Verdeckelungsdauer

  • Die Dauer der Verdeckelung scheint ein echtes KO-Kriterium für die Stabilität zwischen Wirt und Parasit, also unseren Bienen und den Varroamilben zu sein. (Die Arbeiterinnen der Cerana haben nur 12 Tage Verdeckelungszeit. Hier scheint der Hauptwirkmechanismus einer eben nicht explodierenden Varroamilbenpopulation zu liegen.)


    Daher möchte ich hier ein Sammelthread für alles rund um die Verdeckelungszeit starten.


    Fund von heute: Studie zu alten gegenüber neuen Waben.


    http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&cpsidt=13692977


    >>On average, colonies with new comb produced a greater area (cm2) of brood, a greater area (cm2) of sealed brood, and a higher weight of individual young bees (mg). Brood survivorship was the only variable significantly higher in old comb.<<


    Auf frischen Waben aufgezogene Bienen waren schwerer und es gab größere Brutflächen. Die alten Waben hatten dagegen eine signifikant verringerte Brutsterblichkeit!


    Meiner Interpretation nach, rührt die größere Brutfläche daher, daß die höheren Verluste durch Brutsterblichkeit ausgeglichen werden müssen.


    Es ist die Frage, warum die Brutsterblichkeit in alten Waben so gering ist. Einen ersten Hinweis gab es ja schon wegen der Wasserspeicherfähigkeit von Waben - alte Waben können wesentlich mehr Wasser aufnehmen. Und da Brut bei besonders hoher Feuchtigkeit gut gedeiht, scheint hier eine gute Begründung gefunden.


    Bedeutet die gute Entwicklung in solchen alten Waben auch gleichzeitig eine verringerte Verdeckelungsdauer?


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,

    Die alten Waben hatten dagegen eine signifikant verringerte Brutsterblichkeit!


    Sehr interessant, weil zuerst einmal nicht intuitiv, da der vielbeschworenen Wabenhygiene entgegenlaufend. Im verlinkten Abstract steht, dass das Alter der Brutwaben nicht bekannt war. Da stellt sich mir die Frage, wie alt dürfen solche Waben sein, dass die positiven Effekte nicht von Hygieneproblemen wieder aufgehoben werden. Oder besser noch, woran erkennt man (alte) Brutwaben, die Krankheitsherd wären und woran solche, die sich sogar negativ auf die Brutsterblichkeit auswirken.


    Gruß
    Ludger

  • Auf frischen Waben aufgezogene Bienen waren schwerer und es gab größere Brutflächen. Die alten Waben hatten dagegen eine signifikant verringerte Brutsterblichkeit!


    Meiner Interpretation nach, rührt die größere Brutfläche daher, daß die höheren Verluste durch Brutsterblichkeit ausgeglichen werden müssen.


    Hallo Bernhard,
     
    hast Du die originalen Daten gesehen?
    Wie hoch ist die Sterblichkeit?
    Was heißt 'signifikant' in absoluten Prozenten?


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.


  • ....
    Es ist die Frage, warum die Brutsterblichkeit in alten Waben so gering ist. Einen ersten Hinweis gab es ja schon wegen der Wasserspeicherfähigkeit von Waben - alte Waben können wesentlich mehr Wasser aufnehmen. Und da Brut bei besonders hoher Feuchtigkeit gut gedeiht, scheint hier eine gute Begründung gefunden.


    ...


    Die Kleinzellen-Anhänger behaupten die Bienen müssen auf kleineren Zellen gezogen werden um die Varroa zu bekämpfen. Hierzu gibt es eine amerikanische Studie die dies bestätigt (kleine Zelle = kein Platz für Biene und Varroa => Varroa stirbt). Dies könnte ein Grund sein warum alte Waben wenige Probleme mit Varroa aufweisen.
    Leider zeigt die Studie auch, das kleine Zellen kleine Bienen hervorbringen und diese dann wiederum kleinere Bienen (nach einigen Generationen). Womit sich das Raumangebot für Biene und Varroa wieder "normalisiert" und der Varroabefall auch :-(

  • Kleinere Bienen -> kürzere Dauer zwischen Verdeckelung und Schlupf -> weniger Zeit für Vermehrung der Varroa und mehr Bienen in gleicher Zeit erbrütet (d.h. größere Volksstärke -> möglicherweise besseres Ausräumverhalten) -> bessere Überlebensfähigkeit des Volkes


    Das mit der zerquetschten Varroa glaub ich persönlich nicht so ganz.


    André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Zitat:
    "Einfluss des Wabenalters auf die Volksentwicklung und den Varroabefall (26 Völker). In 2001
    hatten Jungvölker, die auf neuem Wabenbau gehalten wurden, im Herbst mehr als doppelt so
    viele Varroamilben wie Jungvölker, die mit alten tiefschwarzen Waben ausgestattet wurden. Das
    Wabenalter hatte sich nicht auf die Volksentwicklung ausgewirkt. Dieser Versuch wurde in 2003
    an zwei Standorten wiederholt. An einem entwickelten sich die Jungvölker auf den alten Waben
    etwas besser als die auf den jungen Waben. Vermutlich hat mit alten Waben gegebener
    Pollenvorrat zu einer höheren Brutleistung geführt. Die Altwaben-Völker zogen von Juni bis
    Oktober im Durchschnitt 26000 Brutzellen und damit etwa 5000 mehr auf als die
    Jungwabenvölker, was sich in einer um 1000 Bienen höheren Einwinterungsstärke niederschlug.
    Doch lag auch der Varroa-Abfall nach OSINAL-Behandlung bei den Altwabenvölkern mit
    durchschnittlich 550 Milben dreimal so hoch wie bei den Jungwabenvölkern. Am zweiten
    Standort gab es dagegen keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen."
    https://bienenkunde.uni-hohenh…003_jahresbericht_lab.pdf Seite 17

  • Hallo.
    dass sich Völker auf Altwaben besser entwickeln heben auch meine Kollegen und ich bei der Teilen und Behandeln Betriebsweise festgestellt. Im Forum wird dies allerdings von menschlich denkenden Imkern verneint.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo.
    dass sich Völker auf Altwaben besser entwickeln heben auch meine Kollegen und ich bei der Teilen und Behandeln Betriebsweise festgestellt. Im Forum wird dies allerdings von menschlich denkenden Imkern verneint.


    Remstalimker


    Altwaben sollte genau definiert werden: Farbe!? Diese Aussage fehlte mir in der genannten Studie, oder habe ich etwas überlesen?


    Ich habe hier dieses Jahr versuche mit KS durchgeführt. Alle Beuten wurden ausgestattet mit:
    1. Anfangsstreifen
    2. Mittelwänden
    3. Altwaben (wirklich alt, sehr dunkel)


    Das einzige was in den Altwaben Eier gelegt hatte waren die Motten :-(
    Die KS mochten mehr die Anfangsstreifen und Mittelwände.

  • Oliver: Sieh' Dir mal die Seite von Oscar Perone an - kennst Du ihn (und seine wilden Theorien) schon?


    Hier seine Seiten zu Waben:
    http://www.permapicultura.com/panales.aspx


    Gruß
    Bernhard


    Erstmal ein "parabens"! Du bist ein lebendes Lexikon, da werde ich doch öfter mal nachschlagen (nicht hauen :-)


    Entschuldige aber Oscar Perone ist es nun wirklich nicht wert gelesen zu werden. Seine theorien sind nicht nur "wild" sondern einfach falsch und entbehren jeglicher wissenschaftlicher Basis. Mein Lieblingsbeispiel ist seine abenteurliche Theorie über die schwarze Pest, ich hab ihn bereits zum Pasteur Institut eingeladen um zu beweisen, dass wir nicht sterben werden. Allerdings unter der Vorausstzung das er sich der Pest aussetzt. Ich werde dies nur durch eine Glaswand beobachten :-)


    Perone und Wissen(schaft) schliessen sich aus. Leider einer der Biodynamik "Gurus" die andere die ernsthaft nach Alternativen suchen in Verruch bringen.


    Werde einen schnellen Blick auf den Link werfen, nur um nicht als ignorant eingestuft zu werden. Gut zuerst einen Kräutertee zur Beruhigung zu trinken, obwohl mein Blutdruck ist recht schwach heute, da könnte Perone sogar zu etwas nütze sein ;-)