Bienen unerwünscht!

  • Moin,


    ich hatte eben ein Erlebnis besonderer Art. Ich war auf der Suche nach einem gut anzufahrenden Rapsstandplatz. Möglichst abseits aber am Wege ...
    Ich fand einen Schlag an der A14 Nähe Abfahrt Mutzschen und fragte den gegoogelten Agrarbetrieb, wo ich mich da aufstellen könne und ob und womit bereits gespritzt sei. Das wolle man alles klären und mich umgehend zurückrufen, so die über das Bienenangebot deutlich erfreute Mitarbeiterin im Büro. Auf alle Fälle könne ich mich dort oder auch an ein andere Feld stellen. Ich also mal hingefahren und ein Eckchen ausgesucht (und über den komischen Geruch gewundert.)


    Kein Rückruf am Freitag, keiner am Sonnabend ...


    Also hab ich heute da nachgefragt:
    Wörtlich: "Der Chef will keine Bienen da. Das ist ihm zu gefährlich. Wir haben da eine Siebenkomponentenspritzung durchgeführt. Das ist ihm zu riskant." und aufgelegt. :eek:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ich wundere mich eher darüber, daß das Risiko herrenlose Nichtzielorganismen abzutöten im Umkehrschluß also eingegangen wird und das auch die Bienen der Standimker in der Nähe dieses Risiko ganz selbstverständlich tragen müssen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    da hast Du einen typischen Vertreter der aktuellen Landwirtschaftsschule kennengelernt.


    Während den Landwirten früher noch die Bedeutung der Bienen für den Ertrag des Raps erklärt wurde, wird das heute offenbar nicht mehr gelehrt.
    Im Gegenteil, man/frau trifft öfter den Jungbauern, der erklärt Bienen seien im Raps unnötig, da dieser windbestäubend sei.
    Wer in die landwirtschaftlichen Fachblätter schaut, findet seitenlange Berichte über Rapssorten- und Düngerversuche und Pflanzenschutz Empfehlungen zur Ertragssteigerung, nur die Bienen tauchen da nicht bzw. nur als lästiges Insekt auf, das z.B. die Arbeitszeit in die Nachtstunden verlagert.


    Dabei erklärt z.B. jeder Rapszüchter dem der es hören will gerne, das die letzten Prozentpunkte Ertrag nur mit Bienen zu erzielen sind.


    Dieses Wissen muss den Landwirten wieder nahe gebracht werden.
    Es gibt übrigens auch genug, die das Wissen haben, aber nicht an die große Glocke hängen, aus Angst, ihr Imker könne abgeworben werden.


    Von den Verkäufern der Düngemittel und PSM Industrie wird da nichts kommen, würden sie doch dann den Erfolg ihrer Mittel relativieren.


    Ich verteile bei jeder Gelegenheit an die Landwirte einen Link zu Stefan Mandl (http://nl.apis-ev.de/index.php?id=323)
    oder seit neuestem zu dem auch hier veröffentlichten Bestäubungshandbuch.
    Erst wenn der Landwirt den Eindruck bekommt, das er mit übertriebenen Spritzen von PSM seinen eigenen Geldbeutel durch Minder Erträge schädigt, wird er umdenken.


    Gruß Hubert

  • Die Spritzmittel sind teuer, aber meine Frage war mehr in Richtung "Warum stellt man seine Bienen an einen Ort, an dem garantiert Gifte ausgebracht werden?"


    Die meisten Antworten kenne ich bereits, aber man sollte es sich noch einmal langsam durchlesen und sich diese Frage stellen.


    Tim

  • Keine Sorge, Henry. "Unsere Bieneninstitute" entwickeln ja gerade Abschreckmittel für Bienen als Zusatzstoff für Pestizide - damit man weiterhin nach Lust und Laune spritzen und daran verdienen kann. Zitat:


    "...durch die Verwendung von geeigneten Additiven den Wirkstoffeintrag aus Blütenbehandlungen im Raps drastisch zu reduzieren."
    aus: http://fitbee.net/modul3


    Bienen sind unerwünscht - bald nicht nur im Raps, sondern in allen Kulturen, in denen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.


    Für viel Geld (vom Steuerzahler) werden hier Additive entwickelt, die den Pflanzenschutzmitteln zugesetzt werden und die Bienen abschrecken sollen. Würde mich nicht wundern, wenn ein großer Chemiekonzern wie Bayer die steuerlich finanzierten Forschungsergebnisse für die eigenen Produkte verwendet. Oder gar die komplette Vermarktung übernimmt.


    Was da abgeht, das geht auf keine Kuhhaut.


    Gruß
    Bernhard