Reinvasion - aber so stark?

  • Da kann man nix machen. Unsere Zukunft liegt in der Nigra. Der Rest ist vergebne Liebesmüh. Sei froh Michael, daß uns das endlich mal jemand sagt. Denn wenn sie dann da ist gibts ja auch kein Milbenproblem mehr und keiner fragte dann nach Reinvasion oder Milbenbekämpfungskonzepten. Dann Hammer endlich Zeit für andere Hobbys ... Danke soweit.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry :

    Zitat

    Notfalls besiedeln 4 Milben oder mehr eine einzige Zelle.


    Ja, und es kommt dann keine einzige schwangere Milbe dabei raus.


    Du hast doch bestimmt das Video von den Schweizern gesehen - die Milben in der Zelle und die Umwandlung der Larve zur Puppe?
    Da ist nicht unbegrenzt Platz, als daß sich da 4 ganze Familien tummeln könnten.
    Dazu bewegt sich die werdende Biene in ihren aktiven 45 min auch recht heftig, und schon eine zweite Familie wird dabei meist vom Gemeinschaftsfutterloch und Kothaufen abgeschnitten, und noch mehr Mütter als 2 sind platzmäßig nicht unterzubringen.


    Ganz zu schweigen von den Pheromonen, die andere Milben von der Vermehrung abhalten (Diskussion letztes Jahr hier!).


    Das funktioniert also nicht so einfach, wie du dir das vielleicht vorstellst.


    Da kommen eben nicht 12 Milben von 4 Müttern raus, sondern mit viel Glück der Milben überhaupt vielleicht 2-3, die dann auch fertil sind.
    Und wenn ich mir die Brutausräumraten bei meinen Bienen ansehe, lassen die so stark befallene Puppen gar nicht schlüpfen, also null Vermehrung.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Es kommt auf die Versorgung mit reichlich Futtersaft an. Und die war schlecht, diesen Herbst. Dann kam der Imker mit seinen leeren Zuckerkalorien, die Queen legte noch mehr Eier die unterversorgt waren, wegen Pollenmangel, der ja bei modernen Linien herausgezüchtet wurde, der Pollensammeltrieb, und schwupps gabs ne Massevermehrung der Milbe.


    Wenn dem so ist, dann sollten also die guten Pollensanmmler besser mit der Milbe zurecht kommen, oder? Bisher konnte ich soetwas noch nicht beobachten. Zwischen der Parasitierung von Buckfast und Carnica und Basiszucht-Landrasse gibts keinen Unterschied.
    Die Pollenversorung meiner Völker ist diesen Herbst hervorragend, vielleicht haben sie deshalb im Vergleich zum letzten Jahr so wenig Milben? Nein, am Pollen wird es nicht liegen. Es wird daran liegen, dass ich sie letzten Winter bei Brutfreiheit mehrmals behandelte. Das dürfte die Ausgangspopulation der Plagegeister reduziert haben.

    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. (Papst Gregor I.)

  • "Du hast doch bestimmt das Video von den Schweizern gesehen - die Milben in der Zelle und die Umwandlung der Larve zur Puppe?"
    Hallo Sabiene, wo kann ich das erwähnte Video finden?
    Viele Grüße,
    Björn

  • Meiner Meinung nach kann man eine Reinvasion der Varroa schon bestätigen. Diese hängt von mehreren Faktoren ab.


    Generell gibt es bei Bienenvölkern immer eine latente, wenn auch nur leichte räuberei. Gerade in den vergangenen Spätsommertagen, wo es an manchen Standorten keine Nektar oder Pollenquellen mehr gibt ist oft zu beobachten, dass schwächere oder bereits geschwächte Völker "ausgeraubt" werden.


    Ein weiterer "Schwachpunkt" ist das verfliegen bei größerer Bienenpopulation (Mehrere Völker nebeneinander).
    Hat bei einem oder mehreren Völkern die Spätsommerbehandlung nicht richtig gewirkt (Wetter, falsche Methode usw) ist die Varroa Popolation sehr hoch, und verteilt sich dann so von einem Volk in das andere.


    Grundsätzlich ist das A und O die Behandlung der Bienenvölker nach Fertigstellung der Auffütterung. Geht man davon aus, dass nach der Einfütterung noch 1.000 bis 1.500 Milben im Volk sind, und die Behandlung z.B. mit AMS durchgeführt wurde und diese auch gewirkt hat, kann man erreichen, dass nach diesem Behandlungsstream die Varroapopulation auf < 250 Milben reduziert werden konnte. Dies ist zwar noch bei weitem kein optimales Ergebnis, gibt den Völkern aber die Chance bis zur Ouxvar - Behandlung ohne noch großer werdenen Varroadruck zu überleben. Eine "Restentmilbung" erfolgt dann mit der Oxuvar - Behandlung in der brutfreien Zeit.


    Wird ergo keine Behandlung durchgeführt potentziert sich der Varroadruck auf das Volk kontinuierlich nach oben.


    Fakt ist also: Es gibt eine Reinvarsion, diese ist aber eher darin zu suchen, dass die eingesetzte Behandlungsmethode nicht richtig gewirkt / angeschlagen hat.


    Die oben von mir geschilderten "weiteren" Reinvarsionsvarianten sind generell auch nicht von der Hand zu weisen, aber meines Erachtens nicht für einen derarig hohe Befallsgrad verantwortlich .....

  • Moin,


    das mit dem Viel Brut - Viel Milben ist irgendwie nicht raus zu kriegen, aus den Köpfen und wird immer auch mit der Wirksamkeit mit Behandlungsmitteln verbunden, vermischt und verwechselt.


    Die Reproduktionsrate der Milben ist nicht abhängig vom Brutstand im Bienenvolk solange dieser nicht gänzlich gegen null geht .



    Diese Behauptung wäre auf den ersten Blick logisch, entspricht aber nicht den Tatsachden.


    Bei Völkerzusammenbrüchen auf Bienenständen brechen immer zuerst die stärksten Völker zusammen. Nach deiner Theorie dürfte da kein Unterschied sein, bzw müssten eigentlich die schwächsten zuerst zusammen brechen.


    Das Umgekehrte kann man bei Kleinstablegern, nach der Methode Völkervermehung in 4 Schritten, beobachten. Da wird aus jeder schönen Brutwaben ein Ableger, entspricht in etwa einem 1/10 eines Vollvolkes. Demnach müssten am Ende der Saison auch wieder ein 1/10 eines Varroapopulation eines Vollvolkes da sein. Das ist aber auch wieder nicht. Bei mir war es heuer so extrem, dass trotz Behandlung bei den Ablegern kaum gefallene Milben zu sehen waren. Die Behandlung hat auf jeden Fall gewirkt, das war am Brutschaden der offenen Brut deutlich zu erkennen.



    Richtiger wäre: viel Brut - viel Milben


    MfG
    Honigmaul

  • Als bewiesen dürfte nun meine Anmerkung gelten, daß die "viel Brut = viel Milben"-Meinung - vielleicht weil sie so schön einfach klingt - aus den Köpfen nicht rauszubringen ist.


    Niemand wird direkt bestraft, wenn er das weiter genauso glaubt. Er muß dann auch nicht den Unterschied zwischen einer Brutpause und wenig Brut ergründen. Und er kann den Untergang großer Völker auf die bessere Vermehrung der Varroen in der vielen Brut schieben. Und drüber nachdenken muß er auch nicht mehr. Warum wenig Brut nie gut ist, wird sich ihm nicht erschließen. Und daß viel Brut die Völker rettet eben auch nicht ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Also ich habe dieses Jahr erstmals Gelegenheit gehabt den "schleichenden Tod" zu beobachten. Immer so 20-30 Bienen auf dem Boden rumkrabbelnd, viele mit der Milbe auf dem Rücken. Bienen mit deformierten Flügeln, gelegentlich auch auf der Wabe und ab und an nicht ausgeräumte aber offensichtlich tote Brut.
    Die erneute Behandlung ließ dann auch überraschend viele Milben fallen bei den auffälligen Völkern. Es war augenscheinlich das die Milben sich von Arbeiterinnen huckepack nehmen ließen und so halte ich eine Verbreitung allein schon durch die Veflug für möglich. Da braucht es nicht mal Räuberei.


    Wenn man da nicht genau hinschaut, fällt es gar nicht weiter auf und im Frühjahr ist der Kasten leer...


    Melanie

  • Als bewiesen dürfte nun meine Anmerkung gelten, daß die "viel Brut = viel Milben"-Meinung - vielleicht weil sie so schön einfach klingt - aus den Köpfen nicht rauszubringen ist.


    Niemand wird direkt bestraft, wenn er das weiter genauso glaubt. Er muß dann auch nicht den Unterschied zwischen einer Brutpause und wenig Brut ergründen. Und er kann den Untergang großer Völker auf die bessere Vermehrung der Varroen in der vielen Brut schieben. Und drüber nachdenken muß er auch nicht mehr. Warum wenig Brut nie gut ist, wird sich ihm nicht erschließen. Und daß viel Brut die Völker rettet eben auch nicht ...



    Gut gesagt Henry,


    Mich nervt die "viel Brut = viel Milben"-Meinung auch schon einige Jahre ganz gehörig.
    Weil sie keineswegs dem Umstand Rechnung trägt, wie ein Volk mit dem Varroa-Druck fertig wird,
    den eventuell viele Brut mit sich bringt, also erzeugen kann,


    d. h. daß ein Volk A mit viel Brut, "also" viel Milben überleben kann, ein Volk B mit wenig Brut, "also"
    wenig Plagegeistern aber schon unter dieser relativ geringen Varroa-Belastung hoffnungslos zusammenbricht.


    Genau diesem Umstand hab ich schon einige schlaflose Nächte zu verdanken.


    Wie lange kennen wir nun schon, hauptsächlich danke der US-Forschung,
    SMR Bienen, in deren Völkern die Milben-Vermehrung gestört ist,
    die VSH (Varroa Sensitive Hygienic), wo von Milben befallene Brut von den Bienen entdeckelt und ausgeräumt wird.
    Die letzte wissenschaftliche Spur in dieser Hinsicht hat ergeben, daß solche Bienen in ihrer Genetik einen
    Dopamin-Marker aufweisen, der es ihnen ermöglicht Milben-Parasitierung durch den Zelldeckel zu riechen.


    Schön und gut, aber nochmal: Wie wird ein Volk mit derartigen Labor-Eigenschaften mit Milben fertig, die dennoch vorhanden sind ? Wieviele kann es im Vergleich wegstecken ?


    Meiner Meinung nach ist Varroa-Toleranz etwas einfacheres, sprich das Resultat allgemeiner Robustheit und Vitalität.
    Die AGT, glaube ich, ist in dieser Hinsicht auf dem guten Weg.


    Mag ja sein daß ich etwas nicht verstanden habe.
    Im November kommt der US-Forscher Harris zu der Tagung der ANERCEA (die Vereinigung der franz. Königinnen-Züchter) im Jura.


    Mal sehen, was uns der Mann in Bezug auf Varroa mitzuteilen hat.


    Gruß, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.