Bio Honig und seine Vorraussetzungen zur Vermarktung !

  • Hallo,
    da ich ja im nächsten Jahr mit der Imkerei beginne, nutze ich den Winter um mich weiterhin mit der Materie Bienen und Bienenhaltung theoretisch zu beschäftigen.
    Weiterhin habe ich mir heute mal etwas Zeit genommen und mich im meiner Gegend nach Stellplätze umgesehen.
    Bei uns gibt es mittlerweile einen Biohof den ich angefahren bin. Der Besitzer hatte spontan Zeit, wir haben uns mit einer Tasse Kaffee an den Tisch gesetzt und ein nettes Gespräch geführt.
    Auf ihrer Obstplantage werden keine Spritzmittel verwendet und penibel darauf geachtet,alles Biologisch zu erwirtschaften.
     
    Von der Idee, dass ich gerne meine Bienen (zumindest 3-4Völker "Ableger") bei ihnen stellen möchte, war der Besitzer sehr angetan und hat mir auch sofort 3 Stellplätze vorgeschlagen. Alle Stellplätze sind umzäunt und man kann mit dem Auto fast bis ans Flugloch fahren.
     
    Nun, sind wir auch auf das Thema BIO HONIG gekommen und seine frage war „ Ob die Möglichkeit auch besteht, den Honig bei ihm anzubieten und ob es da auch ein Zertifikat gibt!?“.
    Meine Antwort war, das ich mit Ablegern beginne und im ersten Jahr wohl kein oder geringen ertrag habe, aber wir uns gerne im zweiten Jahr darüber unterhalten können.
     
    Soweit so gut.
    Also für mich sehr erfreulich und viel versprechend.
     
    Meine Frage:
    Auch wenn das Thema „Bio Honig und Verkauf „ erst in zwei Jahren zum tragen kommen wird/könnte, würde ich gerne von Euch mal wissen was für Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Dass man mit Bio Zucker füttern muss und wohl Holzbeuten verwendet werden sollte, ist mir bekannt. Nur wie geht man vor um keine Probleme zu bekommen?
    Zertifikat?
    Kosten?
    Was haltet ihr von der Idee?
    Lohnt sich überhaupt der Aufwand?
    Usw.
     
    Uwe

  • Hallo Uwe,
    da es eine Reihe unterschiedlicher BIO-Zertifikate gibt (z.B. Demeter, Bioland, Naturland, EG-Öko-Verordnung, u.a.) die unterschiedliche Anforderungen an die imkerliche Betriebsweise stellen, kann ich Dir um eine Überblick zu bekommen das Buch von Claudia Bentzien "Ökologisch Imkern" empfehlen.
    Da Du je erst im nächsten Jahr mit der Imkerei beginnen willst, aber auch mit dem Gedanken der Vermarktung unter einem BIO-Zertifikat schwanger gehst, solltest Du Dich vor der Anschaffung von Bienen, Beuten, ggf. Wachs auch über die o.a. Anforderungen informieren.
    Ein Umstieg aus einer konventionellen Imkerei auf BIO-Imkerei koste nicht nur Zeit sondern auch Geld unabhängig von den Zertifizierungskosten (jährlich) eines BIO-Verbandes.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Eisvogel () aus folgendem Grund: ein "s" zu viel

  • Es müsste Bioland sein. Eigentlich hab ich gar nicht mit dem Gedanken "BIO HONIG" gespielt, dachte mir aber nun, warum nicht. Hab ein Stellplatz mit etlichen Obst ( angrenzend auch Wald )usw. und zugleich einen Abnehmen, ohne jedes Glas Honig an den Nachbarn verkaufen zu müssen.
    Das Buch werde ich mir morgen einfach mal bestellen und über den Winter am Kaminfeuer durchlesen:u_idea_bulb02:


    Uwe

  • Wenn du gerade beim Aufbau bist und dir den Weg zu einer Bio-Imkerei nicht schon vorneweg behindern möchtest: Unbedingt auf die Beutenanstriche achten und nur zugelassene Mittel verwenden. Ggf. werden dann bei der Erstzertifizierung Holzproben entnommen und diese auf nichtzugelassene Stoffe untersucht. Genauso mit den Mittelwänden, wenn du "normale" verwendest, kannst du dir die Zertifizierung erst einmal sparen, die sind alle mit (alten) Varroabehandlungsmitteln belastet (wobei es langsam etwas besser wird, aber eben nur weniger, und nicht "frei"). Du brauchst in alle Völkern Biowachs! Die Mitgliedschaft in einem Bioverband ist noch das günstigste, Je nach Verband fallen ca. 60 Euro an, dazu kommen pro Jahr noch Kosten von etwa 250 Eur für die Kontrolle durch eine unabhängiges Kontrollinstitut und der Mehrpreis für den Bio-Zucker, je nach Verband sind auch noch umsatzbezogene Entgelte möglich. Hier gibt es aber auch Freimengen für die ersten paar Kilo, jedenfalls bei Naturland.


    Das hört sich erst einmal alles heftig an, so schlimm ist es aber nicht! Gut, man kann so was auch aus Nutzen-Kosten-Sicht machen, sinnvoll finde ich es aber nur, wenn du dich auch damit identifizierst und dir das wirklich wichtig ist. Als Vegetarier ist man in einer Metzgerei auch schlecht aufgehoben! :-)


    Claudia Bentzien "Ökologisch Imkern" ist sicher ein guter Startpunkt. Du kannst aber für einen ersten Überblick auch einfach nach den Richtlinien von Naturland, Bioland, demeter suchen, sollte alle irgendwo im Netz sein. Naturland und Bioland erlauben eine Betriebsweise, die auch von konventionellen Imkern geteilt werden kann. demeter ist da etwas "ideologischer", demeter selbst würde vermutlich "naturnaher" sagen, aber darum kann man vortrefflich streiten. Fange also lieber mal mit den Naturland-Richtlinien an und lass dich nicht gleich von den demeter-Richtlinien abschrecken. ;-)


    Ach ja, noch etwas: Sobald du einmal konventionell imkerst, muss dein "Betrieb" eine gewisse Zeit 1-2 Jahre, je nach Verband in "Umstellung", d.h. du musst in dieser Zeit nach Bio-Richtlinien arbeiten (ggf. eigenen Wachskreislauf aufbauen usf.) darfst den Honig aber noch nicht als Bio verkaufen. Wenn du direkt mit Bio-Völkern startest, die auf Bio-Waben sitzen und in entsprechenden Magazinen sind und die adäquaten Trachten nutzen, könntest du auch gleich als Bio-Imkerei anfangen.

  • Danke für die Antworten:daumen:
    Wenn ich mir so mal die Auflagen ansehe und die entstehenden Kosten, dann bin ich mir nicht sicher ob sich das überhaupt lohnt?! es sollen bei mir letztendlich max. 8 Völker werden (über die Jahre gesehen). Wenn man bei 8 Völker dann schon etwa 300€ Kosten hat, nur damit es als Bio bezeichnet werden kann, geht die Rechnung doch nicht auf, oder?
    Der Besitzer vom Biohof will verständlicherweise auch noch was an meinem Honig verdienen. Dazu noch die Kontrollen. Ich werde mich dann wohl erst mal auf die Standard Imkerei beschränken. Mein Equipment kann ich ja trotzdem schon auf Bio abstimmen.

  • Hallo Uwe,
    von acht Völkern kannst Du eine Menge Honig ernten, in guten Jahren locker 400 kg. Wenn Du mit dem Biohofbesitzer einen guten Abnehmer hast der Dir den Honig zu einem annehmbaren Preis abkauft dan ist das meiner Meinung nach schon eine Überlegung wert.
    Gruß Hermann


    P.S. Die Planung mit der Völkerzahl haut meißtens nicht hin, ich will eigentlich auch höchstens fünfe und hab alle Jahre zehn:wink:

  • Hallo Uwe,


    von acht Völkern kannst Du eine Menge Honig ernten, in guten Jahren locker 400 kg................



    Das mit den 400kg kann in einem guten Jahr bestimmt klappen, aber ich bin Realist und stecke noch absolut in den Kinderschuhen:roll: 
    Wenn ich ohne Verluste das kommende Jahr überstehe, werde ich Berufsimker:lol:



    Ich werde auf jeden Fall mir die Türe offen lassen und mein zukünftiges Equipment, lege ich soweit auf Bio aus. Holzbeuten usw.
    Dem Bio Mann habe ich ja auch gesagt das ich im kommenden Jahr erst mal nur Ableger habe die kaum Honig bringen werden. Das Jahr werde ich mal als jungfräulich ansehen!

  • Hallo Freunde,
    es klang schon an, dass es, wenn man es mit BIO-Produkten erst meint, es einem um die Sache geht, dann könne man auch den Mehrpreis durch die Zertifizierung ertragen. Nun ich seh das so, wenn man es ernst meint, es um die Sache geht, dann kann man auch BIO-Honige erzeugen ohne Zertifizierung. Nach dem Motto: Bio ist bei uns normal.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo,
    Obst ist Frühtracht. Mit Holzbeuten wird die Ernte aus Obst eher mager ausfallen, vielleicht 10kg/Volk. Die oben genannten 50kg/Volk sind nur realisierbar, wenn es noch weitere starke Trachten in der Umgebung gibt. Darum solltest du dich kümmern.
    Gruß Ralph

  • Zitat

    Nun ich seh das so, wenn man es ernst meint, es um die Sache geht, dann kann man auch BIO-Honige erzeugen ohne Zertifizierung. Nach dem Motto: Bio ist bei uns normal.


    Oder, wie Joel Salatin so nett formuliert:

    Zitat

    Beyond organic


    (auf deutsch: besser als bio):lol::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    sofort Käufer ohne Eigenbemühungen zu haben, ist ein Riesenvorteil. die Frage ist doch: Will dieser Biolandqualifizierte auch nur Honig mit diesem Label auf seinem Ladentisch oder muss er das sogar?
    Dann bleibt dir keine Wahl, sonst verkaufst Du woanders.


    Wenn Du allerdings bio imkerst ohne die Zertifizierung offiziell zu haben, dies für dich selbst durchsetzt und es dem Standplatzspender in die Hand versprichst, dann stellt Du eben quailtativ einwandfreien Honig her, imkerst bio solo und könntest sogar mit einem eigenen, entsprechend aufgemachten Etikett doch gut verkaufen.


    Klär diese Frage mal, meine ich, dann kannst Du sinnvoll weiter planen.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper