Reinvasion - aber so stark?


  • Warum wird auf die erste Behandlung bis Ende August gewartet, da wird zumindest ein Monat verschenkt. Anderes wäre es in einem extremen Spättrachtgebiet. Dieses eine Monat kostet im Einzugsgebiet des Forums sicherlich hunderten Bienenvölkern das Leben. Die Herbstlastigkeit ist meiner Meinung eines der größten Probleme der Imkerschaft. Das stimmt sowohl bei der Völkervermehrung, als auch bei der Varroabekämpfung.


    So isses!:daumen:
    Die Milbenreduktion im Sommer ist die wichtigste Behandlung, die muß passen, je früher, desto besser. Ich hab heuer das erste Mal die totale Bauentnahme ausprobiert, aber trotzdem mitte Juli noch eine AS-Langzeitbehandlung mit dem Liebig-Dispenser und AS85 nachgeschoben (sicher ist sicher). Hier im Forum wurde geschrieben, daß man sich durch die Bauentnahme die AS-Behandlung sparen kann. Ich bin froh, daß ich die AS nicht gespart habe. Es fielen noch viele Hunderte Milben nach der AS.


    Die Bienen, die im Zeitraum ende Juli bis ende August erbrütet werden, sind die Ammen für die Winterbienen. Die sollten zahlreich und gesund sein um möglichst viel Winterbienenbrut versorgen zu können. Wenn man aber zu dieser Zeit noch mit AS stört, ist die gerade offene "Ammenbrut", und die gerade schlüpfende "Ammenbrut" erledigt. Dadurch kann das Volk nicht mehr so viele Winterbienen erbrüten, wie es sollte.


    Fazit: AS spätestens ende Juli. (Spättrachtimker haben natürlich andere Strategien)


    Viel Glück allen Völkern
    Günter

  • Zitat

    Hier im Forum wurde geschrieben, daß man sich durch die Bauentnahme die AS-Behandlung sparen kann. Ich bin froh, daß ich die AS nicht gespart habe. Es fielen noch viele Hunderte Milben nach der AS.


    Hallo Günter,
    komplette Brutentnahme allein ist unzureichend. Die Anzahl der Milben in der Brut schwankt stark und kann zwischen 70% und 90% liegen. Wenn du Pech hast, bleiben nach der kompletten Brutentnahme 30% der Milben im Stock. Daher muss zwingend eine Fangwabe mit jüngster Brut gegeben werden. Wie ich gerade gelesen habe, ist die phoretische Phase der Jungmilben stark verlängert, so dass es wichtig ist, am besten eine Fangwabe mit Stiften zu geben, was ich bisher auch nicht wusste.
    Meine Brutsammler habe ich mit Leerwaben als Fangwaben mit Entnahme nach 14 Tagen entmilbt und diese haben tatsächlich auffallend wenig Milben.
    Ich habe meine Völker nach der biologischen Behandlung nicht weiter behandelt und bis jetzt leben alle. Die Milbenzahl scheint jetzt wieder hoch zu sein, ein Volk zeigt in geringem Maße DWV. Ich behandle jetzt aber nicht sondern warte auf die erste Frostperiode.
    Gruß Ralph

  • Hallo Honigmaul,
    bitte nicht falsch verstehen, möchte keine Werbung machen und sachlich bleiben.
    Wenn im Vorjahr, bei Brutfreiheit mit dem Oxamat bedampft wird, verblieben nur ganz wenige Milben im Stock. Daher sind Ende Juli kaum Milben vorhanden.
    Erst 4 Wochen später so um Kalenderwoche 35 steigt die Milbenbelastung. Um Mitte September geht es dann richtig los, das hält sich, bis der starke Bienenflug jahreszeitlich bedingt, weniger wird.
    Daher sind die Monate September und Oktober die wichtigsten Monate bei der Varroabehandlung. Noch vorhandene Varroen schädigen weiter die Bienen, daher sollte auf möglichst geringe Milbenbelastung, auch jezt noch geachtet werden.
    Der überwiegende Anteil der Milben ist, wenn richtig behandelt wird, nicht selbst produziert. Er kommt von den Imkern, die falsch bzw. nicht wirkungsvoll oder gar nicht behandelten. Ameisensäure und Thymolpräparate wirken im September und Oktober nicht mehr, die Nächte sind oft zu kalt.


    Völlig daneben liegen die Autoren in den Berichten der Imkerzeitschriften, hier werden die Monate Juli und August als sehr wichtig bertachtet. Viele Imker richten sich danach, mit entsprechenden
    Folgen.



    E. Alfranseder

  • Völlig daneben liegen die Autoren in den Berichten der Imkerzeitschriften, hier werden die Monate Juli und August als sehr wichtig bertachtet. Viele Imker richten sich danach, mit entsprechenden
    Folgen.


    Ja, ich richte mich danach, mit den Folgen, daß bei mir immer gesunde Völker in den Winter gehen und ich im Winter nur ganz geringe Ausfälle hab. August ist allerdings spät für die erste Behandlung.


    Zitat

    Daher sind Ende Juli kaum Milben vorhanden.


    Wie kommst du zu dieser Aussage?
    Wenn ich meine erste Behandlung ca. mitte Juli durchführe, finde ich tausende auf der Windel und das trotz Winterbehandlung und Drohnenschneiden.


    Kleingartendrohn
    Ich hatte Fangwaben gegeben, die ich 2 Wochen später wieder entnommen hab. Wie so viele Milben in den Völkern verbleiben konnten, ist mir ein Rätsel. Das mit der Eierwabe ist mir allerdings neu. Das werd ich nächstes Jahr ausprobieren. Zur Sicherheit werd ich aber auch eine Langzeit-AS nachschieben.


    Viele Grüsse
    Günter

  • Hallo Summsi,


    erst in der letzten Augustwoche führe ich Kontrollbedampfungen durch, vorher sind nur wenige Milben zu finden.
    Wichtig ist eine effektive Ablschlußbedampfung in der brutlosen Zeit. Wenn da nur wenige Milben übrig bleiben hat man bis Ende August keine Probleme mit den Milben.


    E. Alfranseder

  • Hallo Miteinander,
    auch der Juli ist schon zu spät zum Behandeln.
    Behandeltwerden müssen schon die Schwärme und Kunstschwärme bei ihrer Bildung.
    Das ist eine Investition in die Zukunft.
    Wenn man bei einem Altvolk die Varroa nicht in den Griff bekommt,
    sollte man sich vielleicht mal überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist,
    so ein Volk mit über den Winter zu nehmen.
    Ich meine, irgendwo müssen wir ja mal bei der Auslese der Varroa anfangen und solche hartnäckigen "Biester" wären da ein Anfang.
    Da diese "Hartnäckigkeit" zumindest zur Hälfte auch vom Bienenvolk herrührt.
    werden wir irgendwann den Schnittpunkt "Behandelbare Varroa - Toleranz des Volkes" finden.
    Nachdenkliche Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Erich,


    ich bin selbst noch auf der Suche nach dem geeigneten Behandlungskonzept für meine Bienen/Milben. Nachdem ich verschiedene Methoden getestet habe bin ich von der Oxalsäureverdampfung (Umluftverfahren) für die Winterbehandlung sehr angetan.


    Ich muß aber betonen, daß Du auch mit einer "Testbedampfung" im Sommer (Juli oder Anfang August) gar keine Chance hast den aktuellen Milbenbestand abschätzen kannst, weil die (70%) Milben alle noch in der Brut sitzen.
    Wie hier in diesem Fred schon ausgiebig diskutiert wurde ist in diesem Zusammenhang auch diese scheinbar "massive Reinvasion" zusehen.


    Mein Fazit: AS-Langzeitbehandlung mit Nassenheider horizontal im Juli, nach Bedarf Ende Aug. noch einmal und Winterbehandlung mit OS im Dezember.


    Gruß Jörg

  • ....Ameisensäure und Thymolpräparate wirken im September und Oktober nicht mehr, die Nächte sind oft zu kalt...


    Moin Erich,
    schau mal hier die Empfehlung / Wettersituation die letzten Jahre an, da geht oft mehr als man vielleicht vermutet:
    http://www.am.rlp.de/Internet/…7393002c7003?OpenDocument


    momentan geht leider der Rückblick (dropdown bei Monat und Jahr) nicht, aber ich denke das wird bald wieder gehen. Diesen Oktober war am Anfang noch gutes Behandlungswetter. Andere Regionen (mit vergl. Meereshöhe) werden nicht allzuseher abweichen.


    Bei AS muss man auch etwas zw. 60 und 85er differenzieren.


    In dem heutigen Infobrief Bienen wurde sogar empfohlen, Restbrut zu entfernen bei der Behandlung (sogar bei Frost möglich und hätte den Vorteil, dass weniger Bienen auffliegen und so auch weniger Bienen verloren gehen. So wäre auch handwarme MS im Sprühverfahren denkbar, wenn man die auf Bienen sitzenden Milben erwischen will. Eine Alternative zu OS, die man auch öfter machen kann und weniger Anwender- und Bienenrisiko birgt.


    Ich persönlich ziehe möglichst die Ruhe am und im Kasten vor.

  • Zitat

    Das mit der Eierwabe ist mir allerdings neu.


    Die Schlussfolgerung habe ich selbst gezogen, nachdem ich gelesen hatte, dass Jungmilben eine phoretische Phase haben, die länger als 7 Tage ist. Wenn man eine Fangwabe gibt, die nur jüngste Brut ab z.B. 5 Tage enthält, so ist diese Wabe nach weiteren 5 Tagen verdeckelt. Daher erwischt man die Jungmilben nur zum Teil. Wenn man dagegen eine zum Bestiften vorbereitete Leerwabe gibt und diese nach 14 Tagen entnimmt, erwischt man auch einen großen Teil der Jungmilben.
    Gruß Ralph

  • Es ist schon richtig, dass jede Milbe die Bienen schädigt. Daran kann aber eine Behandlung um diese Zeit auch nichts ändern. Wenn eine Biene von einer Milbe befallen ist, dann ist die Schädigung schon da, sie hat sich schon angesaugt, die Biene hat schon ein "Bohrloch", die Viren können eindringen und das wird durch eine Behandlung auch nicht anders.

    Das erzähle ich seit Jahren, wenn ich für späte und sichere Winterbehandlung nach Reinvasion plädiere. Mir glaubt das auch immer keiner.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Deine Schlussfolgerung klingt absolut logisch:daumen:.
    Aber meinst du nicht, daß andere MW's bis zur Verdeckelung der Fangwabe auch schon im fortgeschrittenen Larvenstadium und damit mit Varroa befallen sind?


    Die einzige ausgebaute und zum Bestiften vorbereitete bzw. schon bestiftete Wabe ist die Fangwabe. Andere Waben müssen erst gebaut werden. Daher hat die Fangwabe einen Vorsprung von mindestens 3 bis 4 Tagen in der Entwicklung und fängt die Milben, die schon auf neue Brut lauern. Wenn die anderen Waben dieses Stadium erreichen, sind schon wesentlich weniger phoretische Milben im Stock. Natürlich gehen Milben auch in diese neu gebauten Waben, aber es sind wesentlich weniger, da die meisten Milben schon in der Fangwabe sitzen.
    Viele Grüße Ralph

  • ...Behandeltwerden müssen schon die Schwärme und Kunstschwärme bei ihrer Bildung..

    Hallo Lothar,
    wenn Du auslesen willst, dann, denke ich, nach einer Beobachtung der Varroa in den Völkern, die mit solch einer Behandlung nicht mehr möglich ist. Das ist eine Investition in die Zukunft.
    lG Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo,


    ich komme noch einmal auf dieses Thema, weil in der heute eingetroffenen 'Bienenpflege' 01/2012 (Verbandsblatt württembergischer Imker) folgender Beitrag von der Referentenschulung zu lesen war:
    Die Doktorandin Eva Frey untersucht die Reinvasion. Dazu heißt es in dem Bericht (Seite 12): "Vor Versuchbeginn wurden die Bienenvölker mit bewährten Methoden milbenfrei gemacht. Über den gesamten Untersuchungszeitraum sind die Hälfte der Versuchvölker dauerbehandelt worden. Die andere Hälfte der Versuchsvölker blieb unbehandelt. Dort konnten sich die von außen eingetragenen Milben ungehindert vermehren. Im Abstand von drei Wochen wurden die Völker regelmäßig geschätzt. Anhand der Bienen- und Brutproben konnte der Milbenfall ermittelt werden. Die wöchentliche Gemülldiagnose gab bei den dauerbehandelten Völkern Klarheit über den Umfang des Milbeneintrags. Der Anteil der Fremdbienen, also den zugeflogenen volksfremden Bienen, wurd permanent über die genetische Untersuchung von Flugbienen ermittelt.


    Den ersten Ergebnissen nach hängt der Milbeneintrag von außen davon ab, wie viele Völker sich in der näheren Umgebung der Versuchstandorte befinden. Alles in allen war der Milbeneintrag zwischen den Völkern sehr unterschiedlich. So wurden wöchentlich bis zu dreistellige Varroenzahlen von außen eingetragen. Im "Spitzenvolk" - eines aus der unbehandelten Kontrollgruppe - hat sich innerhalb des Versuchzeitraum einen Brutbefall von über 90% hochgeschaukelt. Bei der Restentmilbung (am Versuchsende) sind über fünftausend Milben gefallen. (Hervorhebungen durch mich)
    Genau genommen bedeutet das, dass sich die Milbenpopulation alleine durch den Milbeneintrag von außen, von gegen Null bis zu mehreren tausend Milben aufbauen kann." (Zitatende)


    Dass der Begriff Re'invasion' berechtigt ist, leuchtet mir nun ein.


    Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht
    Andreas