Imker besorgt: Hunderte Bienenvölker verendet

  • Um Verluste nicht aufscheinen zu lassen genügt es jährlich entsprechend Ableger zu erstellen.
    Überall sterben Völker und keiner will davon betroffen sein:roll:


    Hallo Bruno, was sollte das heißen? Es dürfte doch logisch sein, dass Ableger gemacht werden und dafür Altvölker aufgelöst werden. Das wird in der gesamten Tierzucht so gemacht, keiner behält eine alte Kuh, wenn er eine junge Kalbin im Stall hat.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Bruno, was sollte das heißen?


    Angenommen ich erstelle von meinen 8 Bienenstöcken jeweils 3 Ableger,wie viele davon *dürfen* mir eingehen um nächstes Jahr wieder 8 Ertragsvölker vorweisen zu können?
    Perfekt,alle richtig behandelt!
    Ausfälle haben nur die anderen Imker,ich doch nicht.:roll:

    Gruß Bruno *Was wir wissen,ist ein Tropfen;was wir nicht wissen,ein Ozean.* (Newton)

  • Immer wieder bin ich erstaunt, mit welcher Vehemenz einige hier im Forum ihre Behandlungsmethode als die einzig richtige Varroabekämpfung darstellen. Bisher ist mir keinerlei zweifelsfreier naturwissenschaftlich fundierter Beweis für die richtige Vorgehensweise bekannt.


    Deshalb werde ich meine Völkerpflege hier nicht als das allein selig machende Behandlungsschema anpreisen. Ich kenne zahlreiche Imker, deren Aussage ist: Jedes Jahr ist anders. Jedes Jahr lernst du dazu. Wir leben in und mit der Natur und müssen uns danach ausrichten.


    Heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Angenommen ich erstelle von meinen 8 Bienenstöcken jeweils 3 Ableger,wie viele davon *dürfen* mir eingehen um nächstes Jahr wieder 8 Ertragsvölker vorweisen zu können?
    Perfekt,alle richtig behandelt!
    Ausfälle haben nur die anderen Imker,ich doch nicht.:roll:


    Hallo Bruno!


    Wenn du im Herbst 8 Bienenvölker und 3 Ableger hast und mit 8 Völkern über den Winter gehen willst, dann wirst du die drei schwächsten Völker auflösen. Diese Auflösen zähle nicht als Verlust. Wenn dann doch den Winter über ein Volk eingehen sollte, dann hast du definitiv einen Verlust. Jetzt müsste man noch klären warum sich das Volk verabschieden hat, war es ein Varroaschaden, ein Abriss vom Futter, Weisellosigkeit, oder eine sonstige Ursachen.


    Und jetz zu Schluss:


    Frohe Weihnachten!!

  • Hier der Bericht eines Imkers aus dem Südburgenland über das vergangene Jahr:
    Ich habe im Herbst 2011 115 Völker eingewintert. Mitte Feber waren davon noch 113 am Leben (Ein Volk war drohnenbrütig, hat die Brut ausgebissen und ein Specht hat sich durch den Alugitterboden gearbeitet und das Volk war Tod, beim zweiten Volk keine Ursache erkennbar). Im März habe ich zwei Mal je 14 Tage die Varroaschublade eingelegt und einen Abfall von 0-3 Varroen pro Volk pro 14 Tage festgestellt. So weit so gut...


    Mitte März fangen manche Völker plötzlich an schwächer zu werden und zu sterben - ein Reinzuchtbienenvolk habe ich zwei Mal neue Bienen zugehängt, um die Königin zu retten. Ich habe die schwächelnden Völker über ASG starken Völkern aufgesetzt - oft habe ich später nur eine tote Königin am ASG liegen gesehen. Also Märzverluste: 13 Völker. Stark geschwächt: 16 Völker (habe ich auf eigenen Stand separiert). Dann hat die Tracht begonnen. Ich habe in zwei Runden Honigräume Ganzzargen mit Anfangsstreifen eingehängt.
    Mitte Mai hatte ich dann überall so viele tote Bienen. Es gab folgendes Bild: Zwei bienenleere Honigräume größtenteils ausgebaut und mit Honig gefüllt, wobei nur im unteren Honigraum ca ein Drittel gefüllt war. Der Brutraum war voll mit Bienen und hatte zwischen neuen und zehn Brutwaben. Darunter über den Gitterboden lagen mehrere Zentimeter tote und zuckende Bienen. Je nach Stand gab es immer eine unterschiedliche Anzahl von stärker und weniger stark "betroffenen" Bienenstöcken. Ich habe dann Mitte Juni die 12 am stärksten betroffenen Stöcke wieder separiert (weil es durch die vielen Toten Bienen schon zu stinken angefangen hat). Ich habe dann auch verschiedene Versuche mit Pollenwaben gemacht, die überhaupt nichts gebracht haben. Diese Stöcke sind dann extra mitten im Wald gestanden - und die haben tote Bienen erzeugt - nach einer Woche habe ich einen zehn Liter Kübel mit toten Bienen nur aus den Gitterböden zusammenbekommen. Im Umkreis von ca 10 Metern vor den Fluglöchern war das ganze Laub mit Krabblern übersäht. Ein paar Wochen später war das Laub verschwunden - Vögel und anderes Getier haben es bei ihrer Nahrungssuche weggeräumt. Das große Sterben hat aufgehört, nachdem ich die Honigräume abgenommen habe und zum einfüttern begonnen habe. Ich habe dann Mitte August diese Honigräume bei einem Stand, der kaum von der Sterbewelle betroffen war untergesetzt, weil sie gerade in der Goldrutentracht waren und das unverdeckelte Zeug zu feucht zum schleudern war. Was für ein Zufall, diese Völker haben dann teilweise auch zum sterben angefangen...
    Mitte bis Ende August gab es dann auch eine Zeit, wo sich die Völker auch wieder ein bisschen erholten. Königinnen wurden bei den Ablegern wieder nachgezogen, und bei manchen Völkern gingen auch große Schwärme ab. Im September fing das Sterben aber wieder an - diesmal aber teilweise auch mit kotbespritzten Beuten. Ein Volk hatte ich, wo alle Bienen nur vor sich hinzitterten - sie reagierten nicht mehr auf Rauch und sobald ich sie wegschieben wollte, haben sie gestochen (Volk starb vor drei Wochen - Königin alleine auf den Waben Bienen tot am Gitterboden, kein Kotspritzer, etc.). Bienenköniginnen wurden nicht mehr nachgezogen - ich habe dann eine Königin direkt beim Schlüpfprozess erwischt, das Nymphenhäutchen klebte so fest an ihr, dass sie nicht schlüpfen konnte. Ich habe sie dann mit einer Nagelschere freigeschnitten - zwei Tage später ist sie gestorben. Die Jungbienen hatten auch alle Fetzen von Nymphenhäutchen auf ihren Rücken.
    lG
    Fan

  • Tatsächliche Ursachen sind immer schwer zu wissen.
    Mögliche Ursache:
    Bienenproben: noch zuckende Bienen wurden Ende Mai direkt aus den Gitterböden genommen und eingefroren.
    Bienenbrotproben: wurden Ende Mai aus stark betroffenen Stöcken entnommen und ebenfalls gleich eingefroren.
    Bienenproben und Bienenbrotproben wurden auf in Österreich zugelassene Beizmittel untersucht und nichts gefunden.
    Von den symptomlosen Bienenstöcken der betroffenen Stände habe ich den Honig im Juli geschleudert und Sammelproben davon gezogen. Es wurden Cloathinidin (1000 - 2000 Nanogramm pro kg Honig) und Thiacloprid (7000-16000 Nanogramm pro kg Honig) gefunden. Beachtenswert ist auch dass sehr viel Akazien-, Kastanien-, Wald- und Lindenhoniganteil in diesen Sammelproben war.
    LG
    Fan

  • Moin, moin,


    im Wald und am Walde könnte ich mir Häutungshemmer wie Dimilin vorstellen, falls da Prozessionsspinner, Nonnen, Frostspanner oder sonst welche Schmetterlingsraupen bekämpft wurden... Die hemmen auch die Häutung von Bienen, sind aber bienenungefährlich, weil angeblich keine relevante Exposition. Die Bienen draußen häuten sich nicht mehr, und die Brut läuft nicht draußen rum. Dass die mit von außen eingetragen und an Pflanzen gesammelten Stoffen gefüttert werden... Die Besorgnis der Fachleute hält sich in Grenzen. Meine nicht.


    Wie steht es mit Miniermotten? An Kastanie, Linde und Robinie gibt es welche, sowie auch an Linde und Ahorn so eine Rindenschildlaus. Gegen alle die gibt es Baumpflaster mit Neonicotinoiden... Ich weiß nicht, wie da in Österreich die Zulassungssituation ist.


    Dann ist in Östereich noch so ein asiatischer Bockkäfer ausgekommen und wird Quarantäneschädlingsmäßig bekämpft... Auch das könnte solche Stoffe in den Wald und damit in den Honig bringen.


    Ansonsten bin ich mehr für Empörung, als für Besorgnis.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • luxnigra: Die Untersuchungsergebnisse stammen aus dem österreichischen Monitoring - Bienenschutz 2012. Diese Untersuchungen wurden durch ein externes Labor durchgeführt.
    Was immer das auch heißen mag ;-)
    Drohn: Wenn ich jetzt in der Umfrage eingebe, dass ich einen Winterverlust von 15% habe, wobei meine Völker im März gestorben sind, wo man dann annehmen müsste, dass sie verhungert wären, würde die Statistik messerscharf schließen - hier ist die Umwelt in Ordnung, nur der Imker ein bisschen sparsam beim einfüttern...
    Was im Übrigen der Realität widerspricht: Ausnahmslos alle Völker die im März die "Schwindsucht" bekamen waren überdurchschnittlich mit Futter versorgt!
    @Clas: Ich vermute auch dass es so eine Art Häutungshemmer gewesen sein könnte. Es wird auch definitiv gegen die Miniermotte zumindest bei Roßkastanien gespritzt, aber diese Spritzungen sind meines Wissens nach im Frühling und die weißen Nymphenhäutchenfetzen gab es Mitte August?
    In diesem Zusammenhang vielleicht auch erwähnenswert: Der Stand, bei welchem diese Nymphenhäutchenanhaftungen besonders stark auftrat, hatte bis Ende September einen um den Faktor 10 bis 100 niedrigeren Varroabefall als ein symptomloser Vergleichsstand. Ende August gab es hier die Schwarmsaison. Erst Anfang Oktober gingen hier der Varroabefall wieder ordentlich in die Höhe. Ende Oktober fand ich in einem Volk noch sechs Brutwaben!
    lG


    Fan

  • Moin fan,


    die Miniermotte wird mancherorts durch Stamminjektionen oder Stammpflaster bekämpft, also der ganze Baum vergiftet. Das hält sich. Pollen und Nektar sind nicht das einzige, was die Bienen eintragen. Wenn sie das Gift mit einlagern, ist sowohl die Sammeltätigkeit, als auch die Honigpflege, wie auch der Verbrauch solcher Vorräte jedesmal wieder giftig. Das Gift hält sich. Auch und gerade Dimilin kann mehrere Generationen schädigend wirken. Bei Heuschrecken wird das berichtet. Da das Dimilin den erwachsenen Bienen nichts tut, stört es erst die Brutentwicklung. Es kann mit Pollen oder Blatthonig oder Blütenhonig unter behandelten Bäumen eingetragen werden. Ob es für Milben besonders giftig ist, weiß ich nicht, es ist halt ein ziemlich universeller Häutungshemmer. Im Wiederholungsfall eines solchen Verdachtes würde ich auch auf Brutschäden an jüngeren Larven achten. Und darauf untersuchen lassen.


    Imidacloprid ist offenbar auch in Bienenvölkern wirksam, aber in der Perga wird es selten gefunden. So selten, dass hier Fragen an Analytik und Metabolismus im Volk offenbar noch unbeantwortet, oder mir die allenfalls bekannte Antwort noch nicht ruchbar geworden ist.


    Was Du beschreibst, zeigt ziemlich deutlich, dass die Vorstellung, PSM-Schäden träten nur in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit der Ausbringung der Gifte auf, vom Stand der Chemie überholt ist. Das mag mal so gewesen sein. Jetzt ist es anders.


    Es zeigt weiterhin, dass das, was als sublethale, aber letztlich tötliche Wirkung auf Termitenvölker beschrieben wird, auch bei Bienen zu vermuten ist; hier wäre wissenschaftliche Beschreibung und Untersuchung angesagt.


    Zu bedenken ist weiterhin, dass die ohnehin schon höchst giftigen Stoffe im Gemenge noch giftiger werden. Da gibt es Patente drauf.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • luxnigra: Die Untersuchungsergebnisse stammen aus dem österreichischen Monitoring - Bienenschutz 2012. Diese Untersuchungen wurden durch ein externes Labor durchgeführt.
    Was immer das auch heißen mag ;-)
    Fan


    Eben. Für Oesterreich ist das JKI ein solches "externes" Labor. (Julius Kühn Institut) Mir verkrampfen schon die Finger wenn ich den Namen nur schreiben muss....