Reinvasion - aber so stark?

  • "viel Brut = viel Milben"


    Viel Brut bedeutet vielleicht - aber nicht zwingend - auch mehr Varroamilben. Das gilt nur für die absolute Zahl der Varroamilben. Diese Größe ist für Schadwirkungen völlig irrelevant.


    Die Schäden entstehen erst dann, wenn ein Volk nicht mehr richtig funktionieren kann. Und richtig funktionieren kann ein Volk nur dann nicht, wenn die anstehenden Aufgaben - von der Brutpflege bis zur Propolisierung - nicht ausreichend erfüllt werden. Und hier ist eben nicht die absolute Zahl der im Volk vorhandenen Milben relevant, sondern die hervorgerufenen Schäden. Und diese Schäden sind nicht allein abhängig von der Anzahl der Milben.


    Deswegen sind große und vermeintlich starke Völker von Zusammenbrüchen betroffen, wie die kleinen Hungerkünstler. In diesem Forum wurde immer wieder auf die Arbeit von Martin Dettli verwiesen, der das ganz wunderbar dokumentiert hat. Diese Ergebnisse spiegeln auch meine Beobachtungen wieder.


    Der Eintrag von Pestiziden aus der Kulturlandschaft ist bereits groß genug. Jedoch sind die vom Imker in den Stock verbrachten Varroazide als Akarizide immer auch Insektizide. Egal, welches Mittel Du als Imker verwendest - immer sind auch sichtbare oder unsichtbare Bienenschäden zu erwarten. Und sie finden sich bei genauer Betrachtung auch. Wir schädigen die Bienen bei der Anwendung von "Medikamenten" immer zusätzlich.


    Nun können wir diese Wirkungen als Nebenwirkungen abtun und nicht weiter beachten. Damit begehen wir aber einen folgenreichen Fehler, indem wir die mögliche zusätzliche Schädigung übersehen und den daraus resultierenden Kollaps nicht verstehen.


    Hier ist das Imker-Einmaleins neu zu erlernen.


    (1) Ein Verlust von Flugbienen wird durch schneller erwachsen-werdenden Jungbienen ersetzt.
    (2) Die Folge ist mangelhafte Brutpflege durch zuwenig Ammenbienen.
    (2a) Daraus resultiert eine Mangelversorgung mit Futtersaft. Das erhöht die Varroareproduktionsrate, weil diese inaktiviert im Futtersaft schwimmt - bis dieser aufgebraucht ist. Ist nur wenig Futtersaft vorhanden, beginnt die Varroamilbe auch früher mit der Reproduktion und in der Folge zieht sie mehr Junge pro Brutzyklus auf.
    (2b) Geringer Futtersaft bedeutet auch kürzere Lebenserwartung. Die Flugbienen sterben schneller - der Durchgang wiederholt sich bei (1).
    (2c) Mangelnde Brutpflege bedeutet auch geringere Temperaturen = längere Entwicklungszeiten der Bienenbrut. Das sind optimale Bedingungen, weil die Milbe noch mehr Zeit zur Reproduktion hat, bis die Biene schlüpft. Auch hier verkürzt sich die Lebenserwartung - der Teufelskreis startet wieder bei (1).
    (3) Einige Pestizide - wie zum Beispiel Imidacloprid - verlängern die Schlupfdauer. Ich kann mir vorstellen, daß es auch für einige Varroazide gibt, welche die Schlupfzeit der Bienen verzögern. Wurde so etwas schon untersucht?


    Die Varroamilbe bekommt vorne und hinten jeweils einen oder zwei Tage Zeit geschenkt, wenn die Brut unterversorgt ist.


    Das reicht für eine regelrechte Explosion der Milbenpopulation aus, da die Vermehrungsrate in diesem Fall nicht linear, sondern exponentiell verläuft.


    Es ist eigentlich egal, was die Ursache für die Unterversorgung der Brut ist. Schwache Legeleistung der Königin. Honigernte ohne Futterersatz bei schlechten Trachtbedingungen. Unterversorgung mit Pollen. Oder eben Pestizide und damit auch: Varroabehandlungsmittel.


    Wenn ich Medikamente bei Volk A einsetze, kann es je nach Gesundheitszustand des Volkes andere Wirkungen entfalten, als bei Volk B mit geschwächten Gesundheitszustand. Aus welchem Grund auch immer das Volk B geschwächt ist.


    Und das ist auch der Grund, weswegen große Völker mit wenig Milben zusammenbrechen. Weswegen große Völker mit viel Milben zusammenbrechen. Weswegen kleine Völker mit viel Milben zusammenbrechen. Und kleine Völker mit wenig Milben zusammenbrechen.


    Und weshalb es im Herbst "plötzlich" massenhaft Milben auftreten. Komischerweise immer nach einer Behandlung - so korrekt die Behandlung auch ausgeführt sein mag.


    Hier sollte vermehrt Augenmerk auf das Potential der Varroazide zur indirekten Schwächung des Biens gelegt werden.


    Wenn Varroazide Brut abtöten/schädigen, Jungbienen weniger lang leben lassen und so weiter - dann gibt es einen Bumerang. Das ist bei der Betrachtung, wie so ein Bienenstock funktioniert, nur folgerichtig.


    Siehe auch: http://immenfreunde.de/forum/download/file.php?id=133


    Die Dokument genannten Aspekte der mikrobiellen Störung durch Pestizide/Varroazide und der damit verbundenen Unterversorgung mit essentiellen Nährstoffen - woraus wiederum eine kürzere Lebenserwartung und allgemeine Immunschwäche folgt - sind noch weitere unbeachtete Forschungsgebiete.


    Freundliche Grüße
    Bernhard

  • Meiner Meinung nach kann man eine Reinvasion der Varroa schon bestätigen. ... Fakt ist also: Es gibt eine Reinvarsion, diese ist aber eher darin zu suchen, dass die eingesetzte Behandlungsmethode nicht richtig gewirkt / angeschlagen hat.


    Reinvasion hat nichts mit der Behandlung zu tun! Reinvasion ist eine Invasion nachdem die Invasoren bereits geschlagen - also vernichtet oder dezimiert - waren, die Behandlung also gewirkt hat. Nach fehlgeschlagener Behandlung kann es nicht zu Reinvasion kommen, weil die vorangegangene Vernichtung fehlt. Es kommt dann zu ganz normaler Invasion oder Infektion oder eben zu einer ganz normalen Milbenentwicklung.


    Ihr müßt doch mal die Begrifflichkeiten auseinander halten, sonst wird das nichts mit dem Erkenntnisgewinn.


    Da es Invasion - als ganz normale Verbreitung der Milbe - gibt und wirksame Behandlungen, muß es folglich auch Reinvasion geben und wir müssen über deratig primitive Grundlagen nicht streiten. Wie Milben in milbenfreie Völker kommen - Verflug, Einzug, Räuberei, Beraubt-werden - sollte jedem klar sein. Und daß es milbenfreie Völker gibt auch. Daß diese milbenfreien Völker heutzutage irgendwie entmilbt werden mußten ist auch klar.


    Also was soll die Diskussion über Reinvasion?


    Ist Euch bekannt, daß manche spätrachtnutzenden Berufsimker, unbehandelte Wagen nach der Spättracht ganz strikt räumlich von den bereits behandelten trennen und getrennt halten? Warum bloß machen die das? :eek: Ob das was mit Reinvasion zu tun haben könnte? Ich glaube nicht. Es wird wohl was mit Energiefluß und Erdstrahlen zu tun haben, denn die kann man ja nachweisen und verstehen. Reinvasion aber eher nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Bernhard,
    habe es auch so beobachten können, die Anfang August erfolgreich behandelten Völker waren 2 Monate später wieder so befallen, dass ich als Neuling in den "Genuss" kam Krabbler und auf Flugbrett und Flugbienen sitzende Milben beobachten zu können. Die nächste "erfolgreiche Behandlung war wieder zum Heulen angesichts der vielen toten Jungbienen.
    Was habe ich für eine Alternative? Bienengerechte Imkerei ist mein Ziel, doch wie sieht die aus?

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • ... Deswegen sind große und vermeintlich starke Völker von Zusammenbrüchen betroffen, wie die kleinen Hungerkünstler. ...

    Danke, daß Du Dir die Mühe machst, das Varroseproblem in seinem perfiden Zusammenspiel in zweiter und dritter Ebene zu erläutern, während andere noch streiten , ob es Reinvasion nun gibt oder nicht.:daumen:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Die Praxis sieht aber anders aus! Gerade die Bienen aus dem Varroatoleranzprojekt stehen dieses Jahr schlecht da, (eigentlich jedes Jahr, aber mittlerweile kann man es nicht mehr verbergen).


    Moien Nico,
    Welches Toleranzprojekt meinst Du? Das luxemburgische oder die deutsche AGT, oder alle beide.
    Ich habe bisher noch kein Lamento mitgekriegt.


    Hier gab es doch schon mal eine Aussage von Dir, das lux. Varroatoleranzprojekt stecke in einer
    Sackgasse. Nachfragen beim Kollegen PJ erbrachten aber schnell den Beweis, das dem nicht so war.
    Du bist ca. 1120 km näher zu Paul wie meine Wenigkeit.
    Dennoch , bitte sei so lieb und untermaure künftige Aussagen mit Fakten.


    Wenn ich es immer wieder (trotzdem) nicht lassen kann, ab und zu im Forum zu grasen, so ist das dem
    hohen informativen Wert zuzuschreiben.


    Wenn nun etwa jemand schreibt:
    "Dass die Bienen aus dem Varroatoleranzprojekt dieses Jahr schlecht da stehen, weiss inzwischen jedes Kind "
    dann ist dies eine Information ohne jeglichen Wert,sprich Blech. Für mich jedenfalls.


    Ciao, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Wenn ich es immer wieder (trotzdem) nicht lassen kann, ab und zu im Forum zu grasen, so ist das dem hohen informativen Wert zuzuschreiben.

    Danke für die :p_flower01: an die Forengemeinde. :liebe002: ... und mit dem Rest liegst Du auch nicht neben der Spur.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wow Bernhard: genau das hab ich schon mehrmals versucht hier zu erklären. Deutsche Sprach, schwere Sprach!


    @Nobbi: Da geh ich jetzt nicht weiter drauf ein. Steht alles auf Papier. Letzten Winter war die Carnicagruppe dran mit den Völkerverlusten, diesen Herbst nun die Buckfastgruppe. Hat aber nichts mit der Rasse zu tun, sondern mit der ständigen Besamung und somit Schwächung des Biens. Denn die C-Züchter wo Standbegattung machen, hatten unterdurchschnittliche Verluste. Und du glaubst gar nicht, was die Varroatoleranzzüchter an Unmengen an Behandlungsmittel in die Völker kippen. Es wird nicht weniger, sondern mehr.
    So, und nun lasset uns warten, das Frühjahr bringt den Beweis!

  • Hallo Nico,


    Entschuldige, ich bin nicht besonders gut drauf, weil heute morgen ein Ex-Imkerkollege auf dem lokalen
    Markt gegen mich handgreiflich wurde, nur weil auch ich meine einige Hundert Kilo Honig irgendwie an den Mann oder die Frau bringen muss, dies ohne Absicht der Bereicherung, sondern allein um meine Hobbyzucht
    zu finanzieren.
    Standbegattung hat wie Du sagst nicht nur Nachteile, und hat mir dieses Jahr drei Perlen von K. gebracht, mit denen ich unbedingt weitermachen will, dann aber auf die Insel oder ab ins Gebirge mit den Töchtern !


    Klammer auf " R e i i i i i i n e r, liest Du mit ? " Klammer zu.


    Leider ergibt sie auch immer wieder Stecher und eine diesjährige K. abzudrücken ist nicht besonders lustig.
    Blieb mir leider in den letzten Tagen nicht erspart, obschon ich fühlte, dass es für die Bienen eine gute K.
    war: schönes Brutbild, reichlich Vorräte, wenig Milben, ausgezeichnete Abwehr am Flugloch. Nur eben diese nicht zu verantwortende Stechlust.


    Morgen steig ich ins Gebirge, um den heutigen Frust abzubauen.


    So weit ist man in D oder L noch nicht, dass es Prügel gibt, wenn man mit Honig Konkurrenz macht.
    Frankreich ist arm geworden, und besonders in ländlicher Umgebung verteidigen arme Schlucker ihr Brot auf ihre Weise. Ein drohendes Marktverbot oder Platzverweis nehmen Die in Kauf.


    Ciao, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.



  • Hallo,
    ja, mit der Aussage kann man das Politikerdiplom bestehen: Nix ist falsch, aber wenn man nach der Aussage sucht, die weiterhilft, wird's schwer.
    Mir geht das seit nunmehr zwei Jahren so: Zweimal Ameisensäure - u.U. nicht viele Milben gefallen und trotzdem im Frühjahr leere Kisten.
    Aber ich hab ja auch keine Ahnung. Deshalb muss ich nicht wissen, warum die Bienen nicht weiter konnten.
    An Schäden durch die Landwirtschaft glaube ich wegen meiner Lage im Wald nicht so recht. Zwar liegen einige Fläche noch gerade so im Flugradius (3 km) aber so lukrativ ist Mais ja nun auch nicht. Raps hab ich erst im kommenden Jahr nach zwei Jahren (meine miesesten seit 40 jahren, was die Überwinterung betrifft) wieder im Flugbereich. Pollenversorgung ist sonst o.k. sogar vorige Woche war noch was zu holen.
    Meine Meinung:
    Wenn die Varroa uns 50 Jahre eher erreicht hätte, hätte es eine chemische Keule in Form eines systemischen Medikaments gegeben, die die Milben relativ schnell "erschlagen" hätte. Aufgrund der geringen absoluten Wirkstoffmenge wären die Nebenwirkungen nicht in Erscheinugn getreten.
    Man ging dann ohne Milben zur Tagesordnung über und könnte sich weiter friedlich über Carnica oder Buckfast oder Nigra streiten, was ich heutzutage für völlig sinnfrei halte. Bin froh, wenn überhaupt ein Volk überlebt. Letztes Jahr waren es 3 und drei viertel von 15.


    Heute wird aber alles und jedes von vorn bis hinten bedacht - dabei legt man sich von vornherein Fesseln und Denkverbote an. Ist ähnlich wie mit der Eurorettung: Wenn man nicht konsequent vorgeht, dann gewinnen die Stärkeren. Die trauen sich nämlich....


    Was wir hier betreiben ist meiner Ansicht nach ein Sterben auf Raten. In der übrigen Landwirtschaft wird nach Ansicht einiger hier schreibender Protagonisten ordentlich Gift eingesetzt, um an's Ziel zu kommen. Das machen die Landwirte wahrscheinlich auch aus purer Notwehr - nur die Imker meinen mit "Bell, Book and Candle" auszukommen. Risiko und Nebenwirkungen tragen wir alle.
    Ausgerechnet die Imker versuchen es mit allerlei harmlosen Kräutlein, Puderzucker, kleinen Zellen, "gut zureden" und glauben an ein schnelles Wunder der Evolution, die überall woanders Millionen Jahre für die Wunder gebraucht hat, die uns heute umgeben.....
    Schade, daß es unter diesen Bedingungen bald keine Bienen mehr geben wird. Sie hätten wohl bessere Beschützer verdient.
    Der Mensch hat durch die Globalisierung die Varoas (wie sie immer auch gerade genannt werden sollen ist mir volkommen egal - anstatt die Biester neu zu benennen, hätte man sie lieber vernichten sollen) über die Welt verteilt und sieht sich nun nicht mehr in der Lage, die Büchse der Pandora wieder zu verschließen, weil das nach Ansicht Vieler ein eklatanter Eingriff in die Natur wäre.
    Meiner Meinung nach verkehrte Welt - aber das ist ja in der westlichen Welt zur Zeit en vogue.


    Grüße ralf_2

  • ... aber wenn man nach der Aussage sucht, die weiterhilft, wird's schwer. ...

    Also so schwer ist es nun nicht, zu erkennen, daß sich die Milben in durch Milbenschäden schlechter pflegenden Völkern überdiemaßen vermehren können.

    Mir geht das seit nunmehr zwei Jahren so: Zweimal Ameisensäure - u.U. nicht viele Milben gefallen und trotzdem im Frühjahr leere Kisten.

    Dabei kannst Du hier immer wieder lesen, daß es auf den Fall während der Behandlung nicht ankommt, weil es auschließlich auf das Ergebnis der Behandlung ankommt und nicht auf die "Milbenernte"

    Aber ich hab ja auch keine Ahnung.

    Dagegen kämpfen wir hier an!:wink:

    Deshalb muss ich nicht wissen, warum die Bienen nicht weiter konnten.

    Doch, sonnst kommst Du nicht weiter.

    Heute wird aber alles und jedes von vorn bis hinten bedacht - dabei legt man sich von vornherein Fesseln und Denkverbote an.

    Also viele hier erlauben den Gedanken an Reinvasion und den an unterschiedliche Vermehrungsraten der Milbe ...


    Und gerade für einfache Konzepte muß jemand mal alles von hinten bis vorne durchdenken, damit man versteht, daß im Einfachen der Trick manchmal im Detail liegt und jede Modifikation schädlich ist - so gut sie auch gemeint war.


    Ich weiß aus eigener schmerzlicher Erfahrung und viel mehr noch aus Stand- und Völkerbesuchen als BSV, daß wir Imker die Milbe eben nicht im Griff haben und daß viele Völker dem Vieh zum Opfer fallen, weil Imker einfachste vermeidbare Fehler machen. Zuviel zu denken und zu wenig zu handeln gehört genauso dazu wie das Gegenteil. Stereotypes zweimaliges Behandeln nach der Tracht ist eben nicht die Lösung aller Probleme. Natürlich kann das klappen und oft gelingt es eben auch, doch das anzustrebende Optimum ist immer eine befallsorientierte Behandlung, bei der solange behandelt wird, bis der Befall einen bestimmten Wert wieder unterschreitet. Es mag sein, daß früher, als die geringe virale Durchseuchung noch höheren Milbendruck überlebend zuließ, eine pauschale Behandlung mit zweimal AS ausgereicht hat. Auch ich habe das so am Anfang erlebt. Heute reicht genau das eben nicht mehr. Und das hat weder mit Zucht noch mit Rasse etwas zu tun, sondern ist die Folge höherer viraler Durchseuchung und weiterer externer Faktoren, wie Flugtagen im Dezember, unterschiedlichster Bekämpfungsstrategieen im selben Flugradius, Duldung von Opfervölkern zur Spätrachternte, später Zwischenfruchttrachten die klimatisch auch nutzbar sind ect. Darauf muß man als Imker reagieren und seine Betreibsweise und seine Behandlung anpassen, macht man das nicht und behandelt wieter zweimal mit AS wie immer, sterben einem die Bienen aus.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ...das ist ja in der westlichen Welt zur Zeit en vogue


    En vogue ist in der westlichen Welt wohl eher die Bequemlichkeit, sich nicht mit den Dingen zu beschäftigen und nicht selbstständig zu recherchieren. Und das obwohl über das Internet reichhaltig Möglichkeiten dazu geschaffen sind. Lieber versteckt der westliche Mensch hinter seinem Unwissen und beschuldigt andere für seine eigenen Mißerfolge. Diese Beschuldigungen sind auf dem untersten zu findenden Niveau. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, werden diese Beschuldigungen in Form von Glaubensbekenntnissen ("ich weiß nix - aber ich glaube/habe eine Meinung"!) öffentlich kundgetan.



    An Schäden durch die Landwirtschaft glaube ich wegen meiner Lage im Wald nicht so recht.


    Diese Gebiete im Hinterwald sind ebenso betroffen, wie andere Gebiete auch. Selbst am Nordpol findet sich zum Beispiel das DDT oder PCB - diese Stoffe verteilen sich eben im Naturhaushalt. Siehe zum Beispiel: http://www.sueddeutsche.de/pan…unter-pestiziden-1.658953


    Die Verteilung von Schad- und damit Wirkstoffen ist doch kein Geheimnis. Für Neonicotinoide konnte Dr. Tennekes aus den Niederlanden nicht nur eine Sättigung im Boden, sondern auch eine Kontaminierung des Oberflächen- und Grundwassers feststellen. Mit dem Wasser verteilen sich die Neonicotinoide - wie auch die anderen Schadstoffe - weltweit.


    Im Forst werden Insektizide ebenso eingesetzt, wie auf Weiden. Über die Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebenssicherheit kannst Du dir die entsprechenden Mittel heraussuchen.


    Ungeachtet dessen ist der Eintrag nicht nur von Pflanzenschutzmitteln, sondern auch von Umweltgiften durch Industrie und Abfall zu bedenken.


    Aus diesen Stoffen heraus resultiert nicht nur eine direkte Giftwirkung, sondern auch eine Verarmung des Bodenlebens und die damit verbundene Mangelernährung - siehe auch mein Dokument, wo ich auf die Wichtigkeit von bestimmten Pilzen und Bakterien für die Versorgung mit Vitaminen und Fettsäuren kurz eingehe. Verringerte Nährstoffversorgung, namentlich mit essentiellen Nährstoffen, führt direkt zu einer Schwächung des Organismus.


    Weltweit ist daher ganz folgerichtig eine allgemeine Immunschwäche bei allen Lebewesen zu finden. Siehe:
    http://www.imkerdemo.de/2011/0…chwache-im-naturhaushalt/


    Das geschieht nicht alles grundlos, sondern hat seine Ursachen.


    Gut - das ist das große Bild. Ob nun durch Umweltschadstoffe oder anderen Faktoren - für den Imker ist vor allem wichtig zu erkennen, daß er nicht nur den natürlichen Varroamilbenfall im Auge behält - sondern den allgemeinen Gesundheitszustand des Bienenvolkes. Vor lauter Varroabeobachtung wird bei einigen Imkern alles Andere außer Acht gelassen.


    Die Entwicklung des Futtersaftes und damit der Gesamtpopulation der Milben ist viel entscheidender als bisher angenommen. Hier ist es notwendig, den Futtersaftstand zu beobachten.


    Wenn jemand weiß, wie der Stand des Futtersaftes am besten zu beobachten ist - immer her mit den Erkenntnissen.



    Was wir hier betreiben ist meiner Ansicht nach ein Sterben auf Raten...Ausgerechnet die Imker versuchen es mit allerlei harmlosen Kräutlein, Puderzucker, kleinen Zellen, "gut zureden" ...Schade, daß es unter diesen Bedingungen bald keine Bienen mehr geben wird.


    Diese Aussage entbehrt jeglicher Realität. Wie lange bekämpfen die Imker in Deutschland die Varroamilbe schon mit Perizin? Und willst Du tatsächlich behaupten, dieses Mittel wäre keine schwere chemische Keule? Kennst Du überhaupt die Grundstoffe davon und deren Verwendung in der Geschichte? Woraus sie entwickelt wurden?


    Was hat denn die chemische Keule bisher gebracht?


    Erzähle mir mal, warum einige Anwender von Ameisensäure und Co. teilweise mehr Schäden haben als Nichtbehandler, Kräuterhexen oder Puderzuckerstreuer?! Das ist eine rhetorische Frage, denn ich sehe es ganz deutlich: Diese Behandlungen werden ohne Sinn und Verstand durchgeführt. Nach Gutdünken und nicht nach Befallskontrolle! Ohne das Verstehen der inneren Vorgänge im Bienenstock und was so eine Behandlung überhaupt bewirkt. Wissen die Imker immer, was so eine Behandlung an unerwünschten Wirkungen auslöst und weshalb eine Behandlung nicht nach Belieben vorgenommen werden kann? Gerade Anfänger oder lesefaule Imker nicht! Da wird der Honigraum runtergerissen und in die Futterknappheit hinein behandelt. Wer wundert sich da nicht über einen Niedergang der Völker im Herbst?


    Zu Recht sind Imkeranfänger verwirrt und machen Fehler. Es benötigt gute Kenntnisse der Vorgänge im Bienenstock. Die werden aber mit der Aufreißpackung nicht vermittelt - und deswegen richten konventionelle und unkonventionelle Behandlungen oft mehr Schäden bei den Bienen an, als sie Gutes bewirken. Henry nannte die Ameisensäure mal eine Handgranate, bei der es Kollateralschäden gibt. Das ist ein Bild, das sich jeder einprägen sollte. Es ist wichtig zu wissen, wann und wo ich diese Handgranate hochgehen lasse und wie ich Schäden bei den Bienen so gering wie möglich halte.


    Denn die Schäden addieren sich der allgemeinen Schwächung der Bienen hinzu.


    Den Vorwurf, daß sich aus den von mir gezeigten Vorgängen keine praktischen Handlungen ergeben, weise ich strikt zurück. Wie bereits weiter oben gezeigt, ist die Versorgung mit Futtersaft als Indikator für den Gesundheitszustand des Volkes zu beobachten.


    In diesem Sinne hoffe ich auf eine weitere konstruktive Diskussion und Ausarbeitung unter Ausklammerung von Gejammer und unhaltbaren Glaubensbekenntnissen.


    Danke und viele Grüße
    Bernhard