Ist Imkern ein permanenter Angstzustand ?

  • Hallo zusammen,


    als Anfänger der sich fleißig in die Materie einliest, drängt sich beim lesen hier manchmal der Gedanke auf das eine große Angst vor Varroa bzw den damit eingebrachten Viren sowie dem Volkverlust das Imkern bestimmt. Liest sich das hier nur bei einigen User so schwarz, oder dreht sich wirklich fast alles darum Varroa destructor Einhalt zu gebieten?


    Natürlich kenne ich aus der Aquaristik den Kampf gegen Parasiten und Plagegeister und auch dort haben wir mit jeder neuen Koralle bzw Fisch eine potenzielle Reinvasion, auch stirbt mal ein Fisch der den Stress des Import Prozess nicht verkraftet hat, oder der Halte macht ein Fehler der zum Tod eines Tieres führt. Aber der Verlust ganzer Aquarien ist da eher die totale Ausnahme und meist auf Menschliches oder Technisches Versagen zurück zu führen.


    Will sagen, ich habe kein Problem mich der Herausforderung einer Milbe zu stellen, aber wenn wenige Zeit bleibt sich an den Bienen zu erfreuen fände ich es Schade.

  • ... das eine große Angst vor Varroa bzw den damit eingebrachten Viren sowie dem Volkverlust das Imkern bestimmt.
    ... aber wenn wenige Zeit bleibt sich an den Bienen zu erfreuen fände ich es Schade.


    Nein, der Eindruck täuscht.


    Imkerei ist Quell der Entspannung und der Faszination.


    Einige Regeln muß man natürlich als Imker einhalten, dazu gehört die Bekämpfung der Milbe. So wie wir heute über die Milbe reden, so wurde in alter Imkerliteratur über Schwarzsucht, Maikrankheit, Nosema, Tracheenmilbe etc. geschrieben.
    Und massive Überwinterungsverluste gab es auch in der "Vor-Varroa-Zeit" immer wieder.
    Also nix Neues.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Ist Imkern ein permanenter Angstzustand ?


    Hallo Loriculus


    Ich kann dich verstehen. Bin Jungimker und habe seit dem Spätsommer 4 Völker in meinem Garten stehen.
    Wenn ich auch viel Freude habe beim Beobachten der Tierchen so frage ich mich schon auch oft, wie es denn drinnen so genau steht um die Völker und wie es bis nächsten Sommer mit ihnen ausschaut.
    Wichtig scheint mir dass man den Angstzustand nicht bloss vor dem Stechen sich allmählich abgewöhnt, sondern auch vor dem Völkerverlust.
    Vor dem Stechen schützt man sich mit allerlei Kleidung und achtsamen, zeitgerechten Umgang mit den Tierchen.
    Bezüglich Bienengesundheit hält man sich am besten vorerts genau an die in einem Kurs gelehrten Anweisungen.
    Ich denke man kann auch zu viel tun und dann vor lauter Tun in Angst leben anstatt das Notwendige zu tun und dann zu vertrauen.


    Viel Freude am Imkern

  • als Anfänger der sich fleißig in die Materie einliest, drängt sich beim lesen hier manchmal der Gedanke auf das eine große Angst vor Varroa bzw den damit eingebrachten Viren sowie dem Volkverlust das Imkern bestimmt.


    Die Varroa kann für das Volk tötlich sein und die Behandlung auch, wenn man sie falsch anwendet. Viele haben nicht die Möglichkeit an einem praktischen Kurs für die Varroa Behandlung teilzunehmen.
    Dieses Forum trägt dazu bei, alle Imker auf dem laufenden zu halten.


    Sie es einfach so, es ist wie in den Medien. Badnews sind immer in der Überzahl zu den Goodnews. Wenn wir alle schreiben würden, wie schön es ist Bienen zu haben und das mein Honig der ist, welcher am besten von allen anderen schmeckt (WAS NATÜRLICH DER WAHRHEIT ENTSPRICHT :p ), dann würden die Beiträge die dazu dienen sollen, das unsere Bienen nicht an der Varoa zugrunde gehen, untergehen.

  • Hallo Loriculus,
    von der Tätigkeit her ist es entspannend und befriedigend. Bei mir gibt es nur Streß wenn ich bis da und da daheim sein muß.
    Das mit der Varroa lässt sich einfach mit einer ausreichenden Anzahl von Völker bewältigen.
    Ab einer größeren Anzahl artet es aber wieder in Arbeitseffektivität/Eile aus. In allen alten Bücher, steht 10-30 Prozent Verlust sind normal. Eben natürliche Auslese. Außerdem sind Imker "Landwirte" und die jammern immer über das Wetter und Sonstiges.

  • Moin,


    das täuscht, denn es geht ja meist um Problemklärungen und Besonderheiten. Alles, was gut läuft, steht hier nicht so viel zu lesen, das wurde schon ganz richtig festgestellt.
    Das dürfte doch in anderen Themenbereichen genauso sein, welches Forum auch immer. Lies doch mal bei Hund und Katze nach. Dort geht es um Mobiliarzerstörende, stubenunnreine, weglaufende, kläffende, kranke, durchfallhabende.......:wink:
    Und wie das erst bei Kindern ausschaut! Ein Quell der Freude!
    Und genau wegen der Freude erscheinen die "Probleme" manchmal immens größer als sie in Wirklichkeit sind.


    Verlustangst ist immer besonders relevant, wenn das, was verloren gehen könnte sehr wertvoll eingestuft oder besonders geliebt wird, oder?


    Grüße

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo,


    ich denke, es ist auch abhängig von der Jahreszeit. Im Mai/Juni würde ich mir nie Gedanken über Völkerverluste machen, da verzeihen die Völker fast alles. Als ich angefangen habe mit dem Imkern, war für mich die Einweinterung immer der Knackpunkt. Ist genug Futter drin, ist der Wabensitz richtig, was habe ich vergessen, was muss noch gemacht werden usw. usw.
    Aber mit den Jahren gehe ich dem ganzen entspannd, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit, entegegen.


    Ich denke, beetic hat es ganz gut auf den Kopp getroffen ;)

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Das währe ja wohl schlimm. Sieh es wie " wald&Wiese " .
    Doch ,die Einstellung :" In allen alten Bücher, steht 10-30 Prozent Verlust sind normal."- sollte man vielleicht nicht gerade haben . Man kriegt das auch ohne Lehrgang ganz bequem hin . Nur den Kopf richtig gebrauchen.


    Gruß hannes

  • Hallo Peter,


    ich als die Oberangsthaberin des Monats kann Dir sagen: NEIN, imkern ist kein permanenter Angstzustand!


    Nenn es Verunsicherung bei Anfängern. Sie haben noch keine Jahrelange Erfahrung, dass es gut gehen wird. Und manchmal geht sogar bei den alten Hasen was schief.. das trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.


    Aktuell "streite" ich mich grad mit meinem Paten: er ist wie letztes Jahr der Meinung, dass ich die Völker jetzt noch auf eine Zarge pressen sollte. Und malt mir lauter schlimme Dinge an die Wand, die passieren werden, wenn ich das nicht tue. Ich werde es nicht tun. Und trotzdem weiter Angst haben :-) Und ich bin echt kein ängstlicher Typ!


    Der Rat vom Drohn, einfach Vertrauen zu haben, ist nicht so ganz leicht umzusetzen. Aber ich arbeite dran :-)


    beste Grüße
    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Bienenfreunde!


    Es gibt bei der Bienenhaltung viele verschiedene Varianten und Möglichkeiten. Einem Anfänger würde ich empfehlen mit einer konventionellen Art der Bienenhaltung zu beginnen. Wenn er dann allmählich Erfahrung gesammelt hat, kann er mit Sonderformen der Imkerei Versuche unternehmen.


    Jedem Neuimker kann ich nur ans Herz legen, dass er sich ehestmöglich mit der Völkervermehrung und mit der Varroabekämpfung eingehendst befasst. Ist eine dieser Säulen vernachlässigt worden, ist die gesamte Imkerei in Gefahr.


    Völkervermehrung:
    Man kann in der Imkerei nie ausschließen, dass mit einem Volk etwas nicht richtig läuft, die Königin alt wird, sich Weisellosigkeit einstellt, sich Aggressivität einstellt usw. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass man immer aus dem Vollen schöpfen kann. Das heißt, dass man im Frühjahr (Herbstlastigkeit vermeiden) immer eine beträchtliche Zahl von Ablegern/Kunstschwärmen macht. Wenn es dann mit einem Volk nicht so läuft, wird es aufgelöst und der Ableger übernimmt die Rolle des Wirtschaftsvolkes. Sollten dann im Herbst noch immer zu viele Völker vorhanden sein, so wird ein weiteres aufgelöst. Auf diese Weise kann man Selektion betreiben und man braucht um seine Imkerei keine Angst haben. Dazu kann ich das System "Völkervermehrung in 4 Schritten" nach Dr. Liebig, aufs wärmste empfehlen.


    Varroabehandlung:
    Es nützt die beste Völkervermehrung nichts, wenn die Varroamilbe wieder alles zerstört. Ich kann da nur empfehlen sich an ein gängiges Konzept zu halten. Auch da ist wieder die "Herbstlastigkeit" zu vermeiden. Ich arbeite mit dem Nassenheider Horizontalverdunster zur vollsten Zufriedenheit. Nach dem Abschleudern, etwa um den 20.Juli herum die 1. Behandlung und dann um den 15. September herum die 2. Behandlung. Im Dezember dann (nicht früher und auch nicht später) die Restentmilbung. Da kann zwischen den Behandlungen schon ein Schub von Fremdmilben durch Reinvasion daher kommen, das haut das Volk nicht gleich um.


    Wenn dann auch noch die Auffütterung so halbwegs gelingt, dann kann dem Imkerglück nichts mehr im Wege stehen. Es darf natürlich nicht passieren, dass das Volk im März oder April verhungert. Zuvor muss der Imker zumindest beim leichtesten Volk eine Futterkontrolle durchführen und im Notfall nach füttern. Zuwenig Futter sollte aber die Ausnahmesituation bleiben. Ich wiege im Herbst die Völker mit einer Federwaage (Anheben der Beute auf der Hinterseite) und weiß genau, ob noch Futter notwendig ist. Sollte im Frühjahr das Futter zu viel sein, so werden ein oder zwei Futterwaben entnommen und für die Ableger verwendet. Der Kreis schließt sich somit wieder.


    Wichtig ist, dass man sich als Anfänger alles genau aufschreibt, damit zumindest ein Fehler kein 2. Mal gemacht wird.


    Weiters ist wichtig, dass bei Völkerverlusten der Grund genau analysiert wird, was aber oft gar nicht so einfach ist. Wenn z.B. Räuberei als Ursache des Völkerverlustes angegeben wird, dann war die Ursachenerforschung unzureichend, denn es wird kein gesundes, weiselrichtiges Volk, bei dem auch noch die Fluglochgröße passt, ausgeraubt. Da ist immer was anders schuld. Vergleicht mal wie oft man das hier im Forum lesen kann.


    Wenn man die paar Grunderfordernisse einhält, braucht man das ganze Jahr über keine Angst haben.



    MfG
    Honigmaul

  • N`Abend, Peter!


    Ich sehe die Imkerei mittlerweile als die für mich weltbeste Art und Weise der Tiefenentspannung.


    Klar, man macht sich Gedanken um gefühlte 1000 ungelegte Eier und Kleinigkeiten, die der erfahrene Imker eher belächelt. Ist aber auch gut so, denn auf diese Weise setzt man sich damit auseinander.
    Und siehe da, mit den Jahren wird man "erfahrener" Imker und die Sachen über die man sich Gedanken macht, machen mehr und mehr Freude, weil es Weiterentwicklungs- und / oder Veränderungsideen bzgl. sämtlicher denkbarer imkerlicher Thematiken sind. Den Fokus legt hier natürlich jeder Einzelne anders.


    Wenn man dabei dann ernsthaft aber nicht verkrampft und mit dem nötigen Ehrgeiz, worin auch immer er begründet sein mag, an der Imkerei dranbleibt wird sie idealerweise o.g. entspannenden Hobby.


    Und sei versichert, ich mache mir auch nach mittlerweile 6 oder 7 Jahren Imkerei nach wie vor Gedanken um Kleinkram, aber es macht mir dennoch uneiengeschränkt Spaß, mit (!) an und bei den Bienen zu arbeiten.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Peter,
    natürlich dreht sich hier im Forum vieles um die Milbe, vor allem um diese Jahreszeit. Am Bienenstand selbst ist die Varroa mitlerweile bestandteil der Imkerei geworden und die Behandlungen und Kontrollen sind größtenteils fest in den Arbeitsablauf mit eingebunden, dazu gehört auch die Bildung von Jungvölkern wie hier von Honigmaul beschrieben wurde.


    Übers jammern wurde auch schon gesprochen, Landwirte jammern weil die Milch nix kostet, Teichwirte jammern über die Graureiher, seit der Kormoran bei uns aufgetaucht ist heißts ach waren das noch Zeiten als nur ein paar Graureiher um den Teich spaziert sind........:roll: und Imker jammern halt wegen der Milbe, meiner Meinung nach viele zu früh denn wenn große Schäden zu erwarten sind sieht man die sowieso erst im Frühjahr.
    Gruß Hermann

  • Guten Morgen!


    Natürlich war meine Frage provokativ gemeint - ich finde es prima das so viele von euch Ihre Sichtweise darlegen. Klar, in einem Forum wird immer eher über negative Erscheinungen berichtet, daran und an die Varroa Jahreszeit habe ich nicht gedacht. Auch muss Jule nicht den "Heulsusen Wanderpokal" bekommen :Biene:


    Ich denke ich halte es mit der Kölner (bin eigentlich Kölner) Grundeinstellung: Hätt noch immer jut jejange :)