Überzählige Honigwaben

  • Kann man gefüllte Honigwaben über den Winter trocken und kühl außerhalb der Beute lagern, oder gärt der Honig dann in den Waben? Schleudern lohnt sich in diesem Fall nicht. Meine Völker sind bereits eingefüttert und haben genug.

  • Oder in ein geheiztes Zimmer. Unterhalb einer relativen Luftfeuchte von 60% zieht Honig kein Wasser aus der Luft. So kann man auch ausgeschleuderte Waben gut lagern ohne dass die Honigreste gärig oder sauer werden.
    Gruß Ralph

  • Hallo Hartmut !


    Nicht mit Grenzwerten spezifiziert aber:


    Aus Horn/Lüllmann "Das große Honigbuch":


    5.6.4. Der Einfluß der relativen Luftfeuchte (Seite 83)


    ... Wird Honig einer relativen Luftfeuchtigkeit von 66% ausgesetzt, so verringert sich dessen Wassergehalt an der Oberfläche ... ... Wird der gleiche Honig einer relativen Luftfeuchtigkeut von 86% ausgesetzt, so steigt der Wassergehalt an der Oberfläche innerhalb von 17-30 Tagen auf Werte zwischen 28 und 29% und ....



    @ Kleingartendrohn
    Im warmen Zimmer würde ich aus verschioedenen Gründen keine Honigwaben lagern (aber eigentlich lagern wir gar keine Honigwaben).



    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Danke für die Info.
    Mir ging es nicht ums lagern. Aber derzeit stehen Heidehonigwaben zur Schleuderung an. Mit einem anderen Imker wird die Heidehoniglösemaschine geteilt. Also einer muß immer warten bis der andere fertig ist. Das ist kein Problem, aber ich hatte immer Sorge das der Honig zwischenzeitlich Wasser aus der Luft zieht.
    Nu schlafe ich ruhiger ;-)


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo ,


    im "Das große Honigbuch" von Helmut Horn und Cord Lüllmann (3 Auflage aus 2002) wird auf S.82ff der Einfluss der relativen Luftfeuchte auf den Honig beschrieben. Die Autoren verweisen auf eine Studie von Martin [Martin C.E. :' Some aspects of hygroscopic properties and fermentation of honey' Bee World 39(7), 165-178 (1958)].


    Demnach soll sich der Wassergehalt von Honig verringen, wenn dieser bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 66% gelagert wird. Dieser Effekt tritt jedoch nur in den oberen (der Luft zugewandten) Schichten auf. Die Grenze ab wann Honig Wasser aus der Luft aufnehmen kann, hängt nicht nur von der relativen Luftfeuchtigkeit, sondern auch von der Temperatur ab (vgl. Das Große Honigbuch S.86f.) Die Autoren verweisen hier auf eine (vermutlich) skandinavische Studie von Hansson, A. aus 1942.


    Grundsätzlich ist die kalte Lagerung deutlich besser für die Qualität des Honigs/der Honigwabe als eine warme Lagerung (Abbau Enzyme, HMf ...). Die oben beschriebene Lagermethode (beheizter Raum) kann aber für eine kurzzeitige Lagerung (abhängig von der Temperatur und der Lagerdauer) durchaus sinnvoll sein.


    Grüße aus der Pfalz


    Götz


  • @ Kleingartendrohn
    Im warmen Zimmer würde ich aus verschioedenen Gründen keine Honigwaben lagern (aber eigentlich lagern wir gar keine Honigwaben).


    Vielen Dank für die Hilfe. Wo lagerst du abgefüllten Honig? Bei mir steht er in einem mäßig geheizten Zimmr, wo auch die Waben gelagert werden. Der Honig in den Gläsern und der Honigfilm in den ausgeschleuderten Waben wird also ähnlich altern. Ich sage meinen Kunden, dass sie den Honig in einem ganz normalen Zimmer lagern können. Ist das jetzt falsch? Warum sollte man Honigwaben nicht in einem geheizten Zimmer lagern?
    Warum sollte man Honigwaben nicht aufheben? Bei bebrüteten Waben ist das klar. Aber bei Honigwaben?
    Fragt sich Ralph

  • Hallo Kleingartendrohn,


    je wärmer du Honig lagerst um so schneller werden die Enzyme (ein Bestandteil des Honigs, welches den Honig von einer reinen Zuckerbrühe unterscheidet) abgebaut. Ebenso bildet sich bei warmer Lagerung HMF.


    Ich lege Dir die Lektüre des oben genanten Buches ans Herz (zumindest das Kapitel 5 Behandlung des Honigs). Ich lese immer wieder einzelne Kapitel nochmals nach und entdecke dann meist wieder neue Aspekte. Du mußt es ja nicht kaufen, vielleicht kann es dir ein befreundeter Imker ausleihen? Bei uns steht es sogar in der Stadtbücherei.:daumen:


    Gruß


    Götz

  • Hallo Götz,


    das ist mir bekannt. Aber ich schreibe für meine Kunden auf meine Gläser "Mindestens haltbar bis XXX", wobei XXX das Abfülldatum + 2 Jahre ist. Ich schreibe nicht "Bei 5°C gekühlt mindestens haltbar bis XXX", was eher deinem Posting entsprechen würde. Was schreibst du auf deine Gläser?
    Wenn ich gegenüber meinen Kunden eine Haltbarkeit des Honigs von 2 Jahren deklariere, kann ich Honigwaben doch 1/2 Jahr lang ebenso lagern, meinst du nicht?


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    was die Honigwaben angeht, sehe ich das genauso wie du, sofern mäßig geheizt nicht mehr als 15-17° C bedeutet. Wie schon gesagt: je höher die Lagertemperatur desto schneller bauen sich die Enzyme ab bzw. entsteht HMF.


    So beträgt zum Beispiel die Halbwertszeit bei der Saccherase bei einer Lagertemperatur von 10°C 9.600 Tage, bei 20°C 820 Tage, bei 25 °C 250 Tage und bei 30°C 83 Tage (Werte aus dem bereits oben zitierten Buch).


    Da wir Qualität verkaufen wollen, sollten wir uns bemühen die Lagertemperatur, auch für abgefüllte Gläser, niedrig zu halten. Dass dies nicht überall möglich ist ist auch klar.


    Zitat

    Was schreibst du auf deine Gläser?


    beim MHD wähle ich auch normalerweise 2 Jahre nach Abfülldatum. Das aktuelle DIB-Etikett beinhaltet bereits den Hinweis: "kühl, trocken und dunkel lagern". Das Gleiche werde ich auf meine Neutralgläser schreiben (Etikett ist aber noch im Entwurfstadium).


    Gruß Götz

  • Hallo Götz,


    vielen Dank für deine Antwort. Das stellt einiges klar und offensichtlich hat sich auch der DIB dazu positioniert. Bei den Honigwaben haben wir auch die Kurve gekriegt.


    Gruß Ralph