Honigschleuder mit Waschmaschinenmotor

  • Hallo Bastler,

    rechtzeitig vor Ende der Trachtzeit ist die Gorenje-Waschmaschine meiner Tochter kaputtgegangen und ich habe mich daher an das Projekt der Motorisierung meiner Honigschleuder gemacht. Jetzt ist sie fertig und wartet auf den ersten Einsatz. Alle Photos inkl. Schaltplan findet ihr auf

    http://www.flickr.com/photos/3…3/sets/72157627176522350/

    Um den Umbau (und eventuellen Rückbau) möglichst einfach zu gestalten, habe ich nur die Kurbel abgenommen und statt dessen eine Scheibe mit 20cm Durchmesser angebracht.


    Material:

    Waschmaschinenmotor SELNI 58 75 50 (250W, 1400 RPM, 8fach-Tachogenerator)
    neuer Antriebsriemen geeigneter Länge
    Trafo 50V, ca. 100VA
    TDA1085C (Universal Motor Speed Controller)
    + diverse elektronische Bauteile

    Meine Kosten waren € 30.- für den Antriebsriemen und € 3.- für den Controller-IC, den Rest hatte ich in der Bastelkiste.

    Da der Motor mit 250W viel zu stark ist, habe ich einen Trafo vorgeschaltet. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass die Elektronik und der Motor vom Netz getrennt sind, was die Sicherheit sehr erhöht.

    Die Schleuder-Geschwindigkeit wird über ein Potentiometer mit Drehknopf eingestellt. Als Skala habe ich die gemessene Frequenz des Tacho-Generators genommen (das Maximum von 170Hz entspricht 60*170/8=1275 RPM am Motor). Den Ein-Aus-Schalter habe ich mit gespart, den Motor stoppt man einfach durch Zurückdrehen auf 0.

    Die Anpassung der Schaltung aus dem Datenblatt an den verwendeten Motor, die mechanischen Eigenschaften der Schleuder und die Versorgungsspannung war etwas trickreich, ich würde daher den Nachbau nur Bastlern mit Elektronik-Erfahrung empfehlen.

    Grüße,


    Gerhard


    P.S.: Einfacher wäre es, statt der Drehzahl-Steuerung den Motor direkt mit 230V zu betreiben und einen Dimmer vorzuschalten. Das funktioniert mit dieser Art von Bürsten-Motor ganz gut, es ist nur die Kontrolle der Drehzahl nicht so verlässlich. Kondensator-Motoren kann man für diesen Zweck eher vergessen.

  • Hast du auch alle Sicherheitsvorschriften eingehalten?


    Remstalimker


     
    Elektrisch ja: nur die Primärwicklung des Trafos ist am Netz; alle Metallteile und die Elektronik sind an Schutzerde.
    Mechanisch nein: der Riemen liegt frei, wie man sieht, viel kann da aber nicht passieren. Und mit 50V bringt der Motor keine große Leistung.


    Grüße,


    Gerhard

  • Hallo Gerhard,


    boah, ich bin wirklich ehrfürchtig durch diese Bilder geklickt und seeeehr beeindruckt.


    Sowas MUSS ins IF ! Auch wenn es nur eine handvoll Leute nachbauen können, die werden davon profitieren.


    Außerdem muß solche Genialität gezeigt werden. Das reicht überhaupt nicht, solch ein Werk dem Nachbarn zu demonstrieren.


    :u_idea_bulb02::u_idea_bulb02::daumen::Biene:


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Danke, B.H. und Marion für die Blumen!


    Nachtrag:


    Die 50V sind für diesen Motor doch etwas wenig. Wenn man die Schleuder mit Waben befüllt, braucht der Motor wegen des erhöhten Luftwiderstands mehr Leistung, als wenn sie leer ist. Bei meiner 3-Waben-Schleuder (Durchmesser 50cm) geht sich das gerade noch aus. Ich würde aber einen Trafo mit höherer Spannung nehmen, wenn ich ihn kaufen müsste (so etwa 100V), um noch Reserven zu haben.
    Vorteil einer knapp bemessenen Leistung ist allerdings, dass die Schleuder recht sachte anläuft, ohne dass man die Rampen-Funktion des TDA1085C verwenden muss.


    Wenn jemand das nachbauen möchte: bitte sich zu melden, ich helfe gerne!


    Grüße,


    Gerhard

  • Hallo Gerhard,


    tolle Sache, werde diese Anleitung mal im Hinterkopf behalten, denn die Anschaffung der Schleuder habe ich auf nächstes Jahr verlegt, da meine 3 Ableger erst mal stark und kräftig werden sollen.
    Ich dachte, ich müßte in so einem Fall auf einen Frequenzumrichter oder einen Gleichspannungsmotor zurückgreifen. Den Weg über Gleichspannung habe ich schon einmal für meine Filterpumpe zum Met filtern gewählt. Das ist eine Wasserversorgungspumpe für Wohnmobile. Da habe ich einen LM2576adj genommen und ein 12V Schaltnetzteil für die Versorgungsspannung. Der 2576 ist ein Schaltregler, so das nichts verheizt wird. So kann ich meine Pumpe von 1,2-10V betreiben und ebenfalls ganz bequem regeln.
    Aber so habe ich heute wieder was dazu gelernt :)


    Gruß Gerald

  • In den letzten Tagen habe ich zusammen mit meinem Imkerpaten an die 350 kg Honig geschleudert, und ich kann sagen, dass sich die Schleuder bestens bewährt hat. Eine Schleuderung sieht typisch so aus:


    - Seite A bei 70
    - Seite B beginnen mit 70, dann erhöhen auf 100,
    - Seite A beginnen mit 100, dann erhöhen auf 130,
    - Seite B mit 130


    (wobei 60 ca. 150 Umdrehungen/min der Trommel entspricht, d.h. ich schleudere mit maximal 325 Upm, mehr bringt nichts).


    Unbebrütete Waben mit Melezitose werden im Schongang geschleudert: beginnend mit 60, maximal 100 (oder weniger).


    Eine kleine Verbesserung habe ich gleich am Beginn noch eingebaut: ein Schalter am Potentiometer-Gehäuse, der das Poti kurzschließt. Somit muss ich beim Wenden der Waben nicht auf Null zurückdrehen und sehe daher immer wo ich gerade stehe (mein Kurzzeitgedächtnis ist nicht mehr das beste).


    Einen Vorteil hat die Drosselung der Motorleistung durch die niedrige Betriebsspannung auch noch: wenn sich der Honig staut und der Korb unten eintaucht, wird die Schleuder sofort stark gebremst.


    Grüße,


    Gerhard