Warnung: Trachtlücke - Carnica - zu frühes Lindenende

  • Moin,


    mit der sinnlos frühen Lindenblüte :-( steht uns auch ein traurig frühes Lindentrachtende bevor. Schon heute ist abzusehen, daß am 15. Juli 2011 keine Linde mehr honigen wird. Derzeit honigen hier Brombeere, Antillus und Linde gemeinsam. Am 15. Juli wird dann gar nix mehr honigen.


    Carnica geht dann aus der Brut (Buckfast frißt dann wohl die verfügbaren Vorräte und brütet weiter :confused: ) Diese zu erwartenden Brutlücke im Zusammenspiel mit der Trachtlücke und der Tendenz zur Räuberei wird - nach meiner bescheidenen und ausschließlich auf Erdschwingungsanalyse fußenden Prognose - zu einer massiven Schädigung der Brut kurz nach dieser frühen Brutlücke führen. Ich sage vorraus, daß danach folglich auch unbelastete Volker - saubere Schwärme, früh behandelte Ableger - zum Ziel der schon früh zusammenbrechenden Trachtvölker werden und wir auch bei niedrigen Milbenzahlen im Juli und August wegen des Brutlochs mit massiven teils finalen Schäden rechnen müssen.


    Ich rate dazu in diesem Jahr eine Behandlung und damit das ohnehin sehr früh liegenden Trachtende ebenfalls sehr früh ins Auge zu fassen und vor allem kontinuierlich den Milbenfall zu ermitteln. Ich selbst werde nach der Linde vermutlich sofort die Völker sortieren und die in der Tracht verbleibenden mit Honig füttern und den dann - bzw. das was bleibt - vor der Goldrute abschleudern.


    Ich habe in diesem Jahr große Sorge, daß die aktuelle extrem niedrige Milbenbelastung (kaum eine Milbe auf den Bienen zu finden, kein DWV oder Paralyse) zu Leichtsinn und Leichtfertigkeit und damit zu dramatischen Winterverlusten führen könnte. Ein Bißchen Hoffnung hab ich natürlich auch, daß die niedrigen Milbenzahlen jetzt den harten Trachteinschnitt und Brutrückgang dann doch überwindbar machen.


    Also paßt bloß auf!:wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Henry,
    ich hoffe ja noch auf Blatthonig wie im letzten Jahr. Läuse sieht man einige, teilweise klebt´s an den Blättern, wo die Bienen den Blatthonig im letzten Jahr genau gefunden hatten weiß ich bis heute nicht.......
    Ansonsten sah ich so vor einer Woche in einigen Volkern das größere freie Flächen auf den Brutwaben noch nicht wieder bestiftet wurden.
    Da läßt sich dann nach der Linde gut mit 1 x AS behandeln wenn fast keine Brut mehr da ist, die wenigen Brutwaben vorher gleich in eine Brutscheune mit Nassenheider drauf.
    Für die Völker wo ich nicht ins Brutnest eingreife, sowie Schwärme im Naturbau muß ich mir was anderes überlegen.
    Grüße
    Thomas

  • Henry es wäre mir lieb wenn du kurz mal drauf eingehen könntest, wie die Brutlücke zur Schädigung führen kann. Das Volk geht aus der Brut und folglich sitzen die Varroen auf den Bienen. Wie dann weiter?
    Mir fehlt hier noch etwas der Überblick.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo Olli,
    nach meiner Anfängermeinung führt die Reduzierung der Brut zu einer hohen Varroadichte in den wenigen immer kleineren Brutflächen. Die schlüpfenden Bienen, die Zukunft des Volkes, also der komplette Nachwuchs, ist dann stark geschädigt. Die alten Bienen sterben weg, die neuen werden kein langes Leben führen, gesunde langlebige Winterbienen werden nicht genug erbrütet.
    Grüße
    Thomas

    Grüße aus Leipzig
    Thomas

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Thomasbienen () aus folgendem Grund: RS

  • Olli : Na, die Trachtlücke verringert das Futter. Futterverringerung bedeutet Futtersaftverringerung. Futtersaftverringerung bedeutet, daß die Milben in der verbleibenden Brut schneller aus ihrer Futtersaftstarre aktiviert werden, ergo früher mit dem Befall der Larve beginnen. Das bedeutet, die Populationswachstumsrate der Varroa erhöht sich.


    Des weiteren konzentrieren sich die verbleibenden Varroen in der wenigen Brut. Das führt zu Mehrfachbefall. Das wird zwar durch einen Mechanismus bei den Varroen gekontert, der bei Mehrfachbefall einer Zelle die Fruchtbarkeit der Milben herabsetzt, doch die restliche Bienenbrut wird trotzdem übermäßig geschädigt.


    Getoppt wird das Ganze nur noch durch eine Behandlung, die genau in dieses Wirrwarr von Futter- und Populationsbeziehungen hineinschlägt.


    Deswegen ist anzuraten, schon vor der Behandlung durch Fütterung dafür zu sorgen, daß kein Futternotstand herrscht. Dann behandeln. Dann wieder füttern. Wer den Honigraum runterreißt, dann bei Schlechtwetter und fehlender Tracht behandelt - der ruiniert die Völker aus oben angegebenen Gründen. Prominente Beispiele dafür hatten wir hier ja im Imkerforum. :lol: Die Nachbarimker und Reinvasionstheorien sind in diesen Fällen unschuldig, aber gern genutztes Mittel zur Erklärung des eigenen Unverständnisses der Sachlage.


    Freundliche Grüße
    Bernhard

  • Henry es wäre mir lieb wenn du kurz mal drauf eingehen könntest, wie die Brutlücke zur Schädigung führen kann. Das Volk geht aus der Brut und folglich sitzen die Varroen auf den Bienen. Wie dann weiter?


    Es passiert gar nichts. Bienen und Varroen sterben ganz parallel. Schäden treten fast keine auf, weil lebende alte Bienen kaum Schaden nehmen, wenn sie das Varroapferdchen spielen. Irgendwann ist das Volk jedoch so klein geworden, daß die Carnica so vor sich hin denkt: "Na jetze müßten wir mal wieder paar Jungbienen aufziehn, dassmer nich glei aussterm" Blöderweise denken nun - das ist der Telepathiebeweis - die anhaftenden Varroen - natürlich auf Varroisch - genau das Gleiche. Nicht ganz. Die will natürlich niedliche kleine Varroen aufziehen. Folglich springen die Varroen alle und zu dritt in die paar Zellen, die gerade für die Carnicaerhaltung von dieser gedacht und vorbereitet und bestiftet waren. Alle springen sie da rein und feiern feste Feste, weil endlich wieder was geht und nehmen keine Rücksicht auf das heranwachsende zarte Bienchen. Die springen der Puppe auf dem Bauche rum und tollen nur so in der Zelle und dann scheißen sie auch noch alles voll und weil sie sich nicht schützen beim Saugen, kriegt die kleine Bienen auch noch EHEC oder wie die fiesen Viren so heißen. Und wenn sie dann schlüpfen will und mal noch schnell die sterbenden die älteren Schwestern sehen, dann isse ganz schlaff und matt und wollte doch so gerne noch Winterbienen füttern, die das Volk braucht. Flügellos schleppt sie sich dann durch die Gegend und er Einzige der sich toll vermehrt hat und immer noch an Party denkt ist die pöse Varrose ...


    Und wenn sie so gestoben sind, dann leben sie nicht mehr weiter.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Danke Henry für den kurzen "Wetterbericht",
    hier in Berlin hat die Lindenblüte auch um den 1.6. eingesetzt (sieht man an den Verlagsbienen des Bienenjournals bzw. des Waagstockes ja ganz gut) aber bis auf ein paar kurze aber intensive Regengüsse ist es hier immer noch sehr trocken. Denke auch dass die Lindenblüte schnell durch sein wird und es unkt ja auch schon in den Bienenzeitungen daß man die Varroa im Auge behalten soll (Merksatz: "Remember, Remember, too late in December!").
    Na, mal sehen...vorher werden aber sicherlich noch Rekordernten eingefahren werden mancherorts...das Weinen kommt dann womöglich hinterher...


    Melanie

  • ...die Carnica so vor sich hin denkt: "Na jetze müßten wir mal wieder paar Jungbienen aufziehn, dassmer nich glei aussterm" ...

    Aha, wie mensch an der Aussprache erkennt sind det denn wohl die Leibzscher Carnica, nicht die Westberliner...:cool:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Bei mir waren fast alle Völker zum Ende der Robinie aus der Brut gegangen, meist weil sie komplett mit Honig und Pollen voll waren. Bei vielen habe ich einen kompletten Wabentausch vorgenommen, also alle 27 Waben raus und Leerwaben rein ( 2x9 in 2 Bruträumen, 1x9 im Honigraum) Danach haben die Königinnen in den meisten Völkern sich überlegt, unter Einfluss der Linden und Brombeerblüte wieder Brutnester aufzubauen. Die Bienenlücke wird wohl in die Zeit nach der Linde fallen, dann werden sie sehr schnell sehr schwach werden. Leider war die jetzt vorhandene totale Brutlücke durch die Lindentracht für Behandlungen ungeeignet - schade!

  • Aha danke für die Ausführungen. In Österreich und in der Schweiz könnten ja die Imker die Phase ohne Brut nutzen und einen Oxalsäureverdampfer zum killen der ansitzenden Varroen nutzen.
    Ich nehme auch mal an das die Carnica in der Zeit nicht ganz brutfrei werden sondern nur stark reduzieren. Dann ist das auch irgendwie suboptimal außer als Blockbehandlung.
    Kurzum gleich erstmal Schwammtuch drauf pappen wobei man ja vielleicht auch etwas warten sollte bis die Brut aus der Linde halbwegs ausgelaufen ist oder?
    Ist im Umkehrschluss eine Biene die störrisch weiter brütet in dem Fall nicht besser dran?
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Ist im Umkehrschluss eine Biene die störrisch weiter brütet in dem Fall nicht besser dran?

    Ja, die verhungert dann und das geht schneller und soll angeblich nicht so weh tun. Oder sie frißt dem Imker sein Honig wieder weg oder braucht Zwischenfütterung mit Zucker die dann weitere Trachtnutzung ausschließt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder