Wachs reinigen

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    ich nehme eine alte noch funktionierende Fritteuse, fülle sie ca. 1/4 mit Leitununswasser und dann mit Wachs aus dem Sonnenwachsschmelzer auf.
    Nun das Gemisch aufheizen bis das Wachs alles flüssig ist (ca. 85°C). Damit das Wachs noch heller wird, kann man einen Löffel Oxalsäure einrühren. Oxalsäure ist nur wasserlöslich, es fällt den Schmutz aus. Nun das Gemisch in ein 2. Gefäß über ein feines Sieb (feines Fliegengitter) umfüllen und langsam abkühlen lassen.
    Nach ca. 6-8 Stunden ist das Wachs fest und der Schmutz unten im Wasser. Weiter den groben Schmutz vom Wachs unten abschaben, ideal ist dafür geeignet ist ein Hochdruckreiniger mit Fräsdüse, in kürzester Zeit sind alle anhaftenden Schmutzteilchen weg.
    Oxalsäure ist nicht wachslöslich, die Säure bleibt gelöst im Schmutzwasser zurück, daher sollte man Handschuhe und Schutzbrille tragen.



    E.Alfranseder

  • Manchmal bin ich erstaunt, was für chemische Erkenntnisse hier so zusammenfließen und mit wieviel Halbwissen zu Prozessen wie Verseifung, Bleichung und der Physik von Wachs und Wasser sie sich hier vermischen. :roll:


    Vielleicht sollten wir die rein physikalischen Aspekte mal von der Chemie trennen:
    Im Wesentlichen geht es da um Oberflächenspannung und Dichte und ein Wenig auch um Siedetemperaturen und Wärmekapazität.
    Sieben und Filtern hält grobe Rückstände zurück, die auf bzw. im Wachs schwimmen würden und schlecht abtztrennen wären.
    Die sonstige Wachsklärung erfolgt allein durch den Dichteunterschied Fremdkörper / Einschlüsse / flüssiges Wachs. Je länger das Wachs flüssig ist, desto länger hat der Siff Zeit, im Wachs abzusinken. Das ist der Grund für langes flüssig halten des Wachses. Wachs hat eine deutlich höhere Ausdehnung bei Erwärmung als Wasser und eine sich stark verändernde Viskosität im Bereich seines Schmelzpunktes. Wird es zügig abgekühlt, bildet es beim Zusammenziehen winzige Perlen, die mit einem Wasserfilm umgeben sind. Diese Perlen sind so klein, daß das Wachs schmierig, breiig oder krümelig erscheint. Wird es abgenommen und wieder erwärmt, dreht sich der Prozeß um. Jetzt bilden die umgebenden Wassereinschlüsse winzige Bereiche in denen flüssiges und gasförmiges Wasser gemeinsam auftreten umgeben von einer Wachs/Wasser-Oberfläche. Der "Tropfen" kann sich also nicht recht entscheiden, ob er an die Topf-Oberfläche will oder nach unten. Deshalb bleibt er erhalten und läßt spätzer Kerzen knallen. (Wer sich die Volumenzunahme Wasser --> Dampf vor Augen führt und die Oberflächenvergrößerung nebst der Oxidationschemie an der brennenden Kerze wird das problemlos verstehen)


    Bei den chemischen Aspekten geht es in erste Linie um Verseifung und um Oxidation. Außerdem um die Bildung von unlöslichen farbigen Salzen. Alle drei Vorgänge sind wachsschädlich und viele Maßnahmen bei der Wachsverarbeitung zielen genau darauf, sowas zu vermeiden. Kontakt mit Eisen erzeugt Komplexsalze die das Wachs unansehnlich machen, dagegen wird später eine Säure eingesetzt, die stark genug ist diese Salze "aufzuspalten" und selbst lösbare Salze hat. Das ist z.B. der Schwefelsäuretrick. Oxidation verhindert man durch angepaßte Schmelz- und Wiederschmelztemperaturen. Und bei Verseifung geht es in erste Linie darum, ein leicht saures Milieu zu schaffen in der keine Seife entstehen kann. Kalk im Wasser wäre da der Gegenspieler. Regenwasser ist dagegen in aller Regel leicht sauer oder wenigstens nicht basisch.(vergessen wir man die Kalziumionen ... ect.)


    Wer also mit Dampf schmilzt und das erschmolzene filtert und auf Kondenswasser über Tage abkühlen läßt, hat schon mal nichts falsch gemacht.
    Wer in Wasser schmilzt muß auf den "Kalkgehalt" achten. Das ist eigentlich schon alles.


    Schönes Wachs entsteht also durch bloße Vermeidung von Fehlern. Wie fast immer. Die zu erkennen - das ist der Trick. :wink:


    PS: Danke, daß ich mal wieder schlaustuhlgehen durfte :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Henry ()

  • Schönes Wachs entsteht also durch bloße Vermeidung von Fehlern. Wie fast immer. Die zu erkennen - das ist der Trick. :wink:


    Sehr schön gesagt! Es ist wirklich auch für mich nach 25 Jahren Imkerei immer noch jedes mal erstaunlich wie so schönes, gelb leuchtendes und so angenehm riechendes Wachs aus diesen dunklen Waben kommt!


    Daher ist vermutlich deine Schlussfolgerung, Simon auch falsch. Weder der Ausgangsstoff wird es gewesen sein, noch das zu lange kochen! Überprüfe nochmal deine Gerätschaften, war da Eisen dabei? Ein Drahtsieb, irgendwas zum Schöpfen, das nicht aus Edelstahl war? Hatte ggf. verwendetes Email-Geschirr abgeplatzte Stellen - auch außen? Beim Eintauchen kommt das ja auch mit dem Wachs in Verbindung? Bei grau-braunem Wachs ist das zu 99% der "Fehler"!

  • Hallo
    und vielen vielen dankfür die vielen guten Tips und Ratschläge


    Aber :lol: ich habe beim zweiten Durchgang eigentlich nichts viel anders gemacht außer das die Altwaben bedeutend jünger waren. Die anderen waren aus einer imkerauflösung und die waren bestimmt schon 100 oder so.
    Naja seht ihr den noch eine Chance den grau grünen Block nochmal ansehnlich zu bekommen?
    Macht es Sinn den nochmal einzuschmelzen und in Ruhe auskühlen lassen??


    Grüße
    Simon

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    Georg Bernhard Shaw

  • habe beim zweiten Durchgang eigentlich nichts viel anders gemacht außer das die Altwaben bedeutend jünger waren.

    Mit Edelstahl gedrahtet?

    Die anderen waren aus einer imkerauflösung und die waren bestimmt schon 100 oder so.

    Verzinkter Draht mit freiliegendem Eisen? Staub am Wachs?

    Naja seht ihr den noch eine Chance den grau grünen Block nochmal ansehnlich zu bekommen?

    Als letztes mit dem Dampfwachsschmelzer vom Block schmelzen und langsam abkühlen.

    Macht es Sinn den nochmal einzuschmelzen und in Ruhe auskühlen lassen??

    Nein. Es hat Sinn! Es ist sinnvoll, aber nicht sinnstiftend oder -gebend ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Imkers,


    ich habe mit Interesse diesen thread gelesen.
    Am vergangenen Wochenende habe ich Wachs geschmolzen und per Zufall alles richtig gemacht. Finde ich echt Klasse, hier nochmal alles so gut erklärt zu bekommen.
    Also ich habe

    • alle alten Waben mit Dampf ausgeschmolzen. Dazu habe ich ein altes Erbstück (1 Segeberger Beute mit Siebeinsatz, selbstgebaut) und einen elektrischen Dampferzeuger benutzt .
    • Was da rauskam habe ich in einem Topf mit ein wenig Regnwasser vorsichtig erhitzt und die Schmelztemperatur des Wachses für ca. 2h gehalten. Dadurch sind alle Verunreinugungen nach unten gesunken.
    • Das Wachs habe ich dann mit einer Schöpfkelle oben abgenommen und in eine Form gegeben.
    • Nach dem Erkalten und Stürzen der Form habe ich saubere goldgelbe Wachsbarren erhalten.
    • Den Rest habe ich langsam abkühlen lassen und nur noch an der Unterseite geringfügige Verunreinigungen vorgefunden.


    Fragt aber nicht nach der Gesamtrechnung!
    Meine Frau freut sich jetzt über jede Menge Wachs zum Kerzengiessen. Ich weis aber, dass die ziemlich teuer sind.
    Aber egal, jetzt ist's einmal fertig.
    Die alten Rähmchen machen sich jetzt in meinem Ofen übrigens prima als Anfeuerholz. Die Wachs und Propolisreste brennen echt gut. Auch was beim Dampschmelzen als Trester übrig bleibt eignet sich prima als Anzünder (Wachs ist da ja noch in geringen Mengen enthalten). Den habe ich nämlich aufgehoben und getrocknet. Als Imker ist man ja sehr sparsam.:lol:


    Gruß Michael


  • Die alten Rähmchen machen sich jetzt in meinem Ofen übrigens prima als Anfeuerholz. Die Wachs und Propolisreste brennen echt gut. Auch was beim Dampschmelzen als Trester übrig bleibt eignet sich prima als Anzünder (Wachs ist da ja noch in geringen Mengen enthalten). Den habe ich nämlich aufgehoben und getrocknet. Als Imker ist man ja sehr sparsam.:lol:
    Gruß Michael


    Ja Michael, sauberes Wachs macht immer Freude. Nur Vorsicht mit dem Verbrennen von Trester im Ofen, es könnte zu einer Versottung des Abzuges (Schornstein) kommen durch die Wachsreste und besonders dem Harz des Propolis; selbstverständlich machsts die Menge und nur zum Anfeuern, da sehe ich keine Gefahr.
    Grüße

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -

  • Moin Horstus,

    Nur Vorsicht mit dem Verbrennen von Trester im Ofen, es könnte zu einer Versottung des Abzuges (Schornstein) kommen durch die Wachsreste und besonders dem Harz des Propolis; selbstverständlich machsts die Menge und nur zum Anfeuern, da sehe ich keine Gefahr.
    Grüße


    Ja, ich benutze ihn nur zum Anzünden, klappt prima. Als sparsamer Imker muß man selbst mit diese Vorräten haushalten.:)
    Zum Heizen wird natürlich nur bei Vollmond geschlagenes, bei Neumond gespaltenes und gut abgelagertes Holz benutzt.:lol:


    Frohe Weihnachten
    Michael

  • Hallo Miteinander,


    ich war gerade auf der Suche nach Tipps zur Verbesserung meiner Wachsklärung, da bin ich auf diesen interessanten Beitrag gestoßen, der mich allerdings zum Nachdenken gebracht hat.


    In den meisten Beiträgen zu diesen Themen ist immer wieder die Rede von "Kunststoffeimern und Nylonstrumpfhosen". Klar... am einfachsten ist eine solche Vorgehensweise, vor allem wenn man die benutzen Gegenstände nicht wieder mühsam reinigen muss. Allerdings kommen aus Wissenschaft und Forschung (auf die gerade wir beim Thema Varroa angewiesen sind) genügend ernst zu nehmende Beiträge, die den sorglosen Umgang mit Kunststoffen in Frage stellen.
    Dabei ist nicht nur die Biene das betroffene Lebewesen, sondern wir selbst.


    Als Beispiel möchte ich zuerst das grobe filtern durch eine Strumpfhose nennen und danach die Lagerung im Eimer über 1-5 Tage, je nach Abkühlzeit. Nicht die Dauer ist hier das Problem, sondern die Temperatur des Wachses. In vielen Kunststoffen sind Weichmacher (Phtalate) und viele weitere gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, die sich teilweise verflüchtigen können. Diese werden sogar schon bei Zimmertemperatur an die Raumluft abgegeben. (Nur mal an einer neu gekauften Auto Fußraum Matte riechen, oder sogar an Kinder Spielsachen)
    In unserem Falle ist es aber weit gravierender, da wir 70-80 ° C heißes Bienenwachs hindurch bzw. hinein gießen. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob sich etwas aus den Kunststoffen löst. Schon eher wie viel davon, wobei hier nicht die Menge der Stoffe das Gift macht, sondern die Kombination mit vielen anderen. Mich würde es schwer wundern, wenn sich dieser (Stoff)-Kreis-(lauf) nicht auch schließt und am Ende zurück in unseren Körper gelangt. Schließlich ernten wir aus den von uns geklärten Wachsen den eigenen "gesunden" Bienenhonig.


    Wünsche ein gutes Neues Jahr 2015


    Gruß Markus

  • Nylonstrumpfhosen... die Temperatur...... zurück in unseren Körper gelangt.


    Wenn Daniel-Drohne wieder mal schreiben würde, der könnte das ja mal untersuchen, ich mein so bei den "heißen Bienen".... ob die von der Reizwäsche auch Schäden davon tragen?:oops:

  • In vielen Kunststoffen sind Weichmacher (Phtalate) und viele weitere gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, die sich teilweise verflüchtigen können. Diese werden sogar schon bei Zimmertemperatur an die Raumluft abgegeben. (Nur mal an einer neu gekauften Auto Fußraum Matte riechen, oder sogar an Kinder Spielsachen)
    In unserem Falle ist es aber weit gravierender, da wir 70-80 ° C heißes Bienenwachs hindurch bzw. hinein gießen. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob sich etwas aus den Kunststoffen löst. Schon eher wie viel davon,


    Ich verwende ja auch keine Fußmatten oder Kinderspielzeug als Eimer, sonder PE-Eimer, die aus PE Pellets hergestellt werden, denen keine Weichmacher zugesetzt wurden. Eben weil ein PE Eimer im Gegensatz zu Automatten oder Kindernuckelfläschchen nicht weich sein soll.


    Wenn man deiner Argumentation folgt (in vielen Kunststoffen sind Weichmacher, also folglich auch in PE Eimern... Ich stelle nicht die Frage, ob sich was löst, sondern es löst sich schon ganz bestimmt viel daraus...) dann hätte ich viel mehr Angst vor dem zum Ausschmelzen verwendeten Dihydrogenoxid!



    Stefan

  • Hallo liebe Leute,


    was ist Dihydrogenoxid und wo kommt das her?
    Mein Reinigungsverfahren ist so: Ich schmelze im Sonnenwachsschmelzer. Die so gewonnenen Wachsplatten mit Verschmutzungen kommen in einen Edelstahl-Sektkühler mit ca. 1 Liter Leitungswasser. Diesen Sektkühler stelle ich dann in so einen elektischen Warmhaltetopf für Getränke aus Edelstahl mit Ablasshahn und so. Dann wird dieser eingeschaltet. Der Sektkühler braucht unbedingt einen leichten Deckel (Deckel von Plastik-Eimer) und muss im Wasser schwimmen. Also im Wasserbad. Dadurch schwimmt der Sektkühler bewegungslos im heißen Wasser und alles wird langsam flüssig. Nach 4-5 Tagen schalte ich aus. Am nächsten Tag kann der Wachsblock aus dem Sektkühler gekippt werden und dann Schmutz abkratzen. Das ganze 2 mal und der Kerzenwachs ist fertig. Die Kerzen brennen super und ohne Knistern. Die Farbe ist aber leicht unterschiedlich. Ich werde mal mit Zitronensäure experimentieren.


    Gruß, Schwärmer

  • ...Die so gewonnenen Wachsplatten mit Verschmutzungen kommen in einen Edelstahl-Sektkühler mit ca. 1 Liter Leitungswasser...


    Nimm Aquadest statt Leitung...
    Ist garantiert kalkfrei.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.