Eingriffe ins Bienenvolk

  • Hallo zusammen,


    ich habe da mal eine grundsätzliche Frage an Euch: was meint Ihr, ist es besser,die Arbeiten die man so am Volk durchführen muss, nach und nach durchzuführen, oder ist es besser, notwendige Eingriffe "zu sammeln" und dann einmal eine große Aktion durchzuführen?


    Zum Hintergund: ich habe aus meinem Dadant-Volk die alten Langstroth-Brutwaben vom Imker-Paten entnommen und in einen Ablegerkasten zum auslaufen gegeben. Das war mit 4 Brutwaben auf einmal und mit den neuen Waben und Umsortieren schon ein ziemliches Auseinanderreißen :-(, was mir so gar nicht gefallen hat.


    Mit einer ebenfalls Anfängerin hatte ich dann die Diskussion, ob man so was wohl besser in einem Durchgang macht, oder ob man über einen längeren Zeitraum immer mal kleinere Eingriffe macht, dafür aber viel häufiger.


    Was soll ich sagen, zwei Anfänger - zwei Meinungen - drölfzig Möglichkeiten...


    Wie geht Ihr das an?


    Liebe Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Ich mach so - wenn Eingriffe sammelbar sind sammle ich die. Wenn es nicht geht dann geht es eben nicht. Das hat den einfachen Hintergrund, dass ich einfach ne faule Socke bin und eigentlich gar nix an den Bienen machen möchte und richtig viel Honig ernten will. Das geht aber (auch wenns da verschiedene Ansichten gibt) bei mir nicht.
    Die Faulheit vernünftig regieren zu lassen ist für mich ziemlich praktisch und den Bienen tuts auch gut (hoffe ich) oder auch anders "So wenig wie möglich - so viel wie nötig" :)
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo Henrike,
    eine notwendige Störung des Volkes bzw. ein direkter Eingriff ins Brutnest, wird nicht besser vom Volk ertragen, wenn er in drei oder vier "kleine" Störungen über Tage verteilt durchgeführt wird.
    Arbeitsschritte planen und zügig in einem Rutsch durchführen.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo, Henrike!


    Ich plädiere ganz klar und aufgrund eigener Erfahrung auf "1x richtig".
    Das Stockklima ist bei jedem Eingriff im... kaputt und Stress hat das Volk auch jedes Mal, natürlich bei größeren Eingriffen mehr, aber Kleinvieh macht halt auch Mist.
    Daher lieber alles auf einen Schlag und danach möglichst wochenlange Ruhe für das Volk.
    Ich habe auch den rein intuitiven und gefühlsmäßigen Eindruck, dass weniger geöffnete Völker allgemein ruhiger und ausgeglichener sind und sie sich außerdem wesentlich besser, sprich harmonischer und geradlieniger entwickeln.
    Leuchtet ein, da weniger Energie für die ansonsten sehr häufige Wiederherstellung des Stockklimas benötigt wird, welche sich anderweitig, sprich in Brut und Sammeltätigkeit, umsetzen lässt.


    Also, weniger und überlegt ist mehr!


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Olli,


    so bin ich's ja auch angegegangen. Aber dann kommt man an den Punkt, wo man mit einem Mal im Volk alles durcheinander bringen muss. Und da bleibt eben die Frage, ob man lieber viele Mini-Störungen verursacht oder eine Total-Operation am offenen Herzen... Oder ist doch der "kleine Dauerstress" schädlicher?
    Die Bienen sollen ja nicht unter meiner "Faulheit" leiden.


    Ich überlege echt die ganze Zeit hin und her...
    Gruß, Henrike


    PS: huch in der Zwischenzeit sind ganz viele Antworten aufgelaufen, dieses hier gehört eigentlich an Platz 3... :-)

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Der Imker, bei dem ich dieses Jahr einige Völker geholt habe, hat mir erzählt, dass er bei seinen Hinterbehandlungsbeuten nur einmal im Jahr den Brutraum durchsieht. Bei Ablegern z.B. setzt er immer wieder die Waben einfach hinten an. Ist der Brutraum so gut wie voll, setzt er einen Baurahmen an. Wenn dieser ausgebaut ist, bekommt das Volk den Honigraum. Dieser wird zur Ernte eben entnommen. Den Drohnenrahmen tauscht er im Laufe des Jahres immer wieder aus. Ende Juli kommt an dessen Stelle der Nassenheider Verdunster, danach die Futtertasche, dann nochmal der Verdunster, dann ist Ruhe im Volk, er öffnet es erst im nächsten Frühjahr.
    Dazu muss man natürlich sagen: Er ist Rentner, hat also viel Zeit, und kann eben so auch rein über die Schwarmbetriebsweise vermehren. Dieses Jahr hat er von seinen 18 Wirtschaftsvölkern 23 Schwärme eingafngen. Trotzdem will er 55 kg Honig pro Volk geerntet haben. Bei letzterm bin ich mir bei ihm nicht so ganz sicher, wie viel Imkerlatein dabei ist.
    Interessant ist aber eben doch, dass er, indem er den Brutraum in Ruhe lässt, trotz Schwarmbetriebsweise doch noch gut Honig ernten kann und auch nur zwei Behandlungen mit Ameisensäure pro Jahr braucht. Verluste hatte er bisher nur ganz wenige.


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Hallo Friedrich!


    Und wie macht er die Bauerneuerung?
    Wohl über die Schwärme hoffe ich.
    Und die alten "Schinken"? Was macht er mit diesen?
    Weißt Du da näheres?

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo Luffi,


    ich frage ihn das nächste Mal, wenn ich ihn sehe. Ich vermute jedoch, dass er die "alten Schinken" bei der einen Kontrolle auswechselt. Oder er sagt sich:"In der Natur werden die Waben auch nie ausgewechselt. Da brauch ich diese auch nicht auswechseln."


    Wie wäre denn mal eine Beute, in der der Brutraum nur Naturbau ist. Nur im Honigraum braucht man die entnehmbaren Waben.


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Hallo


    ich bin auch dafür, einen richtigen Eingriff im Volk, das ist besser als mehrere kleine Eigriffe. Die von Friedrich beschriebene Arbeitsweise seines Imkerkollegen, versuche ich auch umzusetzen. Nach der Rapsernte kommt das gesamte Brutnest in die 4. Etage, eine Wabe mit auslaufender Brut und eine mit Stiften und der Königin bleibt im Brutraum, dann wird mit Leerwaben und MW aufgefüllt und dann wie beschrieben. Wenn es klapp ist es perfekt und ohne Schwärme, aber manchmal klappt es auch nicht optimal.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Henrike,


    auf einem Bienenkurs hat mal ein Referent gesagt, dass den Bienen jeder Eingriff etwa einen Tag kostet. Also alles wieder ordnen, neu verkitten, gucken ob wirklich niemand was klauen will, Stockluft regulieren usw....
    Ich sammle darum auch lieber und greife einmal richtig an.


    Viele Grüße
    KAtrin

  • Vielen Dank schon mal für Eure Hilfe, die haben mich doch bestätigt, das Ganze richtig angegangen zu sein. :daumen:
    War heute wieder bei den Bienen und habe gesehen, dass beide Volksteile die Aktion gut überstanden haben. Das Altvolk (Ableger vom letzten Jahr) fliegt, als ob nichts gewesen wäre.
    Die "Brutscheune" fliegt deutlich weniger, ist aber logischerweise auch noch weisellos. Die Weisel sitzt schon in einer Blumentopf-Armee parat und wartet auf ihren Einsatz, sobald die Langstroth-Waben ganz ausgelaufen sind.
    Die Sache läuft erst mal wie ein Länderspiel... mal sehen was noch kommt :roll:


    Viele Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.