Acute Paralyse Virus (APV)

  • Hallo,


    im Forum wird zuweilen argumentiert, dass die Varroa nach Beendigung der Bruttätigkeit im Spätherbst keinen Schaden mehr anrichten kann, da die auf den Bienen sitzenden Varroen dort einfach nur sitzen und auf die Winterbehandlung warten. Hier ein Artikel, der zum Nachdenken zwingt: Wenn in das Blut einer erwachsenen Biene das Acute Paralyse Virus (kurz APV) injiziert wird, dann stirbt die Biene innerhalb weniger Tage. Wenige Viruspartikel reichen hierfür aus. Das APV ist oft in großer Zahl im Fettkörper der Bienen zu finden, wo es keinen Schaden anrichtet. Wenn dieser Fettkörper durch den Anstich der Varroa verletzt wird, gelangen Viren in das Blut und die Biene stirbt.
    Es ist daher m.E. nicht gleichgültig, ob in brutlosem Zustand ein Volk stark vermilbt ist oder nicht. Daher kann man bei starkem Varroabefall sich nicht Zeit lassen, bis das Volk brutfrei ist, sondern muss auch bei evtl. vorhandener Restbrut unverzüglich behandeln, z.B. schon im November.


    Gruß Ralph

  • Hallo,


    ich habe dieses Jahr eine Erfahrung machen müssen, die diese Überlegung zu stützen scheint. Ich hatte im Sommer bei 2 Völkern testweise die totale Brutentnahme nach Büchler durchgeführt und diese beiden Völker an meinem Hausstand zusammen mit 2 "normal" mit Ameisensäure behandelten Völker aufgestellt. Als mir der natürliche Milbenfall Ende Oktober zu hoch wurde, habe ich diese beiden Völker mit Milchsäure behandelt. Da ich grade dabei war, habe ich die beiden anderen Völker meines Hausstandes gleich mitbehandelt.
    Diese 4 Völker machten auch bei der Winterbehandlung mit Oxalsäure noch einen gesunden Eindruck.


    Auf meinem Außenstand hingegen, der diese Behandlung Ende Oktober nicht bekomment hat, habe ich hohe Ausfälle zu bedauern. (4 von 6)


    Die Zahlen sind natürlich viel zu klein, um irgendwelche Beweiskraft zu haben, zumal die Völker keine einheitlich Struktur hatten, aber die Tendenz passt zu deiner Überlegung.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Ralph,


    ich bin mir noch nicht so richtig darüber im Klaren, wie man sicher den Befallsgrad ermitteln kann.


    Im Spätsommer hatte ich einen geringen natürlichen Totenfall auf den Windeln, Schwammtuch-Granaten haben auch nur einige hundert Milben gebracht und als ich die Nassenheider-Horizontal drin hatte waren manche Windeln fast schwarz vor Milben.


    Puderzucker-"Auswaschung" soll ja auch nicht 100%ig sein. Was macht man da am Besten?


    Gruß Jörg

  • Puderzucker-"Auswaschung" soll ja auch nicht 100%ig sein.


    Ist vielleicht nicht 100% aber sehr gut und ausreichend aussagekräftig, solange der Puderzucker fein genug ist. Ich habe im Sommer zwei Proben mit 30 bzw 40 abgeschüttelten Milben noch einmal mit Geschirrspülmittel kräftig ausgewaschen und nur zwei Milben gefunden. Eine Winterprobe mit 7 abgeschüttelten Milben hatte im Spülwasser noch 0 Milben.
    Dauert nur wenige Minuten und ist allemal aussagekräftiger als Windel.


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Hallo,


    mir geht es in diesem Thema nicht darum, wie der Befallsgrad der Varroa zu ermitteln ist, sondern um den Wissensstand um das APV und um die mit dieser Krankheit verbundenen Schlussfolgerungen, eventuell auch weitere Links. Z.B. wird das APV auch als eine mögliche Ursache für CCD gesehen, zusammen mit dem IAPV (Israel Acute Paralyse Virus). Das liegt nahe, da CCD in den USA wohl erst nach dem Einschleppen des IAPV aus Australien durch Paketbienen aufgetreten ist.
    Ein Befall mit APV ist schwer zu erkennen. Vielleicht tritt es aber auch in Kombination mit anderen besser zu erkennenden Viren wie DWV auf. Vielleicht ist DWV auch garnicht so tödlich, wie z.B. von Stephan2 behauptet, sondern ist vielleicht einfach nur ein sichtbares Zeichen für Virenbefall, wobei der eigentliche Verursacher des Volkssterbens das APV ist. Eine derartige Diskussion würde ich wichtig finden, um bessere Kriterien für eine befallsgerechte Entscheidung für Behandeln oder nicht Behandeln ableiten zu können.


    Gruß Ralph


  • Nein, ich kannte diese Übersicht nicht. Sie verdeutlicht ebenfalls, dass ein bestehendes Gleichgewicht zwischen Bienen und Viren durch die Varroa gestört wird, sowohl in der Brut als auch auch in der erwachsenen Biene. Das Anstechen der erwachsenen Biene durch die Varroa ist also nicht harmlos, wie hier vielfach angenommen wird. Deshalb ist auch der Rat falsch, bei einem hohen Varroabefall im Oktober/November bis zur Winterbehandlung im Dezember zu warten.
    Gefährlich ist nach diesem Link nicht nur das APV (oder ABPV), sondern auch das KBV (Kashmir Bee Virus) und CBPV (Chronical Bee Paralyse Virus, Schwarzsucht), da alle diese Viren bei Eindringen in das Bienenblut der erwachsenen Biene innerhalb weniger Tage zum Tode führen. Diese Übertragung in das Bienenblut ist nur durch Verletzungen möglich, beispielsweise durch den Stich der Varroa. (Beim KBV kommt noch die Infektion über den Darm hinzu, wenn das Volk an Nosema erkrankt ist.) Ich denke, dass diese Viren im Zusammenhang mit der Varroa auch für Königinnenverluste verantwortlich sein können.
    DWV dagegen ist normalerweise symptomlos. Auch die Ansteckung erwachsener Bienen beispielsweise durch die Varroa führt nicht zu Symptomen. Die typischen Verkrüppelungen werden erst durch den Varroabefall in der Brut ausgelöst. Daher sollte Brut, die nicht von der Varroa befallen ist, auch gesund schlüpfen und eine normale Lebenserwartung aufweisen. Deshalb kann meiner Meinung nach das DWV zwar die Völker schwächen, aber nur erst bei extrem hoher Parasitierung durch Varroa zusammenbrechen lassen. Der Zusammenbruch der Völker bei mittlerem Varroabefall wird nach meiner Meinung durch die anderen Viren ausgelöst, bei denen die erwachsenen Bienen geschädigt werden.
    Wer nicht blind gegen die Varroa behandeln möchte, sollte meiner Meinung nach in die Lage versetzt werden, diese Virenerkrankungen zu erkennen und einzuschreiten. Das ist nach meiner Überzeugung eine wichtige Voraussetzung zur Durchführung von "Nichtbehandlungskonzepten", wenn man nicht andere Bienenstände mit Varroen und Viren verseuchen möchte.


    Gruß Ralph

  • Hallo,
    wenn ich das richtig verstanden habe, haben wir gegen die Viren keine Mittel, die gibt es immer und überall.
    Das Einzige, was versucht werden muss, ist das Immunsystem der Bienen zu stärken und die Varroa in Grenzen zu halten.
    Der holdene Mittelweg also, behandeln, wenn nötig, aber die Bienen insgesamt so wenig wie möglich stören/schwächen, ihnen ein gesundes Entwickeln ermöglichen.
    Wie dann die Betriebsweise im Konkreten aussehen sollte bleibt die Frage. Viel Fingerspitzengefühl und ein gutes Auge sind sicher wichtig.


    LG
    Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Hier ein Zitat von dieser Seite: http://www.diafarm.org/index.php/en/honey-bee-diseases/77
    "ABPV spreads by way of salivary gland secretions of adult bees and in food stores to which these secretions are added.Varroa can transfer ABPV and KBV among adults and pupae.Little is known specifically about the transmission routes of IAPV. This rapid adult mortality, described independently for ABPV, KBV and IAPV, as well as their relative absence in the larval stages, is interesting in the light of the identification of IAPV as a major risk indicator for Colony Collapse Disorder. This condition is characterised by the rapid depletion of adult bees from otherwise apparently healthy colonies, leaving just the queen with a small number of young workers and often large areas of unattended brood." =
    "ABPV verbreitet sich durch Ausscheidungen der Speicheldrüse erwachsener Bienen und in Futtervorräten, zu denen diese Ausscheidungen hinzu gefügt werden. Varroa kann ABPV und KBV zwischen Imagos und Puppen transferieren. Über den Übertragungsweg von IAPV ist wenig bekannt. Die schnelle Sterblichkeit, beschrieben für ABPV, KBV und IAPV sowie ihre relative Abwesenheit in den Larvenstadien ist interessant im Licht der Identifikation von IAPV als ein Hauptrisikoindikator für CCD. Diese Bedingung ist charakterisiert durch den schnellen Abgang erwachsener Bienen aus sonst anscheinend gesunden Völkern, wobei die Königin mit einer kleinen Anzahl von Jungbienen und oft großen Flächen von unbetreuter Brut zurück gelassen wird."
    Das ist das typische Erscheinungsbild von Völkern, die an der Varroa zusammengebrochen sind! Eine rechtzeitige Erkennung der Erkrankung könnte das vermeiden oder zumindest verhindern, dass räubernde Bienen die Krankheit mit den Milben verbreiten. Die typischen Kennzeichen sind Lähmungen (auch in dem Link beschrieben), die aber auch bei anderen Krankheiten und Vergiftungen auftreten könnten. Ich halte aber die eindeutige Zuordnung der Symptome zu einer dieser Viruserkrankungen auch nicht für wichtig. Der Verdacht alleine sollte verpflichtend sein, bei einem Zusammentreffen derartiger Symptome mit einem hohen Varroabefall unverzüglich gegen Varroa zu behandeln oder das Volk abzutöten, um zu verhindern, dass durch Beräuberung des kranken Volks die Krankheit weiter verbreitet wird.
    Hier würde ich die Grenze einer Nichtbehandlungs-Strategie ziehen.


    Gruß Ralph

  • Hier würde ich die Grenze einer Nichtbehandlungs-Strategie ziehen.


    Ach darum geht es. Ich dachte, Du interessiert Dich für die Viren. :roll:


    Studien zu den Wechselwirkungen Varroa und Viren gibt es haufenweise. Schließlich war das ja mal der Hype wegen des Bienensterbens. Eine Übersichtsstudie kam zu dem Schluß, daß Viren nicht die größte Rolle spielen, was Bienensterben/CCD angeht. Wenn Du dich dafür interessierst, suche ich Dir das gern raus.


    Wenn es mal wieder nur um den bösen Nachbarn ging, dann schalte ich mich raus. Da wird ja bald der Segen von oben kommen - in Form der Zwangsbehandlung und des Bienenführerscheines und so. Ich bin mal gespannt, was die Experten vermelden werden, wenn es dann immer noch nicht klappt. Irgendwann werden sie bei sich selbst suchen müssen.


    Gruß
    Bernhard

  • Studien zu den Wechselwirkungen Varroa und Viren gibt es haufenweise. Schließlich war das ja mal der Hype wegen des Bienensterbens. Eine Übersichtsstudie kam zu dem Schluß, daß Viren nicht die größte Rolle spielen, was Bienensterben/CCD angeht. Wenn Du dich dafür interessierst, suche ich Dir das gern raus.


    Ich bitte dich darum. Den Rest deines Kommentars verstehe ich nicht.
    Gruß Ralph

  • ich war bei einem Seminar von Rosenkranz und er meinte auch, die Viren sind zu vernachlässigen, solange der Varroabefall nicht zu hoch ist.
    Wie ist dieses Gleichgewicht herzustellen? Fühle mich an das leidige Thema Wurmbefall bei Schafen und Pferden erinnert.
    Hier fahren wir mit Hygiene und Kontrolle sehr gut, behandelt wird nur im Bedarfsfall, bei älteren Tieren nur noch ganz selten.
    Das alles funktioniert so aber nicht so einfach bei den Bienen. Wie kann man sie stärken, undganz wichtig ist eine Varroabehandlung, die sie nicht so schwächt, wie das mit den bisherigen Mitteln der Fall ist.
    Meine Schafe habe ich im Blick, auf meinem Gelände, die Bienen kennen keine Grenzen und sind damit viel mehr Ansteckungsmöglichkeiten ausgesetzt. Eine regionale einheitliche Behandlungsstrategie, wie auch immer die aussehen mag, mit professionaler Schulung der Imker macht da irgendwo Sinn. Die Behandlungskeule ist immer der einfache Weg, aber den werden wir in Zukunft nicht weiter beschreiten können, dehalb braucht es sensible Imker mit dem Ziel gesunde Bienen zu halten.


    LG
    Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Guten Morgen,


    das Probelm wird sein eindeutige Symtome zu haben, die man zuordnen kann und somit eine Erkraanung durch genannte Viren definitiv vorliegt.
    Hier liegt dann aber das Problem der Frage Ursache und Wirkung vor.
    Wenn normalerweise ein Gleichgewicht trotz virenträgertums vorliegt, sprich keine Erkankungen auftauchen, dann ist doch die Frage, was ist einfacher zu beurteilen, der Befallsgrad an Varroa als "Erkrankungsstarter" durch Anstechen der Bienen oder Infizieren der Brut oder die KRankheitszeichen isoliert.


    Gerade für Anfänger wird das kaum erkennbar bzw trennbar sein, oder nicht?


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Das PRoblem liegt meiner Meinung nach auch darin, dass erkrankte Bienen normal den Stock verlassen, aber wenn die vorher von der Varroa gebissen wurden, bleibt der Virus im Stock und verbreitet sich durch sie. Das erklärt auch den großen Verlust an Bienen im Spätsommer. Jede von den Varroen gebissene Biene wird nicht alt, oder stibt auf jeden Fall viel zu früh. Das ganze Volksgefüge wird in der Vorbereitung zum Winter gestört. Der Verlust an Bienen wird durch vermehrtes brüten versucht aus zu gleichen, was zu weiterer Schwächung führt. Das Volk kann die Vorbereitung für den Winter nicht im gewohnten Rythmus vollziehen, der zu hohe Energieaufwand verbraucht die Lebenskraft. Gewinnt der Befall an erkrankten Bienen einen zu hohen Anteil, stirbt das Volk.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance