Brutschaden & überdicke Futterkränze

  • Folgenden Hergang möchte ich Euch berichten:


    In meinem Volk auf 2 Zargen befanden sich in BR1 ganze 4 Brutwaben mit überdicken Futterkränzen, sodass die Brutfläche sehr klein war. Die restlichen 7 Waben strotzten vor Nektar, bzw. Futter (habe 5l Zuckerwasser 3:2 verabreicht). incl. 2 Pollenwaben.


    BR2 war völlig verhonigt und überhaupt nicht mehr bebrütet.


    Nun kam der unselige Nassenheider Verdunster Professional zum Einsatz und hat in 14 Tagen 470ml Ameisensäure ad.us.vet. 60%ig verdampft. Vor der Beute wuchs ein Haufen toter Bienen und die Wespen freuten sich.


    Anschliessend sah es in der Beute so aus:


    In BR1 gab es in den 4 Brutwaben nur noch wenig auslaufende Brut und gar keine Stifte mehr. Die dennoch zahlreich versammelten Bienen wandelten in mehreren Schichten wie in Zeitlupe über die Waben und summten sanft, sodass ich davon ausgehe, dass die Königin den Nassenheider überlebt hat und jetzt eine Brutpause einlegt. Die 7 Futterwaben strotzen immer noch von Inhalt.


    In BR2 dito, wie vor der Behandlung mit Ameisensäure, nur dass die 5 zentralen Waben miteinander verbaut werden. - Daraufhin habe ich die miteinander verbauten Waben entfernt und durch ausgebaute Leerwaben ersetzt. Gleichzeitig habe ich die Wabenanzahl um 1 auf 10 reduziert. (respektive Einwinterung)


    Frage(n) nun: War es ein Fehler, den Bienen 5 miteinander verbaute Futterwaben wegzunehmen, und durch Leerwaben zu ersetzen, wenn sowieso aufgefüttert wird ?


    Und wie bekomme ich die Königin wieder in Brut ? - Wäre es sinnvoll die Pollenbretter in BR1 weiter nach aussen zu hängen, um Platz zu schaffen ?


    Ist die Reduzierung auf 10 Waben in BR2 zu früh geschehen ? Oder kann ich auch in BR1 die Anzahl um 1 verringern ?


    Was würdet Ihr machen ?


    Freue mich über Eure Antworten zu der Angelegenheit.


    Viele Grüsse von
    Benjabien

  • 470 ml Ameisensäure?? Wie kamst Du auf DIE Menge, oder war das ein Schreibfehler? 60 %-ige AS gibt man pro Wabe 2 ml, also bei 2 BR mit je 10 Waben insgesamt 40 ml!!! Und die verdunstet innerhalb weniger Tage und nicht 14 Tage lang. Ich würde als Ferndiagnose mal vermuten, das Volk ist verbraust. Die Bienen versuchen die Säuredämpfe rauszufächeln und dabei entsteht zuviel Wärme. Ergebnis ist viel Totenfall. Ich bezweifele auch, dass es da noch eine Königin gibt.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Ich arbeite zwar nicht mit Nassenheider Verdunster, aber der hat m.E. zuviel an einem Tag verdunstet. Aber das lässt sich wohl regulieren.

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    Gruß
    holmi

  • Der Nassenheider Verdunster Professional ist eine Fehlkonstruktion, vor der mittlerweile sogar seitens des Herstellers gewarnt wird. Es laufen diverse Versuche, woran die zu hohe Verdunstungsrate liegen mag. Man hat einerseits unerwünschte Kapillareffekte im Visier, aber auch eine zu grosse Öffnung im Übergang von Tank zu Verdunstungsschale, oder eine fehlerhafte Dochtcharge. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren gleichzeitig für den Fehlbetrieb verantwortlich; sicherlich eine zu hektische Produktionszeit, die das Gerät nicht ausreifen liess.


    Das Gerät habe ich schon längst aus dem Volk genommen. Ich werde nun auf geeignetes Wetter warten, und dann in BR1 nachsehen, ob wieder Stifte vorhanden sind, oder ob die Königin doch draufging.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Benjabien ()

  • Ehrlich gesagt, ich finde die Schwammtuchmethode einfacher, auch gerade für Anfänger. Man sollte dabei etwas mehr aufs Wetter achten, aber ansonsten finde ich es unproblematisch. Und bisher (einige Jahre) ohne Verluste.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Heute habe ich mir den BR1 wieder einmal angeschaut, in der Hoffnung, dort eine lebendige Königin vorzufinden. Die Bienen waren extrem nervös und sprunghaft. Sie hoppsten auf den Stockmeissel, als ob er und sie magnetisch wären, und sprangen wieder zurück. Gegeneinander ging es, wie im Kampf, und dann liessen sie wieder voneinander ab, als ob sie nur Spässchen gemacht hätten, schlugen Haken, bald hierhin bald dorthin. Fast kam es mir vor, als suchten sie etwas. Steckten ihre Köpfe in die Zellen, und suchten dann weiter, immer noch in quasi mehreren Schichten auf der Wabe, sodass ich den Grund kaum sehen konnte. Was ist da nur los ?


    Ich sah viele leere Zellen und viele nektargefüllte Zellen und Pollen, der mir glänzend vorkam. Aber dann entdeckte ich soetwas wie gekringelte Maden im Futtersaft. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie glücklich ich war. (Noch nie im Leben war ich happy darüber weisse Maden zu sehen.) - Aber ich war nicht ganz sicher, ob es auch tatsächlich Maden waren, und nicht irgendeine optische Täuschung, hervorgerufen durch das extrem nervöse Gewusel, schlechte Lichtverhältnisse unterm Baum und altem weissen Pollen am Zellengrund. Deswegen suchte ich weiter die einzelnen Waben ab, bis ich schliesslich wieder auf Maden stiess. Ganz klar, es waren weisse gekringelte Maden, eine pro Zelle. Es muss also eine Königin vorhanden sein, die den Nassenheider Verdunster professionel und sein Säurebad überlebt hat. Hoffentlich überlebt sie auch meine Durchsicht, denn gesehen habe ich die Ungezeichnete nicht.


    Und die Bienen sausen wie die Bekloppten, als ob es hier mitten in der Stadt noch eine heisse Trachtquelle gäbe. Aber was sollte das sein ? Die Linde ist lange lange schon durch.

  • Diese Beschreibung sieht mir nach Räuberei aus. "Gegeneinander ging es...": Sie kämpfen innerhalb des Stocks, aber nicht konsequent. Wenn es mein Volk wäre, würde ich das Flugloch sofort schließen, das Lüftungsgitter öffnen und dann flüssig füttern. Erst wenn sie das Futter gut abnehmen, würde ich das Flugloch ganz klein öffnen und das Lüftungsgitter schließen, um den Bienen Orientierungshilfe zu geben, wo sie die Wachen aufzustellen haben.
    Wenn du das Flugloch heute noch schließt, dann wirst du vermutlich morgen die Räuber sehen, die einzudringen versuchen. Dann weißt du es genau.
    Gruß Ralph

  • Danke Ralph, für den Tip mit der Räuberei. Habe also gestern Nacht noch, gegen 22:00h im Licht einer Taschenlampe, das Flugloch dicht gemacht, das Milbenzählbrett entfernt, und 5 Liter 3:2 Lösung oben in eine Leerzarge gegeben.


    Heute Morgen dann, bei regnerischem Wetter, beobachtete ich 2-3 Bienen, die rein wollten, und sich dann unter die Beute verkrümelt haben. Pro Minute erschien etwa eine Biene vor dem nun verschlossenen Flugloch, wollte rein, guckte dumm und verschwand dann wieder unverrichteter Dinge.


    Es ist mir nun aber nicht klar, ob das Späher eines räuberischen Volks sind/waren, oder Bienen, die mir gestern Nacht entflogen sind, irgendwie/irgendwo die Nacht verbracht haben, vielleicht unter der Beute am Gitter hängend, und nun nach Hause wollen ?


    Jedenfalls wird das Futter im Eimer noch nicht angenommen, nur einige herabgefallene Schwimmkorken werden zaghaft beleckt.


    Muss ich denn damit rechnen, dass räuberische Bienen bei mir nun eingeschlossen sind ? Und wie lange würde es dauern, bis die denken, sie gehörten zu mir ?


    Gruss von Benjamin

  • Hallo Benjamin,
    Jetzt heißt es nur: Beobachten und Geduld haben! Wenn die Futterabnahme beginnt, kannst du auch das Flugloch ein klein wenig öffnen. Kann 3 Tage dauern. Das Ganze funktioniert aber wahrscheinlich nur, wenn die Königin noch am Leben ist. Um die Räuber im Stock brauchst du dir vermutlich keine Gedanken machen, die werden größtenteils zuhause sein.
    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    zum Stand der Dinge: Mittlerweile haben die Bienen den Futtereimer entdeckt und besuchen vereinzelt das Schwimmkorkenfeld. Ich denke aber, dass sie nicht wirklich Hunger leiden, da die Futterkränze in BR1 recht kräftig sind (indisches Springkraut) und sie den BR2 ja in einen "Honigraum" verwandelt haben. Von daher ist mir der Zusammenhang zwischen Futterabnahme und Fluglochfreigabe noch nicht ganz klar. - Unter der Beute hängen maximal 10 Bienen am Gitter, und es ertönt intensives monotones Brausen aus der Beute. Ab und zu sucht eine Biene das Flugloch. Aber ich kann nicht sagen, ob das ein Räuber ist, oder eine Ausgeschlossene.


    Gruss von Benjamin

  • Lass das Flugloch zu und störe nicht ständig die Bienen. Ich kann deine Ungeduld verstehen, mir würde es nicht anders gehen. Das Indische Springkraut ist irrelevant, wenn das Flugloch geschlossen ist. Warte darauf, dass die Bienen richtig an das Futter gehen. Das ist dann das Zeichen, dass die Bienen beginnen, sich wieder als Volk zu fühlen. Dann funktioniert auch die Fluglochbewachung.
    Gruß Ralph