Systemische PSM in Blumenzwiebeln?

  • Moin, moin,


    Blumenzwiebeln und -knollen werden ja von Drahtwürmern und Erdraupen angeknabbert, möglicherweise.


    Ich finde im Netz aber fast gar nichts zu der Frage, ob und wenn ja in welchem Umfang Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Eine Rückstandsproblematik scheint es da in öffentlichen Wahrnehmung gar nicht zu geben. Gibt es die wirklich nicht, oder wird nur nicht untersucht?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Clas,
    da Blumenzwiebel keine Lebensmittel sind gibt es da auch keine Problematik...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Moin Lothar,


    freilich, freilich; aber für unsere Summsen gibt es eben doch eine, sogar da, wo für uns die Mengen nicht giftig sind. Dennoch finde ich die Frage nach der Beständigkeit des systemischen Schutzes interessant und wichtig. Solange, mindestens, sind die auch für Blütenbesucher giftig.


    Ich komme drauf, weil wir unseren im vorletzten Jahr einen blühenden Lavendel mitgebracht hatten. Sehr schnell lagen da etliche Tote mit langem Rüssel. Und da frage ich mich nun: wie ist das mit Blumenzwiebeln?


    Wenn sich das Zeug im Boden mehrere Jahre hält, wie lange hält es dann in der Pflanze?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Clas,


    ich denke die Verweilzeit wird nicht anders sein als bei "Zwiebeln", die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.


    Es werden ja auch keine anderen Mittel angewendet.


    Dass PSM-Rückstände in den Blüten vom Lavendel sind, ist vorstellbar. Bei "Zwiebeln" dürfte nach einer Periode ein "Verdünnungseffekt"


    auftreten, wie beim Bienenwachs :lol:.


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • ...Sehr schnell lagen da etliche Tote mit langem Rüssel....


    Hallo Clas,


    das mit den toten Bienen und Hummeln habe ich auch schon an Bienenbäumen (Euodia) und an einem Schnurbaum (Sophora) beobachtet. Die alten Hasen meinten, daß durch die stark duftenden Blüten in einer nektararmen Zeit auch die schwachen / abgearbeiteten Arbeiterinnen angelockt werden und dann dort sterben ... (vielleicht weil der erhoffte Nektar dann doch nicht zu holen war)


    Gruß Jörg

  • Moin Thorben,


    ei freilich. Nur sind die Rückstandmengen, die für Säuger keine gemessenen Effekte bringen, für Bienen schon lange letal. Im ppb-Bereich sind die für Insekten tötlich und für Säuger im ppm-Bereich noch nicht. Das sind drei Größenordnungen Verdünnung, die dann erst mal passieren müssten.


    Analysen wird es bei Blumenzwiebeln kaum geben. Sollte es aber. Dann wüsste man, wie sich das verhält. Ich glaube aber nicht, dass solche Untersuchungen zu den sorgfältigen und sehr aufwendigen Untersuchungen zur Zulassung gehören. Das sollten sie aber, und sie sollten von unabhängiger Seite nachvollzogen werden.


    Vor 3 Jahren habe ich Kohlpflanzen gekauft, offenbar war das Saatgut gebeizt, leuchtend blau, und obwohl viele Kohlweißlinge im Garten waren, gab es nicht eine Raupe, den ganzen Sommer, und auch keine Kohlfliegen. Unheimlich war das.


    Moin Jörg,


    nee, das waren vitale Bienen, die anflogen und dann mit gestrecktem Rüssel erstarrt in der Blüte hängenblieben. Oder runterfielen. Hummeln auch. Nix mit alten Tanten. Es waren das drei Pflanzen, sowas führt ja nicht zu einem Trachtwahn...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Clas Lehmann () aus folgendem Grund: Tapfuhler

  • Hm, sowas finde ich schrecklich! Da will man den Insekten mehr Nektarangebote bereit stellen, statt dessen sind es reine Giftfallen! War der gekaufte blühende Lavendel aus einem Baumarkt oder einem gewöhnlichen Pflanzengeschäft? Oder aus einer Baumschule? Verrückt ... wenn man vergiftete Insekten beobachtet müsste man ja fast die Blüte abschneiden, und naja, vlt im nächsten Jahr auch noch die Blüte verhindern. Wie lange wirklich so ein Gift in der Pflanze vorhanden ist? Ärgstens! :cry::cry:

    Mit freundlichen Grüßen, Lachnide

  • Man kann alles übertreiben, offensichtlich sind manche Imker von einer regelrechten PSM-Phobie befallen. Gesetzt dem Fall es wurden wirklich ein paar Zwiebeln mit PSM behandelt, es stürzen sich doch nicht tausende Bienen auf eine Blüte und wenn die Zwiebeln ein paar Jahre in der Erde liegen, ist davon auszugehen, dass sich die Schadstoffe ausreichend verdünnt wurden.


    Ein wirkliches Problem ist, dass in den nächsten Wochen vermutlich tausende Bienenvölker verhungern werden, da der Imker, wenn man ihn schon so bezeichnen will, im Herbst beim Einfüttern geknausert hat und durch den langen Flugbetrieb im Spätherbst viel Futter verbraucht wurde.


    Das nächste Problem wird sein, dass ab Mai wieder tausende Schwärme den Imkern entfleuchen und diese entweder an Futtermangel oder an der Varroa zugrunde gehen werden.


    Das übernächste Problem wird sein, dass ab Juli wieder tausende Völker durch mangelnde Varroabehandlung zugrunde gehen werden.


    Da fallen ein paar mit PSM behandelte Blumenzwiebeln wirklich nicht ins Gewicht. Ich bin zwar auch kein Freund von PSM, aber man muss die Sache schon objektiv betrachten.


    MfG
    Honigmaul

  • Moin, moin,


    wenn es wirklich ein paar wären... und wirklich ein wenig... Guck mal hier: http://www.ecomare.nl/de/ecoma…erbau/blumenzwiebelzucht/ .


    Was da steht, ist natürlich bemerkenswert unkonkret, aber wenn es Neonicotinoide sind, ist die Frage, wie lange die sich in den Pflanzen halten und die schützen und vergiften, schon nicht unwesentlich. Dass es Neonicotinoide sein könnten, ist plausibel.


    Mir geht es nicht um Phobie, sondern darum, dass es offenbar auf diese Frage nicht wirklich Antworten gibt. Jedenfalls habe ich bis jetzt keine gefunden. Da die Wirkstoffe für Säuger nicht besonders giftig sind, sind natürlich auch die für Lebensmittel geltenden Grenzwerte an die Säugergiftigkeit angepasst. Dass also Brokkoli, an dem keine Raupen gedeihen, für den menschlichen Verzehr unbedenklich ist, will ich glauben; ob aber seine Blüten für den bienlichen Verzehr dann gut sind, ist eine wahrscheinlich nicht untersuchte Frage.


    Für Blumenzwiebeln gibt es gar keine Grenzwerte. Also untersucht da auch keiner die Gehalte. Falls doch, gehört viel Glück dazu, die Ergebnisse zu finden.


    Aus diesen Gründen denke ich, dass die Frage untersucht gehört. Und da mich interessiert dann die Frage: Gibt es vielleicht schon Ergebnisse? Wenn welche vorliegen, kann man objektiv betrachten. Bis dahin, meine ich, sollte man fragen und untersuchen und dann erst zur Bewertung schreiten.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Schreib' die Zwiebelproduzenten doch mal einfach an - fragen kostet noch nichts außer Überwindung.


    Stärkt auch das Bewußtsein der Hersteller.


    Gruß
    Bernhard

  • Moin Clas,


    warum sollten denn Erzeuger von Blumen"zwiebeln" mehr "Mittel" auf ihre Äcker kippen, als nötig um "Schädlinge" zum Ableben zu bewegen?


    Die Aufwandmenge wird nicht höher sein als bei Zwiebeln für den menschlichen Genuss.


    Die Zeit von der letzten Anwendung bis zur Ernte, wird bei Speisezwiebeln geringer sein, als von der Ernte einer Blumenzwiebel bis zu ihrem


    nächsten Blühen und dem Kontakt zu einem Insekt. Nach einer Saison sind die in den Zwiebelschuppen gelagerten Rückstände in die Laubblätter,


    bzw. Blüte gewandert; nach dem Eintrocknen/Einziehen werden Rückstände zu einem größeren Teil auf dem Kompost landen............


    Dass eine Auswaschung der PSM und Dünger erfolgt mit Folgen, da kann Dir unsere Ostsee ein Lied von Plätschern.


    Frag sie beim nächsten Besuch, was sie von den vielen Erdbeerfeldern hier in S-H hält.


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • Moin Thorben,


    sie sollten nicht mehr als nötig. Aber wissen sie, wieviel nötig ist?


    Die Speisezwiebel wird von Säugern verzehrt. Für die sind Neonicotinoide nicht allzu giftig. Der da hinnehmbare Gehalt ist offenbar an der Säugergiftigkeit festgemacht. Die Aufwandmengen liegen im Bereich von höchstens wenigen 100 g pro ha, die wirksame Menge, die die Nutzpflanzen darauf vor Insekten schützt, ist einfach unglaublich gering. Die Wartezeiten sind nicht hoch, aber die Giftigkeit dieser Mittel für Insekten liegt um mehrere Größenordnungen über der für Säuger.


    Die Mittel sind weiterhin in beiden Gefäßsystemen mobil, und Einziehen bedeutet auch eine Stoffverlagerung in die Überdauerungsorgane, als Möglichkeit. Ich frage nun eigentlich nach wirklichen Untersuchungen. Ich habe aber den Eindruck, genau diese Untersuchungen gebe es nicht so recht, weil es nicht darum geht, Insekten vor Rückständen zu schützen. Für unsereiner ist das Zeug recht ungiftig. Die LD50 Für Ratten liegt bei etwa 0,4g/kg Ratte. Bei Bienen sind es einige Nanogramm.


    Auch bei der Frage der Nützlingsschonung gilt alles, was nicht mehr als 25% der Nützlinge umbringt, als verträglich. Thiacloprid, zum Beispiel, ist als nicht gefährlich für Bienen eingeordnet. Ich zweifle.


    Jetzt aber muss ich was anderes tun.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Clas,


    habe eben mal den "Pflanzenarzt" bemüht......


    Kroküsse und Tulipan haben eher Probleme mit Virosen, Mykosen, Bakteriosen+physiologischen Schädigungen.


    Mäuse und Älchen treten noch auf. Hast du einen Hinweis auf den Einsatz von Neonics an Blumenzwiebeln?


    Übrigens....unsere Speisezwiebeln werden nicht nur von Säugern verzehrt, sondern auch von denen hier:


    http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.hortipendium.de/images/thumb/Uienvlieg_maden.jpg/250px-Uienvlieg_maden.jpg&imgrefurl=http://www.hortipendium.de/Zwiebelfliege&usg=__CyQ5M31dx2K1Sv8MvFPWLS-ExLY=&h=199&w=250&sz=16&hl=de&start=21&zoom=1&tbnid=CzNPcv2a_ClE8M:&tbnh=141&tbnw=188&ei=S_NcT-DIGY_esgbB9d2XDA&prev=/search%3Fq%3Dzwiebelfliege%26hl%3Dde%26sa%3DX%26rls%3Dcom.microsoft:de:IE-Address%26rlz%3D1I7ACAW_deDE368%26biw%3D1249%26bih%3D615%26tbm%3Disch%26prmd%3Dimvns&itbs=1&iact=hc&vpx=576&vpy=327&dur=4612&hovh=159&hovw=200&tx=121&ty=85&sig=109868201602120002831&page=2&ndsp=28&ved=1t:429,r:23,s:21


    Wir schützen mit Rantai K.


    Da Bienen auch blühende Speisezwiebeln aufsuchen, könnte dort eher ein Kontakt zu Neonics erfolgen, da sie hier gegen Sauger, nicht Säuger,


    und Beißer eingesetzt werden.


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • Moin Thorben,


    Virosen ruft irgendwie doch die Neonics auf den Plan, von wegen der Virusvektoren... jedenfalls bei Kartoffeln und im Getreide. Wie es mit den Kroküssen und Tulipanen ist, weiß ich nicht. Ich wollte da eine größere Pflanzaktion antreten, aber eben erst, wenn ich da sicher bin und sein kann, dass es solche Probleme nicht gibt.


    Gegen Drahtwürmer werden sie eingesetzt, und die knabbern jedenfalls an Zwiebel und Knollen.


    Ja, klar gibt es Zwiebelfliegen. Ich kenne die. Netz ist gut und wirksam. Wenn ich die Wirkung der Brokkoli- und Grünkohlbeize von vor 3 und zwei Jahren hochrechne, sind jedenfalls die Kohlpflanzen über Monate hin für Kohlweißlingsraupen und Kohlfliegen giftig gewesen und der Porree für Zwiebelfliegen. Seither ziehe ich selber vor. Man muss etwas anders planen, aber es geht gut.


    Nein, wirklich konkrete Hinweise habe ich nicht, nur eben eine sehr geringe Transparenz, was da wann wogegen eingesetzt wird. Und wenn sie eingesetzt werden, fehlt es mit Sicherheit an für Bienen passenden Rückstandsanalysen. Die ganzen systemischen Mittel wie die Beizen gelten ja mangels Exposition schon als ungefährlich für Bienen. Dass das nicht stimmt, kann man eigentlich inzwischen wissen. Konsequenzen zieht aber bisher nicht so richtig einer.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...