Genetik der Räuberei und Umweiseln

  • Liebe Imkersleut,


    Dazu habe ich nichts an Themen finden können.
    Also jetzt hier mal fleißige Meinungsäußerungen zum Thema Räubervolk.


    Wie seht ihr das, wenn eines der Euren zugeschlagen hat?
    Es gibt Empfehlungen, solche umzuweiseln. Ist da etwas dran oder akzeptiert ihr das als natürlich?
    Ist die Räuberei zwingend eine Kopplung mit einem starken Sammeltrieb/ einer guten Suchveranlagung, die man freudig als positiv annehmen soll, weil es a nicht ohne b gibt? Und die Räuberei ohnehin nur natürliche Auslese.
    Oder macht ihr gar Unterschiede unter welchen Bedingungen was für ein Volk zum Ausgeraubten wurde, ob es ein schwacher Kandidat war oder nicht?


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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  • Hallo Marion,


    ich sehe es eigentlich wie mein Imkervater, der mir vor langen Jahren mit auf den Weg gab:
    "Im Herbst wird jede Biene zum Raubtier"
    Eine genetische Disposition zum Räubern gibt es m.E. nach nicht. Die Biene tut das, was sie immer tut, eine Trachtquelle erschließen.
    Es gibt ja auch keine fest definierbaren "Räubervölker". Gelegenheit macht auch hier Diebe, will sagen, wo ein schwaches oder krankes Volk, da wird sich auch sehr schnell ein Nutznießer finden.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Sowas


    haben vor fast 70 Jahren schon mal Menschen in weissen Kitteln versucht.


    Anhand von physiognomischen Merkmalen und Rassezugehörigkeit auf kriminelle Veranlagung zu schliessen.


    Allerdings bei Menschen.


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • Doc,


    "kriminell" ist nun die rein menschliche Wertung, die ja bereits in der Bezeichnung "Räuberei" negativ behaftet wird.
    Hier geht es erst einmal neutral um eine Verhaltensweise, die zweite Frage ist, was möchte der Imker, dessen Interessen oft mit denen des Räubervolkes kontrovers stehen: Er möchte keine Völker durch Räuberei einbüßen. Solche empfehlen vehement ein Umweiseln des Räubervolkes. Wirklich ziehende Argumente hab ich aber keine zu hören bekommen auf Anfrage.
    Nur, dass man Räuberei am Stand nicht fördern wolle.... Ob da das Umweiseln aber überhaupt was bringt?
    "Das haben wir schon immer so gemacht" mochte ich noch nie als Argument. "Das vererbt sich doch weiter!" konnte niemand begründen.
    Finden konnte ich nichts dazu.
    Na ja, es gibt Hunderassen, die sind zum Hüten geboren, kriegen geradezu nen Koller, wenn sie nicht ähnliche Beschäftigungen bekommen oder solche, die sind die geborenen Jagdhelfer bzw. haben einen geradezu angeborenen starken Stöbertrieb, Apportierbegabung etc., etc. - auch alles natürliche Verahltensweisen. Das die feine Dame ihren Schoßhund des Mordes bezichtigt, wenn er denn unerwünschterweise ne Maus knackt, das ist ein ganz anderes Problem :wink:


    Mir ist aufgefallen, dass es unter Imkern hier entweder schwarz oder weiß gibt.


    Der andere Standpunkt ist der, dass es eine normale Verhaltensweise darstellt. Wie oben bereits von Michael geschrieben.


    Tendieren würde ich persönlich eher in diese Richtung und gar nichts unternehmen wollen. Bei mir ist es das stärkste Volk am Stand gewesen, und das hat das Schwächste leer gemacht, platzt jetzt aus allen Nähten, hat aber noch Platz für Brut, muß bloß nocht mehr eingefüttert werden.
    Vermutlich gehen die nächstes Jahr ab wie Rakete.


    Was ich evtl. in Erfahrung bringen wollte ist, ob denn jemand der erfahrenen Vielvölkerhalter hier berichten kann, dass sich womöglich Verhaltenstendenzen durchsetzen.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,
    ich bin zwar kein Doc, aber ich antworte doch.
    "Räuberei am Stand nicht fördern" meint alle Maßnahmen, die ein starkes Volk dazu bringt, überhaupt von einem schwachen Volk Notiz zu nehmen.
    Das beginnt beim "Schwächen des Volkes zur Unzeit, schlechte Krankheitsbekämpfung, Kleckern beim Füttern" und hört bei "zu großem Flugloch" noch lange nicht auf.
    Will sagen, ich sehe die Schuld eher beim Imker (und beim beraubten Volk) als beim Räuber.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    schon klar, bei mir war es auch so *mea culpa* , dass die ausgeraubten deutlich schwächer waren und ich zu lange Honigwasser drin gelassen haben bzw zu große Portionen gab, die über Nacht nicht geleert werden konnten.


    Zitat

    dass man Räuberei am Stand nicht fördern wolle....

    Das wurde im Gespräch allerdings so formuliert, dass man das Räubervolk nicht so belassen, sondern umweiseln solle, damit hier keine Förderung entstehen könne, rein genetisch gemeint. Und mir fehlt da einfach die Begründung oder die Erfahrungsberichte dazu, bevor ich das überhaupt machen würde.


    Grüße


    Michael

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Klar, wenn mein Volk das Volk von einem alteingesessenen Imker räubert, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der sagt "Du musst umweiseln". Dann ist nämlich mein (Räuber-)Volk geschwächt (weil die Königin fehlt), und er hat erst einmal Ruhe vor meinen Räuberbienen.


    Heisst es nicht: "Jeder Räuberei geht eine Eselei des (ausgeräuberten) Imkers voraus."
    Wer also aufpasst, sollte doch wohl nicht ausgeräubert werden, und dann ist die Raubhaftigkeit der Völker doch egal?


    Irgendwie denke ich auch ein Räubervolk ist einfach gut im "Trachten finden", das hängt doch sicher irgendwie zusammen...

  • Moin Marion,
    bei meinen Beobachtungen an meinem Stand habe ich als Ursache auch nur eigene Fehler gefunden (2009, zu schwache Völker mit viel zu großen Fluglöchern).
    Weiterhin spielte die Trachsituation eine Rolle (es gab nix mehr).
    Da kann ich Michael nur Recht geben, Gelegenheit macht Diebe. Ich habe keine Völker beobachten können, die nicht in die Räuberei involviert ware. (entweder als Opfer oder als Räuber)
    Daraus läßt sich nun zumindest aus meiner Sicht keine genetischen Ursachen ableiten.


    Gruß Michael

  • Jepp, Chris, sozusagen beste "Stöberer" und fleißige Sammler.


    Mein zweites Dadantvolk ist ebenfalls plötzlich auf Einwinterungsgewicht angeschwollen und ICH habe das nicht reingegeben, das ausgeraubte, abgeerntete Volk hatte solchen Zuwachs für zwei Völker aber sicher nicht zu bieten.


    Jemand, der kräftige, große Volker in bester Gesundheit und mit guter Leistung gleichstark hält, der müsste dann eine "Gefahr" für jeden Ablegerstand im erreichbaren Umkreis darstellen oder z.B. für einen Warré-Imker mit nun mal kleiner Volksstärke?


    Und was ist mit Spättrachtimkern, gibt`s das eigentlich, dass ein Räubervolk als Überraschung dann eine Mischernte mit eingefüttertem Sirup bringt?? :p


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper


  • ...., dass man das Räubervolk nicht so belassen, sondern umweiseln solle, damit hier keine Förderung entstehen könne, rein genetisch gemeint.


    Rein genetisch gemeint, ist es doch so, dass das Räubervolk jenes ist, welches besonders wertvoll ist. Das beraubte Volk sollte umgeweiselt werden, weil es nicht mal in der Lage ist, sich selber ordentlich zu verteidigen. So ein Volk wird doch in der Natur sowieso selektiert. Das sollte der Imker auch machen.
    Reuin genetisch ist das Räubervolk das wertvollere (für die Zucht bzw. in der Evolution).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Moin, moin,


    Rein genetisch gemeint, ist es doch so, dass das Räubervolk jenes ist, welches besonders wertvoll ist. Das beraubte Volk sollte umgeweiselt werden, weil es nicht mal in der Lage ist, sich selber ordentlich zu verteidigen. So ein Volk wird doch in der Natur sowieso selektiert. Das sollte der Imker auch machen.
    Reuin genetisch ist das Räubervolk das wertvollere (für die Zucht bzw. in der Evolution).


    Also, rein genetisch... es hängt natürlich auch am Entwicklungsstand, und da der in der Natur nicht vom Zeitpunkt der Ablegerbildung, sondern des Schwarmes und von der Trachtsituation abhängt...


    Da könnte der schwärmende Bien ja auch in der Maieuphorie die Situation überschätzt haben und für den "Metabien" eine Bereinigung im Herbst dann durchaus sinvoll sein... Dazu kommt, dass genetisch die Bienen ja nicht davon ausgehen können, dass die Schwärme alle eine winterfeste Wohnung finden. Auch da ist eine Bereinigung im Herbst sinnvoll. Schließlich beklagen ja manche Bücher auch das "Totschwärmen", also den Umstand, dass Völker demnach so abschwärmen können, dass sie nicht mehr überwinterungsfähig sind. Auch in dem Fall, wenn es ihn gibt, wäre dann die Verstärkung der Nachbarn mit dem Futter sinnvoll...


    Alle diese Konstellationen führen cp dazu, dass räubernde Bienen Vorteile haben, also ein solches Gen, wenn es das gibt, sehr erfolgreich ist. Es ist aber eigentlich nicht ersichtlich, wie sich ein solches Gen von einem Findigkeitsgen und vielleicht vom Stetigkeitsgen unterscheiden soll? Eigentum im rechtlichen Sinne kennt das Tierreich nicht, und daher auch kein Unrecht, das dagegen begangen werden könnte. Also kann ich mir nur vorstellen, dass, falls die Umweiselung da "hilft", es sich um einen sekundären Effekt wie etwa die Folge massiver Eigenprobleme des Volkes, handelt.


    Keinesfalls glaube ich, dass die neue Königin, rechtlich empfindend aufgrund edlerer Abstammung, die abscheuliche Räuberei verbietet oder Eier legt, aus denen Bienen schlüpfen, die solche Schändlichkeit nicht verüben. Der Doc hat das auf den Punkt gebracht: Solches Denken kann weit, weit ins Abseits führen, und am Ende stehen dann ins Staatskriminelle erweiterte Vorstellungen von Hygiene und es wird wirklich grausig.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Vielleicht ist Räuberei bei Trachtmangel eine allgemeine genetische Disposition, die allen Bienen innewohnt,
    notwendig zum Überleben und da kämpft schwach gegen stark. D.h. die Schwachen müssen besser geschützt werden
    oder wir lassen der Auslese ihren Lauf gehen.
    Ob sie unterschiedlich stark ausgeprägt ist, das ist die Frage die schwer zu beantworten sein wird.
    Ich hatte erst eine Räuberei und konnte die Täter nicht ausmachen.
    Ein Imker berichtet mir, sobald er Zuckerlösung füttert, bei allen Völkern gleichzeitig,
    geht eine allgemeine, wüste Räuberei los.
    Es ist wohl eher die gegebenen Umstände, die eine Räuberei auslösen.


    Tachchen
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • ...Ein Imker berichtet mir, sobald er Zuckerlösung füttert, bei allen Völkern gleichzeitig,
    geht eine allgemeine, wüste Räuberei los....


    Bei Futtergabe über eine Futterzarge/Futtertrog melden die Bienen durch Kreiseltanz, dass es in der Nähe Futter gibt. Was sie nicht können: "Es gibt Futter oben in einer Futterzarge." Daher stürzen die Bienen jetzt nach draußen und suchen nach der gemeldeten Futterquelle (ca. 10 Minuten nach der Futtergabe sehr deutlich zu beobachten). Wenn das Futter starken Geruch abgibt (was bei Zuckerlösung wohl der Fall ist), duftet es aus allen Fluglöchern. Klar, dass das dann eine allgemeine Räuberei auslöst. Deshalb soll man ja Zuckerlösung auch nur am Abend füttern.
    Gruß Ralph