Die EU und die Bienen

  • Der Rat der EU informiert...


    Position zu Bienen - hört sich ja doll an.
    http://register.consilium.euro…st08606-ad01re01.de11.pdf



    Aber...
    http://www.consilium.europa.eu…ta/de/agricult/122343.pdf


    Zitat:
    Der Rat lehnte die vorgeschlagene Zulassung von drei Wirkstoffen in Schädlingsbekämpfungsmitteln
    nicht ab:


    – Abamectin und Imidacloprid zur Verwendung in Insektiziden, Akariziden und Produkten gegen andere Arthropoden (Dok. 7744/11; 7772/11); und


    – 4,5-Dichlor-2-octyl-2H-isothiazol-3-on zur Verwendung in Holzschutzmitteln (Dok. 7778/11). (Zitatende.)



    Interessant..."nicht ablehnen". Heißt das nicht in Umgangssprache "zustimmen"?!


    Gruß
    Bernhard

  • Servas Leute,


    ich durfte/konnte gestern an so einem "meeting" teilnehmen, bei welchem über die Auswirkungen der künftigen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik 2014-2020, kurz GAP genannt, gesprochen wurde.


    Dabei sind viele gute Ansätze, die hoffentlich auch dementsprechend positiv dann umgesetzt werden müssen.


    Sehr angenehm empfand ich, mit welcher Akzeptanz man als Imker in so einem Kreis wahrgenommen wird.


    Ich kann Euch nur sagen: Sucht Euch Verbündetet, schmiedet Allianzen!



    Sehr viele Leute diverser Organisationen blasen mit uns ins selbe Horn.


    Die Zeit ist momentan so gut wie nie, um etwas zu bewegen, da die Menschen vor allem was die Nahrungsmittelproduktion angeht, sehr sensibel geworden sind.


    Wir und unsere Bienenvölker, dürfen kein UNESCO Weltkulturerbe werden.


    Gruß Simmerl


  • Ich kann Euch nur sagen: Sucht Euch Verbündetet, schmiedet Allianzen!


    Da bin ich mit Dir völlig einer Meinung. Nur bekommt man hier bei uns als Imker keine Unterstützung, im Gegenteil: bei uns wird im Verein verkündet, dass es keine Probleme mit PSM gibt und bei uns hier schon gar nicht. (Bei uns gibt es nur kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen). Das Thema wird sofort niedergebügelt, da gehst Du resigniert nach Hause und traust dich nicht mehr, den Mund aufzumachen! Denn als Frau und erst 8 Jahre Imker hast du eh keine Erfahrung und nichts zu melden.
    Und die Nähe zu Hohenheim macht sich auch bemerkbar: was dort gesagt wird,ist "heilig" und richtig, denn die "forschen" da ja schon jahrelang dran. Wo die Gelder herkommen, ist egal :evil:.
    Alles sehr konservativ, das haben wir schon immer so gemacht. Ich falle hier schon mit Dadant-Imkerei völlig aus dem Rahmen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Nur bekommt man hier bei uns als Imker keine Unterstützung, im Gegenteil: bei uns wird im Verein verkündet, dass es keine Probleme mit PSM gibt und bei uns hier schon gar nicht. (.



    Das ist ja die Tragödie!


    Die Trägheit, die Bequemlichkeit und verzeiht den Ausdruck: die Dumpfheit der Imker.


    Das Bauernsterben geht munter weiter und ging noch rasanter, wenn sich nicht Leute dagegen stemmen würden, von denen ich gestern einige kennenlernen durfte.


    Die Landwirte, diejenigen welche, die meinen es geschafft zu haben in Sachen Betriebsgröße, die müssen auch Angst haben, irgendwann gefressen zu werden.


    Momentan bekommen ca. 20% aller Betriebe ca. 80% der Subventionen und das sind die Großen.


    Da hat der Kleinbauer keine Chance.


    Am besten wäre es, wenn ganz ohne Subv. gewirtschaftet werden könnte durch einen fairen Erzeugerpreis.



    Wir Imker brauchen nicht jammern, wenn uns die Völker verrecken.
    Schuld sind wir selber, so oder so, wie auch immer man das betrachten will.


    Die Chancen aber, jetzt was zu bewirken, die werden so schnell nicht wieder kommen.
    Leider sind von unserer Spezies zu wenig unterwegs, diesbezüglich.
    Und ehrlich gesagt, verdrießt es mich auch an manchen Tagen.


    Doch wie sagt der Simmerl immer: Nix tun, is aa nix!


    Herzliche Grüße
    Simmerl

  • Aber was tust Du konkret?
    Schaffst Du es, Imker aus Deiner Region mit auf Deine Seite zu ziehen und um Dich zu scharen, damit Ihr eine stärkere Stimme habt? Als Einzelkämpfer hast Du keine Chance. Und hier im Forum trifft man zwar viele Gleichgesinnte, aber die sind über ganz Deutschland und weiter verteilt. Wenn ich also hier ne Aktion starten wollte, kann ich nicht erwarten, dass Daniel aus Hamburg oder Sabine aus der Weserpampa anreist.
    Wie also die ortsansässigen Imker mobil machen?? Hast Du Ideen?
    Ich habe die Gelegenheit, bei einem Landschaftsgärtner und im Obst-und Gartenbauverein einen Vortrag zu halten. Da möchte ich auf die PSM eingehen, die oft gedankenlos versprüht werden. Das finde ich ne gute Gelegenheit. Ein befreundeter Imker meinte dazu gleich, dass man das ja nicht machen könne, die würden mir "den Kopf abreißen", beim OGV kann man so ein Thema gar nicht bringen. Ich werd´s trotzdem tun!! Aber ich frage mich, was diese Kuscherei und das ewige Totschweigen bringen soll.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Aber was tust Du konkret?
    Ich werd´s trotzdem tun!! Aber ich frage mich, was diese Kuscherei und das ewige Totschweigen bringen soll.


    Das ist eine gute Frage.


    Eigentlich tu ich nicht viel und trotzdem wächst es einem oft über den Kopf.


    Vorträge halten, ist eh zum Teil mein Job, auch vor Obst und Gartenbauvereinen, drum: Viel Glück, Du wirst das prima machen, so wie ich Dich kenn! Nur Mut!


    Dann: mit, sagen wir mal gleichgesinnten Organisationen, wie z. B. den Leuten der AbL oder des BDM, Veranstaltungen planen, organisieren und durchführen.


    Zu vielen Veranstaltungen wird man allerdings von allein eingeladen, auch viele Podiumsdiskussionen sind darunter.



    Glaub mir, es gibt nicht nur redegewandter und kompetentere Imkerinnen und Imker als mich, die wahrscheinlich von Termin zu Termin hetzen, sondern auch noch beherztere als mich.


    Nur, finden tu ich die auch nicht in meinen eigenen Reihen.:p Außer meinem Schriftführer, der ist hartnäckiger und durchtsetzungsfähiger als ich, ist halt auch ein agrargebildetes,
    bayrisches Urgestein.:p
    Will sagen, ohne einen gewissen "background", geht gar nichts.


    Manchmal wird man auch angefeindet, das tut weh, besonders wenn man dann Vereinsaustritte bekommt, wie z. B. von Bauernobmännern, die selber Imker selbstredend und Biobauern sind.
    Da setzt dann bei mir das Verständnis auch aus und ich denke dabei dann ebenso an einen Austritt, der, wenn man ehrlich und konsequent sein könnte, schon längst fällig wäre.



    Ich wünschte mir aktivere Imker, wenn dies so wäre, würde unsere Maiskulturlandschaft anders aussehen.


    Man muß keinem Menschen mehr erklären, wie wichtig die Bienen für die Ernährung sind.
    Das wissen sie alle.


    Aber erklärt ihnen mal, warum sie alle verrecken!


    Gruß Simon

  • "Aber erklärt ihnen mal, warum sie alle verrecken!"


    Na, das scheint doch selbst den absolut Bienenunkundigen und Nichtimkern mittlerweile klar zu sein: die Varroa. Darüber wurde anscheinend soviel in den Medien berichtet, dass ich nicht gefragt werde, ob und warum bei mir Völker eingehen, sondern ob es bei meinen Völkern auch die Milbe gibt! Die kennen alle schon die Ursache!!! Man muss es den Leuten halt nur wieder und wieder vorbeten, dann glauben sie es schon zu wissen. Alle anderen Ursachen spielen da keine Rolle.


    Danke, Simmerl, dass Du mir Mut machst, das Thema auch wirklich anzugehen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Zitat

    Man muß keinem Menschen mehr erklären, wie wichtig die Bienen für die Ernährung sind.
    Das wissen sie alle.


    Wenn Du auch sonst meistens recht hast Simmerl, aber damit bist Du auf dem Holzweg, aber schon sowas von auf dem Holzweg....
    Gruß Hermann

  • Wenn Du auch sonst meistens recht hast Simmerl, aber damit bist Du auf dem Holzweg, aber schon sowas von auf dem Holzweg....
    Gruß Hermann


    :daumen:holzige Wege, liebe ich Hermann! Aber, Du siehst, wie gut mein Umfeld schon aufgeklärt ist - den Rest kannst Du ja noch befrieden!:p


    Nein, das ist nicht prvokant gemeint, ich denke schon, daß ich weiss, wie Du es meinst und Du auch weisst, wie ich das mein.


    Apropo, holmi , mit Deinen 8 Jahren Bienen, gabs da nicht mal ein Buch, das 2 Journalisten schrieben, die sich noch keine 3 Jahre mit den Bienen beschäftigt haben?


    Wie hieß das doch gleich? -Welt ohne Bienen.


    In diesem Buch wird der einsteinische Satz ganz gut umschrieben; Der Biologe Wilson sagt: sterben die best. Insekten aus, fällt die Menschheit ins tiefste Mittelalter zurück.
    Krieg und Barbarei wird an der Tagesordnung sein und wir werden wieder beten, dass Unkräuter und Insekten zurückkehren.


    Ich finde das sehr treffend. Er sagt nicht, dass wir aussterben, es gibt zwar Hungersnöte und Kriege aufgrund dessen, aber wir werden überleben. Sind doch rosige Aussichten oder?
    Und er spricht nicht nur von Bienen, sondern von Insekten. Also ganz ohne Pathos und so.


    Geht gleich weiter......

  • ...bei der Frage: Warum verrecken Eure Bienenvölker? - Komm ich auch meist ins Stocken.


    Naja, Varroa halt in erster Linie - man hat ja auch nichts anderes gehört und gelernt.
    Dann noch Viren und so oder Nosema - ach ja, noch multifaktorielle Ursachen, wie Umwelt und so - und so weiter und so fort.


    Nur vergleicht man das mit uns am Einfachsten:


    Gehen wir jeden Tag zum Mecay und essen nur das Fastfood, dann macht uns das krank, nachgewiesenermassen. - Vergleichbar mit den Monokulturen in der mod. Ldw. (mangelndes Pollenspektrum).


    Bekommen wir jeden Tag Gift, selbst in geringen Dosen oder gar Coktails davon, dann werden wir auch irgendwann daran sterben, daran zweifelt auch keiner.
    (Ständiger PSM-Einsatz in der Ldw.) Dabei gäbs Alternativen ohne Ende.


    Dann kommt noch der Imker, schüttet Säuren rein, vernebelt, träufelt und verdampft, dabei haut es ihn von den Dämpfen schon fast selber um, denkt mal dabei an die Bienen - und weils noch nicht genug ist, müssen wir ja bei dem depperten Nachbarimker auch noch verdampfen und beträufeln, weils der ja nicht queckt und dann durch die Reinv. meine Bienen wieder befallen werden.


    Mann, oh Mann oder auch: Frau,. oh Frau.


    Hielte dann die Agrogentechnik noch Einzug in unser Land, die "Krone" der Schöpfung, mit unabsehbaren Folgen für den Naturhaushalt, wären wir eh geliefert.



    Da helfen keine kleinen Zellen, kein geringer Wabenabstand, keine angepaßte Betriebsweisen und auch keine Supergenetik nicht, wenn die Grundlage einfach krank macht.


    Freilich, an irgendwas verrecken sie dann: Varroa, Nos. ap, Nos. c, APV, DWV oder Kaschmir, Honolulu oder Tschibutivirus.


    Nur, daß sie (die Bienen) einfach so schwach sind und so gar nicht mehr ankämpfen können gegen die Krankheiten, das bedenkt keiner.


    Verrecken müssen wir schließlich alle. Nur obs das Zahnweh war, die ungesunde Lebensweise, das Rauchen oder Saufen, der Verlust eines geliebten Menschen, über den man nicht hinweggekommen ist oder weil ich mir den rechten Zehennagel der Kleinen, nicht geschnitten habe, das wird nicht untersucht.



    Es kann nur eine intakte Umwelt ein Überleben unserer Honigvögel garantieren, ob dunkel, grau oder gelbbunt, egal.
    Wir brauchen eine extensive, kleinstrukturierte, pestizidfreie Ldw. die eine Artenvielfalt garantiert. - Ohne die, haben wir keine Chance mit unseren Summseln.


    Und dieser Weg ist steinig Hermann@Q, ja sogar felsig und endet an einer steilen Wand, an der auch ich scheitern werde, weil ich mit meiner Wampe nur ein paar Meter käme.
    Da braucht man dann eine Seilschaft, eine Mannschaft, die einem weiterhilft, und einen durch Kamine und Spalten führt, wenn nicht gar einen Bergführer - ohjeh, da fällt mir ein, dass jegliche Art von Gigantismus (auch der, der Ldw.) im Untergang endet, wenn man mal an unsere Geschichte zurückdenkt vor ca. 70 Jahren gabs da auch einen, der Alles oder Nichts wollte und den totalen Krieg, den nicht nur er bekam sondern auch wir.


    Na, jetzt reichts! Genug gequasselt, jetzt wird gearbeitet!


    Aber packen wir es doch gemeinsam an


    unseren Honigvögeln zuliebe.


    Gruss Simmerl

  • "Dann kommt noch der Imker, schüttet Säuren rein, vernebelt, träufelt und verdampft...."
    und züchtet und selektiert noch, damit die Biene ihm genehm und bequem wird, ohne an die Eigenschaften zu denken, die damit auch weggezüchtet werden. Denn was beim Mais passiert ist, dass er bei all den Züchtungen die Fähigkeit, sich selbst gegen den Maiswurzelbohrer zu helfen, verloren hat, das kann auch bei der Biene passiert sein. Ich bin davon überzeugt, dass da auch Fähigkeiten weggezüchtet wurden, die die Züchter nicht bedacht oder bemerkt hatten. Wahrscheinlich sind so die "Selbstheilungskräfte" geschwunden.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • ...Warum verrecken Eure Bienenvölker?


    Ich stelle die Gegenfrage: Warum haben wir heutzutage das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier? Wieso wird das Immunsystem vieler Tiere und Pflanzen im Naturhaushalt immer schwächer?


    Die Bienen sind nur Kanarienvögel in der Kohlenmine - deren Ableben wird uns Menschen durch die intensive Betreuung durch den Imker bewußt. Die vielen abertausend kleinen Tode dort draußen nehmen wir aber nicht wahr. Die Frage muß daher heißen: Warum verreckt unser Naturhaushalt?


    Gruß
    Bernhard