Verdeckelter Honig mit 19% Wassergehalt

  • Hallo zusammen,
    ich habe da mal wieder eine Frage an unsere erfahrenen Imker!
    Wie geplant, habe ich gestern meine Honigräume mit Robinientracht geschleudert. Meine letzte Kontrolle mit dem Refraktometer aus dem unverdeckelten Bereichen der Waben, ergab eine Restfeuchte von 17% Wassergehalt. Zuhause beim Entdeckeln der Waben, dann die Überraschung. Es zeigte sich sofort beim Entdeckeln das der Honig viel Flüssiger ist, als der unverdeckelte. Eine Messung ergab eine Restfeuchte von 19%-19,5% Wassergehalt.
    Im Mittel komme ich jetzt auf einen Wassergehalt von 18,5% und kann ihn somit nicht als DIB-Honig vermarkten:evil:.
    Wie kommt es das die Bienen den Honig mit einem so hohen Wassergehalt schon verdeckelt haben?
    Ich arbeite mit Segeberger Beuten und offenen Böden.
    Danke schon einmal für die Tipp´s,
    Gruss Jörg.

  • Den Fehler hatte ich auch schon gemacht. Der Honig ist nicht unbedingt reif, wenn er verdeckelt wird,
    sondern er trocknet auch noch nach der Verdeckelung.
    Da Du ja ein Refraktometer hast, solltest Du mehrere Messungen machen. Selbst auf einer Wabe gibt's schon mal größere Unterschiede.

    There are 10 kinds of people. Those who understand binary and those who don't!

  • Hallo Jörg


    Das gleiche Problem habe ich bei meinen Holzmagazinen, bei den Segebergern bin ich mit 17,5% zufrieden aber kein Vergleich zu den HBB mit 16% bei nur 1/3 verdeckelter Wabe. In den Holzmagazinen lasse ich die Bienen schon fast alles verdeckeln, aber ich komme nicht unter 18%.
    In deinem Fall ist es, glaube ich möglich, das Robinienhonig sowieso einen höheren Wassergehalt haben kann ????
    Ich denke da wissen andere noch mehr und genau.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Moin


    Wieder ein schönes Beispiel: Verdeckelungsgrad ist nicht mit Reifegrad / Feuchtigkeit im Honig gleichzusetzen.
    Ausserdem eine Messung ist keine Messung.


    Nächstes mal Löffelprobe, verdeckelten Bereich öffenen und mit testen.


    Wenn der Wassergehalt nun zu hoch ist, diesen Honig besonders gut behandeln, extrem weich rühren, und in Neutralgläser abfüllen.
    Eigenes Etikett drauf und für 1,5 fachen Preis des DIB Honigs verkaufen.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Danke schon einmal für eure Antworten, zum Thema DIB: ich vermarkte größtenteils in neutralen Gläsern! Hatte nur leider als Neuling mir 200 Gläser andrehen lassen, die ich nun noch loswerden muß.
    Ich werde nun beim nächsten mal wirklich mehrere Proben auf der Wabe machen. Ist es denn wirklich so das der Honig unter der Verdeckelung noch an Feuchtigkeit verliert? Ansonsten müsste ich ja die Verdeckelung noch einmal aufreißen damit die Bienen den Feuchtigkeitgehalt noch einmal weiter senken.
    Gruß Jörg

  • Im Mittel komme ich jetzt auf einen Wassergehalt von 18,5% und kann ihn somit nicht als DIB-Honig vermarkten:evil:


     
    Moin,


    wenn Du doch im DIB-Glas vermarkten willst mußt Du einfach so lange an der Justageschraube im Refraktometer drehen bis der Honig knapp unter 18% hat. Das kann doch so schwer nicht sein. Das lernt man doch von alten Hasen ...


    Grundlegender Fehler bei der Honigernte ist die Ernte am Ende der Tracht. Außer beim Raps, wo's nötig ist weil der fest wird, ist es geschickter am Begin der neuen tracht zu schleudern. 1. verbrauchen die Bienen das dünne, weil von draußen weniger rein kommt aber benötigt wird und 2. reift der Honig auch in verdeckelten Zellen noch nach.


    Es ist also durchaus sinnvoller zu riskieren, daß die aktuelle Ernte durch die Folgetracht verunreinigt wird, als zu riskieren, daß die Völker hungern und der nasse Honig die Eimer sprengt. Geduld ist hier eine Tugend.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ich werde nun beim nächsten mal wirklich mehrere Proben auf der Wabe machen. Ist es denn wirklich so das der Honig unter der Verdeckelung noch an Feuchtigkeit verliert? Ansonsten müsste ich ja die Verdeckelung noch einmal aufreißen damit die Bienen den Feuchtigkeitgehalt noch einmal weiter senken. Gruß Jörg


    Hallo Jörg,
    mach' Dir ein Mal die Mühe und entnehme aus einer verdeckelten Honigwabe mit Hilfe von dünnen Hölzchen eine Serie von Proben aus einzelnen Wabenzellen.
    Bei mir kamen Werte von 15% bis 19% vor, bei einem reifen Honig. Jede Wabenzelle war etwas anders.


    Seither messe ich erst im Eimer. Die Parameter Trachtende, Verdeckelung, Spritzprobe, Faltenwurf des fließenden Honigs müssen natürlich stimmen.
    Auch ein reifer Robinienhonig läuft nicht ganz wie Wasser.


    Verdeckelte Waben reifen nach, das habe ich mal erfragt im Bayerischen Fachzentrum Bienen, bei der Chefin Frau Dr. Schaper. Ihr glaube ich das :-)


    Weiterhin guten Honigfluss wünscht Bienen-Freund