• Also Lämmerzeit ist am Anfang wie Achterbahn. Das ist jedes Mal so. Bei allen, die ihre Schafe lieben. Und es kommt - genau wie bei der Überwinterung der Bienen - immer zu Verlusten. Damit gehen wir bei den Bienen nur anders um. Wir streicheln die Waben mit den Resten der Völker nicht oder herzen die buckelbrütigen Ableger. Wir gehen mit den fitten und den hilflosen Völkern viel kompromißloser um als mit Lämmern und Schafen und haben uns an den Zustand gewöhnt, daß man hinterher oft klüger, das Volk aber doch tot ist. Denken wir daran, wenn wir Schwärme einfangen? Nein, aber wir sind entsetzt, wenn eingefangene Schwärme verbrausen, weil wir das nicht rechtzeitig bemerkt oder trotzdem falsch reagiert haben.


    Bei Lämmern ist das nicht anders. Nur sind die eben individuell so süß, daß selbst knallharte Männer zu Hebammen werden. Haben sie 3 Tage überlebt, sinkt die Verlustquote ganz massiv und es ist nur noch eine Freude dem Lämmerwahnsinn zuzusehen. Ich versuche immernoch und jenseits der Wirtschaftlichkeit jedes Lamm und jede Mutter zu retten. Deshalb bewegt mich ein einzelner Tod auch immerwieder und ich weiß noch wieviele Schafe oder Lämmer ich nicht habe erretten können. Wieviele ich geschlachtet habe, weiß ich nicht mehr. Jeder tickt da etwas anders. Ich kämpfe lieber intensiv für jeden kleinen maladen Racker und mich bewegt das. Meine Frau ist da mit bei und deshalb geht das auch beruflich.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

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  • Nagtrach: Brigitte mit der Schwergeburt steht heute und steht auf, wenn ich ihr zu nahe komme. Ihr Lamm ist fit und wohlgenährt. Zu sehen, daß sie ohne meine Hilfe sicher nebst ihrem Lamm gestorben wäre, wiegt nur für mich Sensibelchen nicht auf, daß man vielleicht auch das andere Lamm hätte retten können, wenn man denn bei der Geburt dabei gewesen wäre.


    Fliegen mir Schwärme davon, die den Winter nicht überleben werden, sind meine Emotionen anders.


    Ich sollte mich über Brigitten ihre Rekonvaleszenz mehr freuen, oder?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

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  • Also gut, dann freu' ich mich eben. :p

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
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  • Wenn ich hier lese kann ich nur sagen boah, was hatten wir bisher für unkomplizierte Ablammungen.
    Uns ist, toi toi toi, auch noch kein lebend geborenes Lamm später gestorben, aber das liegt vielleicht auch an der Rasse und der wärmenden Wolle :u_idea_bulb02:.


    LG Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Die Brigitte ist grade beim Öffnen des Gatters mir samt Lamm entgegengeschlüpft. Gar nicht mehr malade. Und hintenrum wieder nahe an Normalverfassung. Das ist doch mal schön.


    Ansonsten hüpfen hier jetzt 11 Lämmer rum. 8 Mütter sind noch voll.


    Die Verluste - zwei bislang - liegen an behindernden Mißbildungen (zu groß, Haltungsproblem) und am Wetter. Gesunde Lämmer kommen auch bei Frost gut durch. Wind und Frost oder Niederschlag und Frost sind hier die Lämmerkiller für die Schwächeren.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • behindernden Mißbildungen (zu groß, Haltungsproblem)


    Wieso passiert sowas?

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Wieso passiert sowas?


    Es gibt zwei Gründe dafür:
    1. kosmische Strahlung und
    2. Erdstrahlen.
    Beide schließen sich aus.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ....dann bleibt ja nur noch spirituelles Mobbing. :cool:

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Gesunde Lämmer kommen auch bei Frost gut durch. Wind und Frost oder Niederschlag und Frost sind hier die Lämmerkiller für die Schwächeren.


    Gut, daß Du Deine Schafe nicht in Irland oder Schottland hast.


    http://www.dailymail.co.uk/new…th-snow-warning-come.html


    Dort gibt einer der interviewten Schäfer an, daß Neugeborene im Frost nur eine halbe Stunde überleben. Deckt sich das mit Deinen Erfahrungen, oder gilt das eher für richtig frei laufende Highlandschafe?


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • Gut, daß Du Deine Schafe nicht in Irland oder Schottland hast.

    Besser jedenfalls. Hatte ja auch Verluste.

    Dort gibt einer der interviewten Schäfer an, daß Neugeborene im Frost nur eine halbe Stunde überleben. Deckt sich das mit Deinen Erfahrungen, oder gilt das eher für richtig frei laufende Highlandschafe?

    Das Problem liegt im zeitlichen Ablauf. Lammt die Mutter einen Einling und kann den zügig trockenlecken ist Kälte kein Problem. Bei Haarschafen sowieso nicht, die haben ja keine Wolle. Lämmer kommen auch mit ca. 40°C raus und zwar komplett durchgewärmt. Also auch die Beine und die Nase und andere Extremitäten. Die haben später im Leben aber deutlich geringere Oberflächentemperaturen. Die Lämmer dampfen sich also regelrecht trocken, wenn nur das Grobe an Nässe weggeleckt wurde.


    Haben wir Zwillinge ist das schon anders. Manche Mütter lecken dann Nr. 1 schon trocken und lasen das sogar Saufen während sie am zweiten noch drücken. Die kriegen dann auch zwei nacheinander trocken und durch. Manch andere Mutter kriegt zwei auf einmal oder hat mit Nr. 2 Probleme und wird aufgehalten oder verzettelt sich bei zweien. Dann ist die Energie der Lämmer sehr schnell hin, wenn zu Kälte eben auch noch Wind auf die nasse Oberfläche einwirkt. Fehlt die Energie zum Aufstehen und Trinken, dann wird dieses Lamm erfrieren, denn wenn es vor Kälte und Verklammtheit nicht mehr aufstehen kann, kriegt es auch kein energiereiches und warmes Kolostrum. Das jedoch ist seine einzige Energiequelle.


    Das ist in etwa der Situation vergleichbar, wenn ein Autowagen auf Reserve im Stau steckt und den Motor laufen lassen muß, damit das Kühlwasser nicht einfriert. Ist der Tank dann leer und keine Tankstelle war erreichbar, dann isses aus. Für immer. Es sei denn jemand kommt mit dem Aral-Kanister vorbei und füllt auf, ehe das Kühlwasser gefror. Ich komme bloß mit Lämmermilch. Das hilft Autos nicht.


    Nun legen es die Züchter logischerweise auf Drillingsgeburten an, die sie dann zu Zwillingen aufteilen. Die ideale Quote liegt bei knapp 1:2 (Mütter:Lämmer) über alles. Was im Schnee mit Drillingen passiert, kann man sich vorstellen.


    Die Betriebe (das sind ja auch Landwirte da mit tausenden Schafen und fast 3 Mitarbeitern) sind alle auf diese Quoten ausgelegt und kalkuliert und die gehen tatsächlich pleite, wenn denen die Lämmer sterben oder sie Personal anheuern müssen zur Überwachung und zum Füttern oder gar zur Aufzucht. Ein Flaschenlamm kann niemand zu Lammrücken portinieren, weil sich das keiner leisten kann. Also treibt auch keiner Aufwand es zu retten. Wie auch. Aus 1000 Muttern kommen 2000 Lämmer und wenn nur 5% Flaschenlämmer werden und die nur alle 3 Stundnen versorgt sein wollen hat eine Person rund um die Uhr alle zweieinhalb Minuten ein Lamm zu tränken und das Lamm hat auch nicht mehr Zeit dazu --> weitere Verluste ...


    Ist es warm, friert kein Kühlwasser ein und man hat länger Zeit bis zum Tankstopp.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Miteinander,
    die Kälteempfindlichkeit der Kamerunschafe steht auch erwähnt bei der Rassebeschreibung im
    "Farbatlas Nutztierrassen" - dem "Sambraus".
    Kommen ursprünglich halt aus Afrika.
    Die Schwierigkeiten bei der Geburt, die Henry beschreibt, könnten die daher rühren, das der Bestand sich nur aus wenigen Tieren begründet?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.