Betretungsrecht Nachbargrundstück

  • Ich hätte eine Frage zum folgenden Paragraphen aus dem BGB zwecks Betretungsrecht beim Schwarmfang:


    § 961
    Eigentumsverlust bei Bienenschwärmen
     
    Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.



    Wie sieht es denn aus wenn man als Beruftätiger erst am Abend nach Hause kommt, der Schwarm aber Mittags ausgezogen ist?
    Da ist es mir doch unmöglich Ihn unverzüglich zu verfolgen. Gilt das Betretungsrecht dann trotzdem noch? Gehört mir der Schwarm noch?


    Gruß TeXX

  • In §962 BGB ist das Verfolgungsrecht geregelt. Wenn Du erst Abends nach Hause kommst, ist der Schwarm zwischenzeitlich herrenlos geworden. Wenn Du ihn jetzt einfangen willst, wird er wieder zu Deinem Eigentum und somit darfst Du das Grundstück betreten. So würde ich es interpretieren.


    *EDIT*


    Wobei es am freundlichsten werde den Eigentümer zu fragen, ob man seine Bienen einfangen dürfte ... Ein Glas Honig wirkt da auch Wunder ;)

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"


  • Wobei es am freundlichsten werde den Eigentümer zu fragen, ob man seine Bienen einfangen dürfte ... Ein Glas Honig wirkt da auch Wunder ;)


    Fragen werde ich, aber das Verhältnis zum Nachbarn ist leider nicht das beste. Deshalb auch meine Frage mit dem Betretungsrecht. Es könnte durchaus sein das ich
    ihm den Gesetzestext zeigen muß um Zutritt zu erhalten


    Gruß TeXX

  • Hallo !




    Unverzüglich bedeutet = unverzüglich nach dem Bekannt werden dessen, das ein Schwarm gefallen ist ...



    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.


  • Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.


    Wie sieht es denn aus wenn man als Beruftätiger erst am Abend nach Hause kommt, der Schwarm aber Mittags ausgezogen ist?
    Da ist es mir doch unmöglich Ihn unverzüglich zu verfolgen. Gilt das Betretungsrecht dann trotzdem noch? Gehört mir der Schwarm noch?


    Aufgeben heißt in dem Fall, ich weiß davon, aber es ist mir egal, ich will ihn nicht einfangen, weil er zu Hoch sitzt und mir dies zu gefährlich ist.


    Auslegungen besagen auch das unverzüglich das bemerken innerhalb von 24 Stunden nach dem Auszug bedeutet.


    In guter Imkerlicher Praxis bedeutet dies, dass derjenige der ihn zuerst sieht/findet holen wird.


    Im Normalfall wird der Nachbar froh sein, dass er dem Schwarm von seinem Grundstück los ist. Kann der Imker mich nicht leiden, wird er einen anderen Imker verständigen ;-) also immer nett sein zu den Nachbarn. Aufklärung und Honig bewirkt wunder.


    Also wenn du abends heimkommst und den Schwarm am Baum siehst Klingel und abholen.
    Wenn du aber z.B. einen Salat kaputt trittst oder einen Schaden anrichtest musst du dafür haften.


    Mit freundlichen Grüßen Hans R.

  • Hallo TeXX:


    Besser ist, den Nachbarn zu fragen und mit dessen Einverständnis den Schwarm zu fangen:
    nach:
    § 962 Verfolgungsrecht des Eigentümers
    Der Eigentümer des Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten. Ist der Schwarm in eine fremde nicht besetzte Bienenwohnung eingezogen, so darf der Eigentümer des Schwarmes zum Zwecke des Einfangens die Wohnung öffnen und die Waben herausnehmen oder herausbrechen. Er hat den entstehenden Schaden zu ersetzen.


    Darfst du zwar das Grundstück den Nachbarn betreten, jedoch bist du für entstandene Schäden haftbar. Nichts schlimmeres, als einen aufgebrachten Nachbarn den Gesetzestext mit Betreten vor die Nase zu halten und dann für angebliche Schäden an Rosen, Rasen, Gartenlaube etc. haftbar gemacht zu werden.


    Klingeln, fragen und dann den Schwarm holen. Man muss ja nicht zwingend sagen, dass es ein Schwarm aus den eigenen Kästen ist.
    Falls es der erste Schwarm im Nachbargarten ist, reicht es ja zu sagen: " Ich habe gesehen, dass ein Bienenschwarm sich da drüben gesammelt hat, den würde ich gerne einsammeln und zu meinen Bienen dazustellen *zwinker*.


    Wir haben zuhause auch einen schwierigen Nachbar, der am liebsten mit uns über Anwalt kommuniziert. Als eines unserer Hühner über den Zaun entwischt ist, habe ich auch kurz geklingelt, höflich gefragt, das Huhn im Rasen gefangen und mich dann nochmal kurz höflich bedankt.


    Stefan

  • Ein Schwarm ist nicht automatisch herrenlos, nur weil er ggf. ausgezogen ist. Solange der Besitzer seiner Verfolgungsabsicht nachkommt und den Schwarm verfolgt ist er noch immer Eigentümer des Schwarms - und der Schwarm nicht herrenlos. Dabei ist es auch völlig egal auf wessen Grundstück sich dieser vielleicht befindet. Deshalb muss der Nachbar formell auch nicht um Erlaubnis gefragt werden wenn dessen Grundstück zum Zwecke des Wiedereinfangens betreten werden muss. Der Nachbar kann seine Erlaubnis formell zwar verweigern, muß das Betreten aber trotzdem dulden.


    Verfolgen ohne Verzug (also unverzüglich) bedeutet ohne schuldhaftes Zögern ab Beginn der Kenntnisnahme davon, daß der Schwarm ausgezogen ist.


    Vielleicht erfahre ich von diesem Umstand ja erst drei Tage nach dem Schwarmfall und trotzdem verfolge ich ihn dann ohne Verzug, (also unverzüglich), wenn ich mich dann umgehend nach eben dieser Kenntnisnahme auf die Socken mache oder zumindest meine Absicht erkläre, dieses nunmehr umgehend tun zu wollen.



    Das mit der Ersatzpflicht für zerlatschte Beete und Blumen stimmt allerdings auch.


    Das Glas Honig würde ich bei so einem Nachbarn aber eher selber essen.

  • Verfolgen ohne Verzug (also unverzüglich) bedeutet ohne schuldhaftes Zögern ab Beginn der Kenntnisnahme davon, daß der Schwarm ausgezogen ist.


    Vielleicht erfahre ich von diesem Umstand ja erst drei Tage nach dem Schwarmfall und trotzdem verfolge ich ihn dann ohne Verzug, (also unverzüglich), wenn ich mich dann umgehend nach eben dieser Kenntnisnahme auf die Socken mache oder zumindest meine Absicht erkläre, dieses nunmehr umgehend tun zu wollen.


    Damit wäre mir doch geholfen. Die wenigsten Imker stehen den ganzen Tag bei ihren Bienen um diese dann unverzüglich zu verfolgen.
    Aussenstände, Beruf usw......da ist eine sofortige Verfolgung des Schwarms vielen ja unmöglich.

  • Sehe da grundsätzlich zwei Möglichkeiten :


    1. mit allen Nachbarn mitteleuropäische Verhältnisse herstellen


    2. etwaigen Schwärmen rechtzeitig , in geeigneter Form , den Kurs und Einfallsort , vorgeben.


    Gruß hannes