Überwintern auf eigenem Honig

  • Gelegentlich stolpere ich über das "Überwintern auf eigenem Honig"-Thema.


    Ist das eine Sache, die nur im Stabilbau praktiziert wird (werden kann, z.B. im Warré-Konzept ist das ja fest mit drin) oder auch im Mobilbau?


    Und falls ja, wie geschieht das dann?
    Normal werden ja die HR abgeräumt und dann eingefüttert, die Mädels lagern das Zuckerwasser im BR ein. Wenn man auf eigenem Honig überwintert, fällt logischerweise die Einfütterung weg, aber verbleibt als Ausgleich dann 1 HR über Winter auf dem BR? :confused:


    Viele Grüße
    Dennis

  • Auf der FAQ-Seite 29 des dbj 2012-01 gibts unter "Imkern ohne Ernte" von Friedrich Pohl ein paar Zeilen dazu - geht allerdings um Bienenhaltung ohne jegliche Honigernte.


    Zusammenfassung: Machbar aber nicht ganz unproblematisch, Probleme können sein.
    - Bauerneuerung, da über Gabe von Mittelwänden als Honigräume
    [geht aber meine Meinung auch 'von unten' im Frühjahr]
    - Brutentwicklung im Spätsommer, da Wintereinfütterung = Reizfütterung, wird aber bereits im Beitrag relativiert
    [naja, wenn das ein Problem wäre ... was haben die Bienen vor den 0,1 Sekunden der Erdgeschichte ohne uns getan :-) ]
    - Verhonigung des Brutnestes


    Was irgendwie gar nicht angesprochen wurde, und was für mich die Hauptfrage wäre, wie ist das beim Überwintern auf Waldhonig?! gut, wenn beim "Imkern ohne Ernte" die Früh- und Sommertracht noch drinnen ist, ist vielleicht kein Platz für den Waldhonig, aber sonst wäre das für mich der einzige negative Grund.


    Dennis, wir überwintern seit Jahren zweimagazinig. Was drauf oder weg kommt hängt bei Warré und Konsorten einfach davon ab, was drinnen ist. Bei einigen Korb-Betriebsweisen hat man früher auch einfach das geerntet, was für die Überwinterung nicht notwendig war. War das Honigjahr gut, konnte viel "geklaut" werden. Wenn nicht, musste der Honig drin bleiben.

  • Gelegentlich stolpere ich über das "Überwintern auf eigenem Honig"-Thema.
    Und falls ja, wie geschieht das dann?


    Praktiziere ich seit Jahren, bei Mobilbau. Überwintert wird allerdings nur auf Blütenhonig.
    Meist folgendermaßen: Der Honigraum wird Mitte Juli abgenommen (und der Honig geschleudert). Wenn danach die letzte Tracht ansteht (hier Goldrute), dann sitzen die Völker schon auf einer oder zwei Zargen. Ende August/Anfang September wird der Honigvorrat der Völker kontrolliert. Manchmal muß man dieses oder jenes Volk nachfüttern.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Dennis


    hatte voriges Jahr ein Volk (Schwarm) in einem Holzmagazin 1,5 DNM die haben die gesamte Lindentracht im Brutraum gelagert, der Honigraum blieb leer.
    Die Bienen haben ohne zufüttern wunderbar ausgewintert und haben dieses Jahr einen guten Ertrag an Honig geliefert.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Praktiziere ich seit Jahren, bei Mobilbau. Überwintert wird allerdings nur auf Blütenhonig.
    Meist folgendermaßen: Der Honigraum wird Mitte Juli abgenommen (und der Honig geschleudert). Wenn danach die letzte Tracht ansteht (hier Goldrute), dann sitzen die Völker schon auf einer oder zwei Zargen. Ende August/Anfang September wird der Honigvorrat der Völker kontrolliert. Manchmal muß man dieses oder jenes Volk nachfüttern.



    Hallo wald&wiese!


    Interessanter Ansatz: rechtzeitiges Abschleudern und Belassen des Eintrages, der ab der zweiten Julihälfte stattfindet? Aber wie stellst du dann sicher, dass nur auf Blütenhonig überwintert wird? Was tun, wenn da auch Waldhonig mit eingetragen wird?


    Gruß vom Sammler

  • @ Wald&Wiese


    Ist die 2. Schleuderung nicht "normalerweise" immer im Bereich Ende Juni, Anfang Juli und danach die Auffütterung?
    Inwiefern unterscheidet sich dann dein Vorgehen vom "Standard-Vorgehen" mit Auffütterung? Ich sehe da im Moment den Unterschied nur dabei, dass du dann eben nicht einfütterst, nachdem du die HR zum üblichen Zeitpunkt abgenommen hast.


  • Ist die 2. Schleuderung nicht "normalerweise" immer im Bereich Ende Juni, Anfang Juli und danach die Auffütterung?
    Inwiefern unterscheidet sich dann dein Vorgehen vom "Standard-Vorgehen" mit Auffütterung? Ich sehe da im Moment den Unterschied nur dabei, dass du dann eben nicht einfütterst, nachdem du die HR zum üblichen Zeitpunkt abgenommen hast.


    Hier wird normalerweise nach der Linde abgeschleudert (das ist dann die 3. oder 4. Schleuderung im Jahr) und die Honigräume abgenommen.
    Die Unterscheidung zum "Standard-Vorgehen" ist: Ich nutze die letzte Tracht nicht, sondern lasse sie für die Bienen. Goldruten-, Balsaminen- Buchweizen-, Sonnenblumen- u.a. Honigsorten fehlen damit in meinen Gläsern. Dafür spare ich Zeit und Geld für's Füttern.
    Allerdings: Es gibt immer wieder Jahre, wo man trotzdem füttern muß, weil das Wetter so schlecht war, dass es keine Tracht mehr nach der Linde gibt.


    Aber wie stellst du dann sicher, dass nur auf Blütenhonig überwintert wird? Was tun, wenn da auch Waldhonig mit eingetragen wird?


    Hier gibts keinen Waldhonig und wenn ich den Imkern im Verein glauben darf, hat der Wald in den letzten 100 Jahren nicht gehonigt (bzw. die Bienen haben die Tautracht verschmäht).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • hallo dennis,

    Gelegentlich stolpere ich über das "Überwintern auf eigenem Honig"-Thema.
    Ist das eine Sache, die nur im Stabilbau praktiziert wird (werden kann, z.B. im Warré-Konzept ist das ja fest mit drin) oder auch im Mobilbau?


    Wir füttern nie künstliche Zusatzstoffe wie Zuckersirup, Kunstpollen etc.
    Um das Immunsystem der Bienen zu stärken, müssen wir darauf verzichten.
    Unsere Stöcke behalten sehr viel Honig und Pollenreserven zum überwintern. Viele Stöcke bleiben im Winter auf 3 oder 4 Zargen. Jede Zarge hat außen auf beiden Seiten 2 Honiwaben und eine Pollenwabe. Die oberste Zarge ist meist voll Honig.
    Der übrig bleibende Honig wird bei neuer Tracht im Frühjahr entnommen um Platz zu schaffen für mehr Brut.


    liebe Grüße
    Stephan


    http://www.resistentebienen.lapalmamiel.com/

  • Zitat

    Der übrig bleibende Honig wird bei neuer Tracht im Frühjahr entnommen um Platz zu schaffen für mehr Brut.


    Yo nee, is klar.....:lol: wenn du ihnen dann auch die Seitenwaben klaust (eiserne Reserve für die Nach-dem-Schwarm-Zeit), dann ist klar, daß und warum deine nur zu 5% schwärmen....:lol:


    Das kann man hier bei unserem Wetter aber nicht riskieren, laß mal zwei Wochen schlechtes Wetter im April und womöglich Schnee auf Ostern sein - ohne sehr großzügige Futterreserven geht hier einfach nicht, das würde u.U. sogar ein Einknicken der Bruttätigkeit (und Hunger!) zum schlechtesten Zeitpunkt bedeuten....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • hallo Sabiene,

    Yo nee, is klar.....:lol: wenn du ihnen dann auch die Seitenwaben klaust (eiserne Reserve für die Nach-dem-Schwarm-Zeit), dann ist klar, daß und warum deine nur zu 5% schwärmen....:lol:
    ...


    Die Seitenwaben werden nie entnommen. Das sind pro Zarge 4 Waben mit Honig und 2 mit Pollen und das in allen Zargen (bis zu 4 Zargen das ganze Jahr). Wenn wir Honig entnehmen dann ist das aus der oberen Zarge um Platz zu schaffen für die neue Brut. Entweder geschleudert und wieder feucht eingesetzt oder entnommen.


    Ich weiß nicht warum du immer derat kämpfen mußt?
    Ich hab dir doch genau die Gründe beschrieben warum unsere Bienen sehr schwarmträge geworden sind. link
    Ich habe den Eindruck, daß du dich durch unsere Erfahrung fortlaufend angegriffen fühlst.
    Aber warum denn nur?
    Das sind komplett andere Realitäten als bei deiner Art des Naturbauimkerns, vor der ich alle Hochachtung habe, was ich dir auch schon sehr oft geschrieben habe.
    Du siehst ja, das von dir beschriebene Drohnenbauverhalten ist komplett anders als bei unseren Bienen. Das mit dem Schwarmverhalten ist anders, das Putzverhalten ist anders - alles ist anders.
    Wenn man das System von Dee Lusby komplett anwendet, kommen die Bienen nach einiger Zeit wieder in Einklang mit der Natur und können ohne Behandlung leben.
    warum?
    Weil ihr Immunsystem wieder funktoniert.


    liebe grüße
    stephan


    http://www.resistentebienen.lapalmamiel.com/

  • Ich fühle mich nicht angegriffen und ich "kämpfe" auch nicht, und ich kenn das Lusby-System etwas länger als du.
    Leider war ich zu der Zeit nicht wie du milbenfrei (welcher Idiot hat die Milbe denn bei euch eingeschleppt übrigens?).
    Und nach "meiner Erfahrung" mit dem Lusby-System über mehrere Jahre kann ich das leider nicht als Allheilmittel preisen.
    Kleine Zellen bringen was, aber eben nicht als einzigste Zellgröße im ganzen Volk plus Drohnenecken.
    Meine Völker haben hier bis zu 4 Jahren geschafft ohne Behandlung, aber nicht mehr.
    Der 5. Winter hier war dann der Totalausfall.
    Jetzt bin ich im 3. Winter mit Naturbau überall (und Honigüberwinterung), und es sieht deutlich besser aus (siehe meine postings im anderen Thread).


    Ich hab vorher nie soviel über die Bienen gelernt wie in diesen 3 Jahren - nur durch Beobachtung, und ohne viel aufzumachen.
    Und das, was ich gesehen habe, wie diese einzelnen Drohnenwellen im Frühjahr, im Gegensatz zu ganzjährig bebrüteten Baurahmen, hat mich doch mal wieder arg zweifeln lassen, ob die Bienen ihre Bücher und Internetpostings gelesen haben....:lol:


    Die machen das irgendwie alles ganz anders, als überall beschrieben steht, inkl. bei Ms Lusby.


    Ich schätze sie (und ihren wahnwitzigen Einsatz - wann schläft sie eigentlich?) sehr, aber es gibt keine Betriebsweise, die in allen Klimata gleich funktioniert.


    Und wenn man die fast 40jährige Wanderung der Varroa durch die weltweiten Bestände verfolgt, dürfte auch klar sein, daß es schon lange lokale Unterarten geben muß - siehe die afrikanisierten Bienen in Südamerika, die dank des Klimas fast wie die Cerana reagieren können und schwärmen, wenn es ihnen zuviel wird.
     
    Wir hier arbeiten weiterhin mit Säuren aller Arten, und selektieren so die Milben, statt der Bienen.....:-(


    Die verd**** Drohnenschneiderei beschränkt die Freiheit der Bienen in der Genverteilung enorm, und wird uns noch böse in die Hacken schlagen, weil dadurch die lokalen Genpools immer kleiner werden - und das ist das Gegenteil dessen, was die Bienen eigentlich bezwecken mit der Mehrfachbegattung.


    Schwarmträgheit ist ebensowenig wünschenswert, auch wenn jetzt fast alle Imker quieken - aber ein Volk, was nicht schwärmen will/kann, hat ein größeres Problem - es ist einfach so.


    Schwärme sind sind die einzige Möglichkeit der Bienen, sich zu vermehren, sowohl das Volk und seine Gene, als auch die Art über die Nachschwärme - die können nicht samt Waben umziehen, um Ableger zu machen.....


    Schwärme haben aber auch gewaltige Auswirkungen auf die Milben - durch das Runterfahren der Bruttätigkeit und dem Auffüllen des Brutnests als Tankstelle mit Nektar gehen ihnen zum ersten Mal die Zellen zum Vermehren aus.
    Das sind fast 3 Wochen, bis der Schwarm geht, mit sehr abnehmenden Möglichkeiten.


    Dann fällt der (Vor)Schwarm, und es dauert mindestens weitere 12 Tage, bis dort wieder verdeckelungsreife Zellen für die Milben da sind, meistens je nach Entscheidungsdauer für ein neues Zuhause auch deutlich länger.
    Das tut den Milben aber gar nicht gut, so lange zu warten.....


    Im verbliebenen Volk ist die Situation noch schlimmer für die Milben - die neue werdende Königin ist ja meist grad erst verdeckelt, bis zum ersten Ei dauert es gern locker mal 3-4 Wochen , plus die 10-12 Tage, bis die Zellen "befallsreif" sind.


    Nachschwärme ignorieren wir hier mal - deren Größe und Überlebenschancen sind aktuell zu schlecht, um wirklich eine Rolle zu spielen.


    Genau DA zum Zeitpunkt der "Befallsreife" (in beiden, VS und Altvolk) kommt der Effekt, daß die Milben mehrfach die Zellen entern, und da fangen die Bienen an, mehrfach befallene Zellen auszuräumen - da kommen meine nächtlichen "Ausräumwellen" her.


    Und das massive gegenseitige Putzverhalten, was ich in den ganzen Jahren davor so nie gesehen habe.


    Das alles führt zu der Überzeugung, daß die Bienen das Milbenproblem allein schaffen können, wenn wir denn ihnen das Leben mit dem ganzen Säurekrams und Drohnenschneiden nicht schon ruiniert haben.


    Ich hab dieses Jahr fast in ALLEN Völkern eine zweite Umweiselung im Spätsommer gehabt, und das sagt mir, daß da was grundsätzlich völlig schiefläuft.


    Wenn es nahezu keine nicht-verwandten Drohnen im weiten Umkreis für die Begattung gibt, ist das Mist hoch 1000.
    Also kann ich nur nächstes Jahr massiv Königinnen verschiedenster Linien zukaufen und daraus dann meine Drohnenvölker 2013 machen, so sehr mich das auch ank****.


    Aber ich sehe mich langsam in einer Situation der Selbstverteidigung, weil die Kollegen einfach nicht wahrhaben wollen, daß mangelnde genetische Vielfalt der Tod der Reaktionsfähigkeit der Bienen ist.


    Und nein, Belegstellen nützen mir nichts, weil auch da die Drohnen alle eine oder sehr nah verwandte Mütter haben.
    Bienen haben eh eine grottenschlechte Vermehrungsrate im Vergleich zu anderen Insekten oder Säugern - da muß man helfen und das nicht noch verschlimmbessern.


    Das (Über)Leben ist Vielfalt, nicht standardisiert.


    Habe fertig.:wink:


    (Feuer frei :Biene:).

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    Bruce Springsteen


  • Aber ich sehe mich langsam in einer Situation der Selbstverteidigung, weil die Kollegen einfach nicht wahrhaben wollen, daß mangelnde genetische Vielfalt der Tod der Reaktionsfähigkeit der Bienen ist.


    Hallo sabi(e)ne,
    dann empfehl ich Dir eine Saison lang mal apis-mellifera-scutellata am Stand zu halten und wenn man dem glauben schenken darf was über sie geschrieben wird, dann werden die Kollegen im nächsten Jahr freiwillig für ausreichend genetische Vielfalt sorgen :lol:


    LG
    Andreas

  • hallo dennis,
    Wir füttern nie künstliche Zusatzstoffe wie Zuckersirup, Kunstpollen etc.
    Um das Immunsystem der Bienen zu stärken, müssen wir darauf verzichten.
    Unsere Stöcke behalten sehr viel Honig und Pollenreserven zum überwintern. Viele Stöcke bleiben im Winter auf 3 oder 4 Zargen. Jede Zarge hat außen auf beiden Seiten 2 Honiwaben und eine Pollenwabe. Die oberste Zarge ist meist voll Honig.
    Der übrig bleibende Honig wird bei neuer Tracht im Frühjahr entnommen um Platz zu schaffen für mehr Brut.
    liebe Grüße Stephan http://www.resistentebienen.lapalmamiel.com/


    Hallo Stephan;
    Die Vorteile eines gemaessigten Klimas werden besonders bewusst, wenn es an die Ueberwinterung der Voelker geht.
    Auch ich habe starke Voelker auf mehreren Zargen sitzen und muss aufpassen, dass ich im Fruehjahr rechtzeitig aufbaue.
    Ich fuettere nie kuenstlich - wohl aber schon mal Honigwaben aus der Reservekammer. Es muss ja nicht aller Honig aus der Schleuder tropfen.
    Wenn aber der Winter wie in D. sechs Monate andauert, dann sieht es schon anders aus.
    Ja, dann mal frohes Imkern - Klaus.

  • (Feuer frei :Biene:).


    Hallo Sabiene,


    Wenn Deine Theorie, das in Deiner Umgebung durch Drohnenschneiden nicht mehr genug Drohnen zur Verfügung stehen richtig ist, müssten mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sein:


    1. Im Umkreis von mindestens 10 Km müssten alle!!! Imker massiv Drohnenschneiden.
    (Angesichts des Individualismus der Imker nicht vorstellbar.)


    2. Das müsste zu fast Drohnen freien Völkern führen.
    ( Auch das ist praktisch nicht der Fall)


    Viel einfacher wäre da die Schlüssel Schloss Theorie:


    Der Schlüssel der normal großen Drohen Deiner Nachbarimker passt nicht mehr ins Schloss Deiner künstlich verkleinerten Bonsai Königinnen.


    Hubert