihn nicht bekommen kann, werde ich aber nach der EU-Richtlinie vorgehen, schließlich war das für mich ja ne Prinzipfrage.
    Alles Nette,
    Hanne!

    "Wenn wir vergessen, wie man die Erde umgräbt und den Boden bestellt, vergessen wir uns selbst." MAHATMA GANDHI