Kann Puderzuckerdie Säure ersetzen

  • Fragt sich nur, ob die "nur" angeätzten dann noch Lust auf Vermehrung haben...
    Ich sehe in Säure und ätherischen Ölen das kleinere Übel.


    Die Frage nach der Lust stellt sich für mich nicht, ob sie noch dazu im Stande sind ist die große Frage. Anscheinend überleben nach einer Säurebehandlung immer noch ein paar, die sich fortpflanzen, sonst gäbe es keine Varroamilben mehr, oder?


    Was meinst du mit ätherischen Ölen?

  • Anscheinend überleben nach einer Säurebehandlung immer noch ein paar, die sich fortpflanzen, sonst gäbe es keine Varroamilben mehr, oder?


    Daß es keine 100%ige Vernichtung gibt, erfahren wir ja leider alle jedes Jahr auf`s Neue.
    Und Fremdbienen "mit Gepäck" landen auch in den Völkern.


    Zitat

    Was meinst du mit ätherischen Ölen?


    Thymovar, Api-Life-Var u. a.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • In meinem Beitrag #17 habe ich schon versucht zu erklären warum ich an eine Art von "Resistenz" für möglich halte. Wenn ich zum Besispiel die Behandlungsempfehlungen der Imkerzeitschriften im Verlauf der letzten Jahre anschaue, werden immer hochprozentigere und öftere Anwendungen empfohlen. Ich bin kein Biologie-Wissenschafter und ich weiß, dass das kein Beweis ist, aber für mich ein Indiz.
    Euer Apidät

    Eine Verwendung von 60%/85% AS für unterschiedliche Methoden zur Einbringung hat schon Karl Pfefferle 1985 in seinem Buch "imkern mit dem Magazin" beschrieben, damals wurde die Säure mit Krämerplatte oder Bierfilzen eingebracht, heute mit dem Schwammtuch oder diversen Verdunstern. Es wurde zwar die Behandlung selbst verfeinert, an der konzentration der Säure hat sich aber nix geändert. Was es zu dem Thema Puderzucker zu sagen gibt hat Bernhard schon gesagt, dem ist nichts hinzuzufügen.
    Gruß Hermann

  • Etwas habe ich aber noch hinzuzufügen. :-D Denn ich habe weitere Hinweise/Informationen erhalten.


    Puderzucker zieht sehr stark Wasser an - diese hygroskopische Wirkung macht den Milben ebenfalls zu schaffen. Sie trocknen aus und sterben ab.


    Dann wurde bezweifelt, daß Puderzucker irgendwelche Zusätze enthält. In einigen Puderzucker finden sich aber Zusätze. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Puderzucker


    Zitat:
    "Da dieser Puder jedoch hygroskopisch ist und die Luftfeuchtigkeit aufnehmen würde, werden etwa 3 % Maisstärke hinzugegeben."


    Wenn das der Fall ist, ist der beschriebene hygroskopische Effekt weg. Und damit sinkt die Wirksamkeit.


    Außerdem wurde schon Puderzucker mit dem Trennmittel E341 gesichtet. Diese phosphorhaltigen Stoffe sind im Verbund mit anderen Stoffen potentielle Insektizide. Es wurde auch schon von Bienenschäden nach Puderzuckeranwendung genau wegen dieser Zusatzstoffe berichtet.


    Siehe auch:
    http://www.zusatzstoffe-online.de/information/667.doku.html
    http://www.zusatzstoffe-online…e341_calciumphosphat.html



    Des Weiteren ist das weiter oben gezeigte Video nicht repräsentativ für die Puderzuckerbehandlung.



    Die Puderzuckerbehandlung kann nicht nur durch Bestreuen erfolgen, sondern auch mit einer Art Trockenzerstäuber erfolgen, wobei der Staub in die Beute geblasenwird. (Ähnlich wie bei der Oxalsäurebehandlung - nur ohne Erhitzen.) Sowas wie der hier: http://www.rittenhouse.ca/cont…es/big%5Cdustin_mizer.jpg (Dieser dient eigentlich zum Verteilen von Pestiziden im Garten.)


    Oder dieses Modell hier, wo ein elektrischer Blasebalg zum Anfeuern eines Grilles mit einem alten Smoker verbunden wurde. (Photos können stehen bleiben, die sind von meinem Freund Phil Chandler.)




    (Wie zu sehen ist, ist eine Staubmaske keine ganz schlechte Idee.)


    Berichten zufolge konnten damit sogar schwer befallene Völker durch wöchentliche Anwendung von Puderzucker wieder auf die Beine gebracht werden.



    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo,
    auch in diversen Videos auf youtube aus den USA ist zu sehen, dass die Waben nicht (wie beim Simon) gezogen werden, sondern der Puderzucker in die Wabengassen gestäubt wird.
    Der Puderzucker, den ich bei Discountern und im Bioladen gesehen habe, enthält keine weitere Deklaration der Inhaltsstoffe außer eben Zucker. Anscheinend gibt es noch besonders feinen Puderzucker für Konditoren, aber auch da bin ich nicht weiter gekommen, wo man den auftreibt oder ob der geeigneter ist.
    Ich habe ein Mal testweise gesiebten Puderzucker auf meine Bienen gestäubt, aber NULL Milben sind runtergefallen.
    Daher zweifelt
    apirita

  • Ich hab von der Puderzuckerthematik auch in einem Buch gelesen... aber man sieht schön wie das da staubt - die Bienen sind ja nicht doof. Wenn das so schön staubt und die Bienen süßen Puderzucker mit rumtragen begünstigt das doch mit Sicherheit auch die Räuberei - sollten fremde Völker in der Nähe sein.
    Zudem glaub ich nicht dass die Bienen effektiv die festgebissenen Milben wegbekommen.


    Peter

  • Doch, Puderzucker funzt grundsätzlich - das Problem ist nur leider die Teilchengröße.
    Der Puderzucker zieht so saumäßig Wasser, daß es in unserem Klima wirklich schwierig ist, diese Feinheit auch nur ne halbe Stunde garantieren zu können, der klumpt quasi sofort ab Packung aufmachen.
    Und da nützt normal sieben auch nix, das gewährleistet keine "Feinstaub-Qualität".

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Peter : die Milben sind nicht "festgebissen", die haben Haftlappen an den Füßen.
    Entweder man beißt ihnen die Füße ab (ab dem 3. fehlenden Fuß sterben sie) oder man hebt mechanisch die Hafteigenschaften auf - Puderzucker.
    Das kannst du selbst testen mit so einem Vakuum-Gummi-Teil, was man auf Glas pappen kann - ist da genug Staub drauf, pappt es nicht mehr...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Aha - es gibt doch immer wieder neue Erkenntnisse.



    Die folgende Methode der Puderzucker-Anwendung kannte ich noch nicht. Randy ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Siehe:


    http://scientificbeekeeping.co…iotechnical-tactics-ii/2/


    Einfach einen Rahmen mit Gitter auflegen, ein oder zwei Tassen Puderzucker drauf und dann mit dem Abkehrbesen verteilen. Fertig in 15 Sekunden - inklusive Deckel auf, Deckel zu, usw. usf. Eine Tasse für eine Zarge, zwei Tassen für zwei Zargen. Daß der Zucker unten in der zweiten Zarge (von oben gesehen) ankommt, sieht man im Bild unten, wo Randy eine Wabe gezogen hat.


    Die Ergebnisse sind besser, je öfter die Behandlung mit Puderzucker erfolgt. Siehe Unterschied zwischen wöchentlich, alle zwei Wochen, monatlich und unbehandelt: http://www.scientificbeekeepin…ting-ipm2_chart11_big.jpg



    Ein Hinweis finde ich sehr spannend. Und zwar ist ja bekannt, daß circa ein Drittel der Milben außerhalb der Zellen unterwegs ist, die anderen zwei Drittel sind in den geschlossenen Zellen - wo sie vom Puderzucker nicht erreicht werden.


    Trotzdem ist es spannend die sogenannten phoretischen Milben außerhalb der Zellen zu treffen, weil sie da normalerweise nicht so oft sterben. Von tausend Milben die sich außerhalb der Zellen - auf den Bienen reitend - befinden, sterben im Schnitt nur sechs Stück. Mit Puderzucker werden es ein paar mehr. ;)


    Und das stört deren Reproduktionszyklen erheblich, da jede erwachsene Milbe sich durch mindestens drei dieser Zyklen vermehren muß, damit es zu einer steil ansteigenden Population im Volk kommen kann.


    Sehr interessant.


    Randy verbindet diese Methode mit dem Ausschneiden von Drohnenbrut und erzielt mit dieser Kombination gute Ergebnisse.


    Gruß
    Bernhard

  • Im gekauften Puderzucker sind ja immer wieder Stoffe enthalten die den Bienen nicht so sehr behagen. Könnte man sich den Puderzucker nicht auch selbst herstellen mit dem normalen Haushalts-Rohrzucker oder gibt es irgendwo "reinen" Puderzucker zu kaufen?


    Gruß
    Hannes

  • hallo an alle,


    Zum Puderzucker:


    Man kann eigentlich jede Chemie vermeiden, auch Säuren oder Tymol etc, wenn man wenige Völker hat. Ich meine natürlich nur das Problem der Varroa.
    Und nochmals ganz klar - wir verwenden das nicht. Das einzige was wir vorschlagen ist, wenn im ersten Herbst nach der Umstellung auf kleine Zellen varroa probleme auftreten, weil die Bienen es noch nicht gelernt haben sich zu verteidigen, können wir auf den Puderzucker zurückgreifen.
    Es geht so:
    Du mußt den Puderzucker selber herstellen, aber das ist ganz einfach. Gekaufter enthält Stärke und die ist schädlich für die Bienen. Du nimmst eine Kaffeemühle, elektrisch, und mahlst den normalen Zucker. Aber nimm Zuckerrohrzucker, weil der Zucker der aus Zuckerrüben hergestellt wird, eventuell oder wahrscheinlich belastet ist durch Nikotinamide. Und diese Gifte sind so giftig, daß ein TEELÖFFEL der in in einem Tank von 1 Million Liter Wasser gelöst wird, für die Bienen tödlich ist. Dh die Samen der Zuckerrübe sind mit dem Insektizid behandelt und in der dann wachsenden Zuckerrübe ist immer noch eine so hohe Belastung daß das kritisch sein kann für die Bienen. Wird das veröffnetlicht? Nein!!!
    Dann bereitest du deinen Stock vor. Er braucht eigentlich nur einen Varroaboden mit einer gut schließenden Schublade darunter ,wo die Milben drauf fallen können. Keine Vaseline, nichts. Du öffnest den Stock und gibst pro Zarge 200g frisch gemahlenen Puderzucker oben auf die Rahmen, verteilst das mit dem Besen und machst wieder zu.
    Fertig. Nach zehn Minuten öffnest du die Schublade und holst den nach unten gefallenen Zucker mit den Milen heraus. Die Schublade muß gut schließen, sonst könnten Bienen unten hinein, an den Zucker und die Milben steigen wieder auf die Bienen.
    1/3 der Varroa befindet sich auf den Bienen und 2/3 in der Brut, ungefähr. Mit einer Behandlung mit Puderzucker fallen die Hälfte der Varroa, die auf den Bienen sitzt herunter. Dh du kannst 1/6 aller varroa im Stock entfernen. Wenn sich die Belastung im Rahmen hält, kann man mit einer Behandlung pro Monat die Zahl der Varroa im Stock gleichhalten. Schau das an, da ist es wissenschaftlich ausprobiert worden und ich habs oft gemacht, zu Beginn, es klappt.

    Puderzuckerbehanlung


    Einige sagen, daß es auf offene Brut negativen Einfluß hat - das hab ich nicht beobachtet. Der meiste Zucker fällt nach unten und die Milben rutschen einfach aus und fallen mit. Das Ganze dauert nicht mal 2 Minuten pro Stock.


    Wenn du strake Belastung mit Milben im Stock hast, sagen wir mal über 1000, dann mußt du alle 2 Tage anwenden 10 mal hintereinander bis es sich entscheidend reduziert.
    Meine Erfahrung bei einem Bienenstand der eine unglaublich starke Wiederinfizierung von außen herum sterbenden Wildvölkern (mußten sehr viele gewesen sein) hatte und den ich mit Puderzucker helfen konnte. Jetzt sind ALLE Wildvölker hier tot. Beängstigend - nicht?


    liebe Grüße
    Stephan


    www.abejasresistentes.com

  • Und diese Gifte sind so giftig, daß ein TEELÖFFEL der in in einem Tank von 1 Million Liter Wasser gelöst wird, für die Bienen tödlich ist. Dh die Samen der Zuckerrübe sind mit dem Insektizid behandelt und in der dann wachsenden Zuckerrübe ist immer noch eine so hohe Belastung daß das kritisch sein kann für die Bienen. Wird das veröffnetlicht? Nein!!!



    Natürlich wurde das veröffentlicht. Siehe: http://www.imkerdemo.de/2009/0…-von-bienenfuttermitteln/


    Du mußt nur nachfragen. Wer keine Fragen stellt, wird keine Antworten erhalten. Und wer keine Antworten erhält, der stellt halt Mutmaßungen an. Oder läßt es noch besser bleiben.


    Gruß
    Bernhard



    PS: Zum Rohrzucker = http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P-09-147