Wieso will das nicht funktionieren?

  • Letztes Jahr habe ich einfach zweimal den Nassenheider Classic mit 60%iger Ameisensäure in die Völker gestellt und danach im Oktober noch 8kg Futtersirup pro Volk eingefüttert. Ergebnis: Drei Völker haben den Winter überlebt, eines auch das Frühjahr. Im Durchschnitt konnte ich 5kg Futter/Volk zur Ablegerbildung wieder verwerten.
    Dieses Jahr also habe ich daraus gelernt. Ich habe frühzeitig Futtersirup beschafft, die erste Behandlung mit dem Nassenheider Verdunster Horizontal und 60%iger Ameisensäure Anfang August gemacht. Dabei habe ich irgendwie ein Volk verloren. Danach habe ich begonnen einzufüttern. Dann habe ich Mitte September die zweite Behandlung wie die erste gemacht. Danach habe ich den Rest eingefüttert. Nun sitzen meine Völker auf 12-22kg Futter je nach Volksstärke. Nun war ich froh, dass alles doch so gut geklappt hat. Dann habe ich am Wochenende die dritte Behandlung wieder mit dem Nassenheider Horinzontal aber 85%iger Ameisensäure begonnen. Nun habe ich die letzten Tage die Völker beobachtet - nichts auffälliges, die Ameisensäure verdampft normal. Gestern habe ich dann festgestellt, dass 35% der Völker plötzlich tot sind. Vor dem Flugloch und in der Beute liegen sehr viele Bienen tot. Ich weiß allerdings nicht, was da schiefgelaufen ist. Ich habe soweit alles nach Anleitung gemacht. Also so, wie es in der Anleitung des Nassenheider Verdunsters und wie es Herr Becker selbst auch beschreibt.
    Klappt aber so nicht, ich erkenne keinen Fehler. Ich hätte sowieso lieber Oxalsäure im Winter benutzt, wenn es denn in den Hinterbehandlungsbeuten gehen würde.
    Ich habe schon gedacht: "Wenn Herr Becker schreibt, dass er seit 15 Jahren keine Völker mehr durch die Varroa verloren hat, wie viele er wohl durch die Varroabehandlung verloren hat!"


    Bedenkliche Grüße
    Friedrich

  • In der Anleitung steht aber , und das sagt auch Becker, so : unmittelbar nach dem Abschleudern die 1.Behandlung ,NH-horiz. 60 % AS ,dann gesamte Menge Futter geben . Dann wiederum AS wie vor.Jetzt nur noch Milben zählen und nicht mehr im Volk rumrühren. So verfahre ich bisher jedes Jahr.
    Anfang Dez. dann Oxuvar träufeln. Dann kann der Frühling kommen.


    Optimistische Grüß
    hannes

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  • Hallo Friedrich,


    die Sache mit den Nassenheidern ( + Hinterhandlungsbeuten) ist manchmal nicht ganz einfach ...
    -> Wenn Du die einfachen Verdunster bei kühler Witter nicht direkt an das Brutnest hängst, dann ist die Verdunstungsrate zu gering / wenn Du in den HBs die Dinger dann also an die 3...4 Wabe stellst läßt sich die tägliche Verdunstungsmenge schwer kontrollieren (-> 20ml/Raum/Tag über 10 Tage sagt mein Pate).
    -> Wenn Du die Nassenheider horizontal benutzt, dann kann man schnell überdosieren. Besonders bei AS 85%.
    -> Terminlich könnte Deine 1. Behandlung (Anfang August) etwas spät gewesen sein und die im Oktober verstehe ich gar nicht ... (Wenn die ersten beiden Behandlungen erfolgreich waren - warum?)
    -> Bei den HBs machen sich Windeln nicht so gut. Bei meinen Magazinen habe ich da einen besseren Einblick.


    Entweder Deine Völker waren schon zu sehr Milben-geschwächt, oder Du hast zu stark dosiert (Wintertraube - ausreichende Ventilation??), oder Du hast ein PSM-Problem oder ....
    Ich werde speziell wegen meiner HBs OS-Verdampfung im Dezember machen.


    Gruß Jörg


  • Klappt aber so nicht, ich erkenne keinen Fehler. Ich hätte sowieso lieber Oxalsäure im Winter benutzt, wenn es denn in den Hinterbehandlungsbeuten gehen würde.
    Ich habe schon gedacht: "Wenn Herr Becker schreibt, dass er seit 15 Jahren keine Völker mehr durch die Varroa verloren hat, wie viele er wohl durch die Varroabehandlung verloren hat!"


    Friedrich


    Hallo Friedrich!


    Ich persönlich bin auch ein Freund des Nassenheider-Horizontalverdunsters, aber mit dem Unterschied, dass ich die Restentmilbung mit Oxalsäure durchführe. Mit diesem Konzept bin ich bisher sehr gut gefahren. Ich möchte nichts verschreien, hatte bisher noch nie einen Ausfall durch Varroa oder durch die Varroabehandlung mit dem Nassenheider-Horizontalverdunster oder durch die OS-Behandlung. Vor mehreren Jahren hatte ich meine Völker mit der Medizinflasche nach Liebig behandelt. Dabei ist mir der Fehler passier, dass sich die Dochtenden umgeknickt haben und die AS unkontrolliert ins Volk getropft ist. Da war die gesamten AS in einem Tag weg. Die Bienen hingen in großen Trauben vor dem Flugloch. Durch diese Prozedur verlor ich 3 von ca 20 Königinnen. Dieser Verust ist meine Schuld, da kann ich niemand anderen dafür verantwortlich machen.



    Fehler, die ich in Zusammenhang mit der Varroa oft erkennen kann:


    1. Die Herbstlastigkeit:
    Unbedingt so bald wie möglich Abschleudern, bei uns um den 20. Juli herum, und sofort die erste Behandlung setzen. Dann zügig auffüttern und dies bis ca 15. September abschließen und die 2. Behandlung mit AS durchführen. Die 2. Behandlung aber auch nicht früher machen, denn sonst könnte man durch Re-Invasion wieder Schaden erleiden.


    2. Bei einem Völkerzusammenbruch durch Varroa wird die Ursache oft falsch diagnostiziert:
    Sollte es im Herbst zu einem Varroaschaden kommen, so ist bei der Varroabehandlung des Vorjahres etwas schief gegangen, es haben zu viele Milben überlebt. Wenn einmal abertausende Varroen in einem Volk sind, nützt die beste Varroabehandlung nichts mehr. Die Völker habe augenscheinlich noch viele Bienen, es sind aber alle geschädigt und kurzlebig. Der Teufelskreis beginnt, die geschädigte Brut schlüpft, wird von den noch vorhanden Bienen gefüttert und hochgepäppelt, wodurch sich die Pflegebienen verausgaben und selbst kurzlebig werden. Noch bevor die jungen Bienen ihrerseits die Brutpflege aufnehmen können, sterben sie ab. Von einem Tag auf den anderen ist dann die Kiste leer.


    3. Die Restentmilbung wird zu früh oder zu spät durchgeführt:
    Solle zur fortgeschrittenen Jahreszeit festgestellt werden, dass noch zu viele Milben im Volk sind, so hat es keinen Sinn die Restentmilbung vorzuziehen. Den, mit Varroa befallenen Bienen, kann nicht mehr geholfen werden, die sind schon geschädigt, das wird nicht mehr anders und neue Brut wird um diese Jahreszeit nicht mehr erzeugt. Bei der Restentmilbung unbedingt auf Brutfreiheit warten. Der Monat Dezember ist der sicherste. Im Jänner kann es schon zu Bruteinschlägen kommen. Ist da die Restentmilbung noch nicht durchgeführt, ist der Grundstein für die nächste Katastrophe schon gelegt.



    4. Sich nicht auf den natürlichen Milbenfall verlassen:
    Da kann es passieren, dass sämtliche abfallende Milben durch Raubinsekten wie z.B. Ameisen, Ohrwürmer usw. verschleppt werden. Auch Wespen verschleppen Milben wenn sie in die Varroalade gelangen können.



    In deinem Fall stellt sich bei der 3. Behandlung die Frage, wie viel AS ist pro Tag verdunstet, war das viel zu viel, denn eine geringe Erhöhung der Dosis verkraften die Bienen. Weiters stellt sich die Frage, wie war das Flugloch beschaffen? Es darf nicht eingeengt sein, es muss die volle Breite haben. Die Bienen müssen Gelegenheit haben, dass sie die überschüssige AS beim Flugloch hinaus fächern können.


    MfG
    Honigmaul

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  • Zitat

    Dann habe ich am Wochenende die dritte Behandlung wieder mit dem Nassenheider Horinzontal aber 85%iger Ameisensäure begonnen


    Ich bin kein Ameisensäureprofi, daher meine Frage: Warum behandelt man um diese Zeit noch mit AS, die Temeratur, zumindest bei uns hier ist doch schon viel zu niedrig oder irre ich mich da?

  • AS um diese Zeit ist Quatsch. Hat das Volk bis jetzt überlebt, schafft es auch die Zeit bis zur Restentmilbung im Nov/Dez. Oder aber es ist sowieso nicht mehr zu retten. Fläming, was du da veranstaltest ist grob fahrlässig. Wer hat dich dementsprechend beraten?

  • hallo,


    ich kann Günther und luxnigra nur zustimmen!


    Um so früher man die erste Behandlung macht, desto besser. Die Milben, die da Abfallen, können sich schon mal nicht mehr vermehren, und einen 2. bzw. 3. Behandlung gibt ihnen dann den Rest.


    Imkerei Fläming
     
    ich würde dir raten, im Sommer nicht allzulangen mit dem Abschleudern zu warten und sofort eine Behandlung zu machen!
    Wenn du keine späte Tracht hast (Heide), müsste das doch kein Problem sein?
    Und noch was: Wenn du die Behandlung startest, würde ich etwa 1-2 Stunden nach Beginn noch mal nach den Bienen schauen. Sind die Bienen sehr unruhig, ist die Dosierung zu hoch!


    lg

    Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen

  • Hallo Friedrich,
    der Nassenheider horizontal tropft die AS gnadenlos auf das Horizontaltuch, egal, ob sie dort verdunsten kann oder nicht. In der vergangenen Nacht hatten wir hier -1°C. Ich nehme an, dass die AS dann nicht mehr verdunstet. Daher tropft sie dann vom Horizontaltuch in das Volk. Dieses kann bei diesen Temperaturen aber nicht mehr ausweichen und stirbt, ganz besonders bei 85%. Tut mir leid für dich.
    Gruß Ralph

  • Hallo Friedrich,
    der Nassenheider horizontal tropft die AS gnadenlos auf das Horizontaltuch, egal, ob sie dort verdunsten kann oder nicht. In der vergangenen Nacht hatten wir hier -1°C. Ich nehme an, dass die AS dann nicht mehr verdunstet. Daher tropft sie dann vom Horizontaltuch in das Volk. Dieses kann bei diesen Temperaturen aber nicht mehr ausweichen und stirbt, ganz besonders bei 85%. Tut mir leid für dich.
    Gruß Ralph


    Hallo,
    unter dem Horizontaltuch sollte eigendlich noch eine Folie liegen damit AS nicht nach unten durchtropft. Es könnte dann nur die AS am Rand nach unten tropfen und nicht in die gesamte Bienentraube. Davon können dann zwar einzelne Bienen betroffen sein, aber ganze Völker? Möglicherweise gibt es auch keinen Zusammenhang mit der jetzigen Behandlung.
    Bei mir sind Völker die ich aus diversen Gründen, z.B. Honig noch nicht geschleudert, erst später behandelt habe auch überwiegend tot.


    Friedrich ,
    lagen auch Wachsstückchen auf den Flugbrettern?


    Grüße
    Thomas

  • Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.
    Vielfach wurde die Frage gestellt, warum ich jetzt behandle. Nun wie ich schrieb habe ich mich an die Anleitung von Herrn Becker gehalten (Link siehe oben). Und dieser sieht eben eine Restentmilbung Anfang bis Mitte Oktober mit dem Nassenheider horizontal und 85%iger Ameisensäure vor.
    Seit Anfang September habe ich nicht mehr die Waben auseinander gerissen, um das Volk nicht mehr zu stören (außer eben durch die Behandlung).
    Anfang August habe ich den letzten Honig geerntet. Erst hatte ich vor die Heide noch zu nutzen. Jedoch war mir dann das Risiko zu hoch und ich wollte, inbesondere wegen der im letzten Jahr misslungenen Behandlung erstmal die ganz einfache Behandlung richtig hinbekommen. Zum Glück habe ich mich so entschieden, da die AFB-Probe, die ich zur Wanderung benötigte, aufgrund zu vieler anderer Sporen, wahrscheinlich aus Pollen, nicht ausgewertet werden konnte.
    Wachskrümel liegen nirgendwo, d.h. die Völker wurden nicht ausgeraubt, was sich auch schon dadurch ergibt, da die Fluglöcher von toten Bienen verstopft sind. Die Beschaffenheit der Fluglöcher wird, danke für den Hinweis, wohl das Problem sein. Ich habe sie eingeengt gelassen. Jetzt habe ich sie erstmal schnell soweit wie möglich geöffnet. Ist das richtig oder ist dann die Gefahr von Räuberei auch wieder zu hoch? Ich habe dieses Jahr nämlich schon fünf Völker durch Räuberei verloren. Wie viel Ameisensäure jetzt verdunstet ist, muss ich nachher erstmal gucken.
    Nun überlege ich entweder einen kleineren Docht zu verwenden oder nur 60%ige Ameisensäure zu nutzen. Was würdet ihr mir empfehlen?


    Freundliche Grüße
    Friedrich


    P.S. Wie kann es denn grob fahrlässig sein sich nach einer Anleitung zu richten, wenn doch jeder Imker einem wieder etwas anderes erzählt?! An irgendetwas muss man sich doch als Anfänger halten. Warum nicht an die aus Erfahrungen erwachsenen Konzepte bekannterer Imker, insbesondere, wenn man deren Erfindung anwendet?

  • Ganz einfach: bei den jetzigen Temperaturen verdunstet KEINE Ameisensäure mehr. Behandlungen sind bei mir grundsätzlich bis Mitte September abgeschlossen.
    Ganz allgemein: Lies mehrere Anweisungen zur Behandlung und nimm nicht nur eine Meinung. Das, was sich an Aussage dann wie ein roter Faden durchzieht, das würde ich dann machen. Fragst Du 3 Imker, bekommst Du 5 Meinungen, aber mind. 2 davon sind recht nah beieinander und die ziehe ich mir dann raus. Wenn Du nur einen fragst und der erweist sich als der falsche, dann hat das fatale Folgen. Und: auch das Bauchgefühl liegt oft richtig.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi