Problemvolk,trotz vorhandenen Imkerpaten Expertenrat erwünscht.

  • Hallo liebe Bienefreude,
     
    evtl. könnt und wollt ihr einem Newbie unterstützen, der sich eine zweite (oder dritte, oder vierte….) Meinung einholen möchte.
     
    Folgende Ausgangsposition:
    Vor unserem Urlaub haben meine Frau und ich nochmals ein Kontrolle unserer beiden Bienenvölker vorgenommen. Dabei sind uns keine Besonderheiten aufgefallen, Brut, Futter, alles o.k.
     
    Mit unserem Imkerpaten haben wir nach unserem Urlaub einen Termin vereinbart, um das ganze aus „Profisicht“ beurteilen zu lassen.
    Bei Volk zwei war alles i.O. bis auf die Tatsache dass aus Patensicht das Volk unglaublich stark sei und es sich anböte einen Ableger zu machen. Die Königin für den Ableger würden wir von ihm bekommen. Gesagt getan zusätzlich haben wir noch eine MS Behandlung durchgeführt. Der Ableger steht und dürfte allem Anschein nach die neue Königin angenommen haben. Auch mit dem „Spendervolk“ ist soweit alles o.k. Futter vorhanden, Brut und Stifte vorhanden, AS- Behandlung durchgeführt. Sollte ergo alles soweit passen.
     
    Bei Volk eins tauchte ein „Problem“ auf. Keine Stifte nur auslaufende Brut sichtbar und ca. 15 volle Weiselzellen. Da die Bienen unglaublich aggressiv sind, war unser Pate der Meinung, die Chance zu nutzen und das Volk auf eine sanftmütige Königin umzuweiseln. Die neue Königin würden wir dann ca. eine Woche später von ihm erhalten. Im übrigen war dieses Volk auch so stark, dass wir einen Ableger daraus bildeten.
    So wurden die Weiselzellen gebrochen, die Bienen "zwangsweise" eine Woche in Ruhe gelassen und die neue Königin geliefert.
    Als wir (Pate, meine Frau und ich) die neue Königin einsetzen wollten, ist uns bei der zuvorigen Kontrolle eine Weiselzelle aufgefallen, die so aussah als wäre eine Königin daraus geschlüpft.
    Nun war unser Pate der Ansicht man müsse eine Weiselprobe durchführen um tatsächlich sicher zu gehen.
    Ergo haben wir eine „Brutwabe“ mit Stifte aus einem anderen Volk entnommen, dem angeblich weisellosen Volk eingehängt und gehofft, dass bei der Kontrolle zwei Tage später Weiselzellen sichtbar sind.
    Wie ihr euch vorstellen könnt, war dem nicht so. Wir fanden zwar Spielnäpfchen die jedoch leer waren.
    Also machten wir uns auf die Suche nach der Queen, aber das war bei dem Aggressionsverhalten und der immer noch Vielzahl (trotz Ableger) der Bienen auf die herkömmliche Weise einfach nicht machbar.
    Unser Pate schlug dann vor, die Königin zumindest etwas zu isolieren. Dazu ist er wie folgt vorgegangen.
    Die Bienen in eine leere Beute abschütteln/abkehren. Die leeren Waben in die unterste Zarge der ursprünglichen Beute hängen. Auf diese Zarge ein Absperrgitter und eine Leerzarge aufsetzen. Anschließend die Bienen in die Leerzarge „schütten“, den Deckel drauf und hoffen dass die Königin mit dabei war.
    Seine Begründung liegt darin, dass die Bienen nach unten gehen zwecks Futter und sich dann ein relativ geringer Rest in der oberen Zarge bei der Königin aufhalten wird, die dann leicht zu finden sein dürfte.
    Gesagt getan, aber dieses Verfahren war brutal…. Ich sah und hörte nur noch Bienen, Gott lob hatte ich meinen „Bleianzug“ an.
     
    Lange Rede kurzer Sinn, da dies unser Problemvolk ist und ich daran zweifle dass die Isoliermethode erfolgreich ist (es wurden doch sehr viele Bienen „verschüttet“ und landeten nicht in der Leerzarge sondern auf dem Boden, eine Traubenbildung am Boden etc. konnte jedoch nicht festgestellt werden) und mir diese Methode als äußerst Brutal unterkam, möchte ich euch im Vorfeld fragen wie die nächsten Schritte aussehen könnten die Königin zu finden? Ob eure Vorschläge sich mit den Vorschlägen meines Paten decken, steht dann auf einen anderen Blatt, aber zumindest habe ich evtl. eine Diskussionsgrundlage, bzw. mal einen anderen Ansatzpunkt. Aber so eine „Harakiri- Aktion“ wie Gestern möchte ich den Bienen zuliebe zukünftig echt vermeiden.
     
    Vielen Dank für eure Antworten.
     
    Gruß Ody

  • Hallo Ody,
    für mich stellt sich die Frage, ob dieser Volk vorher schon auffällig war oder ist es jetzt erst ein "Problemvolk" geworden?
    Fakt ist, ihr seid mitten in die Schwarmvorbereitung des Volkes gekommen: Der Imker kommt, reißt alles auseinander, bricht die gewollten Weiselzellen und benimmt sich im Sinne der Biene wie die Axt im Walde. Da sind sie nicht begeistert, kann man verstehen. Möglich wäre auch die Bildung eines Zwischenbodenablegers gewesen, viele Wege führen bekanntlich nach Rom.
    Weiterhin finde ich die vorgeschlagene Ablegerbildung etwas verspätet, Ableger bilde ich immer vor Mittsommernacht. Nichts gegen deinen Paten, aber will er unbedingt Königinnen verkaufen?
    Liebe Grüße aus dem überfluteten Mecklenburg
    Katrin

  • Hallo Ody,


    1.) Bienen abschütteln sieht oft schlimm aus, aber wenn man es ruhig und vor allem nur sehr selten macht (z.B. mache ich das einnmal pro Jahr beim Zargentausch - komme gerade von meinem Stand zurück, die Damen fanden das auch nicht lustig !!) dann ist das ok.


    2.) wenn man das richtig macht fallen gar nicht viele Bienen daneben (Leerzarge drauf, Wabe diagonal reinhalten, das wars :-))


    3.) Wenn ein Volk Weiselzellen ansetzt, würde ich es immer in Ruhe lassen. Warum soviel auf einemal wollen ? Die Umweiselung hätte im September / Oktober vermutlich besser hingehauen. Ein Volk mit Weiselzellen will SEINE Königin und nicht irgendeine......die ein anderer Imker verkaufen möchte.


    4.) Lass die Bienen jetzt erstmal in Ruhe und gib ein bisschen Futter rein (am besten durch eine Futterzarge, das stört nicht so !!!


    Dann guckst du Ende August ob Stifte drinnen sind und überlegst Dir in Ruhe, was Du machen willst....


    Gruss


    Florian

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Hallo zusammen,


    zur Ehrenrettung unseres Paten, er hat uns keine Königin verkauft, sondern unendgeltlich überlassen. Ich kenne auch seinen Bienenstand und seine Bienen überzeugen durch Sanftmut und zumindest aus meiner laienhaften Sicht durch Fleiß und Robustheit. Deshalb habe(n) ich (wir) schon vertrauen zu ihm. Aber Vertrauen ist gut, Kontrolle, bzw. eigene Meinungsbildung durch Anregungen dritter evtl. besser?


    @ Katrin, das Volk war zuvor auch schon sehr auffällig, bezüglich Aggressionsverhalten und Farbenpracht.
    @ Florian, zu 3. Nun ja, wie schon geschreiben sind wir Newbees, und setzten schon gewissen Vertrauen in die Erfahrung unseres Paten.
    zu 4. die Bienen in Ruhe lassen hört sich verdammt gut an. Du meinst also heute Abend (füher komme ich leider nicht dazu) die Leerzarge und das Absperrgitter runter, in den BR eine zusätzliche (oder Austausch Futterwabe) und dem Volk sich selbst überlassen? Was soll ich mit der Königin machen die bei uns bereits in einem Beisetzkäfig (mit Flugbienen) lagert und "Gewehr bei Fuß" steht?


    Danke und Gruß


    Ody

  • Hallo


    einen solchen Paten würde ich mir nicht verärgern
    was soll er auch anders machen
    er kommt und der Anfänger erwartet Taten


    Da er Gewehr bei Fuß steht. lass ihn machen
    ich sehe da keine groben Fehler


    Gruß Uwe

  • Hallo Ody,
    wenn ein Volk längere Zeit agressiv ist, weisele ich es ebenfalls um. Mir ist das ruhige und friedliche Arbeiten mit den Bienen sehr wichtig. Zumal bei uns immer Besuch und neugierige Kinder sind und unser Grundstück klein. (Auch wenn es jetzt dafür gleich Schläge vom Drohn gibt).
    Wenn du jetzt die Lehrzarge abnimmst, müsste ja nach der ganzen Aktion auf dem Absperrgitter oder an der Innenwand die junge Königin sitzen. Die musst du finden. Findest du sie, entferne sie............., dann Absperrgitter weg und Futterzarge oder Folie mit Lehrzarge drauf. Füttern über Futterzarge oder mit Schüssel in Lehrzarge. Wie du magst. Nicht nochmal im Volk herummanipulieren, deshalb würde ich auch keine Futterwabe einhängen.
    Solltest du die junge Königin nicht finden, würde ich alles entfernen, Volk in Ruhe lassen und füttern. Die bereits vorhandene Königin würde ich mit BW aus dem anderen Volk mit ansitzenden Jungbienen zwischenparken. Im September kann man besser die Völker vereinigen. Daher würde ich jetzt schon beide nebeneinander stellen. Später können die Plätze getauscht werden, damit hat die junge gewünschte Königin schon die Flugbienen und es lässt sich leichter nach der Königin suchen.
    Liebe Grüße Katrin

  • Hallo,


    danke für eueren Input, ich sehe schon es führen eine Menge Wege nach Rom ;-)
    @ Uwe in der Tat fühlen wir uns bei unseren Paten gut aufgehoben und es ist beruhigend solch ein Statement zu lesen ;-)


    @ Karin, danke! Habe ich Dich nun richtig verstanden? Nachdem wir die Königin gefunden entfernt und für reichlich Futter (über Futterzarge) gesorgt haben, das Volk in Ruhe lassen. Auch nicht z.B. einen Tag später die neue Königin einsetzen? Anstatt dessen die neue Königin mit Brutwaben und Jungbienen aus anderen Völkern in eine neue Beute "einschlagen" und im Septmeber das Agro-Volk mit dem neuen "Jungvolk" vereiningen?


    Danke für eine Antwort


    Gruß Ody

  • Hallo Ody,
    wenn du die junge Königin findest, dann würde ich sie entfernen und deine neue im Ausfresskäfig unter festen Verschluss zusetzen (mit Futter). Nach ca. 2-3 Tagen würde ich ihr erst den festen Verschluss mit Futterteig austauschen. In dieser Zeit keine Störung, bis die neue ihre eigene Brut nicht hat, ist sie nicht sicher. Gerade bei agressiven Völkern.
    Viele Grüße
    Katrin

  • Hallo Ody,
     
    verstehe ich das richtig, dass die für den Anfänger etwas brachiale Methode der Königinnensuche erfolgreich war und ihr die Königin entfernt habt?
     
    In diesem Fall solltet ihr so schnell wie möglich eine neue Königin einweiseln. Mit einer eigenen jungen Königin aus diesem Volk kann es zu dieser Jahreszeit (bei mir wurden die Drohnen schon vor 2 Wochen heftigst bekämpft) nichts mehr werden. Jeder Tag ohne Jungbienen ist jetzt ein verlorener Tag, der die Überwinterungschancen des Volkes deutlich verschlechtert.
    Wenn Du zu lange wartest, besteht die Gefahr dass im hoffnungslos weisellosen Volk eine Arbeiterin das Legen übernimmt. Das wäre der sichere Tod des Volkes.

  • Hallo Wulle,


    Deine Argumentation kommt ihr irgendwie bekannt vor.
    Nein wir konnten die Alte noch nicht suchen, erst heute am frühen Abend können wir auf die "Jagd nach der Alten" gehen und ich hoffe inständig das wir mit der "Brachialmethode" fündig werden.
    Dann werden wir so vorgehen wie vom Paten Katrin und Dir angeregt..... asap die Neue zusetzen.
    Ansonsten......?


    Gruß Ody

  • Hallo zusammen,


    ich wollte nur noch mal feedback zu umserem Problemfall geben.
    Also wir konnten die Quenn auch weiterhin nicht finden. Nach Anraten unseres Paten, hängeten wir die neue Quenn "blind" rein und machten die "Hörprobe". Laut seiner Erfahrung wird ein Weiseloses Volk innerhalb weniger Miunten um Welten ruhiger, wenn man eine Königin zusetzt. Sollte der Geräuschpegel nicht sinken und weiterhin hoch bleiben, ist davon auszugehen, dass eine Königin vorhanden ist.
    Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, aber gesagt getan..... nachdem wir die Königin zusetzen wurde das Volk tatsächlich um einiges ruhiger. unter den Voraussetzungen ließen wir die Königin im Volk und entfernten am nächsten Tag den Futterdeckel des Zusetzkäfigs damit die Bienen sie freifressen konnten. Wiederum einen Tag später war die Quenn frei und wir entfernten den Zusatzkäfig. Wir fütterten zusätzlich noch 3 Kg zu und harten der Dinge die kommen.


    Mittlerweile waren neun Tage vergangen, Gestern dann die erste Kontrolle.....
    Also wir öffneten wir die Beute, die Bees weiterhin agressiv ohne Ende, das erste Rähmchen gezogen, nichts außer Futter, genauso das zweite und dritte Rähmchen.... aber dann fanden wir Stifte, verdeckelte Brut und ca. 15 Weiselzellen. Die Weiselzellen hab ich dann gebrochen und zog das vierte Rähmchen und was mussten meine Augen entdecken.... die gezeichnete Königin. ;-)


    Also war die ganze Aktion erstmal erfolgreich <--- DURCHATMEN!
    Was mich jetzt dennoch beschäftigt, das Volk hat die neue Quenn ja akzeptiert, warum wollen sie dann mit aller Gewalt eine neue Königin nachziehen?
    Das soll einer verstehen!


    Gruß Ody


    P.S. Danke für eure Ratschläge und Tipps!


  • Was mich jetzt dennoch beschäftigt, das Volk hat die neue Quenn ja akzeptiert, warum wollen sie dann mit aller Gewalt eine neue Königin nachziehen?


    Aus irgendwelchen Gründen sind sie unzufrieden mit dieser Königin. Es könnte z.B. sein, dass die Königin nicht ordentlich begattet wurde und bald das Sperma ausgeht...
    Es könnte aber auch sein, dass sie nach dem Brechen der Weiselzellen doch nicht mehr umweiseln wollen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hi wald&wiese,


    was bedeutet das dann für uns?
    Wie sollen wir uns verhalten, wenn sie weitere Weiselzellen bilden? Da es ja um die Jahreszeit praktisch keine Standbegattung mehr möglich ist (zumindest konnte ich Gestern bei der kKntrolle der Völker keine Drohnen mehr entdecken), stellt sich mir die Frage ob wir dann umweiseln sollten, oder weiterhin nur die Zellen brechen sollten und hoffen das die Quenn ihr Ding durchzieht?


    Fragen über Fragen...


    Es bleibt spannend!



    Gruß Ody