Verwirrung um Magazinbeuten

  • Hallo allerseits,


    ich versuche nun schon seit geraumer Zeit, für mich die Beutenfrage zu klären. Aber je mehr ich mich informiere, um so größer wird die Verwirrung.


    Bei der Suche nach Vor-/Nachteilen der verschiedenen Beuten bin ich recht frühzeitig auf www.magazinimker.de gestoßen. Das dort dargestellte "kompatible Beutensystem" leuchtete mir relativ schnell ein. Hier unreflektiert einige Aussagen der Magazinimker-AG:

    • Anflugsockel, Bodenbrett, Absperrgitter, Dämmplatte, Innendeckel, Wandergitter, Futtertrog und Außendeckel sind bei allen kompatiblen Beuten identisch.
    • Dadant unterscheidet sich von Langstroth lediglich durch die Höhe der Zarge/Rähmchen
    • LS hat sich seit 140 Jahren bewährt, und ist das weltweit am weitesten verbreitete System (70%).
    • In Deutschland hat man sich mit unzähligen Versuchen, das Rad neu zu erfinden, weltweit lächerlich gemacht und ist jetzt nach vielen Irrwegen mit Zander-modifiziert fast beim 140 Jahre alten Langstroth angekommen.


    Als Vorteile von LS werden insbesondere erwähnt (Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

    • für Anfänger besonders empfohlen (!!!)
    • BR teilbar. Dadurch Völkerführung, Ablegerbildung, Bauerneuerung erleichtert
    • Bildung von Ablegern gelingt immer
    • Brutraum kann zeitweise beschränkt werden
    • Trennung von BR und HR sowie Flachzargenbetrieb möglich
    • Eingebaute Bienenflucht im Innendeckel
    • durchdachte Fütterungs- und Wandervorrichtung
    • Flexibilität in Betriebsweisen durch Schichtenbeweglichkeit
    • leicht im Eigenbau herstellbar
    • mit zwei Zargen genug BR auch für fruchtbarste Königin
    • langer Zährweg für Winterversorgung (was ist damit gemeint)
    • am Bodenbrett keine Bausperre nötig
    • baubiologisch günstiger Abstand zw. Wintertraube und Zargenwänden
    • bei bleibernder Grundfläche immer optimale Raumanpassung an Bienen, Brut, Pollen, offenen Futterkranz und Honig möglich
    • -> Das Original, seit 140 Jahren bewährt, ist besser als seine Kopie.


    Für mich als Anfänger klingt das erst einmal sehr überzeugend (auch wenn ich nicht alle Punkte verstehe), somit mein erster Gedanke: LS ist für Anfänger besonders gut geeignet, sehr flexibel, und sowieso das überlegene System. Also nehme ich LS.


    Meine Kontaktperson zum Verein (Paten habe ich noch keinen zugewiesen bekommen) sagt aber, ich soll auf gar keinen Fall LS nehmen, da diese keinen Falz haben und Zargen abrutschen könnten. www.magazinimker.de sagt hingegen, dass gerade durch den Falz vermehrt Bienen eingequetscht werden.


    Weil verunsichert, habe ich versucht, Informationen zu Zander zu sammeln. Und schon bricht das Chaos aus. Neben dem ursprünglichen unmodifizierten Zander (der ja nicht in Frage kommt) gibt es wohl unter Anderem:


    • Hohenheimer Einfachbeute
    • Erlanger System (aus dem Wochenendimker). Laut Magazinimker hat dieses System verkürzte Tragohren, zu geringe Zargeninnenbreite und einen mangelhaften Deckel (ich dachte, der ist bei allen "kompatiblen Magazinsystemen" identisch?)
    • Zander nach Liebig
    • ... wahrscheinlich noch einige mehr


    Eine Auflistung der Unterschiede und Vor-/Nachteile der einzelnen Systeme konnte ich allerdings nirgendwo finden.


    Insgeheim tendiere ich immer noch zu LS, weil:

    • Das Chaos scheint geringer zu sein als bei Zander
    • Das Falz-Problem könnte man notfalls mit entsprechenden Scharnieren (siehe unten) lösen
    • Da passen notfalls auch Z-Rähmchen rein (sind nur 5mm kürzer) falls ich Futter oder Brut von einem Kollegen benötigen sollte.
    • Im dümmsten Fall kann ich auch komplett auf Zander (welches auch immer) umstellen, da alles bis auf Zargen/Rähmchen identisch ist.
    • Dass LS das bessere System ist, glaube ich jetzt einfach einmal, da ich noch nicht in der Lage bin, mir selbst ein Urteil zu bilden.


    Vielleicht kann ja jemand hier mehr Informationen über die Unterschiede und die Vor-/Nachteile der verschiedenen Magazine beitragen, und mir so die Entscheidung erleichtern?


    Wie ist das jetzt mit diesem blöden Falz? Welche Beuten haben ihn? Ist er von Vorteil oder von Nachteil? In "Der Wochenendimker" (Zander-Erlanger) sieht man auf Seite 39, Abb19 Scharniere statt Falz. Da sollte doch auch nichts abrutschen? Diese Scharniere müssen doch ausklinkbar sein, um die Zargenanzahl ändern zu können?


    Was sagen die Profis? Habe ich jetzt totalen Humbug geschrieben? Bin ich jetzt schon zu verwirrt, um noch einen Klaren Gedanken zu fassen?


    HILFE!


    PS: Ich hoffe, ich habe jetzt hier keinen Flamewar angezettelt. :cool:

  • Hallo Joew,


    ich selber imker auch noch nicht so lange (2 jahre) bin also sicher kein Profi.
    Ich habe erst ein mal die Beutenform meines Paten übernommen. Er war davon überzeugt, und ich habe es erstmal übernommen.
    Der Vorteil für mich war, er konnte mir seine Betriebsweise an seinen und meinen Beuten zeigen. Wenn ich etwas brauchte (und es fehlte am Anfang immer etwas>)so konnte ich es mir bei Ihm beorgen. Hatte er einen Ableger, so konnte ich ihn direkt übernehmen.


    Inzwischenhabe ich meine eigene Meinung zu der Beute und habe für mich entschlossen umzustellen.


    Ich denke, dass sicher die Meisten Imker, im Laufe der Zeit einige Beuten probiert haben, und nach eigener Erfahrung sich dann für eine entschlieden haben.


    Gruß Cooper

  • Hallo!


    Auch ich als Starter für 2012 habe mich entschieden das System zu verwenden das im Verein "um die Ecke" verwendet wird. Damit ist einfach und schneller Support gewährleistet und ich kann den Ableger "einfach" umsetzen ;)

  • :-D herzlich willkommen!


    Deine Verzweiflung können, glaube ich, viele nachvollziehen, und fast jeder, der hier eingestiegen ist, hatte Fragen zu dem Thema.


    Richtig gibts nicht. Und als Anfänger kann man oft noch nicht genau wissen, welche Betriebsweise einem liegt und welche Beute.


    Mein Tipp: guck Dir soviel wie möglich in echt an (also nicht im Laden) und lass Dir erzählen, was die jeweiligen Imker dran gut finden. Und probier es aus.


    Ich hab Zander und DN -wobei ich finde, dass die sich nicht viel geben ...ok der Falz :wink: der ist auch Geschmackssache... nachdem ich jetzt 3 Jahre geimkert habe, und andere Sachen gesehen habe, neige ich dazu auf einen Brutraum zu wechseln, aber so 100% weiß ichs noch nicht... alles hat seine Vor und Nachteile...


    Probiers aus, aber fang mit einem üblichen Maß aus Deiner Gegend an, dann kann dir ein Pate oÄ auch mal aushelfen...


    Gute Entscheidungen wünscht
    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.


  • PS: Ich hoffe, ich habe jetzt hier keinen Flamewar angezettelt. :cool:


    Hallo joew, leicht möglich:wink:
    Ich will nur grundsätzliches über die Beutenbeschaffenheit sagen, welches Maß nun das bessere ist da gibts tausend für und wider das ist Ansichtssache und auch Standortbedingt.
    Beuten grunsätzlich Falzlos,

    Zitat

    Anflugsockel, Bodenbrett, Absperrgitter, Dämmplatte, Innendeckel, Wandergitter, Futtertrog und Außendeckel sind bei allen kompatiblen Beuten identisch.

    , keine Beschläge, Scharniere o. ä.
    Ich halte die Liebigbeute von der Ausführung her für sehr gut auch wenn ich nicht damit imker. Wie siehts denn bei Euch mit Langstrothimkerei aus? Wenn nur Zander verbreitet ist würde ich darauf zurückgreifen, ist ja nahezu identisch.
    Gruß Hermann

  • Richtig gibts nicht.

    Sollte es nicht heissen: Falsch gibts nicht? :)


    Wie schon von vielen geschrieben liebt die Entscheidung letztlich bei Dir. Ich habe mit der Rähmchengröße angefangen, die auch bei uns im Verein zu 95% genutzt wurde, allerdings wollte ich eine Beute aus Holz und nicht die Segeberger.


    Ich habe mir Zargen besorgt, welche 12 DN im Warmbau und gleichzetig 10 Zander im Kaltbau fassen (ähnlich der Heroldbeute). So habe ich das Volk aus dem Imkerverein von DN schnell auf jetzt doch Zander (Hohenheimer Einfachbeute) umgewohnt.


    Übrigens: die "Hohenheimer Einfachbeute" und "Zander nach Liebig" beschreiben die gleiche Beute.

  • Wie schon von vielen geschrieben liebt die Entscheidung letztlich bei Dir.


    Das ist mir schon klar. Aber um eine Entscheidung treffen zu können, muß ich erst die Unterschiede und die Vor-/Nachteile der Alternativen kennen. Genau das versuche ich in diesem Thread herauszufinden. Dass man sich an der Nachbarschaft orientieren sollte, ist mir schon klar. Aber das war hier ja garnicht gefragt.


    Weiter oben wurde mehrfach geschrieben, ich soll das nehmen was der Pate hat. Dummerweise bekomme ich einen Paten erst im Mai (im Einsteigerkurs) zugewiesen. Und meine Kontaktperson sagt mir lediglich, was ich nicht nehmen soll (nämlich etwas ohne Falz). Da der Kurs zudem auch erst im Mai beginnt, stehe ich eben vor dem Problem, selbst herausfinden zu müssen, was und warum für mich taugt.


    Zitat

    Übrigens: die "Hohenheimer Einfachbeute" und "Zander nach Liebig" beschreiben die gleiche Beute.


    Na, das ist doch endlich einmal ein Wort. Von Liebigs Beute hat mir meine Kontaktperson explizit abgeraten, da diese keinen Falz hat. Somit bleibt lediglich die Erlanger Variante aus "Der Wochenendimker", die lediglich einen Längsfalz und diese Spezialscharniere hat.


    Damit noch einmal zu der Frage, wie ernst ist das mit dem Falz? Da die Magazinimker AG davon abrät, sollte ich schon einen triftigen Grund haben, diesem Rat nicht zu folgen. "Nimm das, was dein (nicht existenter) Pate hat" sehe ich nicht als "triftigen Grund" an.

  • Damit noch einmal zu der Frage, wie ernst ist das mit dem Falz?


    Habe Langstrothbeuten (Flachzarge) mit Falz und DNM-Beuten ohne Falz.
    Beim Wandern sind die mit Falz besser (da kommt es nicht vor, dass ein Deckel so verrutscht, dass Bienen raus können). Beim Arbeiten ohne Falz ist's leichter die Zarge wieder auf eine andere Zarge aufzusetzen.
    Für mich ist auch nicht nachvollziehbar, dass man mit Falz mehr Bienen quetschen würde. Da hilft eine Feder und Rauch, dass sie nicht zerquetscht werden. Ohne Falz ist's leichter die Zargen voneinander zu lösen.
    .... es hat alles Vor- und Nachteile.


    Mir ist es egal, ob ohne oder mit Falz. Nach meinen Dafürhalten ist's 'ne Diskussion um des Kaiser's Bart.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Ein Falz schränkt die Handhabung ein, Du kannst die Beute nur nach oben wegheben/kippen, ein Nachteil wenn Rähmchen übereinander verbaut sind was auch bei eingehaltenem Bee-Space passieren kann. Bei Falzlosen können die einzelnen Kästen auch gegeneinander verdreht werden. In den Fälzen kann sich außerdem Staunässe halten und zu Fäulniß führen. Seit der erfindung des Spanngurts ist ein Falz eigentlich nicht mehr erforderlich.
    Gruß Hermann

  • Hallo Joew,


    ganz am Anfang hatte ich auch ältere Beuten (DNM) mit Beschlägen und Falz im Bienenhaus, mittlerweilse auch Zander (ohne Falz, mit Antirutschleisten) und Dadant (ohne alles) in Freiaufstellung. Anfangs war das unvorstellbar, aber es funktioniert und da verrutscht nichts. Bei Zander wegen der Leisten und der Verkittung, bei Dadant kann sowieso nichts verrutschen (einräumig im Winter).


    Bei der Auswinterung dabeizusein ist übrigens kein Schaden (Futterkontrolle, Erweiterung, etc.). Vielleicht erreichst Du ja einen Extratermin für Dich und den Rest der Truppe bei einem Eurer Paten?

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher

  • Von Liebigs Beute hat mir meine Kontaktperson explizit abgeraten, da diese keinen Falz hat.


    Ich dagegen komme mit der Liebig-Beute wunderbar klar und will definitiv keine Beute mit Falz :) Die Rutschleiste erfüllt prima Dienste.
    (meine Wahl war auch beeinflusst durch die Einfachheit des Bauplans dieser Beute für den Selbstbau)


    Alles eine Frage, was man selber bevorzugt.

  • Hallo Joew,
    erstmal in herzliches Willkommen.
    Der Falz ist wirklich out.
    Es werden auch bei aller Vorsicht mehr Biene gequetscht als beim falzlosen Magazin. Ich habe beide Typen (allerdings in DNM) am Stand gehabt.
    Nachdem die Bienen die Beute mit Propolis bearbeitet haben, das geht sehr schnell, rutscht da auch nichts mehr auseinander. Beim wandern mit den Völkern benützen auch die Falzbeutenimker eine Gurt.
    Die Frage die zu klären ist, willst Du einen ungeteilten Brutraum, dann Datant. Bei einer Entscheidung für einen geteilten Brutraum, dann Zander (z. B. Hohenheimer Einfachbeute).
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo!


    Die Überlegungen, die du angestellt hast, halte ich für sachlich richtig. Falzlos ist meiner Meinung nach besser. Bei gefalzten Zargen werden einfach zu viele Bienen zerquetscht, auch wenn man vorsichtig ist. Gefalzte Zargen sind aber von Vorteil, wenn man mit Bienen und Beuten wandern will.


    Auch was das Rähmchenmaß betrifft, stimme ich deinen Überlegungen zu. Meiner Meinung nach ist zumindest DN als Rähmchenmaß entschieden zu klein und wenn man auf der grünen Wiese neu anfängt, spricht vieles für LS oder Dadant.


    Die deutsche Imkerschaft weißt eine statistische Überalterung auf und häufig hält man aus Gewohnheit am althergebrachten fest. Oft trifft man auch auf Ablehnung von Neuem oder Fremdem im Sinne eines "Altersstarrsinns". Die alten Herren können aber auch nett, freundlich und manchmal sogar großzügig sein und nehmen sich für junge Paten gern auch mal die nötige Zeit. Wie bei vielen Dingen im Leben gibt es auch hier die "zwei Seiten der Medallie".


    Schlußendlich ist nun mein Rat an dich, mit der Beuten-Entscheidung abzuwarten, bis du über deinen Verein einen Paten bekommen hast. Schau dir an, welche Beuten und welches Rähmchenmaß er verwendet und kläre mit ihm, ob du neu kaufen sollst oder für den Anfang gebrauchte Sachen von ihm bekommen kannst. Am besten klärst du auch, wie und woher du eigene Bienen bekommen wirst. Bei Imkerpatenschaften sind die vom Paten gesponsorten 5-Waben-Ableger im Mai häufig im Angebot. Falls dein Pate dir das anbietet, würde ich dringend dazu raten, dir erst mal 2 oder 3 Beuten im System des Paten zu organisieren.


    Gruß vom Sammler