PSM & Bienen/Hummeln

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    In Kanada wacht man auch gerade auf. Nach größeren Verlusten von Bienenvölkern, nachweislich durch Beizstäube, wird die Diskussion hitziger. Viele wissen dort nichts über die Erkenntnisse zu den Beizstäuben hier in Europa.


    Die Forschung bestätigt auch dort die Ergebnisse, wie sie hier in Europa gefunden wurden. So auch zur Verbreitung über das Oberflächenwasser und Wasser:


    http://www.cbc.ca/news/canada/…lands-scientist-1.2482082


    "In some cases we have peak concentrations that are 100 times or more higher than those benchmarks of safe levels." Morrissey said. She and her fellow researchers have sampled hundreds of wetlands and have found that "upwards of 80 to 90 per cent of the wetlands are contaminated."

  • Es wird immer skurriler. Jetzt wird eine Schwächung des Bienenvolkes zugegeben - und schuld daran soll ein Virus sein:


    http://www.welt.de/wissenschaf…uben-von-Pflanzen-an.html


    Der "Tabak-Ringfleckenvirus" (nicht der Tabakmosaikvirus). Dieser Virus ist auch gleich mal für das weltweite Bienensterben verantwortlich...na klar. Was sonst....


    Das ist wohl die mediale Antwort/Kampagne auf die Erkenntnisse hier: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=24581

  • hier http://mbio.asm.org/content/5/…42-44d3-b701-8722cbca1216 ist der "original Bericht" (engl.)


    Hier mal via GoogleÜbersetzer
    http://mbio.asm.org/content/5/…42-44d3-b701-8722cbca1216


    liest sich dann leider nicht mehr so harmlos und oberflächlich wie in den Meldungen von Deutschlandfunk bzw. welt.de

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von teleskopix () aus folgendem Grund: link korrigiert + Text ergänzt

  • Lernen die nie?


    Sie haben den Vietnam-Krieg verloren. Trotz des Agent Orange.


    Nun gut, jetzt können die Snowdens dieser Welt sich unter den Sojapflanze verstecken. So wie der Vietcong sich unter der dichten Pflanzendecke des Dschungels versteckte.


  • Interessante Diskussion...


    Vorne in der zweiten Reihe links im blauen Hemd, direkt neben dem Mann mit Ringelshirt und Halbglatze: Dr. Maus, von Bayer.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von BernhardHeuvel ()

  • Ich weiß nicht, ob ihr Zeit hattet, den Film zu sehen oder das Englische versteht. Daher fasse ich die 1 1/2 Stunden mal grob zusammen. Vor kurzem (22. -24. Januar 2014) fand in London ein Symposium zum Thema "Auswirkungen von Pestiziden auf die Bienengesundheit" statt. Eine Art Sammelkonferenz, ausgerichtet von der Biochemischen Gesellschaft, der Gesellschaft für Experimentelle Biologie und der Britischen Ökologischen Gesellschaft.


    Es waren Wissenschaftler aus der ganzen Welt da, in Sachen Bienen und Pestizide sehr bekannte Namen. Aus den USA (Jeff Pettis), Kanada, Schweden, dem Vereinigten Königreich/England und auch aus Deutschland (u.a. Randolf Menzel). Sowie Vertreter der Zulassungsbehörden der Engländer und Amerikaner. Natürlich durfte die Delegation von der Firma Bayer auch nicht fehlen. Ein Vertreter des englischen Bauernverbandes war auch da. (Nur kein einziger Imker...wie bezeichnend.)


    Die Diskussion zeigte im Verlauf sehr schön, wie der Schwarze Peter/die Verantwortung schön von einem zum anderen geschoben wurde. Die Wissenschaft sei nicht dazu da, etwas zu "beweisen". Es könne also gar keine Studie geben, in der die Gefährlichkeit oder Ungefährlichkeit bestimmter Pestizide bewiesen wird. Die Wissenschaft sammelt eher Beobachtungen und stimmt sie untereinander ab, sie kann also höchstens Daten liefern und eine Interpretation, die aber nicht absolut ist, sondern nur in Übereinstimmung mit anderen Daten stehen. Die Wissenschaft schiebt den Schwarzen Peter zur Zulassungsbehörde. Die sei dazu da, das vorhandene Material zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen.


    Die Wissenschaft ist also raus. Der Bauernvertreter schwang die übliche Keule: Wir müssen die Welt ernähren. Wir haben zu wenig Land, das intensiv bewirtschaftet werden muß - und Pestizide sind natürlich unverzichtbar. In diese Kerbe schlugen die Vertreter von Bayer und betonten vor allem, daß eine Umstellung auf eine pestizidfreie/-arme Landwirtschaft nicht von heute auf morgen nicht möglich ist. Grund: Sie investieren viel Geld in die Entwicklung neuer "Technologien" (Pestizide) und sie verlangen von der Politik nur eins: Kontinuität. Sie brauchen Investitionssicherheit. Sie brauchen lange Jahre, um ein Produkt zu entwickeln und wenn die Ausrichtung der Landwirtschaft sich alle Nase lang ändert, laufen die Investitionen ins Leere und das bedeutet für sie hohe wirtschaftliche Verluste.


    Der Landwirtschaftsvertreter ritt jedenfalls darauf herum, daß der Verbraucher gefragt ist. Der Schwarze Peter geht also an den Verbraucher.


    Dem Argument, daß die Weltbevölkerung wächst und mit Pestiziden noch mehr Nahrung produziert werden muß, wurde aus dem wissenschaftlichen Publikum widersprochen. 40-50 % der Lebensmittel werden weggeworfen - wenn man daran arbeiten würde, daß hier nicht so eine Verschwendung betrieben würde, könnte man auch mehr Menschen ernähren.


    Es kam die Frage auf, ob Gentechnik die Ernährung der Zukunft sichern kann und ob sich durch Gentechnik die Pestizidnutzung reduzieren ließe. Die vergangenen Erfahrungen sprächen nicht dafür, daß die Pestizidbelastungen sich mittels der Gentechnik reduzieren ließe, im Gegenteil. Interessant war, daß noch nicht mal Bayer das Fürwort für die Gentechnik aussprach. Kein Kommentar.


    Des Weiteren wurde die Frage aufgeworfen (es kamen Fragen per Internet live in die Konferenz herein), ob die Biolandwirtschaft (organic farming) die Menschheit ernähren könne. Daß wurde von einem Wissenschaftler mit einem eindeutigen Ja beanwortet. Ein Anderer warf ein, daß auch in der Biolandwirtschaft mit Pestiziden gearbeitet wird ("mit natürlichen Giften"). Dem wurde entgegnet, daß das zwar der Fall sei, aber die ganze ökologische Landwirtschaft auf den Integrierten Pflanzenschutz ausgerichtet ist. Das bedeutet, es wird viel für die Prävention vor Schadorganismen getan und nur als letztes Mittel werden Pestizide eingesetzt. Das ist genau das Gegenteil der konventionellen Landwirtschaft, wo Pestizide von vorneherein, also bevor überhaupt noch ein Schaden droht, eingesetzt werden. Das beste Beispiel dafür sind ja die Saatbeizen. Auch werden Pestizide schon ausgebracht, wenn nur eine einzige Blattlaus (oder andere Schadorganismen) gefunden wird, anstatt die Schwelle abzuwarten, wo der wirtschaftliche Schaden die Kosten für den Einsatz von Pestiziden überwiegt.


    Ein deutscher Wissenschaftler hat angeregt, daß die Politik Anreize für die Landwirte schaffen müsse, eben nicht Pestizide anzuwenden. Das heißt, es wird eine Art Versicherung eingerichtet, die den Schaden auffängt, wenn der Landwirt mit dem Spritzen etwas länger gewartet hat, um den Verlauf des Befalls zu beobachten. Außerdem müßte jede Nichtspritzung belohnt werden. Subvention der Nichtanwendung von Pestiziden. ( Henry : :wink:)


    Das Thema der Verbreitung der Neonicotinoide im Wasser wurde ebenfalls besprochen, wobei hier nicht nur die Studien aus den Niederlanden, sondern auch aus Kalifornien und Kanada genannt werden, wobei im Sumpfland in Kanada hohe Konzentrationen gefunden wurden. In den Niederlanden wurden teilweise sogar so hohe Konzentrationen im Oberflächenwasser (Tümpel) gefunden, daß dessen Wasser so wie es ist als Insektizid hätte verwendet werden können.


    Die Vertreter der Zulassungsbehörden wehrten sich gegen den Vorwurf, daß sie nur Studien der Pestizidhersteller berücksichtigen würden. Sie lesen durchaus "freie" Studien und Arbeiten unabhängiger Institute. Sie werden nur nicht so stark gewichtet. Die Vertreterin der Zulassungsbehörde aus den USA gab zu, daß die Zulassungsverfahren veraltet sind und hauptsächlich Warmblüter vor Schäden schützen sollten. Die ganzen Verfahren sind darauf ausgerichtet. Die systemischen Pestizide sind eine neue Klasse, die diese alten Zulassungsverfahren nicht ausreichend abdecken. Man würde sich aber weltweit mit anderen Zulassungsbehörden absprechen.


    Die ganze Diskussion in dem Video zeigt schön das Spannungsfeld auf: zwischen Industrie, Verbraucher, Landwirten, Zulassungsbehörden und Wissenschaftlern. Politik und Imker waren hier außen vor, gehören aber auch dazu.


    [Ende Videobesprechung]


    Die Industrie steht unter Erfolgsdruck (Aktiengesellschaft, die Dividenden zählen). Sie versucht Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, und so lange wie möglich auf dem Markt zu halten.


    Die Verbraucher sind komplett ahnunglos. Dazu werden sie noch wahnsinnig durch die Medien verwirrt, weil sie widersprüchliche Daten aus der Wissenschaft am laufenden Band liefern. Viren, Varroa, Handystrahlen und Zombiebienen. Such' Dir was aus, werter Verbraucher. Neben der Ahnungslosigkeit kommen Bequemlichkeit, Verschwendung und Geiz hinzu. Der Verbraucher kauft im Supermarkt, weil es am nächsten liegt. Er schmeißt die Hälfte wieder in die Tonne (bei 1 Milliarde Menschen, die jeden Tag hungern). Außerdem gibt er lieber Geld für technischen Tand (Flachbildfernseher, Smartphone und die dazugehörige Flatrate) aus, als für Lebensmittel.


    Die Landwirte plappern die Schlagworte der Industrie nach: wir müssen die Welt ernähren und außerdem Bioenergie erzeugen. Pestizide sind unverzichtbar (= wir haben nix anderes gelernt und wollen auch nix anderes lernen). Außerdem: der böse Verbraucher. Wir wollen mehr Geld.


    Die Zulassungsbehörden schlafen den Behördenschlaf. Anstatt aktiv die Masse an freien Studien zu durchforsten, die es zum Thema gibt - oder wenigstens die ganzen Besuche von Fachkonferenzen auszuwerten - wird nur nach Vorgabe gearbeitet. Anstatt sich als Sicherungsstelle zu verstehen, als die Stelle, die Mensch und Naturhaushalt vor Schäden schützen soll, arbeitet man Behördenvorgänge nach Schema F ab. Wobei das Schema F vor 50 Jahren entwickelt wurde und es wenig Bestrebungen gibt (?), die Verfahren an die heutigen Technologien anzupassen. Ich kann nur hoffen, daß die handelnden Personen dort mal langsam aufgewacht und auf den richtigen Weg sind! Wirtschafts- und Chemiestandort Deutschland hin oder her. Wenn es um Leib und Leben geht, sollte man etwas aktiver agieren. In der Diskussion wurde auch bemängelt, daß eine Zulassung für einen zu langen Zeitraum gültig ist, wenn sie einmal erteilt wurde. Es wurde ein Zeitraum von 20 Jahren genannt. Einmal zugelassen, wird die Grundlage der Zulassung gar nicht mehr genügend oder fortlaufend geprüft.


    Außerdem wurde richtigerweise von den Wissenschaftlern bemerkt, daß die einzelnen EU-Staaten ja massenhaft Daten besitzen: die Landwirte müssen ja genau dokumentieren, was sie für Pestizide wo ausgebracht haben. Diese Datenbanken existieren und die Staaten/die EU haben einen rechtlichen Anspruch darauf, diese Daten anzufordern. Diese Daten könnten wissenschaftlich ausgewertet werden und Korrelationen zu Schadbildern und Rückgang von Nützlingen aufgezeigt werden.


    Die Wissenschaftler bemühen sich, mehr und mehr Daten zum Thema Pestizide und deren Auswirkungen auf Bienen zu sammeln. Bisher wurde ja auch schon ein ganzer Berg davon zusammengetragen. Nur man kämpft mit der Komplexität eines Bienenvolkes. Die Aussagekraft von Labor- versus Feldversuchen wird heiß diskutiert, man kommt dem Superorganismus Bien nicht so richtig auf die Spur, was Wirkungen von Pestiziden betrifft. Denn die Wirkung auf eine einzelne Biene, wie sie oft im Labor gezeigt wurde, ist nicht gleichbedeutend mit den Wirkungen auf ein Bienenvolk. In Feldstudien aber, wo ganze Bienenvölker zum Einsatz kommen, gibt es zu viele unkontrollierte Bedingungen, die das Ergebnis in alle Richtungen verfälschen/beeinflussen können. Eine richtige Lösung oder ein Ansatz scheint es noch nicht zu geben. Mit Feldstudien lassen sich eigentlich nur Korrelationen beschreiben, keine Mechanismen.


    Außerdem wurde bemängelt, daß die Betrachtungszeiträume bei den ganzen Studien meist auf einen kurzen Zeitraum beschränkt wurden, unter einem Jahr, wobei eigentlich eine mehrjährige oder sogar jahrzehntelange Beobachtung vonnöten ist.


    Und nun? Wie läßt sich das beschriebene Spannungsfeld auflösen?