Wildlebende Honigbienen?

  • Hallo zusammen,


    ich habe da mal eine Frage (brauche ich für eine Diskussion):


    Ist es so, daß es in ganz Europa wegen der Varroa keine wild lebenden Honigbienen mehr gibt? Ich meine jetzt nicht die Schwärme, die unbehandelt vielleicht 2 Jahre überleben, sondern wirklich noch wilde, unbehandelte Populationen.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Nein, das ist nicht so. Es gibt wildlebende Honigbienenpopulationen in ganz Europa, einschließlich in Deutschland. Am besten dokumentiert sind die Populationen in Frankreich, die von dem Wissenschaftler Yves le Conte seit über 11 Jahren kontinuierlich beobachtet werden. Sie brechen überhaupt nicht an der Varroose zusammen. So eine Art gallisches Dorf.


    Interessanterweise sterben diese Völker, wenn sie aus ihren Baumhöhlen in die imkerliche Pflege genommen werden.


    Von einem namhaften deutschen Bienenwissenschaftler ist mir aus einem persönlichen Gespräch bekannt, daß es auch in Deutschland solche Populationen gibt. Leider sind diese nicht dokumentiert.


    Die Anzahl der wilden Völker ist jedoch zumindest in Deutschland stark reduziert. Häufigste Vorkommen dürften in alten Bienenständen sein, dessen Besitzer verstorben sind und um die sich danach niemand mehr gekümmert hat. Diese Bienenstände werden nicht immer jedes Jahr aufs Neue besiedelt, sondern sind durchaus kontinuierlich besetzt. Sobald jedoch ein deutscher Saubermann diese Bestände entdeckt, wird alles - inklusive der Völker - verbrannt. Diese Genressourcen bleiben also ungenutzt. Aber Zucht und Ordnung muß in Deutschland sein, notfalls unter Inkaufnahme von "Völkermord".


    Die wilden Honigbienenpopulationen sind also mitnichten in ganz Europa ausgerottet. In Frankreich hat Le Conte das sehr sauber und ausführlich wissenschaftlich dokumentiert. Am meisten wurmt ihn, daß er nicht herausfinden kann, warum die Völker unter imkerlicher Pflege an der Varroa eingehen und warum sie in den Baumhöhlen überleben.


    Freundliche Grüße
    Bernhard

  • @Bernhard:wegen Nestduftwärmebindung. Sobald Imkers das Volk öffnet, gerät alles, inklusive Temperatur, durcheinander. Die Bienen müssen Kraft und Ressourcen aufwenden um zu reparieren. Die fehlt an anderer Stelle für die normalen Arbeiten.


    Es gibt in Europa Varroafreie Gebiete: Mittelschweden, Ile d Óuessant in der Bretagne, Varroatolerante: Mont du Lozere, ruches tronc, in Frankreich, (immer jeweils lokale Dunkle Populationen)

  • Moin,


    ich kann nur sagen, dass bei einem Bekannten seit drei oder vier Jahren ein ehemaliger Schwarm in einer Baumhöhle lebt. Es klappt also.....:lol:

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Moin,


    da stellt sich aber die Frage, wie werden sie mit der Varroa fertig?
    Sie haben ja sicherlich Kontakt zu "Imkerbienen" und somit nehmen sie, z.B. durch Verflug, auch die Varroa mit.
    Die oben genannten Populationen leben ja nicht hinter einer Bienensperre.


    Gibt es über das "wie" Untersuchungen? Mit der heutigen Technik müßte doch festzustellen sein, was sie anders machen gegen eingeschleppte Varroen.
    Anderes Putzverhalten, töten und rauswerfen von milbenbesetzten Bienen u.s.w.


    @ Bernhard: Kannst Du die französischen Texte verlinken, um mit Google zu übersetzen?



    Zitat

    Zitat Luxnigra: Wegen Nestduftwärmebindung. Sobald Imkers das Volk öffnet, gerät alles, inklusive Temperatur, durcheinander. Die Bienen müssen Kraft und Ressourcen aufwenden um zu reparieren. Die fehlt an anderer Stelle für die normalen Arbeiten.


    @ Luxnigra: Danach bräuchte man ja nur Völker in Ruhe zu lassen - und schon hat die Varroa keine Chance mehr... Ich glaube, so einfach ist das nicht.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • ...seit drei oder vier Jahren ein ehemaliger Schwarm in einer Baumhöhle lebt.


    Ich kenne leider kein derartiges Volk.
    Es wäre doch sinnvoll, solche Beobachtungen hier zusammenzutragen und diese Völker "auszuforschen". Wie werden die mit ihren eigenen Abfällen fertig (immer kleinere Zellen, kein Platz für Neubau)?


    Soweit ich weiß, werden solche Höhlen wieder aufgegeben, damit die Wachsmotten aufräumen können...


    Dann kann man sie aber nicht weiter beobachten.:-(

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • ...Danach bräuchte man ja nur Völker mehr in Ruhe zu lassen - und schon hat die Varroa weniger Chance ...


    Hallo Hardy,
    deine Frage an Luxnigra von mir ein bischen abgeändert als Antwort.


    Ich sehe darin einen der Schlüssel, wie es unsere Bienen schaffen können mit der Varroa zu leben.
    Der Imker schraubt zu viel an den Bienen rum.


    Gruß
    Werner

  • Hallo Leute,

    Zitat

    Es gibt wildlebende Honigbienenpopulationen in ganz Europa, einschließlich in Deutschland.


    Dafür hätte ich aber gerne mal eine verlässliche Quelle.

    Zitat

    Von einem namhaften deutschen Bienenwissenschaftler ist mir aus einem persönlichen Gespräch bekannt, daß es auch in Deutschland solche Populationen gibt.


    Dito
    Ohne Quellenangabe sind das Gerüchte, oder Märchen, und sonst nichts.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Doch, es scheint so einfach zu sein. Ich sammle Berichte über solche Völker, immer starben Anfangs viele, die Restlichen vermehrten sich per Schwarm. Entweder wurde nur der Honigraum aufgesetzt, (Winterfutter aber stets Honig), oder der Imker war so alt dass überhaupt nichts gemacht wurde.
    Übrigens: Bienen können selbst altes Wabenwerk im Naturbau abschroten und erneuern!

  • Vor wenigen Tagen war ich auf einem 15 km entfernten Aussiedlerhof. Dort leben mindestens drei wilde Bienenvölker in jeweils ca. 40 Meter Abstand. Zwei davon in Steinwänden, eins in einer hohlen Kirsche. In der Kirsche ist dazu noch ein Hornissennest in einer weiteren Baumhöhle...
    Die dortigen Bewohner meinten, dass die Bienen immer durch den Winter kommen. Normale Bienenstände sind in der Nähe nicht bekannt.


    Diese Situation will ich die nächsten Monate und im Besonderen im kommenden Frühling genauer beobachten.
    Sollten beispielweise alle drei Völker durch den Winter kommen würde ich gerne daraus entstehende Schwärme fangen.


    Gruß
    Konstantin

  • Hallo Euch allen, in Chemnitz wohnt seit zehn Jahren ein frei lebendes Bienenvolk hinter einer vermauerten Fensternische.
    Die Beobachtung stammt von einem gestandenem Imker, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.Verbindung zum Bienenfachinstitut in Kirchheim besteht, die Beobachrung wird im Frühjahr 2012 fortgesetzt. Mit freundlichen Gruessen an alle
    Honigmade