Schwarmvolk tot im Dezember

  • Liebe Imker-KollegInnen,


    wir sind 2011er Jungimker und wollten - zunächst mal - mit 2 Völkern in den Winter gehen, wovon nun aber eines zusammengebrochen ist.
    Weil das aber ein Schwarm war, komm ich mit der Erklärung Varroa/Reinvasion o.ä. nicht ganz klar - und ich will ja lernen. Hier die Fakten:


    Das Volk (Schwarm) haben wir Mitte Juli bekommen, auf einer Zarge. AS-Behandlung 4x mit Schwammtuchmethode ziemlich gleich danach,
    kaum Varroa-Abfall, nur einige wenige Milben.
    Weil sich das Volk gut entwickelt hat (für unsere Begriffe), haben wir im August auf zweizargig erweitert.
    Flugbewegungen waren normal und erkennbar bis in den Herbst hinein, ließen aber etwa ab Ende Oktober nach...


    Mitte Dezember bei Oxalsäure-Behandlung die Entdeckung:


    Hunderte tote Bienen auf dem Gitterboden, inklusive Königin.
    Kein Varroabefall erkennbar
    obere Zarge voll mit Honigwaben (kein Futtermangel)
    in der unteren Zarge auf fast jeder Wabe bis zu 50 tote Bienen, z.T. wie erstarrt auf den Waben, z.T. stecken sie komplett in den Zellen drin, hie und da ist auch noch tote Brut, Larven zu erkennen.


    Wir würden uns sehr über Hinweise freuen. Am Anfang ist das doch recht kompliziert alles...


    Vielen Dank und beste Grüße aus dem Oberbayerischen


    Doris

  • Also wurde zwischen Juli und Dezember nicht mehr ins Volk geschaut?
    Ich würde einen Varrroa-Schaden infoge Reinvasion im September nicht ausschließen aber das ist halt im Nachhinein schwer zu erkennen. Die Völker werden halt kleiner und kleiner und dann langt es eben für den Winter nicht mehr. Der Tenor "früh behandeln" mag stimmen aber das heisst nicht auch "früh aufhören". Ich behandele 2 bis 3 x mit dem Schwammtuch von oben aber eben durchaus auf Abstand - etwa 3 bis 4 Wochen lasse ich zwischen den Behandlungen und dann muß ggf. auch noch im September/Okotber behandelt werden. Aber es gibt natürlich auch andere Erklärungsmöglichkeiten - wie schaut denn das Brutbild aus, ev. war die Königin auch nicht fit oder gar schon weg (War es ein Vorschwarm?) - dann ist ein Volk natürlich auch nicht Winterfit...


    Ich rate gerade im September/Oktober noch mal in die Völker zu schauen, Varroabefall zu ermitteln (Puderzuckermethode o.ä.) damit noch Handlungsraum ist...und vor allem hat man dann oft einfach einen Anhaltspunkt woran es gelegen hat wenn das Volk eingeht...


    Kopf hoch, weiter machen!!


    Melanie

  • Hallo Doris!


    Eine Ferndiagnose ist immer schwierig.


    Da gibt es 2 Punkte die mich neugierig machen:


    1.

    Zitat

    Das Volk (Schwarm) haben wir Mitte Juli bekommen, auf einer Zarge. AS-Behandlung 4x mit Schwammtuchmethode ziemlich gleich danach,
    kaum Varroa-Abfall, nur einige wenige Milben.


    Da stellt sich die Frage, hat die Behandlung genügend gewirkt? Auch bei noch so guter Ausgangslage sind in einem Volk im Spätsommer mehr als nur einige wenige Milben.



    Das 2. was mich aufhorchen lässt, ist "hunderte tote Bienen auf dem Gitterboden". Jetzt kommt es darauf an, wie viele Bienen es wirklich waren? Ein Joghurtbecher (250g) voll sind etwa 900 Bienen. Grundsätzlich heißt es, dass zur Überwinterung mindestens 5000 Bienen notwendig sind. Wenn bei meiner Gitterbodengröße 5000 Bienen absterben, dann würde dort durchgehend eine 3 cm hohe Schicht liegen.



    MfG
    Honigmaul

  • Hallo liebe helfende Imker,


    vielen Dank schon mal! Also nach der Joghurt-Becher-Methode sollten es etwa 2 Joghurtbecher voll auf dem Gitterboden gewesen sein. Macht also rund 1.800 tote Bienen.
    Natürlich haben wir im August bis Oktober regelmäßig nachgeschaut, das hab ich nur nicht erwähnt, in Ruhe gelassen haben wir's dann aber schon ab etwa Mitte Oktober.
    Bei unseren AS-Behandlungen - wie gesagt 4 x etwa Anfang August - waren es wirklich nur jedesmal Milben im einstelligen Bereich, die unten lagen.


    Es kann nicht sein, dass das Volk letztendlich schlicht zu klein/schwach war und bei den ersten kühlen Temperaturen keine ausreichende Wintertraube bilden konnte?
    Für uns sah das im Sommer "kräftig''" aus, die erste Zarge war bis auf den letzten Platz besetzt...


    Das vielleicht noch für uns zum Lernen. Ansonsten werden wir natürlich versuchen, die Varroa-Behandlung zu perfektionieren. Und aufgeben is not an option, eh klar!


    Dank und Gruß, Doris

  • Hi,
    wie groß war denn das Flugloch? Wenn das verstopft war (tote Bienen) könnte das Volk verbraust sein. Wäre die Varroa die Ursache denke ich mal, dass Du wenig tote Bienen gefunden hättest - die wären einfach weggewesen.
    Gruß,
    Hermann

  • ...AS-Behandlung 4x mit Schwammtuchmethode...zweizargig ...


    Es ist schwer, aus der Ferne die Ursache zu ergründen. (Photos sind hilfreich!) Das jedoch ist mein Eindruck:


    Die Bienen wurden überfordert.


    Erst die Ameisensäurendusche (= Brutschäden), dann noch oben unterkühlt (Erweiterung) und viel Arbeit (Futter einlagern) - die Bienen haben sich sprichwörtlich zu Tode gerackert. Da wird die Brut nicht optimal mit Futter und Wärme versorgt. Die Winterbienen legen nicht genug Fettvorräte an und sind dann nicht langlebig genug - das endet in der beschriebenen Katastrophe.


    Schau' Dir mal die Fettkörper der Winterbienen zu denen der Sommerbienen an: (Rechts Winterbiene, links Sommerbiene)
    http://www.scientificbeekeepin…enutrition/fatbees1-2.jpg


    Siehe auch: http://scientificbeekeeping.com/fat-bees-part-1/


    Das Fett muß angefuttert werden - das geht nicht, wenn sie rackern müssen.


    Ein Schwarm im Juli ist an sich schon riskant, da es einfach zu spät im Jahr ist. Alles nach der Sommersonnenwende taugt nicht viel und bedarf viel Fingerspitzengefühl, um es am Leben zu halten. Ein so später Schwarm ist auch für langjährige Imker schwierig.


    Gruß
    Bernhard

  • Lieber Bernhard,


    vielen Dank für Deine Antwort. Das klingt für mich irgendwie logisch, eben auch wegen der Bienen, die wie bei der Arbeit erstarrt in/an den Zellen klebten. Das nächste Mal mach ich ein Foto,
    haben wir natürlich in der Aufregung vergessen, gleich analytisch/archivarisch ran zu gehen. Wir dachten jedenfalls, die könnten eine zweite Zarge vertragen, aber das war wohl "zu gut" gedacht, zu viel Liebe kann eben auch schaden. Wir machen weiter und freuen uns auf viel Erkenntnisgewinn - mit Eurer Hilfe.


    Gruß, Doris

  • Ein Schwarm im Juli ist an sich schon riskant, da es einfach zu spät im Jahr ist. Alles nach der Sommersonnenwende taugt nicht viel und bedarf viel Fingerspitzengefühl, um es am Leben zu halten. Ein so später Schwarm ist auch für langjährige Imker schwierig.


    Bernhard : Ich habe alle meine Völker im Rahmen einer kompletten Brutentnahme Anfang Juli auf Leerrähmchen gesetzt, was einem Schwarm sehr nahe kommt. Die Brutsammlervölker habe ich sogar erst Anfang August in der gleichen Weise behandelt. Bis auf 1 Volk, das an Varroa/DWV gestorben ist, sind alle wohlauf. Deshalb glaube ich nicht, dass sich die Völker von tonjuwelen zu Tode gerackert haben.
    tonjuwelen : Du kannst die Diagnose selbst stellen durch folgende Möglichkeiten:
    1. Du kannst eine Bienenprobe auswaschen. Zu beachten: Die Bienen müssen ausgezählt werden, da eine tote Biene nicht mehr unbedingt 0,12g wiegt.
    2. Du kannst nachsehen, ob sich im Totenfall Bienen mit Flügelmissbildungen befinden. Das wäre ein Hinweis auf Virenerkrankungen.
    3. Du kannst die Waben gegen das Licht halten und nach den Kotflecken der Varroa suchen.
    4. Du kannst abgestorbene verdeckelte Brut untersuchen. Zieh die Puppen heraus. Bei Tod durch Varroa findest du in praktisch jeder Zelle Varroen.
    5. Du kannst nachsehen, ob die Waben in größerer Menge Kotspritzer aufweisen. Das wäre ein Hinweis auf Durchfallerkrankungen.
    Gruß Ralph

  • ...was einem Schwarm sehr nahe kommt.


    1) Was sind denn die genauen Unterschiede zwischen einem abgefegten Vollvolk und einem Schwarm?


    2) Welche Art Schwarm schwärmt im Juli?


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Doris


    sehe die Problematik ähnlich wie Bernhard. Die Nachzucht von Jungbienen ist durch Stressituationen unterbunden worden. Die Altbienen sind gestorben, möglicherweise durch Überdosierung von AS, 4 mal im August ist reichlich, würde verstärkt darauf tippen weil die Königin auch tot ist.
    Dann bin ich auch der Meinung, das Schwärme im Juli, mehr Milben im Gepäck haben als Schwärme im Mai, deshalb ist der Befall der ersten Brut sehr stark und da beginnt das Sterben eines Volkes.
    Kopf hoch und weitermachen, ich wünsche das Beste, ich kenne das Gefühl wenn ein vermeintlich guter Schwarm eingeht. Als Imker lernt man nie aus.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Liebe KollegInnen,


    vielen Dank für die vielen, interessanten Hinweise. "Man lernt nie aus" - dass das unser Lebensmotto als Imker werden und bleiben wird, das war uns eh schon klar.
    Ein interessanter Bericht aus unserem örtlichen Imker-Verein noch: auch dort haben sich "plötzlich" bei der Oxalsäure-Behandlung Mitte Dezember einige Völker als tot herausgestellt und auch dort rätseln die Experten ein wenig, können sich eigentlich keinen richtigen Reim drauf machen. Wir jedenfalls danken und hoffen, in einigen Jahren auch mit hilfreichen Hinweisen dienen zu können...


    Liebe Grüße, Doris

  • Hallo Doris!


    Zwei Becher voll toter Bienen als Totenfall ist eigentlich garn nichts. Das deutet darauf hin, dass die Bienen in großer Zahl abgeflogen sind, was wiederum ein deutliches Zeichen für einen Varroaschaden ist.


    Die Varroadiagnose im Sommer birgt so manche Gefahren in sich. Einerseits passiert es, dass die abgefallenen Varroen durch Raubinsekten wie Ameisen oder Ohrenschlürfer verschleppt werden und sich dadurch das Ergebnis verfälscht. Durch die Anwendung des Schwammtuches entsteht beim Milbenfall ein Zyklus. Unmittelbar nach der AS-Anwendung fallen alle aufsitzenden Milben ab. Die Milben in der Brut werden aber nur unzureichend erreicht. 12 Tage lang schlüpfen täglich Jungbienen und auch Milben. Nach den 12 Tagen und zwei oder drei Tagen Reifungszeit sind alle Milben in die Brut eingedrungen und bei einer neuerlichen Behandlung oder einer Gemülldianose fallen keine Milben, da keine fallen können, da alle in der Brut sind. Weiters kann es bei der AS-Behandlung passieren, dass die offene Brut geschädigt wird,d dadurch wird der Zyklus noch ausgeprägter. Der Imker lässt sich täuschen und meint, dass keine Milben im Volk sind.


    MfG
    Honigmaul