Kann Puderzuckerdie Säure ersetzen

  • Nach dem Bericht über die Varoakontrolle, überlege ich, ob mit Puderzucker nicht auch eine Behandlung durchzuführen ist?
    Ich stelle mir als Anfänger folgendes vor: Nach der Ernte die Binen in einen Kasten fegen. Mit Puderzucker einstäuben und zurück in die Beute geben. Das gleiche vieleicht auch im Früjahr bevor die Kirsche blüht? Ist das Erfolgversprechend?

    Wo kämen wir den hin wenn jeder fragt wo kämen wir den hin und keiner geht um nachzusehen wo wir hinkämen

  • Löst Puderzucker nicht zusätzlich auch den Putzreflex der Bienen aus?
    Die wollen das Zeug ja wieder von sich runterbekommen und dabei werden die aufsitzenden Varroa eben auch mit runtergeputzt?


    Frage ist dann nur, ob die runtergeputzten Milben dann einfach wieder auf die Bienen krabbeln oder ob die durch das Runterputzen so beschädigt sind, dass sie verenden. So genau kenne ich mich mit der lästigen Milbe nun wahrlich nicht aus.

  • Puderzucker wird im englischsprachigen Raum auch zur Behandlung eingesetzt. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten.


    1) Puderzucker ist nicht gleich Puderzucker. Bei manchen Puderzucker gibt es bienenunverträgliche Zusatzstoffe. (Anti-Klumpungsmittel.) Diese sind zu vermeiden. Des Weiteren gibt es unterschiedlich feine Puderzuckerarten.


    2) Puderzuckerbehandlungen eignen sich nur zur Vorbeugung und Verminderung. Der natürliche Totenfall der Varroa ist also durchgehend zu beobachten und die Behandlung vorbeugend bei ansteigendem Varroafall durchzuführen. Puderzucker eignet sich nicht (!), wenn der Befall schon weit fortgeschritten ist. (Notbehandlung.)


    3) Eine Puderzuckerbehandlung ist nur halbwegs wirksam, wenn der Brutzyklus von Biene/Varroa beachtet wird. Deshalb ist die Behandlung mehrfach hintereinander im Wochenabstand durchzuführen.


    4) Bei der Behandlung werden alle Waben gezogen und Waben und ansitzende Bienen dick mit Puderzucker eingepudert. Dazu eignet sich eine Dose mit Schüttelsieb. Puderzucker tötet die Milben ab, indem die Tracheen verstopft werden. Die meisten Milben fallen jedoch lebendig herab, weswegen eine eingefettete Varroaschublade unter Gitter sinnvoll ist. Die Bienen putzen sich auch gegenseitig und dabei entfernen sie auch die eine oder andere Milbe.



    Fazit: Ein vollständiger Ersatz ist die Puderzuckerbehandlung nicht, jedoch eine arbeitsreiche Alternative, um das Erreichen der Schadschwelle der Varraopopulation zu verhindern.


    Freundliche Grüße
    Bernhard


    PS: Eine einmalige Puderzuckerbehandlung ist in jedem Fall unzureichend.

  • Puderzucker tötet die Milben ab, indem die Tracheen verstopft werden. Die meisten Milben fallen jedoch lebendig herab


    Hallo Bernhard, ich habe es am Wochenende auch mal zu Diagnosezwecken gemacht mit 50 Gramm Bienen in einer Box wie von Erhard unter Bienenkiste.de beschrieben.
    Meine beiden abgefallenen Milben waren quicklebendig und konnten sogar schwimmen.


    Ich würde es tatsächlich nicht empfehlen: alle Bienen abfegen, in einer Schwarmkiste 3 Minuten zucker-bepudern, dann den Puderzucker abschütteln und die Bienen in die Kiste zurücklaufen lassen. Bei Brutfreiheit ist es zu kalt, bei Brut erwischt es nur jede 5te.


    Einen Schwarm könnte man vielleicht bepudern. Aber, wer es einmal mit 50 Gramm Bienen gemacht hat, sollte dann selber entscheiden. Schön ist das definitiv nicht!


    Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Hallo Miteinander,
    da geht eine Wärmebehandlung auch besser,
    wenn man die von Euch genannten Voraussetzungen erfüllt hat.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ich habe zu Diagnosezwecken 100ml Bienen in ein Gefäß gegeben, 3 Esslöffel ausgeheizten normal käuflichen Puderzucker hinzu gegeben, das ganze geschüttelt. Im Verlauf der nächsten 10 Minuten habe ich das Schütteln 2-3mal wiederholt. Anschließend habe ich den Puderzucker aus den Bienen ausgesiebt. Darin fand sich keine Milbe. Ich habe dann die Bienen abgetötet und ausgewaschen. Es fanden sich 2 Milben.
    Fazit: Selbst bei diesem sehr rabiaten Vorgehen lösen sich die Milben durch Puderzucker kaum von den Bienen. Als Behandlung für ein Volk wird das erst recht nicht funktionieren, zumal man dort noch weniger weiß, wie hoch den Milbenanteil ist, den man erwischt hat. Sind es 80% oder 50% oder vielleicht nur 5%? Die Anzahl der gefallenen Milben sagt es nicht aus.
    Gruß Ralph

  • Puderzucker kann hierzulande keine andere Methode ersetzen, weil wir maritimes feuchtes Klima haben - in sehr trockenen Gegenden geht das sehr wohl. Aber der Puderzucker muß extrem fein sein, sonst fallen die Milben nicht ab.


    http://digitalcommons.unl.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1179&context=entomologyfacpub&sei-redir=1#search=%22alcohol-wash%20bees%20varroa%22Studie


    Aber man muß für solche Proben die Bienen aus der Mitte des Brutnests nehmen, nicht einfach irgendwelche, sonst ist das nicht aussagekräftig, siehe Quelle.
    Thomas Kober hatte mal ne schöne Seite dazu, ist aber schon lange her.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Puderzucker kann hierzulande keine andere Methode ersetzen, weil wir maritimes feuchtes Klima haben - in sehr trockenen Gegenden geht das sehr wohl. Aber der Puderzucker muß extrem fein sein, sonst fallen die Milben nicht ab.


    http://digitalcommons.unl.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1179&context=entomologyfacpub&sei-redir=1#search=%22alcohol-wash%20bees%20varroa%22Studie


    Aber man muß für solche Proben die Bienen aus der Mitte des Brutnests nehmen, nicht einfach irgendwelche, sonst ist das nicht aussagekräftig, siehe Quelle.
    Thomas Kober hatte mal ne schöne Seite dazu, ist aber schon lange her.


     
    Hallo Sabiene,


    Dein Link ist von 2001.
    Aktuell sieht das anders aus.
    Keine Wabe aus der Mitte des Brutnestes nehmen.
    War erst vor kurzem hier im Forum verlinkt:
    http://www.imkerforum.de/attachment.php?attachmentid=2096&d=1311109849


    Gruß Hubert

  • Ich finde Abraxas Idee einen guten Anfang für ein Behandlungskonzept und ich fände es schön, wenn wir hier Vorschläge zur Verbesserung sammeln könnten. Danke an Bernhard für den ausführlichen Beitrag. Meine persönliche Einschätzung ist, dass man auf Dauer mit der Behandlung von (immer mehr) Säuren die Problematik verschlimmert (Stichwort Resistenzen) und sich langfristig nach Alternativen umschauen muss. Das Gute an der Puderzuckermethode ist, dass man den Putztrieb der Bienen anregt und eventuell besser darauf selektieren könnte. Also welches Volk schüttelt nach dem Puderzucker am meisten Milben ab.


    Mein Vorschlag:
    Nach der Abschleuderung Entnahme der Brut und bilden von Brutscheunen. Die Altvölker mit der Puderzuckermethode behandeln. Die Königin der Brutscheunen auf eine Wabe sperren. Wenn diese verdeckelt ist entnehmen und Brutscheunenbienen wieder mit Puderzucker behandeln. Dabei vielleicht die Bienen in Schwarmfangbehälter mit varroadurchlässigen Sieb geben und mit Puderzucker einstäuben. Mit den behandelten Bienen Altvölker verstärken.


    Eventuell könnte man nach der Puderzuckermethode noch eine weitere Behandlung mit (Mich-)Säure durchführen. Das ganze ist natürlich sehr arbeitsaufwendig und nur für Hobbyimker mit wenigen Völkern gedacht.


    Als Anfänger würde ich mich über konstruktive Kritik freuen.


    Euer Apidät