Wohin verschwinden die Bienen bei einem ausgeräuberten Volk?

  • Unglaublich, wie schnell so etwas geht!


    Vor zwei Wochen habe ich zwei Völker auf einen anderen Stand verstellt, um auf einem Stand nur noch die Jungvölker aus diesem Jahr und auf dem Anderen nur noch die starken Altvölker zu haben.
    Mit dieser Maßnahme wollte ich verhindern, dass die noch verhältnismäßig schwachen Jungvölker von den starken Nachbarn ausgeraubt werden.
    Außerdem ist das Einfüttern und Behandeln einfacher, wenn alle Völker auf einem Stand gleich sind.


    Der Effekt war jedoch genau umgekehrt: Offenbar haben die "Alteingesessenen" sofort begonnen, die Neuankömmlinge auszurauben. von einem der starken Völker war eine Woche nach dem Verstellen trotz stark eingeengtem Flugloch nur noch leeres, teilweise abgeschrotetes Wabenwerk übrig. Die beobachtete Unruhe in diesem Volk hatte ich (offenbar irrtümlich:-() als Nachwehen des Transportes interpretiert. So weit so gut oder vielmehr schlecht.


    Jetzt frage ich mich, wohin ein starkes Volk inklusive Königin innerhalb weniger Tage verschwindet. Bienenleichen vor dem Stand habe ich keine gesehen.
    Gibt es einen "Fluchtschwarm"? oder betteln sich die geschlagenen Bienen bei anderen ein?

  • von einem der starken Völker war eine Woche nach dem Verstellen trotz stark eingeengtem Flugloch nur noch leeres, teilweise abgeschrotetes Wabenwerk übrig. Die beobachtete Unruhe in diesem Volk hatte ich (offenbar irrtümlich:-() als Nachwehen des Transportes interpretiert. So weit so gut oder vielmehr schlecht.


    Jetzt frage ich mich, wohin ein starkes Volk inklusive Königin innerhalb weniger Tage verschwindet. Bienenleichen vor dem Stand habe ich keine gesehen.
    Gibt es einen "Fluchtschwarm"? oder betteln sich die geschlagenen Bienen bei anderen ein?


    Wenn nach 1 Woche keine Brut und 0 Bienen drin sind, dann könnte die Kö. auch schon vorher weg gewesen sein und die Bienen haben sich schneller ergeben.
    Bei einem intakten starken Volk mit kl. Flugloch ist dieser Vorgang ungewöhnlich.
    Gruss Peter

  • Hallo Wulle,
    nachdem du die beiden Völker auf den anderen Stand gestellt hast, sind die Flug- und Wachbienen zur alten Stelle zurück geflogen. Dadurch war das Flugloch jetzt unbewacht. Dieses Abfliegen kann nach meiner Beobachtung durchaus mehrere Tage dauern. Außerdem wird die gesamte Volksstruktur durch diesen Vorgang gestört. Nach meiner Beobachtung kann das Volk in dieser Situation in eine Art Lethargie verfallen, in der es die üblichen Stockarbeiten aussetzt. Das ist deutlich daran zu erkennen, dass das Flugloch nicht besetzt wird, Wespen ein- und ausmarschieren, das Volk selbst kaum Futter abnimmt und die Bienen sich nur noch langsam auf den Waben bewegen.
    Dagegen hilft: Wasser geben und das Flugloch für 3 Tage verschließen, auf ausreichende Lüftung achten. Flüssig füttern und die Futterabnahme beobachten. Wenn die Futterabnahme ansteigt (nach ca. 3 Tagen, Zeichen für die Normalisierung im Stock) das Flugloch ganz klein öffnen und das Lüftungsgitter schließen, sodass die Bienen das Licht nur am Flugloch sehen. Dabei bleiben und beobachten. Jetzt sollten sich schnell Bienen am Flugloch zeigen. Wenn deutlich zu sehen ist, dass ungebetene Gäste abgewehrt werden, kann das Flugloch erweitert werden.
    Viele Grüße
    Ralph

  • Die zwei Stände sind Luftlinie mehr als 4 km voneinander entfernt. Dass die Flugbienen da zurückkehren an den alten Standort halte ich für ausgeschlossen.


    In den ausgerämten Waben sind noch Reste der Brut vorhanden, bei einer Durchsicht 2 Tage vor dem Transport war noch alles in bester Ordnung. Einen Königinnenverlust beim Transport kann ich zwar nicht vollständig ausschließen, ich denke aber, dass das Volk im Grunde unbeschadet angekommen ist.


    Beim Transport (früh morgens) hatte ich das Flugloch mit einem Schaumstoffstreifen verschlossen. Da die Völker beim Entfernen dieses Streifens regelrecht aus dem Flugloch gequollen sind und sofort den großen Orientierungstanz aufgenommen haben, konnte ich die Fluglochkeile nicht sofort einsetzen. Offenbar haben ein paar Stunden mit großem Flugloch gereicht, um eine Räuberei auszulösen, die auch bei dann auf 8X50 mm eingeengtem Flugloch nicht mehr aufgehört hat.
    Ich vermute, dass das Jungvolk, das zuvor an dieser Stelle gestanden ist auch schon beraubt wurde, sich aber noch verteidigen konnte.


    Wie gesagt, in erster Linie frage ich mich jetzt, wo die ganzen Bienen hinverschwunden sind.


  • Dass der Honig bei den Nachbarvölkern oder vielleicht auch bei den Völkern des Nachbarn (nur ca. 100 m entfernt) gelandet ist, ist klar. Aber wo sind die Bienen?

  • Zitat

    Wo ist die Königin?


    Ich konnte einmal eine Königin aus einen frisch ausgeräuberten Volk fischen. Ausser ihr waren da noch 10 Bienen, der Rest war weg, auch kein Tropfen Futter mehr. Jetzt mal geraten, wenn die nicht auch weg fliegt und irgendwo Unterschlupf findet, dann wird die einfach sterben und zwar recht fix.


    Zitat

    Und warum folgen die Bienen dann den Räuberinnen?


    Ich denke mal, nicht wissen, dass sich immer mehr Bienen den Räubern anschließen werden und das sinkende Schiff verlassen. Ganz klassisch die Seiten wechseln, Überläufer quasi. Ich konnte jedoch schon beobachten, und das weiss ich ganz bestimmt, dass das räubernde Volk nach der Aktion wesentlich stärker ist als vorher.




    Nix wissenschaftlich untersucht, nur Beobachtung und Bauchgefühl ;)



    Grüße!
    Arnd

  • Hallo Wulle


    nach meinen Erfahrungen sollte man das Flugloch der umgesetzten Völker, erst öffnen wenn sie sich beruhigt haben, besonders wenn Flugbetrieb ist. Deshalb würde ich die Völker spät Abends umsetzen und dann könnte man das Flugloch gleich öffnen, dann können sich die Bienen über Nacht beruhigen und es sind keine Räuber unterwegs.


    Hallo Arnd


    der Gedanke, das sich Bienen von ausgeräuberten Völkern den Räubern anschließen, ist einfach gut. :daumen: Ich glaube das kommt der Wahrheit sehr nahe. Ich meine solche Gedanken im Unterbewustsein auch schon bewegt zu haben.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Zumindest ist es "bio-logisch".


    Absolut einleuchtend.


    Was sollen die auf ihren ausgeräumten Waben auf den Tod warten? So sind sie noch zu was nutze.


    Die Königin ist aber damit übrig. Wer weiß, vielleicht fliegt sie mit und versucht es auch, die Stärkere siegt; vermutlich würde sie aber am Flugbrett von ihrem Überflüssig-Dasein erlöst.



    spinnt mal so weiter


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper