Ausgefranste Flügel

  • Guten Abend,
    zwei meiner Inselköniginnen Carnica Peschetz aus 2011 (verschiedene Züchter, unterschiedliche Belegstellen) haben ausgefranste, abgespreizte Flügel.
    Die erste, die ich letztes Jahr im Sommer vom Züchter bekommen hatte, hat zunächst nur beide Flügel abgespreizt, der Zustand hat sich dann verschlechtert, die Flügelränder waren irgendwann nicht mehr glatt. Nach dem Winter hatte sie nur noch einen Flügel, der andere war in einem erbärmlichen Zustand, löchrig und ausgefranst. Trotzdem hatte sie noch eine Brutwabe.
    Die andere Königin habe ich erst nach dem Winter von einem Freund bekommen. Auch sie spreizt einen Flügel ab, dessen Ränder auch völlig ausgefranst sind. Der Flügel hat auch nicht mehr seien ursprüngliche Länge.
    Der Züchter der Ersten weist alle Schuld von sich. Es läge an falscher Einweiselung -die Bienen hätten die Königin nicht akzeptiert- und nicht an seiner Königin, die hätte seinen Stand völlig gesund verlassen. Es gäbe auch keine Krankheit, die das hervorrufen würde.
    Da ich nun auch noch an einer weiteren Königin dasselbe Phänomen vorfinde, glaube ich dieser Version noch weniger als vorher. Die zweite Königin wurde überhaupt nicht eingeweiselt, sondern im Ableger wie vom Züchter erhalten über den Winter gebracht.
    Nach meinen Erfahrungen, werden Königinnen, die vom Volk nicht akzeptiert werden, abgestochen und nicht im Laufe der Zeit verstümmelt.
    Solche Flügel habe ich in jahrzentelanger Imkerpraxis noch nie gesehen oder von so etwas nur gehört. Meine Vermutung liegt eher bei einem Inzuchtschaden, obwohl die unterschiedlichen Belegstellen und Züchter wiederum dagegen sprechen.
    Wer kennt dieses Phänomen und kann mir weiter helfen?
    Susanne

  • Hallo Suse,


    das gleiche habe ich bei einem meiner Völker gestern auch zum Ersten mal gesehen. Dieses Volk/Restvolk hatte ich letztes Jahr im Juli umgeweiselt. Ich denke, daß sie sich mit der Neuen wohl "etwas schwer getan" haben.


    Warum findest Du das so schlimm? Das erspart das Flügelschneiden, sonst nichts.


    Gruß Jörg

  • Hallo Josef,


    als ich vorgestern die zugekaufte Königin mit den ausgefansten Flügeln gesehen habe wollte ich sie fangen und dann einen Flügel stutzen. Sie ist mir aber wieder entwischt...


    Meinst Du sie kann noch fliegen, wenn ihr ein 3mm-Zacken aus mind. einem Flügel fehlt?


    Gruß Jörg

  • Hallo,
    es geht hier nicht darum, ob man sich das Flügelschneiden sparen kann oder nicht. Das Flügelschneiden lehne ich ganz nebenbei bemerkt außerdem aus ethischen Gründen ab.
    Harmlos finde ich es auch nicht, wenn einer Königin ein Flügel fehlt oder er sonstwie beschädigt ist.
    Es geht hier um die Ursachenklärung, welche Krankheit, Inzucht oder was auch immer genau zu dieser Erscheinung geführt hat.
    Susanne

  • Das hat mit Krankheit nichts zu tun, sondern ist "normal". Die Bienen zerren halt hier und da an der Königin und da geht es rauh zu.


    Pia Aumeier (und andere) nehmen diesen Umstand als Begründung dafür, daß Flügelschneiden deswegen nicht so schlimm wäre, wie sonst argumentiert wird. Siehe:


    Gruß
    Bernhard

  • Bei Bernhard fehlt zwar der erwartete Link hinter "Siehe:", aber ich kann bestätigen, daß Pia Aumeier sagt das Flügel schneiden kann nicht zu schlimm sein. Sie zeigt im Anfängerkurs dazu ein Foto einer einjährigen Königin, deren Flügel vom eigenen Volk total zerfleddert wurden.

  • Zitat:
    "erleichtert das Zeichnen und Flügel-Beschneiden das Imkern und ist, obwohl „martialisch anmutend“, für ihre Majestät kein „schlimmer Eingriff “. Wer einmal die völlig zerrupften Flügel einer nur 1-jährigen Königin betrachtet hat (das Werk ihrer eigenen Untertanen!), weiß, wovon ich rede."


    Link: http://redaktion.dlv.de/redakt…htungen/Aumeier_12_08.pdf


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo suse,
    wie passt das zusammen:
    Flügel schneiden bei der Königin ablehnen, ihr aber den Aufenthalt in einem EWK, was völlig unnätürlich als Bienenwohnung ist,
    da keine Wabengassen vorhanden sind, die Begattung mit einer Vielfalt von Drohnen nicht gönnen wollen, sondern nur durch eine kleine Auswahl von Drohnen, Transport in EWK oder Postweg akzeptieren, eine Königin in ein fremdes Volk einzuweiseln, nicht in der Umgebung vertrauter Bienen?
    Dieses "Ausfransen" der Flügel kommt daher, das Du die Königinnen zu früh freigelassen hast bzw. sie ausgefressen wurden und noch keine ausreichende Harmonie zwischen neuer Königin und neuem Volk bestand.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ...wie passt das zusammen...


    Hallo Lothar,


    das ist die typisch vermenschelte Vorstellung von ethisch einwandfreiem Tierleben. Sicher glaubt auch jeder Pudelzüchter aus ethischen Gründen irgend etwas ablehen müssen zu müssen ...
    Ethisch einwandfrei ist es ganz sicher einen Bienenschwarm irgendwo in einem hohlen Baum, Rolladenkasten o.ä. verrecken zu lassen.


    Gruß Jörg, der dazu eigentlich nix schreiben wollte.

  • Hallo Jörg,
    dewegen habe meine Königinnen ja auch beschnittene Flügel,
    gerade damit sie nicht mit Schwärmen abhauen oder ich Leitern klettern muss.
    Ich bin nunmal nicht den ganzen Tag am Stand und bin auch nicht schwindelfrei, so das ich Leitern klettern mag.
    Zudem sehe ich im Schwarmtrieb nichts Schlechtes: der Bien will sich vermehren.
    Das macht er ja nicht, weil er kränklich und schwach ist.
    Wenn es sich einrichten lässt, gibt es einen vorgezogenen Vorschwarm oder Königinnenableger.
    Der Bien teilt uns bei Schwarmstimmung ja auch mit, das er für das Restvolk sich eine neue Königin wünscht.
    Die kann er ja haben, sei es, das er seine WZ behalten darf oder ich durch Umweiseln nachhelfe.
    So bekommt er seine neue Königin und ist durch den zurückgekehrten Schwarm nicht geschwächt.
    Ein ungeschwächtes Volk mit neuer diesjähriger Königin - was will man mehr?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
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